Logbuch

Das Virus erreicht die Throne. Da hilft keine Propaganda. By the way: Ganze 54 Kommilitoninnen und Kommilitonen haben sich für mein Seminar im Wintersemester angemeldet; eigentlich eine gute Nachricht. Aber wir werden uns nur über Zoom virtuell sehen und hören können. Thema: PR gegen die Pandemie? Mit Fragezeichen. Ach so, ja, ich rede nicht von STUDIERENDEN (w/m/d), weil es, gerade in diesen Zeiten, ernsthaft Mitkämpfer sind, das meint nämlich das Kom (zusammen) militare (kämpfen). No gender gaga.

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Dazu, was man da aus den USA und aus GB an Spitzenpolitiker Einlassungen vernimmt, an vulgärer Demagogie und mangelnder Würde im Umgang, dazu ist nur noch SCHWEIGEN angemessen. Von wem stammt eigentlich der Begriff „Erkenntnisekel“?

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BERÜHMT in Zeiten von PEST & CHOLERA.

Gestern habe ich einen der Herausgeber der Hauptstadt-Zeitung getroffen, bei Manufactum. Er hat, schien mir, etwas zugenommen. Sebastian T. machte mir, sehr nett, ein Kompliment zu meinem englischen Sacco. Kürzlich traf ich bei Lacoste, dem Hemdenladen, die Brüder G. Einer der beiden, Thomas G., in Begleitung seiner neuen Frau, mit der er sehr glücklich sein soll, sagt die Yellow Press; habe mich ihr kurz vorgestellt. Beim Rasten auf der A2 sah ich neulich den Sänger jener Kölner Mundarttruppe, die sich nach ihrem Vater benannt hat; seine Begleitung schwadronierte, dass sie einen neuen Hund kriegen. Wolfgang N. wirkte, wohl ob dessen, eher gequält. Wen man so alles trifft, wenn man auf der Piste ist. Und? Nun, ich habe alle erkannt, obwohl wir alle eine Alltagsmaske korrekten Ausmaßes trugen und vorschriftsmäßig Abstand hielten. Das ist das neue VIP: Man hat es geschafft, wenn man trotz Maske auf der Straße erkannt wird.

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STOLZ.

Der Mensch ist vielleicht kein Herdentier, aber ein Gruppenwesen. Gleich und gleich gesellt sich gern. Ebenbürtigkeit. Im Englischen spricht man deshalb von peer groups.

Worauf Menschen stolz sind. Zum Beispiel ihren Beruf. Ich wurde vor vierzig Jahren in einem Bewerbungsgespräch ernsthaft vom einem Vorstand des einstellenden Unternehmens gefragt, auf welchem Pütt mein Großvater war. „Neue Hoffnung!“ „Ah“, sagte er, „GHH!“ und ich war drin. GHH stand für Gute Hoffnungs Hütte in Sterkrade. Guter Laden, fand er.

Es soll sowas bei Landsmannschaften geben, bei Religionszugehörigkeit, bei Parteibuch oder studentischer Verbindung. Erstaunlich wie vordergründig. Ich war frisch promoviert; er hätte mich nach meiner Dissertation fragen können. War ihm egal. Der Pütt (von engl. pit; Bergwerk) musste stimmen. Gemeinsamer Stallgeruch verbindet. Aus dem gleichen Stall, das riecht man also.

Heute versucht Personalpolitik solche Milieus durch den Vorsatz der DIVERSITÄT zu verhindern. Solche Vielfalt kann man nur vorsätzlich, sprich durch gezielte Auswahl erreichen. Überlässt man das dem naturwüchsigen Prozess greift die Selbsterhaltung des alten Systems. Bei Luhmann: Autopoesis. In den Bergbau zogen niemals Frauen ein, jedenfalls nicht untertage. „Frauen im Pütt bringen Unglück!“ Das war strikte Regel. Ausnahmen nur in der Kohlewäsche, aber dann auch nur eher ungern.

Die vorsätzlich erzwungene Vielfalt mischt die Stallgerüche nicht, es erzeugt einen neuen, zwar synthetischen, aber eben im Sinne der DIVERSITÄT. Da dann alle Milieus präsent sein sollen, also jede Diskriminierung erkennbar vermieden, entsteht eine neue Kultur nach einem symbolischen INKLUSIONS-GEBOT. Und der STOLZ müsste sich dann an etwas anderem entwickeln als der alten Gleichförmigkeit.

Mir fällt auf, dass in diesen neuen diversen Gruppen alle die gleichen weißen Turnschuhe (sagt man das noch zu sneakers?) anhaben, alle genau die gleichen. Darauf ist man wohl stolz.