Logbuch
Auf Netflix kommt jetzt eine Serie mit Dialogen in Latein, sagt gerade SWR 3, den ich in der Sauna höre (nur dort). Der Moderator wünscht in der Abmoderation EIN FROHES NEUES und kann es auch, verkündet er stolz, in Latein: „anus novus.“ Na dann.
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NEKROLOG.
So, liebes Jahr 2020, jetzt musst Du also gehen. Kein Wort zum Abschied. Keins.
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OHRWÜRMER sind ein Leiden, über das Menschen klagen, die musikalisch sind. Die haben dann in irgendeinem Aufzug eine Melodie gehört, die ihnen nicht mehr aus dem Kopf geht. Ständig müssen sie das dann nachsummen. Aber nie wird ein richtiges Lied draus. Verflixt! Das kenne ich aber nur vom Hörensagen. Ich selbst bin gänzlich unmusikalisch; das mit den verflixten Melodien ist mir völlig fremd. Aber es gibt wohl auch so was wie GEHIRNWÜRMER. Ich höre einen Gedanken und muss ihn noch Tage nachsummen. Meistens sind es nur Wörter. Genauer gesagt Gegensatzpaare. Kürzlich machte ein Medizinprofessor in einem Interview, das ich mit ihm führte, eine Nebenbemerkung, die mir nachhing. Jetzt lese ich das von ihm auch noch mal in einer großen Zeitung. Verflixt. Der Gedanke ist folgender: Es gäbe WISSEN und GEWISSEN, und das sei nicht das Gleiche. POLITIK ließe sich nicht durch Wissen rechtfertigen, nur durch Gewissen. Anlass in unserem Gespräch zu dieser Nebenbemerkung war Frau Merkel, die im Bundestag der AfD vorgehalten hat, dass es an der Schwerkraft und der Lichtgeschwindigkeit wenig zu rütteln gebe; deshalb habe sie, Merkel, in der DDR eben Physik studiert; den Naturgesetzen hätten selbst die Kommunisten nicht beikommen können. Das finden wir beide, mein Interviewpartner und ich, eher „vorkritisch“, weil schlau, aber nicht klug. Also, es schwirrt in meinem Kopf. Wissen versus Gewissen. In der Politik sollte man, sagt der Professor aus Bayreuth, seinem Gewissen folgen, nicht irgendwelchem Wissen, sprich irgendwelchen Wissenschaftlern. Klingt gut, auf den ersten Blick. Der Mann fordert damit aber doch ein PRIMAT DER MORAL. Gehe ich da mit? Ich bin nicht sicher. Denn das sagen die Irren der Verschwörungstheorie ja auch. Hier entsteht alternatives Wissen, sprich schlanker Aberglaube. Die empörte Moral als Treibstoff des Pogroms. Uhhhh, der Leibhaftige betritt den Raum. Auf der anderen Seite kann ich auch keinen blinden Glauben an Wissenschaft befürworten. Ich weiß zu viel, um zu glauben, dass wir viel wissen. Alle Aussagen über den apokalyptischen Klimawandel etwa, die finde ich vor allem wissenschaftlich dünn. Die Zweifel würde ich auch nicht los, wenn man mich als „Klimaleugner“ beschimpfen würde. In sich unsinnig. Das Klima kann man nicht leugnen. Deshalb fragt KANT so klug: „Was kann ich wissen?“ Wissenschaftelei über Dinge, die ich nicht wissen kann, das ist BULLSHIT. Vornehmer: Physikotheologie. Religion im Gewand von Wissenschaft. Und so summt es in meinem Kopf. Wissen vs Gewissen. Hmmm. Wie nach einer schlechten Aufzugsmusik. Was macht eigentlich dieser Lars Chrismes? Fiel 2020 wohl aus.
