Logbuch
BRECHTSCHER FRÜHSPORT.
Idylle eines Sommermorgens mit Blick in den Garten majestätischer Bäume und satten Grüns, dann auf einen malerischen See, zwei Segel, Enten ein einzelner Schwimmer und ein Kuckuck.
Der Blick streift die weißen Pylonen des Hauses, hinter ihnen hundertjährige Eichen. Da stellt sich der Naive die Frage, ob nicht schon die Vorliebe der Griechen für Säulen eigentlich eine Verehrung des runden Stammes der Waldgesellen war. Schließlich simulierten sie die ebenmäßigen Pylonen aus Steinquadern, die sie dann rundschliffen. Auch das Heim der Athene, Lieblingstochter der Zeus, war ein Säulenhain. Nicht Quader, runde Steinstämme. Der erhabene Baum als Archetyp.
Weiteres von Römern. Die Jungs haben sich halt Zeit genommen, ewig war ihre Stadt ja eh. Sie unterpflanzten die behäbigen Eichen mit schnell wucherndem Laub, um so zügigeres Wachstum zu erzeugen, vor allem aber geraderes. Schließlich sollten es die Kiele großer Kriegsschiffe geben. Wo man Aufscherung der Stämme brauchte, Gestalten nach dem Ypsilon, pflegte man solche Neigungen der Natur ein, zwei Menschengenerationen mit scharfer Schere und gab sie dann als massives Bauteil in den Schiffbau. Navigare necesse est. Schiffen tut not.
Jetzt zur Idylle am Scharmützelsee, dem Davos des Ostens. Die Russen hatten, da die hier noch lagen, das für die Eingeborenen gesperrt. Er war rigoros der Iwan, doof war er nicht. Vorher hatte hier die Nomenklatura der DDR-Sommerfrische geübt. Der Alte war auch hier. Ich erinnere seine Liste der Vergnügen am Morgen. Es grüßt sein Nachgeborener.
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KING OF SATIRE.
Jeremy Clarkson hat es zu Weltruhm gebracht, indem er schlechtes Benehmen zeigte, unverschämt war, auch vor persönlichen Beleidigungen nicht zurückschreckte und in allem einem pubertantem Männlichkeitskult folgte. Er war sarkastischer Autor von sogenannten Meinungskolumnen, Autotester der BBC mit dem erfolgreichsten TV-Format aller Zeiten, Protagonist und Produzent eines Farmer-Story in Wales. Immer mischte sich Kritik mit Klamauk, Motorjournalismus mit Comedy. Ich habe ihn gekannt, weil ich damals für einen großen Autohersteller arbeitete und um sein Wohlwollen bemüht war.
Mit den besten Empfehlungen ausgestattet näherte ich mich ihm, nur um zu erfahren, dass er mich, den Deutschen, gegenüber Dritten als „Nazi prat“ adressierte. Er sah das als sein Recht an und ich winkte es kommentarlos durch. Danach war Ruhe. Man muss die Grundregel verstanden haben: Lieber einen guten Freund verloren, als einen Gag ausgelassen. Leute zu beleidigen ist ein Geschäft, nichts Persönliches…
Jetzt hat er Prostata-Krebs und macht daraus eine große Nummer. So wie ich seinerzeit nicht zu beleidigen war, bin ich jetzt frei von Rachegelüsten; ich werde das nicht kommentieren und beobachte seine larmoyante Inszenierung der Remission mit Mitgefühl und Entsetzen darüber, wie man selbst aus dem nahen Tod eine Comedy machen kann. Möge der Herr gnädig sein und ihm einen weiteren Triumph gönnen; im Himmel kann er mit dem Arsch eh nix anfangen.
Jetzt warum ich ihn liebe. Nie hat er eines meiner Autos zerrissen. Nicht eines. Aber es gibt einen verbotenen TV-Beitrag für TopGear, wo er einen in England zusammengewichsten Schlitten aus US of A in den Hof einer Farm fährt, das Schiebedach öffnet, mit dem Gülle-Trecker vorfährt und die Karre durch’s geöffnete Schiebedach vollständig mit Gülle volllaufen lässt. Er fand den halt Scheiße. War diskriminierend, deshalb zurecht verboten, aber ein sehr großes Vergnügen.
Wer so was als King of Satire kann, sollte nicht im Alter zu Demut gezwungen werden. Lieber Gott, winke ihn durch.
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HEIMATLIEBE.
Es gibt unter Paukern an der Penne (Gymnasiallehrern) eine Hierarchie, wenn nicht mehrere. Zunächst ist da der Gesichtspunkt der Fachlichkeit; mit einem Mathematiker ist schlecht streiten oder dem altsprachlichen Kollegen, zumal wenn selbst schwach in Mengenlehre oder Homer. Dann ist da die andere Elite, die eigene Räume im Schulkomplex hat, während die restlichen Pauker wie eine Hammelherde im Lehrerzimmer aufeinander hocken; die für Chemie, Physik und Kunst. Sie haben Vorbereitungsräume, hier wird geraucht und Allohol konsumiert. Dann sind da noch zwei Funktionseliten, eine mit Überläufern zur Schulleitung, also jene, die mit am Stundenplan basteln, und die Kollaborateure mit der Schülervertretung, Vertrauenslehrer genannt. Das ist das allerletzte.
Ich selbst habe drei Laberfächer vertreten, war also unter jedwedem Kriterium eine Nullnummer. Noch weniger Achtung genoss der Kollege mit Geographie als Fach. Ein Erdkundelehrer gilt nun wirklich aller Orten als Dampfplauderer. Ich finde, zu Unrecht. Noch immer habe ich eine mündliche Abiturprüfung, bei der ich protokollierte, in Erinnerung, in der der Pennäler erklären sollte, warum bei Deutschen der Rhein sagenumwoben, bei Österreichern die Donau, aber von der Elbe einfach gar nichts Kulturelles berichtet wird.
