Logbuch
DIE FRAU DOKTOR.
Früher hieß die Ehefrau des Arztes „Frau Doktor“, kein Mensch hat da die Doktorarbeit sehen wollen. Es war protokollarisch und sollte eine Ehrbezeugung sein. Beim Metzger hieß es beim Aufschnittabwiegen dann: „Darf es etwas mehr sein, Frau Doktor?“ Zum Skalpell hat sie allerdings nicht gegriffen, die Doktorengattin. Es gibt einen Unterschied von EITELKEIT zum TITELMISSBRAUCH oder dem BETRUG, der der Hochstaplerin vorzuwerfen wäre.
Episode mit einer GRÜNEN, die bald Bundespräsidentin sein könnte. Vor Jahrzehnten saß ich beim Bundespresseball neben Katrin Göring-Eckhard von den Grünen, die mir als evangelische Pfarrerin in Erinnerung war. Ich sprach das an. Sie stellte sofort fest, dass Ihr Gatte, der bärtige Isegrimm neben ihr, der Pfarrer sei, und sie nur „fromm“. Studium abgebrochen. Kluge Frau mit Humor. Trug lange weiße Handschuhe. War ein netter Abend. Sie tanzt (im Gegensatz zu mir) hervorragend (erblich vorbelastet, sagte sie).
Was Anna-Lena Baerbock, die sich gerade ins Kanzleramt stolpert, betrieben hat, nennt sich „pimp your CV“, zu Deutsch: Möbel Deinen Lebenslauf auf! Der männliche Konkurrent Habeck, sagte sie im internen Wahlkampf, sei ein Bauerntölpel, sie aber „komme aus dem Völkerrecht“, ein beachtlicher Euphemismus. Wohl kein BETRUG oder TITELMISSBRAUCH, halt nur recht eitel. Keine faustdicken Lügen, nur ein wenig Aufgehübschtes. Befund: Die Vita wie die Frisur, schlecht gefärbt.
Ich nenne das „die Toupet-Theorie“ (nach dem peinlich wirkenden Haarteil, das eine Glatze verbergen soll, aber sie eigentlich erst kenntlich macht). Wir wollen die Wahrheit ungeschminkt, ohne Perücke. Kein Antlitz kann von Natur so peinlich sein wie ein schlecht aufgesetztes schlechtes Make Up. Aber zur ungeschminkten Wahrheit gehört eben Mut. Es fehlt der Dame Baerbock vermutlich, das steht heute in den Zeitungen zur Debatte, an CHARAKTER.
Logbuch
EASY LIKE SUNDAY MORNING.
Ich war gestern im Logbuch zu negativ. Vergessen wir die dort zitierten Reiter der Apokalypse. Mit dem „Home Office“ ist jeder Wochentag ein Sonntag. Im Schlafanzug frühstücken, in die Sonne, wenn sie scheint. Oder die Sauna, wenn es regnet. Oder mit dem Hund raus. Hier bei mir DAHEIM. Heimarbeit kommt von HEIMAT. So hat man sich die Hütte eines Dichters, seinen „locus amoenus“ (lieblicher Ort) vorgestellt, als ein REFUGIUM.
Wir verweigern das Kontor. Nie mehr ins „office“! Warum müssen Arbeitsplätze eine solche Ödnis sein wie die elenden Büros? In diesen Akten-Archipelen stirbt jede Ambition; es bleibt nur Bürokratie und ab und zu ein Getränkeautomat. Zuhause schaffen wir uns ein Atelier. Aus dem Aktenknecht und der Tippse werden Künstlerin und Künstler. Und ab und zu eine Muse. So wird ungeahnte Kreativität frei!
EASY LIKE SUNDAY MORNING. Welch eine Idylle. Ja, ich gebe zu, dass dieser Eintrag ins Logbuch unter Zwang zustande gekommen ist. Antje hatte sich gemeldet. Ich solle mal was positives schreiben, was optimistisches. Also habe ich mein Schriftstellertalent unter die Laterne gestellt. Ein guter Mann kann ruhig zwei oder drei Meinungen haben, hat Kipling gesagt.