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Der Klima-Klamauk in Kopenhagen: ein Kongress der Öko-Heuchler
Am Schluss der globalen Klimakonferenz wird es heißen: außer Spesen nichts gewesen. 16.500 Politiker tagen in Kopenhagen zur Klimakatastrophe. Die Atmosphäre werden die globalen Weltverbesserer allein dadurch am Ende um 41.000 Tonnen Kohlendioxid angereichert haben.
Aber das ist ein sehr vordergründiges Argument gegen die Öko-Heuchelei, die den Klimawandel zur größten profanen Weltreligion hat werden lassen und sich nun anschickt, unser Leben nachhaltig zu lenken. Wie immer beginnt das mit einem Griff in unsere Brieftasche. Von dem, was da an symbolischen Handlungen geplant ist, werden sich die Kongresspesen noch als das geringste erweisen. Man hat es schon merken können, als sie uns die guten alten und spottbilligen Glühbirnen abnahmen, um zehnmal so teuren Sondermüll in unseren Wohnstuben leuchten zu lassen: Den Ablasshandel werden wir zahlen, ob die Apokalypse damit aufzuhalten ist oder nicht.
Die politischen Klassen aller Länder tanzen um das Grüne Kalb, um die neueste Endzeitstimmung populistisch zu bedienen und sich so der Gunst des grünen Zeitgeistes zu versichern. Das Theater findet statt, weil die Staats-Schauspieler glauben, dass wir es im Publikum sehen wollen; mit unserem Applaus machen die Akteure dann politisch Kasse.
Die meisten Staaten folgen dem Drama widerwillig bis zögernd, viele aber mit Inbrunst und in einem quasi-religiösen Fanatismus mit erhobenem Zeigefinger. Und wie immer, wenn es um Belehrung geht, sitzen die deutschen Musterschüler in der ersten Reihe. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Angela Merkel, die gelernte Umweltministerin, doziert, allerhöchstens um zwei Grad Celsius dürfe sich das globale Klima erwärmen, nicht aber um drei. Und der smarte neue Umweltminister Norbert Röttgen argumentiert das ins Detail. Den Hollywood-Stars Kirk und Michael Douglas nicht unähnlich, eignet er sich besonders für das Staatsschauspiel.
Gleichzeitig kann man wissen, dass es mehr als zweifelhaft ist, was die Menschheit auf den Thermometern abzulesen hat. Vor allem aber ist fraglich, ob wir überhaupt von Dingen reden, die durch symbolisches Handeln beeinflussbar sind; also etwa dadurch, dass ich mir ein Toyota-Hybrid-Fahrzeug anschaffe, wozu mir von der Grünen-Politikerin Künast geraten wird.
Die Klimakatastrophe ist, lese ich bei dem fabelhaften Bryan Appleyard in der Sunday Times, „hoax, error or just another end-of-the-world-story“, ein wissenschaftlicher Betrug oder ein verhängnisvoller Irrtum, jedenfalls ein politischer Mythos. Der Mythos vom apokalyptischen Drachen der Erderwärmung dient vor allem einem Zweck: die Drachentöter zu inszenieren.
Wie bei allen Massenhysterien schickt sich jedermann an, dem Trend zu folgen. Von den Grünen und Greenpeace geboren beseelt die ökologische Endzeitstimmung nun auch die CDU, schwarz-grüne Morgendämmerung nach dem rotgrünen Katzenjammer. Unzweifelhaft ist Norbert Röttgen einer Renate Künast an Intelligenz und Konzilianz überlegen; wo diese in abgeschmackter Politroutine nur noch hetzt, argumentiert er lächelnd.
Die ganze politische Klasse hat gelernt, dass sich auf dem Klimaticket gut reisen lässt. Die Pressesprecherin von Lothar de Maiziére ist so Kanzlerin geworden, und der von Schröder geschnittene Harzer Roller Sigmar Gabriel Parteivorsitzender; nun also Röttgen, der sich so davor schützt, als Lobbyist beim BDI dienen zu müssen.
