Logbuch
AUTONOMES FAHREN.
Wenn das Auto automatisch fährt, nennen die TESLA-IDIOTEN eben dies autonom. Na gut, aber es wird klappen. Auf Autobahnen und unter 80km/h.
Kein Computer der Welt kann kalkulieren, was man machen muss, wenn ein Rentner in einem Opel aus Erfurt mit 47 km/h die Spur wechselt und sich von hinten ein Zahnarzt in einem Porsche aus Immendingen mit 240 km/h nähert, während ein Laster aus Mladá Boleslav mit Tempomat auf 110 km/h auf seinen Vordermann aus Krakau auffährt, der gerade seine Kaffeekanne mit sehr heißem Gebräu über die eigene Hose gegossen hat.
Automatisierung heißt Reduktion von Komplexität, insbesondere Standardisierung von Abläufen. Weniger Varianten. Das geht nicht in Innenstädten, in den auch nachts unbeleuchtete Fahrräder mit drogengestützten Anarchos wie wild durch Fußgänger und Autostaus donnern und hinter LKWs herrufen „Abstand!“, bevor diese sie im toten Winkel unter die Räder nehmen.
Ich bin gegen Tempolimit; aus Prinzip. Und ich weiß, es wird kommen. Weil beim AUTONOMEN FAHREN der Rechner das Sagen hat und der kann anders gar nicht arbeiten. Egal, was die FDP sagt. Computer können nicht das Berliner Chaos. Und das Berliner Chaos kann nicht Computer. Deshalb war es ja auch völlig vermessen, hier einen Flughafen betreiben zu wollen. Dieses ist die Stadt vom BIMMEL-BOLLE. Der lieferte eine Glocke läutend Milch mit Pferdekarren aus. Und aus.
Lehrsatz der Kybernetik: Ab einem gewissen Komplexitätsgrad der Regelstrecke ist dies nicht mehr durch eine Erhöhung der Komplexität des Reglers aufzufangen. Satz vom Regelparadox.
Logbuch
WOHLSTANDSTROTZ.
Selten genug, dass man einer Pressemeldung der Polizei einen erhellenden BEGRIFF entnimmt. Die Impfidioten zeigten WOHLSTANDSTROTZ, sagen klug die Bullen.
Sie erleben, von unnötigem Ärger bis zum blanken Terror, VERÄNDERUNGSVERLIERER, die der Gang der Geschichte ins Irre verlockt hat. Dazu legen landsmannschaftliche Charaktere wohl eine besondere Grundlage. Man hört solches aus Schwaben und aus Sachsen. Begrifflich: Kleinbürgerliche Reaktanz mit subproletarischer Weiterung. Mob. Faschos. Weiter ergründen will ich das gar nicht. Wir im Pott (rheinisch-westfälischer Stadtbezirk, Montanindustrie, Knappschaft) sind anders. Wäller (die mit dem kalten Wind) wohl auch.
Jetzt eine Funktionärin von VERDI im Berliner Fernsehen, die Pflegekräfte vor der Zumutung schützen will, sich gegen Corona impfen zu müssen; wohlgemerkt professionelle GARANTEN der Gesundheitsversorgung. Ich kenne einen Fall, in dem eine Mutter im öffentlichen Impfzentrum unmittelbar vor der Impfung mutwillig infiziert wurde, weil die dortige Medizinische Fachangestellte darauf verzichten zu können glaubte; kein leichter Verlauf, knapp genesen.
Dann ist einem nicht mehr nach Felix Navidad oder Lars Kristmess. Eher nach Herr Rhodes.
Logbuch
ERSTE ADRESSE.
Über einen Rechtsanwalt mit sehr berühmten Mandanten heißt es: er habe eine Kanzlei am Ku-Damm. Das gilt in Berlin als erste Adresse. Sie ist teuer. Wem nützt das?
In Düsseldorf heißt die erste Adresse Kö. Und in Frankfurt ist man an der Alten Oper. Die Olympe der Metropolen. Scheisser Scheiss. Als Kunde lerne ich so, dass die Gemeinkosten meines Dienstleister sehr hoch sind. Als kluger Kunde weiß ich ferner, wer das bezahlt. Ich. Wie doof kann man sein? Oder: Wie eitel? MARMOR ist das Fanal der ANALOGEN. Das war gestern.
In der Kulturszene New Yorks entstand der Begriff vom Off-Broadway für jene, die noch zu kämpfen hatten. Es gab auch den Off-Off-Broadway. Da stimmten die Kosten. Ku-Damm ist nach wie vor top, nicht so sehr bei Theatern (Touristenbumms), aber bei Boutiquen und Kanzleien. Der zu Eigenlob begabte Berliner Anwalt, dem die illustre Mandantschaft nachgesagt wird (er betont in der Presse, dass er nicht Prommi-Anwalt genannt werden möchte), hat im zweiten oder dritten Stock, ich erinnere mich, obwohl ich mich da hoch geschleppt habe, nicht mehr genau, diese Kanzlei, und zwar mit einer repräsentativen Bibliothek im Besprechungsraum. Ich gehe dran lang und lese meinen Namen, eines meiner Werke darunter. Alles gut. Geht doch.
