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DIE WÄRMEPUMPE.

Mein Freund sagt: Wir leben in einem Land, in dem wir frei entscheiden können, welches Geschlecht wir wählen, aber nicht, welche Heizung. Ihn irritiert, dass eine Bundesregierung eine spezifische Technik zur Raumheizung vorschreiben will. "Sie sagen mir nicht nur, was ich machen soll, sondern auch noch, wie."

Niemand kann gegen Sonne und Wind sein, der bei Verstand ist; eh klar. Gespräch mit einem wirklichen Fachmann. Ich rede mit einem Handwerker, der das in zweiter Generation macht (und dessen Kinder gerade übernehmen). Der sagt mir: "Wir haben mit den Wärmepumpen nur Ärger. Nach drei Jahren fangen die Dinger alle an rumzuzicken; Du fährst zweimal die Woche raus. Die Kunden maulen nur noch. Nach zehn Jahren sind sie kaputt."

Ein Ölbrenner, sagt mir der gleiche Mann, hält zwanzig Jahre. Und ein Holzkamin hundert. Na gut, wir haben dann mal einen Ofen in den Kamin gesetzt, weil der weniger staubt, aber dann hat man für weitere 25 Jahre Ruhe. Der Mann hat mit mir gerade ein Passivhaus gebaut, das zuvor zwei Jahrhunderte auf dem Buckel hatte. Und jetzt noch mal hundert vor sich. Man komme uns auf dem Dorf also nicht belehrend mit dem Thema Ökobilanz.

Die Menschen stört nicht so sehr, dass politisch entschieden wird, russisches Pipeline-Gas durch amerikanisches Fracking-Gas zu ersetzen und das Rohr durch den Tanker. Primat der Politik. Mich persönlich, Kind der Ruhr, stört schon gar nicht die aktuelle Kohle-Renaissance, auch wenn mir Steinkohle mehr am Herzen liegt als dieses schnittfeste Wasser namens Braunkohle. Und Fragen der Kernenergie entscheidet man nicht durch Fingerschnippen, einverstanden.

Primat der Politik, das heißt Entscheidungen möglichst vor Ort und immer verlässlich; im Amtsdeutsch:  sachlich begründete Rahmenbedingungen, Subsidiarität und Rechtssicherheit. Es heißt nicht: mein Schwager ihm sein Trauzeuge von der So-und-so-Stiftung findet übrigens Wärmepumpen ganz ganz toll.

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DANKSAGUNG.

Höflichkeit besteht nicht in Subordination, sondern in der Achtsamkeit, wann eine Geste des Dankes angebracht sein könnte. Ich schätze kleine Gesten des ehrlich empfundenen Dankes. Selten, deshalb wertvoll.

Der Überschwang ist immer verdächtig. Es ist den Amerikanern eigen, dass sie "outspoken" sind und meist zu laut. Besondern fällt mir das in Hotels auf, in denen man sich ständig nach meinem Wohlbefinden erkundigt. Nicht nur, wie meine Anreise war, will die freundliche junge Dame an der Rezeption wissen; ihre Kollegin beim Frühstück erkundigt sich sogar, wie meine Nacht war. Also ehrlich, wen geht das was an?

So übertrieben gut gelaunt man in den USA daherkommt, so ausgeprägt ist die Übellaunigkeit in Italien. Sie gehört zu einem Standard der öffentlichen Ehrpusseligkeit. Der italienische Herr ist in der Lage aus jeder Frage, gleich welcher Beiläufigkeit, eine Frage der Ehre zu machen; und er ist bereit sie zu verteidigen selbst wenn sie nicht angegriffen wurde. Darauf steige ich nie ein, schon gar nicht im Geschäftsleben.

Beiläufig: Die Italiener bescheißen gern, die Amis glauben an das Controlling; deshalb hat es noch nie eine erfolgreiche Fusion eines italienischen mit einem amerikanischen Unternehmen gegeben. Oder mit einem deutschen. Die Weisheit habe ich von einem Österreicher, für den ich mal gearbeitet habe. Apropos Österreicher.

Ausgesuchte Höflichkeit ist in Wien jedem Kaffeehauskellner in die Wiege gelegt. Ich schätze das. Auch der Handkuss ist mir nicht fremd. Der natürlich, das sei hier allen teutonischen Barbaren gesagt, ein angedeuteter Kuss ist, kein Lippenkontakt, aber ein angedeuteter Diener. Das wiederum ist eine leichte Verbeugung. Eine leichte.

Sich bedanken zu können, ohne das Objekt der Bezeugung in Verlegenheit zu bringen, das ist die Königstugend. Die ehrliche Danksagung, eine deutsche Tugend.

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DER PROVOKATEUR.

Wenn der Witzbold sich zur Routine der ständigen Selbstübersteigerung verleiten lässt, dann ist er irgendwann nicht mehr komisch. Irgendwann bricht der Tabubrecher sein letztes Tabu. Und das dann ihn. Provokateure begehen Selbstmord in Raten.

Im Englischen heißt das, was wir hier abhandeln "Meinungsjournalismus", den bestimmte Spitze Federn in Kolumnen ausüben, die weniger über ein Thema Leser anlocken als über eben diesen Autoren. Die Kolumnisten erziehen sich ein Publikum, indem sie eine Erwartung bedienen, die jener gleicht, der Artisten im Zirkus frönen. Es müssen argumentative Kunststücke aufgeführt werden, bei denen der Leser fürchten können muss, dass sie schief gehen. Und hier und da, da gehen sie schief.

