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So nennen sich die ABERGLÄUBISCHEN heutzutage also: QUERDENKER. Von den Anthroposophen bis zu den Faschisten. Faszinierend und erschreckend zugleich, was die da so vortragen, die zur Masseninfektion bereiten. Stolz verweigern sie die Masken. Die Grundfiguren des Abergläubischen sind über Jahrhunderte gleich: man erträgt den grausamen Zufall und die erbarmungslose Komplexität des Faktischen nicht und sucht hinter dieser banalen Kontingenz des Lebens eine einfache, aber böse Erklärung. Sinn-Sucht. So kommt der TEUFEL in die Welt. So sucht man Hexen, die man verbrennen kann. Plötzlich ist keine Assoziation mehr zu wild, irre, hergeholt, um nicht als Nachweis des Diabolischen dienen zu können. Da sagt in Berlin der eigens angereiste Pforzheimer in eine Kamera: „Dahinter steckt ein Megaplan der Politik. In der Politik passiert ja nichts zufällig.“ Oh, Mann, denke ich. In der Politik passiert das allermeiste planlos. Sich durchwurschteln, das ist die dominante Praxis. Muddling through. Multikausal. Die Geschichte hat vielen Ursachen, vielleicht weniger hübsche als die Herrschenden behaupten; aber sie hat ganz bestimmt keinen Plan. Wer einen Weltgeist vermutet, der muss ja geradezu im Wahnsinn enden. Massenwahn. Jedenfalls einer Minderheit. Das ist die Reaktanz, die eine Politik der Seuchenbekämpfung schon immer gezeitigt hat. Auf dem Plakat des Pforzheimers in Berlin steht: „Tödlich ist nicht das Virus, sondern Angela.“ Hexenwahn.

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OBJEKTIV BETRACHTET.

Ich sinne über die Frage eines Studenten nach. Ob man Donald Trump hierzulande zu wenig objektiv betrachtet habe, will er wissen. Zustimmung eines anwesenden Professorenkollegen: Man solle sich immer bemühen, die Dinge doch möglichst objektiv zu betrachten. Ich zögere. Als Sozialwissenschaftler meiner Prägung hat man die NAIVITÄT verloren, die in diesem Bedürfnis liegt. Man versteht den Wunsch, muss ihn aber für „vorkritisch“ halten. Auf Twitter kommentiert ein deutscher Gelehrter sein berühmtes amerikanisches Pendant. Der Berühmte hatte gesagt, die Verabschiedung Trumps fühle sich an wie eine Teufelsaustreibung. Da stimmt dann der Berliner Prof auf eigenartige Weise zu: die deutschen „Mainstream-Medien“ hätten Trump verteufelt. Mal abgesehen von diesem AfD-Jargon: Kann man zum amerikanischen Rechtspopulismus der letzten vier Jahre eine AUSGEWOGENE Position einnehmen? Die Ära Trump objektiv sehen, also einschließlich ihrer unbestreitbaren Vorzüge? Das eine gegen das andere wägen? Um solche Urteile bemühen sich ja Historiker, jedenfalls die Feuilletonisten unter den Historikern. Las gerade die Besprechung einer Würdigung von Metternich als europäischem Friedensfürsten. Der Metternich vom tanzenden Kongress. Ich hatte ihn für einen bitterbösen Agenten der Reaktion gehalten; war wohl kein objektives Urteil. Tja, wie findet man zu Phänomen der großen Politik ein ausgeglichenes, ein ausgewogenes Urteil? In der DDR war auch nicht alles schlecht, höre ich, insbesondere aus der Nachfolgepartei der SED. Man solle doch bitte zögern, wenn die DDR Unrechtsstaat genannt wird. Wie kann eine Diktatur dies objektiv gesehen nur zum Teil gewesen sein? Mit dem Dritten Reich fange ich erst gar nicht an. So viele Fragen. Also gut: Wenn Joe Biden nicht zum Messias taugt, so aber doch diese Kamela Harris, weil sie Frau ist und Migrantenkind. Ich habe eine brillante und sehr anrührende Rede von ihr gehört; ich war gerührt. Ist das jetzt objektiv? Jedenfalls moralisch erhaben. Man sieht: Nur wer moralisiert, hat ein scharfes Schwert.

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KINDESVERTAUSCHUNG.