Erste Adressen in allen Metropolen? Unter den großen PR-Agenturen wird gerade die Auflösung der Standorte ventiliert. Man behauptet, mit einem leichten Hauch des Kontrafaktischen, das liege daran, dass man geschäftlich so erfolgreich sei, dass man das Wachstum anders nicht mehr schaffe. Hmmm. Es hat nichts damit zu tun, dass die Belegschaft wegen der Pandemie ins HOME OFFICE verdammt ist und man merkt, welche Kosten das spart? Immer schon hat diese Branche hinter den edlen Fassaden von Schwarzarbeit gelebt und prekär entlohnten Freien oder Praktikanten. Jetzt erst recht.
Aber das Eigenlob ist notorisch, mal mehr, mal weniger verdruckst. Ich mache darüber im nächsten Semester als Honorarprofessor ein Seminar. Nennt sich akademisch: AUTOÄSTIMIERUNG. Meine Frau Mutter fand, unermüdlich mit dem beschäftigt, was sie für Erziehung hielt, es stinkt, das Eigenlob. Eine lebenskluge Frau.
Logbuch
Vom Ende der Politik: Wenn die Ossis wie die Ösis regieren
Nichts ist von sich aus ein Politikum. Zum Politikum wird eine gemeine Frage dadurch gemacht, dass man sie übertreibt und damit als strittig und schließlich als entscheidungsbedürftig darstellt. Man kann nicht für oder gegen den Mond sein oder Haferschleim; deshalb ist der Mond auch kein Politikum. Haferschleim kann ein Politikum werden, wenn er beispielsweise am Veggie-Day im Rahmen grüner Zwangsernährung statt der verdammungswürdigen Eier mit Speck verabreicht wird. Wenn eine Tugenddiktatur entscheidet, dass Massentierhaltung ein Verbrechen ist und die Zivilisation bedroht, so dass der Bürger in die Grütze gehört, dann ist Porridge plötzlich ein Politikum.
Eine Sache zum Gegenstand von Politik machen zu wollen, heißt für Demokraten, sie in den Worten der Schweizer „vor das Volk zu bringen“, sprich einer Entscheidung des Souveräns anheimzustellen. Zu diesem Zweck kann man sie nicht als leidenschaftslose Melange von allerlei Vor- und mancherlei Nachteilen darstellen. Die anstehende Frage ist zu radikalisieren in eine Alternative, die man mit Ja oder Nein zu entscheiden bereit ist. Politik heißt, den Wähler vor Alternativen zu stellen. Haferschleim oder Schwein? Du bist, was Du isst. Öko oder Sau? Schwarz oder weiß, kein Larifari in den Tönen des Grau. Oft habe ich damit mit Johannes Rau, dem ersten Groß-Genie des Ungefähren, gestritten, dem das Versöhnen so am Herzen lag, mir das Spalten.
Jede Politisierung übertreibt einen Abwägungstatbestand so, dass er als Alternative nach einer Entscheidung schreit. Der Frage, ob das von der Sache her immer angemessen ist, mag man nachgehen in den Hörsälen und Redaktionsstuben; in den Parlamenten und draußen auf den Marktplätzen muss man auf einen groben Klotz einen groben Keil setzen können. Zwischentöne sind nur Krampf im Klassenkampf. Politik polarisiert. Dazu braucht es Mut, vielleicht sogar eine gewisse Kühnheit oder gar Draufgängertum. Politik ist kein Beruf für Warmduscher und Oberbedenkenträger.
Politik steht immer und überall im Generalverdacht, das Volk in die Grütze zu schicken. Volksverführung ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Der Wähler weiß das. Der Inhaber meines italienischen Restaurants erzählt mir, er habe seinen kalabresischen Koch gefragt, was er gewählt habe. Berlusconi, war die Antwort. Ein Verbrecher, weißt Du das nicht? Doch, na klar, aber er redet so schön. Niemand stellt ernsthafterweise einen Wahrhaftigkeitsanspruch an Politik. Trotzdem gibt die Kaste der Politiker ein Wahrheitsversprechen. Wahrhaftigkeit ist nicht das gleiche wie Wahrheiten, und selbst davon stimmt nur die Hälfte, ein Fünftel ist schlicht gelogen. Und so beginnt das Spiel, in dem wir sie beim Lügen erwischen wollen und nach Hause schicken. Sie versuchen, sich nicht erwischen zu lassen.
Die auf Zeit verliehene Macht kontrollieren Parlament, Medien, Öffentlichkeit. Sie politisieren auch jene Politik, die sich als alternativlos inszeniert und so der Kontrolle zu entziehen versucht. Im Parlament fällt die Aufgabe der Machtkontrolle eigentlich allen Abgeordneten zu, die ja jeder nur ihrem Gewissen verantwortlich sind, vor allem aber der Opposition. Eine große Koalition, die eine überbordende Mehrheit der Parlamentarier zu Unterstützungstruppen der Regierung degradiert, pervertiert das parlamentarische Konzept. Wenn der schleimige Ost-Anwalt Gysi und die trübe Pfarrersgattin aus Thüringen die Opposition sind, kann die Regierung ruhig schlafen.
Quelle: starke-meinungen.de