Logbuch
RAUM & ZEIT.
Büros, wie wir sie kannten, die wird es bald nicht mehr geben. Bürotürme in Innenstädten, zu denen Menschen jeden Tag wie Ameisen an- und abreisen, die weit draußen in Vorstädten leben, werden selten. Bürovölker, ganze Belegschaftsgruppen werden in die Heimarbeit geschickt und dort reduziert. Das spart, sagt der Herr im Fernsehen, Zeh-Oh-Zwei. Wir werden damit KLIMANEUTRAL. Er freut sich.
Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. Es geht nicht wirklich um das Klima. Denn die ABSONDERUNG & VERNETZUNG spart Kosten und erlaubt eine enorme Arbeitsverdichtung. Die atomisierten Rädchen, das Heer der Ameisen kontrolliert zunehmend der Computer, strenger als es der Herr Bürovorsteher vermocht hätte. Die beiden Ritter der Corona und der Digitalisierung sind zwei Reiter, die, obwohl weiß und schwarz, gut miteinander können. Sie reiten gemeinsam gegen RAUM & ZEIT.
Selbstständige kennen den Scherz: man arbeitet selbst und ständig. Jederzeit und überall. Jede und jeder für sich. Die Ketten dieser Sklaven sind aus einem Stahl, der WLAN heißt. Das Versprechen einer „work-life-balance“ im „agilen Zeitalter“ war eine Falle. Es geht um nicht weniger als um die Aufhebung von RAUM & ZEIT. Ich sehe apokalyptische Reiter am Horizont.
Logbuch
NEUES VOM BUNTSTIFT.
Als ich noch den Spitznamen DER BUNDSTIFT trug, weil ich für einen CEO namens Karlheinz Bund die Reden schrieb, durfte ich ihn auf eine Tagung der Wirtschaftsvereinigung Bergbau nach Bad Reichenhall begleiten, die dort in Damenbegleitung gleichzeitig zu den Salzburger Festspielen stattfand, also in unmittelbarer Nachbarschaft.
Damenbegleitung war ein spesentechnischer Terminus, eine protokollarische Anordnung, die eigenen Ehefrauen ins Gepäck zunehmen, damit man so aus dienstlichen Gründen als Paar die Festspiele besuchen konnte. Ich habe heute, durch die Salzmetropole Reichhall schlendernd, den Verdacht, dass der dienstliche Grund damals insgesamt vorgetäuscht war. Ein Alibi vor den Toren der Festspiele der Ösis.
Jedenfalls habe ich damals zum ersten Mal eine Weinkarte gesehen, die Flaschenpreise von 600 DM auswies; ich war erschüttert, beziehungsweise in der Bourgeoisie angekommen. Selbst wenn man für Restaurantweine einen Faktor von drei annimmt, ein Mörderpreis für jemanden aus kleinen Verhältnissen.
Was damals DM war, ist heute Euro. Das Restaurant bayrischen Zuschnitts in Bad Reichenhall bietet mir, da ich erwähne das Elsass zu lieben, eine Flasche Clos St. Hune für 600 € an. Ich habe dann ein Helles und einen Obstler genommen. Plane aber nun einen Aufsatz über Wertdifferenz bei Weinen. Selbst ein kleiner Laden wie ALBERT MANN in Wettolsheim hat einen Abgabepreis ex Winzer von 25 bis 50 € je Flasche, beim Pinot Noir auch gern mal 100. Im Aldi gelingt es Dir nicht, mehr als 5 € pro Pulle auszugeben.
Und wir reden bisher nur über Arbeit im Weinberg, seit biblischen Zeiten das Paradigma für ehrliche Arbeit. Bei Börsengeschäften dürfte ein Faktor hundert in der Wertsteigerung nicht mal ungewöhnlich sein. Wahrlich, ich entrinne ihnen nicht, den kleinen Verhältnissen.