Die früher verbreitete Angst, dass Kinder vertauscht worden seien, beruhte auf dem AMMEN-Wesen. Um sich nicht die Brüste zu ruinieren oder auch nur an das schreiende Balg Tag und Nacht gebunden zu sein, gab die sozial hochstehende Mutter häufig den Säugling (!) an eine Amme zu Zwecken des Stillens ab. Um Milch zu haben, hatte diese natürlich eigene Kinder neben den überlassenen Säuglingen. So lag im Vor-Milupa-Zeitalter die Gefahr einer Vertauschung der Hochwohlgeborenen mit ihren Kameraden niederer Herkunft nahe. Zu der Haupttätigkeit des Stillens mag noch eine Nebentätigkeit gekommen sein. Oder umgekehrt. So hieß die Kapitolinische WÖLFIN, die Romulus und Remus, die Gründer Roms, gestillt haben soll, in den antiken Quellen LUPA, umgangssprachlich die Bezeichnung für Freudenmädchen. Romulus und Remus sollen auf eine Vergewaltigung des Kriegsgottes Mars zurückgeführt werden können. Eine Lupa zog sie auf. Ich glaube, es gab sogar den Begriff des Lupanariums für Bordelle. Der römische Mythos der wolfsgestillten Götterkinder geht (wie fast immer) auf einen griechischen Mythos gleicher Erzählung zurück. Und die Bibelfesten unter uns kennen es aus dem 2. Buch Mose. Der kleine Mosche wurde von der Tochter des Pharaos im Schilf des Nil gefunden und an eine Amme gegeben, die aber, wie der Zufall es will, seine leibliche Mutter war. So oder so ähnlich. Jedenfalls waren die Gründer Roms „sons of a bitch“, bevor man im Mittelalter den antiken Mythos politisch korrekt machte und lupa mit Wölfin übersetzte und vorhandene Skulpturen so umgestaltete, indem man die hungrigen Knaben einfach unter Mama Lupa setzte. Fertig war das Narrativ. So wie die Geschichte des Ammenwesens noch geschrieben werden muss, gilt das auch für die Kindesaussetzungen. In Schilfbötchen am Nil oder Tiber oder Gewässern des kriegerischen Sparta wurden sie, die ausgesetzten Edlen, einfach ihrem Schicksal überlassen. Eigenartige Geburtenregelung. Brutale Zeiten.

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Männer ohne Eigenschaften, und ab und zu eine nüchterne Frau

Man stelle sich vor, die FIFA erklärte zum Ende der Fußballweltmeisterschaft, dass jetzt zwar Holland im Endspiel gegen „…schlaand“ gewonnen habe, aber die Entscheidung, wer nun Weltmeisters sei, wäre eigentlich einem FIFA-Statut vorbehalten, nach dem die Regierungschefs aller Nationen noch mal zusammentreten und dann unter sich entscheiden, wer denn nun endgültig gewonnen habe, wobei England dagegen sei, dass der, der gewonnen hat, auch der Gewinner ist und Ungarn den Inglesen beipflichtet.

Nichts kann den Ruf der Mafia oder den der FIFA ruinieren, aber das vielleicht doch. Die deutsche Regierungschefin war zunächst für Holland, hat es sich dann aber nach einem Anruf aus Allensbach noch mal überlegt, und ist jetzt für „…schlaand“, will aber beim nächsten Mal vielleicht gar nicht mehr spielen lassen, sondern gleich England folgen. Der deutsche Wähler war ohnehin fehlgeleitet. Die Sozis boten ihm auf den Plakaten einen Maddin Schulz und die CDU zeigten Angie. Aber die wollte gar nicht nach Brüssel.  Merkel, der Mäander. Zumindest, sag dann einer in der Runde, kein Alk. Welch ein Argument.

Wir sitzen wegen der sommerlichen Temperaturen vor dem A LA MORT SUBITE und genießen unser Bier mit Bessen-Genever, eine wunderschöne Brasserie im alten Bankenviertel der belgischen Metropole. Niemand der Anwesenden ist in der Lage, in drei Sätzen den Unterschied von Rat, Kommission und Parlament zu erklären. Die EU ist ein institutionelles Monster. Wer macht da was? Wen haben wir gerade wofür gewählt? Tumultartige Gespräche. Obwohl wir in Brüssel sind, der Hauptstadt eben dieser EU, allgemeine Verunsicherung.

Vielleicht ist die Metropole der EU aber auch Straßburg, was im Elsass liegt und wo das Bier besser ist, vor allem aber der Wein. Der Elsässer träumt von einem langen Leben bei gutem Essen. Das Paradies ist dort eine „winstub“. Hier in Belgien nennt man Kneipen  „Zum plötzlichen Tod“ und es gibt folgende Biersorten (kein Scherz): Kirsch, Himbeer, Erdbeer, Pfirisch. Und das dunkle Trapistenbier, zu dem uns ein holländischer Genever mit Beerenzusatz („Bessen“) gereicht wird, was das Gesöff zum Likör macht. Wer Kummer hat, der hat auch Likör. Und Erdbeerbier, ich bitte Sie!

