Logbuch
EINE ZENSUR FINDET STATT.
Weil er einen harmlosen Bildwitz über einen Politiker geteilt hat, ist ein Bürger einer Hausdurchsuchung unterworfen worden und sein Laptop beschlagnahmt. Die vermeintliche Straftat war durch eine private Firma in einer systematischen Suche in Netz entdeckt worden und zur Anzeige gebracht. Die bayerische Justiz erkannte eine Schwere der Tat, die die massive Verletzung der Privatsphäre angebracht erscheinen ließ. Wg. Schwachkopf.
Der Politiker hat seinen Strafantrag bis dato nicht zurückgenommen, obwohl er seine ironische Verbindung mit einer Werbung für Frisörbedarf und die Verballhornung als Schwachkopf selbst öffentlich als minderschwer bezeichnet hat. Die hier agierende Staatsanwaltschaft bestätigte der FAZ, dass allein dieser Witz Auslöser und Gegenstand der Ermittlungen war; rassistische Vorwürfe wurden entgegen den irreführenden politischen Verteidigungsversuchen der McCarthy-Nummer explizit nicht erhoben.
Es geht mir nicht um Wahlkampf. Dies ist ein Fall von Strafermittlung als Strafe, vulgo der Politischen Polizei; und das wiederum ist rechtspolitisch nicht unerheblich. Von dem Politiker gibt es angeblich rund 800 solcher Anzeigen, von seiner Kabinettskollegin weitere 500. Die Justiz hat ja sonst nichts zu tun. Für die Law Firm, die das gegen Honorar betreibt, ist damit faktisch als „Agentur im Kampf gegen Rechts“ geworben. Eine weitere Kabinettskollegin hält es für strafwürdig, wenn man als Bürger Politik verlächerliche. In England sitzen Bürger wegen solcher Witze im Knast. Das propagandistische Paradigma ist die staatliche Verfolgung von Hass-Kommentaren aus dem rechtspopulistischen Milieu.
Jetzt mal weniger gedrechselt: Dem Recht eine Gasse, den Rechten klare Kante. Alles gut. Aber das hier ist Rechtsmissbrauch. Das Motiv? Man verübelt dem Volk seine große Lust am Witzereißen (Heine). Und hinter dem Rollenbild eines süßlichen Charmebolzen nach der Art eines JFK zeigt sich ein anderes Gesicht. Ich erläutere diesen Janus-Kopf nicht weiter; ich weiß ja jetzt, dass mitgelesen wird. Mit Köpfen soll man besser vorsichtig sein. Denn eine Zensur findet statt.
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KRÖNUNGSRITUALE.
Meldungen tief aus dem Bauch der Macht. Wenn Franz Müntefering die Stimme erhebt, dann weiß seine Partei, dass es ernst wird, weil sich nun das Unterste nach oben kehrt. Ich erinnere noch, wie die Sozialdemokraten um Gerd Schröder seinen Einfluss aus den Gedärmen der Partei fürchteten.
Dies ist jene Partei, in der Oskar Lafontaine mit einer einzigen Rede der Begeisterung den notorischen Langweiler Rudolf Scharping kippte. Jetzt wieder der Ruf aus den Hinterzimmern schlechter Lokale nach einem Parteitag. Man will den Scholzomaten durch Boris Pistorius ersetzen, obwohl dieser für den Wähler nur eine Chiffre ist. Ich werde mal Doris fragen.
Das ist ein Trauma aller Parteien; die Grünen haben es aber mit Bravour geschafft, die Nominierung eines Kanzlerkandidaten im Format von JFK, kein Körper, ganz Seele der Mann. Helmut Kohl hat mir mal erzählt, wie er unter größten Schmerzen einer Harnverhaltung einen Parteitag nicht verlassen wollte, da er wusste, dass er dann erledigt sei. Selbst er sah sich dort von Meuchelmördern umgeben.
Nun also geht es den lieben Olaf, dem Kanzler des Doppel-Wumms, an die Eingeweide; sein Vorgänger Sigmar Gabriel fordert offen dessen Demission. Die tief irritierende Saskia Esken befördert das, indem sie ihm Treue schwört. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.
Die AfD hat eine Kanzlerkandidatin, das Bündnis Sahra Wagenknecht auch und die Union? Ach ja, Friedrich Merz; ist der schon gesetzt als kluger Kopf und Heilsbringer im Kanzlerwahlverein namens CDU? Die FDP wird nicht anders können als mit dem geschassten Finanzminister anzutreten, da ist Christian Lindner durch den Rufmordversuch von Scholz gesetzt.
