Logbuch
RE-BRANDING.
Ein Beruf bedarf eines Leitbildes. So sagt ein berühmter PR-Mann gerade von sich selbst, er sei, symbolisch gesprochen, Unfallchirurg und nicht Geburtshelfer. Taugt das als Metapher?
Gefallene Journalisten, die dann PR machen, so wie dieser Mensch, sind von einer unerträglichen Eitelkeit getragen, die sie auf immer als Striezer ausweisen. Kurpfuscher, Badeärzte, Quacksalber. Wirkliche Profi sind bescheiden. So wie ich. Ich war nicht BILD; ich war ein eher kleines Licht, eigentlich war ich immer nur ich.
Der Herr Kollege ist gefallener BILD-Chef und breitet diese LARMOYANZ in einem Band auf 554 Seiten aus, sich selbst mit Churchill und dessen dreibändiger Autobiografie vergleichend: da könne noch mehr kommen. Gutes Marketing. Ich mag den nicht, diesen Habitus und gleich den ganzen Typ; „not a bird of my feather“. Das abgeschmackte Konvolut vom großen Ego werde ich nicht lesen. Ein altes Opfer dieses Boulevard-Clan-Chefs, der unglückselige Christian Wulff, nennt die gedruckten Prahlereien unnötigerweise gar einen „Schrei nach Liebe“. Welch ein Zugeständnis. Er hat es noch immer nicht kapiert, der Christian, das mit der Ware Liebe. No typo.
Sind also PR-Manager Unfallchirurgen, die versuchen, notdürftig zusammenflicken, um zu retten, was zu retten ist? Und Journalisten bringen also, edel, hilfreich und gut, die Babys zur Welt? Wie bei viele Metaphern sind in den gewählten Bildern narzisstische Selbstbeschreibungen verborgen. Im gleichen Atemzug nennt der Engelmacher von „storymachine“ (so heißt seine PR-Bude) den Strafverteidiger als Berufsmetapher, der eben nicht brav Eheverträge aufsetze, sondern mit Verbrechern zusammensitze.
Diese Metapher für PR gibt es auch von mir. Jetzt ist der Präsident des Deutschen Rates der PR gefordert, der geschätzte Professor Rademacher! Lars, übernehmen Sie! Er hat genau dazu nämlich einen Aufsatz geschrieben. In einer Festschrift übrigens, die sich mit einem anderen berühmten PR-Mann beschäftigt. Mit mir.
Logbuch
LENIN-KULT.
Berlin-Buch ist nicht nur irgend so ein Vorort der Metropole; hier wurde und wird Wissenschaftsgeschichte geschrieben. Und korrigiert. Die „cancel culture“ tilgt gerade einen Ärztenamen. Und kommt vom Regen in die Traufe.
In Berlin-Buch residierte ein Außenstandort der Charité, eine noblere Marke für Medizin gibt es nicht. Die PANKOWER Lokalpolitik entdeckt jetzt aber, dass der Namensgeber einer kleinen Straße ein „Eugeniker“ gewesen sei, jener Nazi-Wissenschaft, die Menschen züchten wollte. Ob das stimmt, ist mehr als strittig. Aber egal. Weg damit!
Man will auch den Makel tilgen, dass der Namensgeber ein Mann war. Und findet in den Lehrbüchern der DDR eine Frau. „Cancel Culture go! In PANKO!“ Pun intended. Jetzt haben wir die französische Konkubine eines moskauhörigen Psychiaters, mit deren Namen er seine Forschungsarbeiten versah. Plagiatsverdacht. Nach seinem Tod wanderte die Dame nach England aus. Jetzt kriegt sie eine Straße in Buch.
Berühmt aber wurde sie, weil sie das kostbarste Hirn aller Zeiten präparieren sollte. Eines Genies! In allerbester Tradition hat man das in PANKOW in den grauen Zellen des Sowjetherrschers W. I. LENIN gesehen. Die Frau, die Lenins Hirn präparierte. Vielleicht tue ich der Dame ja Unrecht. Aber wie die LINKS-Partei in PANKOW da in den alten DDR-Lexika neue Held*Innen sucht und findet, das irritiert mich schon.
Die Geschichte wiederholt sich. Zunächst als Tragödie, dann als Farce. Sagt Marx. Hatte er von Hegel. Plagiat.
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WÄRMEMARKT.
Die Erneuerbaren Energien können mehr als wir ihnen erlauben. Wir werden halt nur lernen müssen, über den Tellerrand hinaus zu denken. Netzausbau. Speichermedien.
