Logbuch

LUSTGARTEN.

Gärten sind ein Spiegel des Lebens. Zeig mir Deinen Vorgarten und ich sage Dir, wie es um Deine Kultur bestellt ist. Wer Schottergärten anlegt, sammelt im Keller Frauenfüße. Mein Ernst.

Der englische Landschaftsgarten war schon immer ein gigantisches Unternehmen Kitsch. Es wurde der bäuerlich genutzte Grund an einem Herrenhaus umgewidmet in ein Postkartenmotiv der Idylle. Auf den kalten Inseln der kalten britischen Kaufmannsseelen entstanden mediterrane Paradise, in Andeutungen.

Da der Seehändler ihrer Majestät aus den fernen Kolonien seltene Pflanzen mitbrachte und man sich der Gartenkünste rühmen wollte, entstand hier jene Natur, in der wir auf indischen Bänken chinesischen Tee trinken und Gurkensandwiches zu uns nehmen. Der deutschen Unterschicht als Rosamunde Pilchers Gefilde geläufig. Die Gärtner der Idylle brauchten ein mutiges Herz und eine scharfe Schere.

Das Hobby von Adel und Großbürgertum wurde in den „cottages“ zur Attitüde. So blüht im Englischen der Gartenwahn in jeder Nische. Auch meine Gärten sind ein kleinbürgerliches Flickwerk von Rand- und Reststücken, das Fundstücke aus Baumärkten und Baumschulen bevölkern. Zehn Ginkgos ganz unterschiedlicher Vitalität, karge Stöckchen, denen der Nachbarbaum das Wasser nimmt, und auch ein stolzer Solitär, der sich an die Zehn-Meter-Marke macht. Viele der Gesellen weiß ich gar nicht zu benennen, einige gar Folge der Selbstaussäens, wohl mittels Vogelkot.

Andere, die ein früherer Gärtner jedes Jahr auf‘s Neue fällen wollte, etwa, weil deren Blätter nicht verrotten (Walnuss), die ich tapfer verteidigte. Der Kollege Nussbaum hat jetzt mehr als einen Meter Stammesumfang und verschattet den Nachbarn. Ha! Recht so.

Zwei kleine Teiche, 23 Fische, jedenfalls bis gestern. Katzen der Nachbarschaft bejagen die. Ein Marder, den ich zu bejagen suche, vergeblich; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Die Birne, von mir gepflanzt, gefällt mir, obwohl rätselhaft. Kerzengerade, von unten bis oben dicht mit Blüten und Blättern, aber keine Krone. Mein Gärtner sagt: „Die wird was; das sind Tiefwurzelnde!“ Tjo, wer will schon Flachwurzler. Im Garten wie im Leben.

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AUSZUROTTENDES.

Eine junge Journalistin sagt, was eh klar ist, dass die grüne Politik eine Lobby hat, die leugnet Lobby zu sein, und wird im Netz mit Hass überzogen. Man dürfe das Klima nicht leugnen. Wetter-Voodoo.

Ein von mir geschätzter Meinungsjournalist nutzt in einem Interview die Formel „I hate to say the obvious“, um es dann zu tun, das Offensichtliche auszusprechen. Es gibt da eine eigene Konkurrenz unter den Kolumnisten, die nach der ganz besonderen Ansicht zu streben sucht. Nun gut, aber das ist auch das Hobby der Irren.

Das kann ja belebend wirken, wenn die Dinge des Lebens mal aus neuem Blickwinkel betrachtet werden. Apokalypsen für jedermann. Und die MEINUNGSFREIHEIT gewährt dazu das Recht. Auch Voodoo geht. Irgendwie scheint mir das aber aus der Zeit gefallen. Mein Bedarf nach fundamentalen Wahrheiten ist größer.

Den ideologischen Irrungen der Apokalyptiker steht etwas entgegen, das man COMMON SENSE nennt, im Deutschen als „gesunder Menschenverstand“ nur schlecht ausgedrückt. Nennen wir es ALLTAGSVERSTAND oder mit Kant „Urteilsvermögen“, was man gerne dem Bauch zu ordnet, wenn die Phantasie Flausen nachgeht.

Ich bin eigentlich eher zögerlich bei der Auslobung des Plausiblen, weil die Wissenschaft gerade dort wertvoll ist, wo es um „Kontra-intuitives“ geht. Gleichwohl ist das Bodenständige Vertrauen erweckend, das sich über sehr lange Zeit bei sehr vielen Menschen bewährt hat. Ein Urteil gewinnt an Gewicht, wenn es um ein richtiges Maß bemüht ist. Maß und Mitte. Das vor allem vermisse ich beim Wetter-Voodoo.

Widerspruch an Widerspruch. Nun, sehr viele Dinge sind zwar offensichtlich, aber nicht eben gewünscht. Jedwede Religion will dem trotzen, was evident ist. Deshalb hat Marx Recht, wenn er sagt: „Jede Kritik beginnt mit der Kritik der Religion.“

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YU KÄNN SAY YU TO ME.

Das Duzen ist im Deutschen noch immer ein Zeichen der Vertrautheit. Wenn also ein Headhunter einer Besetzungskommission des Bundeswirtschaftsministers eine Kandidatenauswahl vorstellt und der Minister würde einen der Kandidaten duzen, so gäbe es wohl Anlass zu der Nachfrage: "Sie kennen sich, meine Herren?"