Von der Mosel weiß man zu singen, vom Main ist nichts berühmt. Die Weser ist ein schwarzes Loch, wie die Saar. Das ist mal eine geographische Frage, die die Einbildungskraft herausfordert. An der Länge kann es nicht liegen. In allen Fällen werden die Wässer der Anhöhen in ein Meer geleitet, um dort verdampfen zu können. Das ist elementar. Warum ist es am Rhein so schön? Warum die Donau schön und blau? Hier verbirgt sich ein Hinweis.
Wer als Moselaner mal im Kremstal war, weiß sich dort zuhause. Die Römer haben hier wie dort die steilen Hänge des Flusses zum Weinbau genutzt. Es ist der Allohol, der die Phantasie der Römer wie all ihrer Nachgeborenen entzündete. Wer hätte je von Elbwein gehört. Oder käme auf die Idee, den Nibelungenschatz in diesem langweiligsten Gewässer aller Zeiten zu vermuten. Weinbau, das ist Antwort.
Wie immer ist die erste Wahrheit nur die halbe. Die großen Flüsse waren nicht nur Wasserstraßen, sondern auch Grenzziehungen. Sie haben uns die ganz unliebsamen Nachbarn vom Hals gehalten. Das will ich jetzt nicht ausführen, weil es politisch missdeutet werden könnte. Zum Beispiel von dem gelernten Turnlehrer in Thüringen, der an seiner Schule Vertrauenslehrer war. Mehr muss man über den eigentlich nicht wissen.
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Die Banken in Volkes Hand
Wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kuchen essen. Die Armut kommt von der Poverte. Und das Problem unserer Wirtschaft sind die Banken. Schon der zum Bundespräsidenten aufgestiegene Sparkassenpräsident Horst Köhler hat vom Monster des Kapitalmarktes gesprochen.
Banken sind so böse, weil sie gierig sind. Sie nehmen Zinsen und Zinseszinsen. Ob das ethisch in Ordnung ist? Jesus jedenfalls hat die Geldwechsler aus dem Tempel getrieben; Tempelreinigung genannt. Müssen wir unsere Welt von den Banken reinigen? Bedingungsloses Grundeinkommen, Zinsverbot und Freibier für alle. Jedenfalls nicht Champagner und Koks für Banker. So geht das Piratenlied.
Besonders übel sind Investmentbanken. Keine Ahnung, was das ist, eine Investmentbank, im Unterschied zu einer normalen Spaßkasse. Jedenfalls ist die Spaßkasse nicht gierig. Sie ist nicht in Händen von Heuschrecken, sondern gehört der öffentlichen Hand. So wie die Volksbanken, die in den Händen des Volkes sind.
Schon mein Großvater mütterlicherseits hat gewusst, wie man das Problem löst: “Expropriiert die Expropriateure.“ Den Spruch hatte er von Teddy Thälmann, dem Vorsitzenden der KPD. „Enteignet die Enteigner.“
Mein Opa Heini war in seiner Jugend Kommunist und hat mit Kreide an den Grubenhund geschrieben: „Die Gruben in Volkes Hand!“ Dafür wurde die Förderung vom Steiger genullt; das Gedinge blieb lohnfrei. Nichts zu beißen, wegen politischer Umtriebe. Bald hatte der Berg ihm die Wirbelsäule gebrochen, ein Knappschafts-Krüppel, Invalide genannt, was aus dem Lateinischen kommt und „nichts mehr wert“ heißt.
Nachdenkend fallen mir drei Gründe ein. Zunächst mal, das mit der DDR hat irgendwie nicht so richtig geklappt. Auch Kuba gefällt mir nicht so richtig. Dann habe ich gelernt, dass in der jüngsten Finanzkrise die mit Abstand größten Verluste jene Banken gemacht haben, die schon in öffentlicher Hand sind. Bei den Spaßkassen der Bundesländer war ganz schnell Schluss mit lustig. Irgendwie will ich der Kaste der Politiker von Lafontaine bis Mappus nicht meine finanzielle Zukunft verdanken müssen.
Nun gut, es gibt aber auch moralisch erhabene Politiker, nämlich die der SPD. Das wäre meine letzte Hoffnung. Käme ich nicht aus NRW, wo Sozis die Landesbank zum Moloch ausgebaut hatten. Und wohnte ich heute nicht in Rheinland-Pfalz und Berlin, wo Herr Beck den Nürburgring saniert hat und Herr Wowereit gerade einen Weltstadtflughafen eingeweiht. Bitter, bitter.
Was also will ich: Die Banken bitte nicht in Volkes Hand! Man soll den Kapitalismus von jenen betreiben lassen, die das wirklich können. Ich hatte kein Problem mit Joe Ackermann oder dem blasierten Inder, der ihm gefolgt ist.
Aber die Parlamente und die Wirtschaftspolitik, die gehören dem Souverän. Die Politik in Volkes Hand! Wenn Sigmar Gabriel das gemeint hat, dann wähle ich ihn. Das wird dann auch dem politischen Erbe meines Opas gerecht, der die Sprüche Teddy Thälmanns im Alter durch „Willy wählen!“ ersetzt hat.
Und den Politikern, den kann man zwar nicht in den Aufsichtsräten der Banken trauen, aber in Regierungsämtern? Unsinn! Man muss drauf achten, dass sie für das geliehene Vertrauen auch Zinsen zahlen. Sonst führen sie das bedingungslose Grundeinkommen ein, für sich selbst.
Quelle: starke-meinungen.de