Früher wurden Dörfer nicht nach der Anzahl der Häuser bewertet, sondern der Feuerstellen. Armut fror im Winter. Man sieht es an der Architektur der englischen Cottages: Kamine wurden voller Stolz deutlich sichtbar von der Seite angebaut, als Zeichen des Luxus. Die Zivilisation begann am Kamin, nämlich mit dem Kochen und der Heizung.
Was sich jetzt epochal verändert, ist die Verbannung des Erdgases aus dem Wärmemarkt. Man darf dabei einer vordergründigen ökologischen Augenwischerei nicht auf den Leim gehen. Der Wärmemarkt wird staatlicherseits Zug um Zug für Strom monopolisiert. Das ist, was passiert. Und das ist neu. Früher galt die Sekundärenergie Elektrizität als zu wertvoll für solche Verwendung. Direktheizung mit Strom war ein ökologisches Sakrileg.
Geheizt werden sollte mit den Primärenergien; zunächst Holz, dann Kohle, dann Öl, dann Stadtgas, dann Erdgas. Das kam aus Niedersachsen, den Niederlanden, aus Norwegen und dann aus Russland. Daran ist geopolitisch etwas geändert worden. Ich kenne übrigens den NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg noch als Energieminister des Ölexporteurs Norwegen, dessen Reichtum auf der Förderung von Öl und Gas in der Nordsee beruht. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Die Stromversorger drängten in meiner Jugend durchaus in den Wärmemarkt, allen voran das RWE, der Erfinder des Nachtspeicherofens, aber es gab ökologische Bedenken wegen des geringen Wirkungsgrades; das interessiert heute niemandem mehr, wenn überhaupt noch jemand weiß, was das ist. Nun also das Monopol für Strom im Wärmemarkt. Die Wärmepumpe, eine umgedrehte Klimaanlage, als Heilsbringer.
Die Erneuerbaren Energien sollen dabei grundlastfähig werden, also immer durchlaufen dürfen, wenn sie wetterbedingt laufen können. Das ist der Hintergrund der Polemik gegen die Kernenergie, die für eine „Verstopfung der Netze“ (Kathrin Göring-Eckart) sorge. Da ist etwas dran, da Kernkraftwerke aus technischen Gründen durchlaufen müssen. Wenn die Erneuerbaren aber nun wetterbedingt nicht liefern können, braucht man Spitzenkraftwerke; das sind nun leider Kohle, Öl und Gas. Siehe oben.
Übrigens glaube ich an die Grundlastfähigkeit der Erneuerbaren. Irgendwo ist immer Wind, irgendwo ist immer Sonne. Oder Laufwasser. Und sei es in den Alpen oder der Sahara oder im Norden Kanadas. Wir reden daher eigentlich über Netzausbau und Speichermedien (zum Beispiel Wasserstoff oder Aluminium). Da hapert es. Tja, eigentlich bin ich ein Grüner. Da staune ich selber.
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Babyklappen sind ein Gebot der Menschenwürde
Man kann mit Leuten, die keine Kinder haben, nicht über Kinder reden. Und mit Moralisten nicht über Politik. So lebensfremd, wie es sich anhört, wenn zölibatäre Priester oder greise Professoren leibhaftigen Müttern raten, so verhängnisvoll ist es, wenn man Prinzipienreiterei über die Nächstenliebe stellt.
Eine christliche Kultur besteht im Verzeihen gegenüber dem reuigen Sünder, nicht in der rigorosen Sanktionierung falschen Lebens. Das Wort sie sollen lassen stahn, hat Luther gesagt. Nun also: Jesus hat angesichts der Steinigung einer Ehebrecherin danach gefragt, wer das Recht habe, den ersten Stein zu werfen. Hier kommt eine Antwort: Der Deutsche Ethikrat krempelt gerade seine Ärmel auf.
Von Gesetzes wegen darf sich diese Kohorte von pensionsreifen Wissenschaftlern als Deutscher Ethikrat bezeichnen und sich nun, das Bürgerliche Gesetzbuch und einen Regierungsauftrag im Rücken, zu ethischen Fragen der sogenannten Lebenswissenschaften äußern.
Wer bisher nicht wusste, dass es das als akademische Disziplin gibt, die Lebenswissenschaft, dem ist nun geholfen: diese höchste Autorität in Sachen Moral ist für die Abschaffung von Babyklappen und gegen das Recht auf anonyme Geburten. Dies sind Einrichtungen für Mütter in höchster seelischer Not, für Frauen, die ihr Neugeborenes nicht betreuen zu können glauben – und es nicht töten wollen. Alle kommen wir aus den Schößen unserer Mütter, denen allein dafür unser lebenslanger Respekt zu gelten hat. Elternschaft steht unter dem besonderen Schutz des Staates, auch die verunglückende.