Eine Antwort könnte dann sein: "Ja, wir sind zusammen zur Schule gegangen und langjährige Freunde; der Kandidat war zudem mein Trauzeuge!" Daran ist doch nichts verwerflich. Dann hätte ein kluger AR-Vorsitzender in einer AG gesagt: "Wollen Sie sich unter diesen Umständen nicht vertreten lassen, Herr Minister?" Und alles wäre heil.

Den Trick kenne ich von Bundeswirtschaftsminister a. D. Werner Müller, dessen persönliche Freundschaft mir vergönnt war (und nicht nur mir, sondern auch Personen von wirklichem Gewicht), der seinen Staatssekretär als Vertreter in ein Kartellverfahren schickte ("Ministererlaubnis"), weil seine eigene Befangenheit unübersehbar war. Und alles war heil.

Nun ist der AR-Vorsitzende der DENA, die jüngst mit dem Trauzeugen besetzt werden sollte, nicht nur zugleich Staatssekretär in nämlichem Ministerium, sondern auch noch ein Urgestein der grünen Partei, in der er nun wirklich Hinz und Kunz zuordnen kann. Ich kenne ihn noch als Umweltminister in Niedersachsen und Vize-MP; ein kluger und umsichtiger Mann, mit dem ich dienstlich zu tun hatte. Wenn der tatsächlich dadurch zu täuschen war, dass sich der Minister und sein Jugendfreund in der Besetzungskommission siezten, dann staune ich.

Übrigens habe ich mal als Verleger ein Buch von Werner Müller (siehe oben) verlegt. Und Müller sagte bei mehreren Gelegenheiten unaufgefordert, das Honorar sei anständig gewesen. So macht man das.

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GREISE WEISE.

Der gnadenlose Spott des Donald Trump über die Altersschwäche seines Amtsvorgängers „Sleepy Joe“ Biden ist uns noch in Erinnerung, da wir Symptome fortgeschrittenen Alters bei ihm selbst präsentiert bekommen. Bei indigenen Völkern soll der Stammesälteste der höchste Würdenträger sein, weil man mit dem Greisentum die Erwartung höherer Weisheit verbindet; es kann aber sein , dass dies einer der vielen Mythen ist, die wir dem unsäglichen sächsischen Schwätzer Karl May zu verdanken haben. Ich verspreche mir von alten Männern wenig Weisheit. Auch meine generelle Vorliebe für Frauen endet, wenn diese zunehmend senil. Mutti ist eine unwürdige Greisin.

Ich erinnere von den Besuchen bei meinem fast hundertjährigen Vater in einem ganz ordentlich geführten Altenheim und von dessen Insassen, dass Zustände der Altersdemenz kein Vergnügen, jedenfalls keine Auszeichnung Gottes für große Urteilskraft. Er selbst lebte im Zwist mit der Tatsache, dass er, wie er völlig klar sagte, keinen Speicher mehr habe. Alter als Last. Trotzdem verehren wir an Konrad Adenauer, dass er sein Amt als erster Bundeskanzler 1949 mit 73 Lenzen auf dem Buckel antrat, das Attribut „der Alte“; er galt noch immer als Fuchs, da er mit 87 Jahren sein Amt verlor.

Gehen wir das Thema vom anderen Ende an. Wann ist ein Heranwachsender volljährig? Früher mit 21, dann 18; jetzt wird von einem Wahlrecht ab 16 gesprochen. Das dürfte übrigens der AfD weiteren Zuwachs verschaffen; das ist aber, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Kipling ist übrigens mit dem Gedicht „If…“ berühmt geworden, in dem er die Konditionen aufzählt, die seinen Sohn zum Mann machen würden:

„Wenn du mit Menschenmengen reden und deine Tugend bewahren kannst,
Oder mit Königen wandeln kannst – ohne den Kontakt zum einfachen Volk zu verlieren, Wenn weder Feinde noch liebende Freunde dich verletzen können, Wenn alle Menschen für dich zählen, aber keiner zu sehr; Wenn du die unbarmherzige Minute ausfüllen kannst Mit einer Distanz, die sechzig Sekunden wert ist,
Dann gehört dir die Erde und alles, was darauf ist,
Und – was noch mehr ist – du wirst ein Mann sein, mein Sohn!“ Na ja, er verlor ihn in dessen ersten Fronteinsatz; nie verwunden.

Womit wir bei LONGEVITY sind, der Fähigkeit, der Natur ein Schnippchen zu schlagen. Im Hintergrund singt Bob Dylan „Forever young“, während faltige Greise Körner fressen, Blut tauschen und am Ende gar Organe. Wie irre die permanent Pubertären peinlicher Opas sind, lernt man, wenn sie von ihren Wünschen erzählen, nicht nur das Altern aufzuhalten, sondern es umzukehren. Der VIAGRA-Wahn, sein Wasser nicht mehr halten können, aber auf Erektionen hoffen. Meist beginnt es mit dem Austausch der Partnerin, die nun entfernteren Generationen entnommen wird. Einige werden mit achtzig noch schwul. Soll sein, mir egal.

Ich erwähne abschließend, dass ich so alt bin, wie Adenauer bei Amtsantritt und für geeignete Angebote offen. Kann mal jemand den Dylan lauter drehen?