Und wir werden, soviel Prophetie muss sein, alle Öko-Politiker noch an der Spitze ihrer Lager sehen: Trittin, Gabriel, Röttgen. Das Ressort ist eine Kaderschmiede, weil man als Gutmensch glänzen kann, aber niemals an den Folgen des eigenen Handelns zu messen ist. Dazu ist die Natur zu träge, ausbaden müssen allenfalls künftige Generationen. Und es gibt häufig wechselnde Moden, denen man dienen kann. Gestern noch sollten wir Müll trennen und Alu-Dosen meide, um eine Eiszeit zu verhindern, die dem Waldsterben zu folgen drohte.
Der totgesagte Wald lebt. Heute betreiben wir altersschwache Nuklearpötte zur Stromerzeugung weiter, weil die Erde sich erwärmt und die regenerativen Energien noch nicht so weit sind. Die Klima-Künstler wollen Macht und Geld, um uns vor etwas zu beschützen, auf dass sie gar keinen Einfluss haben. Hier liegt die strukturelle Demagogie der Öko-Heuchelei.
Niemand weiß gesichert, ob wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern, weil man das nicht gesichert wissen kann. Niemand weiß, was die Verringerung des Kohlendioxidausstoßes bewirkt. Man kann darüber nachdenken, ob es nicht dringendere Probleme gibt, für die wir das Geld ausgeben sollten.
Wir befinden uns in einer fundamentalen Paradoxie: Nichts genaues weiß man nicht, aber Eile ist geboten, weil Gefahr im Verzug, also lasst uns mal in den blauen Dunst hinein wursteln. So sehen politische Paradoxien immer aus; man muss Verantwortung wahrnehmen, wissend, dass man das nicht verantworten kann. Daran kann man verrückt werden, oder einfach seinem Instinkt folgen.
Fragen wir unseren Bauch, unser Herz oder unseren Alltagsverstand. Ein exponential wachsender Rohstoffverbrauch mag bewirken, was er will, aber ist er klug, wenn er vermeidbar ist?
Warum sollen wir Raubbau betreiben, wenn es auch nachhaltig geht? Welchen Sinn macht es, gigantische Zerstörungen der Natur vorzunehmen, wenn es mit kleineren und intelligenteren Eingriffen geht? Warum wollen wir uns mit dummen Maschinen umgeben, statt zu lernen, intelligente zu bauen? Effizienzsteigerung ist nicht nur ein technologisches und industriepolitisches Kriterium, sondern auch ein ökologisches.
Konkret? Ich fahre einen Sportwagen deutscher Fertigung mit satten 300 PS, der bei Tempo 130 auf der Autobahn weniger als 6 Liter Diesel verbraucht, eine ökologische Sensation. Und ich fahre ihn selten, weil ich weite Strecke mit der Bahn erledige und innerstädtische mit dem Bus.
Weil ich gegen ein generelles Tempolimit bin, zetert mich in einer Talkshow eine notorische Spitzenpolitikerin von den Grünen an. Nein, diesmal sollte es nicht eine Hymne auf Toyota und Batterie-Autos sein. Diesmal ging gegen die Raserfraktion. Das war meine Rolle, die des „car guy“, der die Eisbären ertränkt.
Die Dame selbst hatte, um ins Studio zu kommen, innerdeutsch, also von Berlin nach Köln ein Flugzeug genommen, und vom Flughafen ins Studio allein in einer S-Klasse-Limosine chauffieren lassen; das alles wahrscheinlich auf Kosten des Steuer- und Gebührenzahlers. Ich neide ihr den gehobenen Lebensstandard nicht. Das bringt auch Mutter Erde nicht um, der unverhältnismäßig große „carbon footprint“ der Politiker.
Aber es zeigt, wes Geistes Kind diese Öko-Heuchler sind. Sie führen die Zukunft der Menschheit im Maul, kämpfen aber so ganz nebenbei um die Privilegien ihrer Kaste. Solchen Pharisäern sollte man keine Macht geben, jedenfalls auf die Finger schauen. Auch wenn es so gepflegte Händchen wie die von Norbert Röttgen sind.
Quelle: starke-meinungen.de