Noch Fragen? Wie bitte? Was eine Verhaltung im Urologischen ist? Jetzt bitte ich Sie aber.
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DOOF.
Der Satz, dass nichts doofer ist als Hannover, der stammt von jemandem, der noch nicht in Osnabrück war. Aber dazu später. Darf man das? So apodiktisch feststellen, dass etwas oder jemand doof ist? Ist das eine Meinung oder eine Tatsachenbehauptung? Am Ende gar eine Beleidigung? Das weckt den Pauker in mir. Also der Reihe nach.
Lehrer sind nicht beliebt. Niemand mag Pauker. Die Pädagogik riecht nach Bevormundung durch Besserwisser. Und sie gelten als faul, die Klugscheißer. Das ist ein bitteres Unrecht. Da ich ausgebildeter Pauker an einer Penne war und ein Vierteljahrhundert Honorarprofessor (die heißen so, weil sie keins kriegen), will ich dazu etwas sagen. Es geht mir um die „deformation professionelle“, die charakterliche Entstellung durch den Beruf. Da gibt es eine fahrlässig leichte Handhabung mit diesem Urteil.
Es gibt bei Paukern den „pädagogischen Eros“, der die Zuwendung zum Menschlichen meint; man muss mit Kindern und Jugendlichen können wollen und können können. Das bedarf der Empathie, aber auch der intellektuellen Einsicht, dass Emanzipation vorgibt, was sie zu erreichen denkt. An diese Güte von Lehrern erinnern sich Schüler ein Leben lang. Es gibt aber auch das Gegenteil dessen, den „pädagogischen Thymos“, meint Zorn. Die Unglücklicheren unter uns haben auch unter Paukern gelitten, etwa dem Unrecht falscher Zensuren. Ich habe auch „Fünfen und Sechsen“ gegeben, erinnere mich aber bis heute an die Tränen der so abgestraften Schützlinge. Ach, wie bitter.
Das alles gesagt habend, postuliere ich: Geborene Pauker können Dummheit riechen. Respektive hören. Mir gehen schon bei einer bestimmten Tonlage die Nackenhaare hoch. Nun muss man in diesen Zeiten bei der Identifikation von Schwachköpfen vorsichtig sein; es könnte sein, dass die politische Polizei morgens um sechs auch bei Pädagogen zur Hausdurchsuchung erscheint. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Ich will darauf hinaus, dass die kognitive Minderbegabung („Schwachkopf“) keine Kategorie der moralischen Eignung ist. Ich kenne blitzgescheite Politikerinnen, die ich moralisch für zweifelhaft und politisch für völlig verwerflich halte. Mit dem umgekehrten Fall habe ich allerdings meine Probleme. Was da strunzdumm ist, aber moralisiert, das scheint mir deshalb nicht politisch empfehlenswert. Bisher ausgelassen ist zudem die Frage des Affektiven, der Herzensbildung. Es gibt Intelligenzler, die emotionale Krüppel sind und das politisch zu überspielen suchen. Auf eine andere Art doof.
So, jetzt zu Osnabrück. Hier war ich mal bei einem Stahlkocher zu Gast, der über einen anderen Spitzenmanager sagte, der sei intelligent, aber nicht klug. Das fand ich schlau. Bis heute behalten. Ansonsten kommt von hier der tragisch gescheiterte Bundespräsident Christian W., Opfer einer veritablen Kampagne und einer äußerungsrechtlichen Rechtsberatung geringen Erfolgs, to say the least. Na ja, und die beiden Kanzlerkandidaten der SPD kommen von hier. Aus dem Umland auch solche anderer Parteien. Kühe, Schweine, was haste.
Werde ich mich jetzt dazu wertend äußern? Nein. Als Pauker habe ich übrigens nicht nur ein „mangelhaft“ bei Minderleistung vergeben, sondern auch eine Sechs („ungenügend“), aber nur bei Täuschungsversuch. Das mal der Politik als Warnung.
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Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun?
Politik als Beruf? Beruf aus Berufung? Tugend der Pflichterfüllung? Unterbezahlt, aber unbeugsam? Was für ein idiotisches Deutschtum.