Die Seiltänzer im Meinungsgeschäft arbeiten ohne Netz. Sie nähern sich Tabus weiter, als der geschätzte Leser dies selbst vollführen würde. Darin liegt ihr Unterhaltungswert: "Die trauen sich was!"  Sie müssen Kühnes äußern, manchmal auch Tollkühnes. Darin liegt zugleich eine große Versuchung: wer immer weit gehen muss, der geht aus professioneller Routine irgendwann zu weit.

Der Kolumnist lebt von seiner Selbststigmatisierung als Höllenhund. Und er stirbt daran. So jetzt also dieser Boris Palmer, den ich mal kennenlernen durfte und für so wenig unterhaltend, ja ermüdend, hielt, dass ich im Laufe eines längeren Tübinger Abends mehreren Gläser Wein zusprach. Der brave Hans Leyendecker saß neben mir und bemerkte irgendwann, dass ich einen zu viel hatte. Und fragte mich, ob ich Kummer hätte. Leyendecker versteht nicht, dass man nur aus Langeweile trinkt, nie aus Kummer.

Der Originalitätszwang des Gewerbes ist eine Droge, die irgendwann zum Gift wird. Davon kann der große Jeremy Clarkson ein Lied singen oder der nicht ganz so große Aphorismus-Professor. Peter Sloterdijk glaubt Opfer einer solchen Verkennung gewesen zu sein. Harald Martenstein kriegen wir später. Dieter Nuhr nie. Mich selbst irritiert am meisten, wenn Kolumnisten beginnen, politische Lager zu bedienen, insbesondere die der neuen Rechten. Im Moment fürchte ich sehr um Konstantin Kisin. Den kennt man hierzulande nicht? Gut so, das, und nur das, könnte ihn retten.

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Party statt Produktion: Wie wir uns verlieren

Vater Unser, das ist doch, sagt unser Gedächtnis an lang vergangene Zeiten, das Gebet, das uns der Religionsstifter gelehrt hat, zuletzt in Kindertagen aufgesagt. Pater Noster ist das Gleiche in Latein. Und ein sagenumwobener Aufzug. Quietschende Körbe bewegen sich in endlosem, vor allem aber ununterbrochenem Reigen; man springt auf und ab. Wem das nicht gelingt, dem drohen im Keller und auf dem Dachboden ungeheuerliche Gefahren. Ein Hinweisschild im Paternoster bestreitet das; aber wer mag das schon glauben, in einem Land, das Kraftwerke durch Windmühlen ersetzt?

Wir fahren in Flemings Deluxe Hotel am Eschersheimer Tor in den fünften Stock; dort oben bietet ein renommiertes Restaurant Aussicht. Man blickt auf den Eschersheimer Turm, in dessen Schatten einst die Frankfurter Rundschau gemacht wurde. Sie befindet sich in Liquidation. Meine Gäste werden sentimental. Die FR war ein Teil ihrer Jugend. Man las sie, bevor man im Hörsaal 6 Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit lauschte. Das Blatt war links-liberal in einer Zeit, als das Schwarze noch hegemonial war. Zu dieser Zeit bewohnte unser Paternoster-Gebäude noch ein Chemieunternehmen, das im Hörsaal 6 als IG-Farben-Nachfolger verschlissen wurde; man assoziierte das Vernichtungsgas Zyklon B und den Holocaust. Und die verhassten Konservativen der hessischen Union, bei denen das Schwarze braune Schatten warf.

Tempi passati. Der Revolutionär Cohn-Bendit wünscht sich heute eine Koalition mit den Schwarzen. Das Chemieunternehmen hat das Gebäude am Eschersheimer Tor geräumt und der Schickeria wird ein Hotel im kruden Charme der Fünfziger Jahre geboten. Wir essen im Edelrestaurant im 5. Stock für gut dreißig Euro das Stück (200 g) Steaks aus Argentinien. Weil die Kuh in der Idylle der Pampa nur gesundes Gras kriegt. Bio-Landwirtschaft lobt die Speisekarte aus. Die grüne Revolution ist angekommen. Man darf eine Karikatur des Zeitgeistes miterleben: Im rekultivierten Kasino des IG-Farben-Nachfolgers sitzt eine ökologisch gestimmte Petite Bourgeoisie beim Weinchen und weint dem linksliberalen Blatt nach, das seine Jugendträume beflügelt hat.

Gerichtet hat das Blatt schliesslich das Management seines Verlegers, namentlich der SPD, die es von der Karl-Liebknecht-Straße in Ostberlin aus betreiben wollte. Welch ein Irrsinn, für die Frankfurter Schule Konserven aus der Kantine einer SED-Bezirkszeitung. Die SPD hat die traditionsreiche Geschichte ihres publizistischen Versagens um eine weitere Schandtat bereichert.

Man seufzt. Energiewende: Windparks in der Nordsee, leider fehlen die Kabel, um den grünen Strom anzulanden. Solarindustrie: Von den Konkurrenten aus dem Reich der Mitte ruinert. Atomkraft: Die Industrie hat aufgegeben, die Götter mögen die Reste entsorgen. Es rauchen Tag und Nacht die Schlote in den Braunkohlerevieren in der Lausitz und dem Rheinland. Der Duft der DDR ist wieder da. Deutschland  entindustrialisiert sich. Party statt Produktion.

Was ich noch erwähnen sollte: Zum Steak gab es Sprossengemüse aus dem Wok. Die mittels Sprossen aus Bienenbüttel, Niedersachsen, verbreitete EHEC-Seuche hat mehr Menschen umgebracht als Fukushima. