Logbuch
DAS HAAR IN DER SUPPE.
Wer die Götter so gut wie Homer und ich kennt, weiß um ihre Eifersucht. Es gibt Spekulationen, dass eine bigotte Allianz zweier Narzissten auf dem Olymp von kurzer Dauer sein muss. Das ist „wishful thinking“ politischer Gegner oder sonstiger Neider. Insbesondere europäische Kritik ist hier von kleinbürgerlicher Gehässigkeit. Darauf sollte man nichts geben.
Man sollte zudem immer vorsichtig sein mit berichteten Ereignissen, die politisch einfach zu gut passen. Was dem Betrachter ganz klar von symbolischer Bedeutung scheint, könnte inszeniert sein. Insbesondere, wenn der Vorfall bis in die Details wie ein Gleichnis wirkt, kräuselt sich meine Stirn. Wenn das Exempel zu perfekt, könnte Propaganda im Spiel sein. Und gegen einen Terroranschlag, eine Bombe im Kofferraum, ist niemand geschützt. Das vorweg.
Vor einem Trump-Hotel in Las Vegas soll ein Pick-Up von Tesla, der berühmte Cybertruck, explodiert sein; der Fahrer tot, Passanten verletzt. Lassen wir mal offen, was wir von dieser Karre des legendären Elon Musk halten; das Gerät ist in Europa für den Straßenverkehr gar nicht zugelassen. Aber auch das ist nicht mein Punkt; ich selbst fahre einen Truck, eine „Doppelkabinenpritsche“, die vielen „car guys“ als Monster erscheint.
Zur Aufklärung der Explosion hat Elon Musk ohne Umschweife beigetragen, indem er umgehend mitteilt, dass die per Telematik übermittelten Fahrzeugdaten unauffällig seien. Kein Tesla-Problem. Die Polizei lobte zudem, dass sie die Videos vom Aufladen des Batterie-Trucks zur Verfügung gestellt bekommen hat. Hier ist mein Punkt. Bevor die Schüssel in die Luft flog, hatte sie alle Daten über sich bereits abgeliefert. Weil die Telematik das immer tut. Meine Daten gehören dem Hersteller des Autos, obwohl ich es erworben habe und meine, ein freier Bürger zu sein.
Wer einen Tesla kauft, fährt nicht anschließend sein Auto; man lässt ihn fahren und kontrolliert dabei im Kalifornischen den Hansel auf dem Fahrersitz wie ein Versuchskaninchen. Mir gefällt das Auto nicht besonders. Überhaupt nicht gefallen tut mir aber das Menschenbild des Musk-Autos vor dem Trumphotel in Las Vegas. Did I make myself clear?
Logbuch
AUFRUF ZUR ALLGEMEIN ENTSPANNUNG.
Ich habe noch keine Drahtnachricht aus der Reichshauptstadt. Es könnte aber sein, dass sie ein Raub der Flammen geworden ist. Schließlich war gestern Silvester, wo das Gewaltmonopol des Staates aufgehoben ist und die Ghettos an die Gewehre dürfen. Pyro ist angesagt. Das verbreitete Feuerwerk ist immer eine besondere Herausforderung für die FEUERWEHR.
Diese Braven der Feuerwache hätte man gestern aber nicht erreichen können, da der Notruf 112 ausgefallen war. Das teilt mir, der ich über die Feiertage in die Wälder geflohen, eine bundesweite Warn-App namens NINA mit. Der erste Schrecken darüber, dass meine Freunde von der Vigili del Fuoco nicht erreichbar sind, legt sich mit der Mitteilung von NINA, dass es in Berlin ohnehin kein Löschwasser gäbe.
Im Wedding hat die Seestraße ihrem Namen alle Ehre machen wollen und den Asphalt in einen Teich verwandelt. Der Rohrbruch war gewaltig, so dass der Wasserdruck insgesamt dramatisch abfiel, so dass zumindest der Norden der Metropole trocken fiel. Dunkelflaute am Hahn.
Spannungsabfall ist offensichtlich in allen Netzen ein Problem, jedenfalls bei Strom, Wasser und Erektionen. Beim Strom, entschuldige Robert, dass ich das erwähne, kommt noch hinzu, dass nicht nur Stromstärke und Spannung eine Rolle spielen, sondern auch die Frequenz; man hätte schon gern 50 Hertz. Aber das gleitet schon wieder ins Sachliche ab. Damit ist Streit nahe. Genau dem soll hier aber ein Veto erteilt werden.
Ich plädiere im Neuen Jahr für eine allgemeine Entspannung. Statt die Volksseele mit syrischem CAPTAGON zu fluten, bin ich für eine freie Abgabe von VALIUM, die berühmte „Rosa Brille“ (in der DDR als FAUSTAN bekannt). Die Pille zur allgemeinen Entspannung. Wir haben allerdings aus der Corona-Epidemie gelernt, dass eine Abgabe durch Spritzen („Impfung“) nur zu Paniken führt, weil man nicht gepiekst werden will (lieber ersticken). Und die Pille nehmen, das kann ja vergessen werden; man weiß, was ich meine.
Ich rate deshalb dazu, von der zwangsweisen Anreicherung des Speisesalz (Natriumchlorid) mit Jod (Iodat) zu lernen; in manchen Gegenden zusätzlich mit Fluorid. Man hat dann weniger Kröpfe und bessere Zähne. Dass dramatisch schlechte Gebiss von Karl Lauterbach ist hier kein Argument, da er nicht bürstet und sich salzfrei ernährt. Aber doch ein Hinweis epidemiologischer Art: Man wird das VALIUM verdeckter verabreichen müssen. Etwa durch heimliche Zugabe zum Leitungswasser.
So kann 2025 ein entspanntes Jahr werden. Auch wenn das sprichwörtliche Rom niederbrennt, werden wir halt am Löschwasser nippen, wenn es denn welches gibt.
Logbuch
PÖBELN WIE DER PÖBEL.
Vieles, was die Neue Rechte verlautet, klingt wie eine verunglückte Polemik, hat aber gerade darin System. Man muss verstehen können, dass das ANTI-ELITÄRE Syndrom eine wesentliche ideologische Figur ist. Und der gezielte Kulturbruch ihr Mittel. Bei den Anhängern lösen die vermeintlichen Peinlichkeiten geradezu Stürme der Begeisterung aus. Deftig gilt als heftig.
Was dem Diplomaten alter Schule als Verstoß gegen die Etikette erscheint, erfreut des rechten Proleten Seele; er weiß darum, dass hier gegen höhere Sitte und besseren Anstand verstoßen wird, liest das aber als Volksnähe. So redet er auch, wenn er angetrunken in der Eckkneipe steht. Der rechtspopulistische Jargon will nicht nach höherer Tochter oder akademischem Dünkel klingen. Er nimmt die Lutherische Anregung, dem Volk auf‘s Maul zu schauen, wörtlich. Seine Kanzel ist die Gosse.
Hier wollen die an die Macht, die die Macht als „tiefen Staat“ geißeln und rhetorisch Volkes Stimme vortäuschen. Im Bayrischen kennt man das als Bierzeltansprache; Kraftausdrücke willkommen. Es läuft als nützlicher Idiot in die Falle dieser Populisten, wer den protokollarischen Regelverstoß rügt und ob dessen den Beleidigten spielt. Majestätsbeleidigung ist hier Programm, die Übertreibung Pflicht und es darf auch am Justiziablen vorbeischrappen. Aus einem verzagten Arsch kommt kein beherzter Furz. Das amüsiert das gemeine Volk, wenn mal jemand den hohen Herren recht ordinär den Marsch bläst. Ohrfeigen, das ist es.
Jede Andeutung von Esprit weckt den Verdacht des Elitären; aber eine Zote, da macht „einer von uns“ aus seinem Herzen keine Mördergrube. Teil dessen ist auch ein gewisser Lakonismus. Man extemporiert nicht, man schlägt kurz und knapp unter die Gürtellinie. Das Genie liegt in der bewussten Primitivität. Unser Staatsoberhaupt philibustert in verquerem Beamtenquark, denn Elon Musk spukte ihn an; das ist eine gewollte Konstellation; so führt die Neue Rechte vor.
Logbuch
Merkel ernennt Gabriel zum Kanzlerkandidaten
Welcher Kampf tobt in Berlin? Vermeintlich geht es darum, wer der nächste Bundespräsident wird. Das ist Quatsch, Wulff wird es. Ab jetzt darf mit diesem Staatsoberhaupt gelächelt und gegähnt werden.
Eigentlich geht es um die wirkliche Macht, also um die Frage, wer der nächste Kanzler wird. Seit gestern weiß ich, wer im nächsten Bundestagswahlkampf gegen Merkel antritt, wenn es nach ihr geht: Gabriel. Die Nominierung Gaucks zum überparteilichen und deshalb verhinderten Bundespräsidenten durch das neue Gespann Gabriel/Trittin hat im Kanzleramt eingeschlagen wie eine Bombe. Es gibt Rauchzeichen. Aber der Reihe nach.
Bei meinem Sonntagspaziergang durch das sonnige Bad Ems an der Lahn lese ich einen Gedenkstein zur Emser Depeche.
Depechen schickten sich die Menschen, als es noch keine Handys gab. Depechen waren die SMS des 19. Jahrhunderts.
Die SMS aus Bad Ems wurde dort genau vor einhundertvierzig Jahren abgeschickt und war ein regierungsinternes Telegramm zu einem unbedeutenden Vorfall auf der Promenade zwischen König Wilhelm I von Preußen und dem französischen Botschafter, mit dem Otto von Bismarck in Berlin aber den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 anzettelte. Bismarck kürzte das Telegramm geschickt und gab es in Berlin an die Presse.
Zeitenwechsel. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hatte die Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer SMS unterrichtet, dass Rot-Grün den Kandidaten Gauck als überparteiliches Angebot aufstellen wollte. Darauf hat die Kanzlerin gewohnt lakonisch reagiert. Beide SMS, die höfliche von Gabriel und die schnippische von Merkel, wurden an die Presse gespielt.
Das geschieht in einer Zeit, da auch depressive Bundespräsidenten nur noch Handykontakt zur Kanzlerin haben und sich die Pfarrerstochter schweigend zur Sphinx stilisieren will. Das Kalkül der Indiskretion liegt durchschaubar in einer Sozi-List: Das Publikum sollte denken, Merkel will den zahnlosen Wulff aus bloßem parteitaktischen Kalkül, auch gegen ihre eigene Seele: eine Kanzlerschaft uninspirierten Machterhalts.
Gauck schlägt sich mittlerweile gut, und Wulff wirkt wie unter Valium. Unterwürfige Fragen helfen ihm, sich in die Unverbindlichkeit kleinbürgerlicher Manieren und glatten Lächelns zu retten. Seine Siegesgewissheit lautet: Beim dritten Mal wird es schon klappen. So habe er schon sein Juristisches Staatsexamen geschafft, sagen die Kommilitonen, im dritten Anlauf mit Ministerschwanz.
Wulff ist kein Einser-Jurist; er ist in nichts „sehr gut“, das ist sein Alleinstellungsmerkmal, medioker zu sein, aber nicht dumm. Charisma freilich ist aus anderem Stoff. Wulff ist schon zweite Wahl, bevor die Wahl überhaupt begonnen hat; und er weiß, dass dies das letzte ist, was Merkel stört. Passt scho!