Da lobe ich mir die angloamerikanische Ansage: We are in it for the money. Wenn es das Amt nicht bringt, so doch die Geschäfte, die man anschließend mit dem Amtsbonus machen kann. In God we trust, the rest pays cash! Es gibt nur zwei „ehrliche“ Motive, die die Triebe der Menschen bestimmen: Sex und Macht. Geld ist das Mittel zu beidem. Alles andere ist protestantische Staatsethik, sprich Doppelmoral. Punkt. Trotzdem redet die Nation von Skandal, wenn sich Politiker mal selbst belohnen. Am lautesten tönen jene kleinen Geister, die für sich selbst eine „work-life-balance“ fordern, sprich Müßiggang.
Der mögliche Aufstieg von Herrn Pofalla irritiert die Öffentlichkeit. Nach seinem Dienst als Kanzleramtsminister will er nun angeblich Vorstand der Bahn AG werden. Und eine Familie gründen. Ich verstehe das. Herr Pofalla wohnt in Berlin über meiner Stammkneipe. Während ich in tiefer Nacht schon beim zweiten oder dritten Glas Wein bin, kommt der junge Mann nach Hause, schwer bewacht und sicher todmüde. An Samstagen sehe ich ihn manchmal Plastiktüten schleppend vom Einkaufen kommen, begleitet von einer sehr jungen Frau. Jetzt also Beruf und Familie. So geht eine bürgerliche Existenz.
Der mögliche Abstieg von Herrn Asmussen irritiert die Leute auch. Der Mann war immerhin EZB-Direktor und soll jetzt bei Arbeitsministerin Andrea Nahles als Staatssekretär dienen. Das beruhigt die Nation, weil man dann sicher ist, dass das Haus von Frau Nahles nicht ohne Sachverstand bleibt. Beunruhigend scheint vielen seine Begründung. Er wolle sich stärker seiner Familie widmen. Ich verstehe das. Verglichen mit der Belastung von Spitzenjobs in Industrie und bei Banken sind Beamtenjobs ab der zweiten Reihe eher so, dass man Arbeit und Leben ausbalancieren kann. So kommt man wieder zu einer bürgerlichen Existenz.
Die allgemeine Befindlichkeit ist von dem Phänomen geprägt, dass die Wehleidigkeit der Faulen mit Neid gepaart ist. Niemand von den Durchschnittsverdienern, die einen Siebenstundentag durch eine einstündige Mittagspause mit anschließendem Spaziergang in zwei Hälften teilen, die wiederum durch Kaffee am Morgen und Nachmittagskäffchen geviertelt werden, hat auch nur halbwegs eine Ahnung davon, wie hoch die Belastung an der Spitze von Staat oder Industrie ist. Ja, man kommt nicht mal mehr zum Kinderzeugen.
Ein zweites Phänomen ist die Erwartung, die die „nine-to-fiver“ an Politiker richten. Politiker sollen sich pflichterfüllend für das Amt verzehren. Pflicht, Du erhabener Name! So ruft der Preuße gen Himmel und ergeht sich in Sekundärtugenden. Angela Merkel hat ihren Erfolg zu einem guten Teil der Tatsache zu verdanken, dass sie genau diese Erwartung zu bedienen weiß. Es geht ihr um Deutschland. Dem entsprechen ihre protestantisch karge Erscheinung und die bitteren Falten um den verkniffenen Mund. Kein Bunga-Bunga, das die Berlusconis dieser Welt auszeichnet, jene Milliardäre, die sich zwischen ihren Geschäften vor Gericht um die Volljährigkeit ihrer Mätressen kümmern müssen. Bei uns werden die Wulffs gerichtet, die selbst in ihren angeblich Sünden so klein sind, dass es beschämt.
Also sagen wir der Nation: Hört auf mit dieser verlogenen Doppelmoral, ihr Kleingeister! Die Helden haben eine Auszeichnung und ein Ausruhen verdient. Die Jungs wollen jetzt Familienglück und Knete auf dem Konto. Was ist daran falsch? Das ist seit den Buddenbrooks das bürgerliche Glück. Das sei ihnen nun wirklich gegönnt. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt! Es war doch klar, dass die Rolle des preußischen Staatsdieners nur vorgespielt war, eine politische Inszenierung, weil der Wähler in deutschen Landen die Wahrheit nicht verträgt. Warum sollte der teutonische Wähler nun seine Naivität gegen jene wenden dürfen, von deren Posen er sich zuvor hat begeistern lassen?
Quelle: starke-meinungen.de