Logbuch
SELBSTGESPRÄCHE DER MACHT.
Fensterreden interessieren mich eigentlich nicht. Was jemand vorträgt, um andere zu beeindrucken: meist nur Eitelkeiten. Aber die vertraulichen Selbstgespräche der Mächtigen mit ihresgleichen, die müssen spannend sein. Die Stimmen im INNERSTEN der MACHT. Gerade erfahren wir, was im Management eines vermeintlich kriminellen Unternehmen gesagt worden sein soll, als die ermittelnde Staatsanwaltschaft eben diese Beschuldigten darüber informiert haben soll, dass sie, die Staatsanwaltschaft, in dieser Sache eine Presseanfrage gehabt haben soll.
Doppelte, dreifache Vorsicht: Wie bei jedem Hörensagen weiß man nicht, was inwieweit wirklich stimmt. Aber schon der Ton dieser internen Mails von WIRECARD ist literarisch interessant. Und der vermeintliche Vorgang. Die Justiziarin des Beschuldigten will, so ihre interne Bekundung, von der Ermittlungsbehörde erfahren haben, wer da aus der Presse bei der Behörde Interesse am Thema bekundet haben soll. Dieses Gerücht empört nun wiederum Teile der Presse. Und den Oberhirschen der Journalisten. Die UNBERÜHRBAREN fühlen sich berührt. Allerseits Dementis.
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ZUR PRAXIS DER GALAXIS.
Kleingeister erkennt man daran, dass sie stets groß denken. Das macht sie politisch so gefährlich. Sie sind immer Agenten des Schicksals, mindestens der Arm Gottes. Es geht ihnen immer ums Ganze. Die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel. Mutter Erde stirbt. Und das epochale Unheil, es ist von MENSCHEN GEMACHT. Die Frage nach den Ursachen ist dabei nicht die nach der Größenordnung oder den wirklichen Gründen. Oder der Verhältnismäßigkeit. Es geht um Symbolisches, sprich kleine Sünden, die große Strafen rechtfertigen.
Der grüne Zeitgeist fiebert, wenn er fundamental wird, in religiösem Wahn. Das KAUSALE rutscht ins SYMBOLISCHE. Das gilt dann auch für die Behebung der Misere. Auch hier muss fürsorglich alles Menschenmögliche verlangt werden. Man soll Buße tun. Sich selbst kasteien. Man kann sich dieserhalben mit einer Peitsche auf den Rücken schlagen oder, so höre ich, eine Dornenkette um den Oberschenkel tragen. Wer war das noch? Die Jesuiten? Auch schwarz-grün.
Man hört schon die Boulevardphilosophen wie Herrn Precht darüber räsonieren, was nach der Corona-Pandemie zu kommen habe, etwa wenn wegen der Klimaveränderung Vater Staat strengere Seiten aufziehen muss. Da sei es dann mit Maskenpflicht und bloßem Hausarrest nicht getan. Das Schreckensbild einer ÖKO-DIKTATUR nimmt für diese modernen Wahrsager wünschenswerte Formen an.
Der grün-schwarze Fürsorgestaat, der hier an die Wand gemalt wird, droht uns ungezogenen Kindern übrigens nicht als strenger Vater, sondern mütterlich, als Fortsetzung des Matriarchats. Es ist daher folgerichtig, dass auf Angela jetzt Annalena folgt. Wir, die ehedem erwachsenen Wähler, werden verkindert und stecken fürderhin als Infanten in der Ödipus-Falle; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
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PRESSEFREIHEIT.
Das Wort des Urgesteins. Mit schlichten Worten, aber großer Strahlkraft. Der Kernsatz zur Verteidigung einer freien und aufklärenden Presse ist von dem TV-Moderator Hajo Friedrichs, nach dem man sich als Journalist mit keiner Sache gemein mache, auch keiner guten. Fundamental richtig!
Ich kannte ihn persönlich. Wir haben mal einen Unternehmensfilm für die VIAG AG produziert. Ich war da der PR-Chef. Er hat auf meine Bitte hin die Vorstände zum Geschäftsergebnis interviewt. Eine private TV-Produktion aus Dortmund hat es aufgezeichnet. Das bekannte Gesicht aus dem allabendlichen Fernsehen und meine unbekannten. Ein schönes Stück.
Shakespeares Hamlet: „Der Rest ist Schweigen.“
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FDP light: immer im Anschein blasierter Arroganz
Die FDP kommt nicht wieder auf die Füße. Ob nun der Sockenpuppen-Doktor Rösler ihr vorsteht oder der jüngst genannte Yuppie Lindner. Die Partei wird dem nächsten Bundestag leider nicht mehr angehören. Das bedauern viele; es beeindruckt die Partei selbst aber nicht. Eitle Herablassung, eine blasierte Arroganz beherrscht den Ton dieser Liberalen. Wegen des falschen Tons gehen die Westerwelles und Röslers nach Volkes Willen unter.
Ein kleiner Beweis für diesen bösen Befund. Wann immer irgendeiner der FDP-Granden in den Medien einen Auftritt hat und dabei Wortlaut absondern darf, vermeldet das die Pressestelle der Partei via Pressemitteilung an den Rest der Presse. Manchmal sogar mit einer Sperrfrist, weil man schon mit etwas prahlt, dass noch gar nicht gesendet worden ist. Das mag gut sein, insbesondere für jene Redaktionen, die keinen Internetanschluss haben. Es ist aber das Gackern der Hähnchen, bevor die Hühner Eier gelegt haben.
Wie, wir schauen mal genau hin, überschreiben die liberalen Partei-Strategen das Prahlen mit Interviews? Sie nennen es „ein Interview für die Welt“ oder „ein Interview für den Deutschlandfunk“, um dann auszuführen, dass Herr So-Und-So „der Welt ein Interview gab“. Dann nennen sie noch namentlich, wer aus der Redaktion die Fragen stellen durfte. Der Ton macht die Musik. Die Sprache ist verräterisch.
Ein „Interview für die Welt“ ist kein Gespräch mit der „Welt“, schon gar keine Diskussion ( siehe: „die Fragen stellte…“). Es ist die Benutzung der „Welt“ für eine Mitteilung an die Welt (da draußen, wie man in Bonn und Berlin sagt). Wir kennen diesen Gestus von Wilhelm II und Madonna. Vielleicht sollte man treffender von gewährten Audienzen reden.
Denn was die PR-Leute in der Parteizentrale meinen, ist: Herr Rösler gewährte ein Interview; deshalb ist es dann ein Interview „für“ die Welt. Man kann aber ein Gespräch nicht „für“ jemanden führen, sondern nur „mit“ jemandem. Es gibt ein Interview „in“ der Zeitung oder „mit“ der Zeitung. Ein Wortlaut „für“ die Zeitung, das zeigt das Denken. Es handelt sich um einen hoheitlichen Akt. Seine Majestät haben ein Interview gewährt, für diesen oder jenen Schreiberling. Der Rest der Tintenkleckser möge es jetzt bitte abkupfern.
Diese Boygroup agiert wie die Hähnchen auf dem Mist. Sie krähen, wo sie staatsmännisch sein sollten. Wir haben noch Genschman im Ohr oder Graf Lambsdorff, wenn wir die Westerwelles kikerikien und die Röslers Witze über Fröschetöten machen hören. Not good enough. Diese FDP redet nicht mit dem Wähler, sie redet „für“ ihn. Deshalb, bitter genug, empfindet selbst die eigene Wählerklientel: gewogen und für zu leicht befunden.
Quelle: starke-meinungen.de