Ich kann mir auch nüchtern nicht mal die Namen dieser EU-Politiker merken. Doch, die Außenministerin ist eine Lady Ashton, deren Mimik ich aber nicht qualifizieren werde, weil ich ihren Mann kenne und schätze, eine Größe in der Demoskopie. Und dann ist da noch so ein belgisches Männlein, Rammpeu oder so, der dem Rat vorsitzt. Und dieser geplusterte ewige Portugiese, dem die Franzosen angeblich trauen. Männer und Frauen ohne Eigenschaften. Was ist das für ein Personal? Wer wählt so was?

In der Antike stand dem Idiotischen das Politische gegenüber, als Gegensatz.  Das Idiotische waren Haus und Hof, Erwerbstätigkeit. Das Politische war erhaben. Wenn schon nicht Helden, so doch Ausnahmeerscheinungen, wichtige Figuren der Geschichte, so sollten die Staatenlenker sein. Politiker sind unserem Anspruch nach edle Gestalten, die ihr Leben nicht Idiotischem widmen, sondern der Gestaltung des Gemeinwesens, dem europäischen Projekt.  Sie haben Charisma, das sind seltene Eigenschaften, die ihren Anspruch auf Führung rechtfertigen.

Der Selektionsprozess für die politische Elite Europas scheint nach anderen Gesetzen zu funktionieren. Darwin steht hier auf dem Kopf: survival of the unfittest. Die Evolution erlaubt sich eine Nische. Wer in seinem Heimatland scheitert, der wird nach Brüssel oder Straßburg getrieben. Das mag der Personalpolitik der nationalen Regierungschefs entgegenkommen, die ihre Versager so entsorgen, aber dem Ruf der EU nützt das nicht. In diesem Milieu der Gescheiterten und Verkannten entstehen dann perverse Wünsche, wie dem nach Erdbeerbier oder einem plötzlich Tod, oder beidem.

Das britische Argument gegen Brüssel war immer, dass hier „unelected officials“ wirken, irgendwelche Eurokraten, die niemals eine Wahl gewonnen haben, jedenfalls keine für ihre supranationale Macht. Die Kraft dieses Einwands hat der englische Premier jetzt ein für alle Mal ruiniert, indem er ausgerechnet jenen Kandidaten ablehnt, der eben dieses Volksvotum hat. Man mag die Rechtspopulisten in Europa verdammen, weil sie mit Zündhölzern am Stroh faschistischer Gesinnungen zündeln. Aber man kann natürlich auch deren Geschäftsmodell erleichtern, indem man die Verächtlichungmachung Europas erleichtert.

Vor dem MORT SUBITE kommen wir mit schwerer Zunge auf Schong Kloht Junker, dem allerorten hinter vorgehaltener Hand vorgeworfen wird, dass er Raucher sei und gelegentlich einen oder zwei trinke. Das leuchtet uns, den Jungs mit dem Gevever im Hirn, den Erdbeeren im Bauch und der Marlboro im Mundwinkel nicht ein, nicht wirklich. Da stimmt uns schon skeptischer, dass der Maddin „Spaßbad“ Schulz aus Würselen ein Trockener Alkoholiker ist, so wie George „Dabbel Juh“ Busch. Und Merkel, da sind sich meine Kumpane sicher, die sei so ruhig und relaxed, dass sie garantiert Grass rauche. Die Ossis durften ja nicht nach Woodstock oder Punah; das holen die jetzt per Cannabis und Puhdys nach. Von ihrem Mann wissen wir, dass er grusinischen Weinbrand sammelt; dafür musste man dereinst nicht in den Intershop.

Was ist mit Cameron? Man tippt in den ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen vor dem „Plötzlichen Tod“ auf Cocain. Der Mann ist Etonian und war in Oxbrigde; das nehmen die da wie andere Aspirin. Hollande (diesmal nicht Fußball, sondern französische Politik): Schuhe  mit Plateausohlen und Viagra. Und diese dänische Spitzenpolitikerin, die allenthalben als nächste EU-Präsidentin gehandelt wird? Peer aus Malmö kennt sie von seinem Kaffeefahrten nach Kopenhagen. Er setzt bedeutungsschwanger  sein rosa Gerstenkaltschale ab, nimmt noch mal einen tiefen Zug und flüstert dann: „Evian!“ Wir sind star vor Entsetzen. Es gibt solche Momente, in denen der plötzliche Tod als Erlösung erscheint.

Quelle: starke-meinungen.de