Aber was den Glanz ihrer Herrschaft angeht, hat Merkel in diesen Tagen nicht nur Pech, sondern auch noch kein Glück. Schwarz-gelb dreht angesichts dieses Vakuums an Fortunas Gunst die betriebseigene Hysterie noch eine Stufe höher.
Das Kanzleramt lässt nun verlauten, dass Gabriel damit auf der shit-list von Frau Merkel stünde. Nie mehr würde die Kanzlerin ihm jetzt noch mal was simsen. Das ist das Genie von Herrn Pofalla, der in seinem niederrheinischen Ton vielen als dümmlich erscheint, was man nicht am Dialekt fest machen darf. Der studierte Sozialarbeiter aus Kleve am Niederrhein ist von keinem Genie geplagt; wer das bisher nur mutmaßte, weiß es jetzt.
Und das will Merkel mit Gabriel nicht mehr tun? Der Mann ist geadelt! Der erste Kerl, den Angela nicht stillschweigend entsorgt wie Merz, Oettinger, Koch, Rüttgers, Kohl: der erste, dem sie den Kampf ansagen lässt. Und Steinmeier muss auch noch den Spott ertragen, dass er von der Eisernen Lady weiterhin als seriös angesehen wird; das meint: als Träger eines Nasenrings, an dessen Ende sie als Bärenführerin steht.
Spricht aber nicht gegen Gabriel, dass er die beiden SMS an den SPIEGEL gegeben hat? Vorsicht! Erstens weiß ich nicht, ob es nicht zuerst die BILD und dann der SPIEGEL war. Zweitens weiß man nicht, wer das war. Ich habe enge Freunde, die vermuten, dass ein Dritter der Informant der Blätter gewesen sein könnte.
Sigmar Gabriel ist kein Windhund, er macht nicht den Lafontaine, aber er ist auch keine politische Beamtenseele wie der tapsige Steinmeier. Eine vasallenhafte, um nicht zu sagen hündische Solidarität mit der Kanzlerin ist nicht Aufgabe der Opposition. Das wäre Verrat, nicht die Kante, in die Merkel jetzt zu beißen hat.
Für Indiskretionen gibt es Motive auf allen Seiten, wie immer. Aber würden wir auch eine Schlitzohrigkeit begehen wie seinerzeit Otto von Bismarck? Klar würden wir. Wenn wir dadurch einen Krieg verhindern könnten, wie den von 70/71: immer!
Erneuter Szenenwechsel. Der amerikanische Präsident hat einen General entlassen, weil Mitglieder seines Stabs anlässlich von zwei privaten Besäufnissen Witze gerissen haben, die man nüchtern nicht reißen würde, jedenfalls nicht wenn ein Reporter des Magazins Rolling Stone (Auflage 1,4 Millionen) dabei ist.
Was der Journalist da gemacht hat, war ein Vertrauensbruch. Darf er das? Ja, das darf er. Angesichts von Krieg und Frieden gibt es keine Geheimabsprachen der Mächtigen, die uns Bürger nichts anzugehen haben.
Nun scheinen die historischen Vergleiche aber ganz aus der Proportion: Ob Merkel noch mal Kanzlerin wird oder es Gabriel versuchen darf, ist keine Frage von Krieg und Frieden. Aber das Kanzleramt unter der Leuchte Pofalla reagiert so. Die Nominierung von Gauck hat wie eine Bombe eingeschlagen und im Kanzleramt eine Bunkermentalität erzeugt.
Schluss mit dem verdeckten Schmusekurs und den albernen Schaukämpfen. Die Verfassung gibt uns Bürgern ein Recht, nicht von heimlichen SMS-Kumpeln verarscht zu werden. Wir wollen wirklich Kämpfe sehen. Das eingefordert zu haben, bleibt das Verdienst von Gabriel und Trittin. Und das als ernsthafte Herausforderung kapiert zu haben, zeigt die Machtwitterung von Merkel. Auf in den Kampf, Herrschaften!
Quelle: starke-meinungen.de