Achtzig Babyklappen gibt es in diesem Land und 130 Angebote zu einer anonymen Betreuung von Niederkommenden. Das verstoße aber gegen das Kindesrecht darauf, seine Herkunft zu kennen. Wohl wahr. Als Findelkind geboren zu werden, das ist nicht wünschenswert. Die rechtliche Situation des Babys ist freilich nicht auskömmlicher, wenn die verzweifelte Mutter es in die nächste Mülltonne wirft oder in Blumentöpfen oder Tiefkühltruhen versteckt. Die Zeitungen sind voll von solchen Fällen.
Was hier Ethik heißt, ist Machtmissbrauch von Gesinnungswächtern, die selbstgerecht ein Prinzip über das Leben stellen. Am Ende dieser Straße der ethischen Lebenswissenschaften steht die Diktatur des Guten, die das Leben vor sich selbst beschützen will.
Wir nähern uns einer Jahreszeit, in der die Geburtsumstände unseres Religionsstifters allgemein rituelle Würdigung erfahren. Man kann dabei offensichtlich als weihnachtsselige Nation vor der Krippe hinschmelzen und mit den barbarischsten Argumenten gegen Schwangere in Not hantieren. In jener Zeitung, hinter der früher immer ein kluger Kopf steckt, wird die Babyklappe ökonomisch erwogen. Sie erfülle das Saysche Gesetz der Ökonomie, nach der sich jedes Angebot seine Nachfrage schaffe. Mit der Babyklappe würden künstlich erst die Findelkinder produziert; sie setze falsche Anreize für die Mütter. Sie würden Verantwortung abgeben, sich aber den Vollkosten entziehen.
Die Klappen zu schließen, sei nicht nur moralisch und juristisch, sondern auch ökonomisch anzuraten. Na dann, wenn es sich auch noch volkswirtschaftlich rechnet. Vielleicht sollte man dann das Übel doch an der Wurzel packen und auch die Zeugungen dem ökonomischen Kalkül unterwerfen. Dem steht zur Zeit nur die religiöse Vorstellung entgegen, dass der Gebrauch von Präservativen des Teufels ist. Weil aber auch hier das Angebot die Nachfrage schafft, das Verhütungsmittel provoziert ja geradezu den Verkehr, sollte die Frankfurter Allgemeine jetzt auch ein Verbot von Kondomen fordern, oder?
Das alles ist nicht nur absurd, es ist würdelos. Und die Menschenwürde ist ein Verfassungsinstitut. Man kannte schon die Spekulation, dass die Suppenküchen der Heilsarmee die Ursache der Armut sind. Malthus hat recht, wenn sie verhungern, verschandeln sie nicht mehr das Straßenbild, die Pauperisten. Denn die Armut stammt ja, einer alten bürgerlichen Sottise zufolge, von der „pauverté“; und das Volk soll doch, wenn es kein Brot hat, Kuchen essen.
Hier greift ein Abgrund an Zynismus platzt, der im moralischen Fundamentalismus von irgendwelchen Ratssitzungen keinen Schaden anrichtet, der aber niemals Leitlinie politischen Handelns sein darf. Das Abstruse hebt argumentativ sein Haupt: Weil es Babyklappen gibt, werden junge und/oder arme Frauen ungewollt schwanger, deshalb verlassen verantwortungslose Männer sie, dies lässt sie Schwangerschaftsdepressionen ausleben und zur Kindsmörderin werden. Man kennt das Lied und die Herren Verfasser, das sind nicht nur die Zynisten der Zölibatären, sondern auch rigorose Protestanten.
Sekundiert wird dem moralischen Rigorismus von der Sozialpsychologie, eine der windigsten Wissenschaften, die wir unter all den Dampfplauderern und Menschheitsrettern kennen. Denn dort stellt man fest, dass die Findelkindeinlieferinnen gar nicht die potenziellen Kindsmörderinnen seien, statistisch gesehen sozusagen im arithmetischen Mittel. Der Sozialstaat gewährt hier aber Aufsicht und adoptiert vorausgreifend die Ungeborenen, als deren Mündel er nun die Mütter im Unglück vergehen lässt. Solchen Zynismus haben wir als Studenten immer „SA/SP“ gescholten, Sozialarbeit und Sozialpädagogik, der bevormundende Berufsethos der Caritas-Despoten des Fürsorgestaates.
Quelle: starke-meinungen.de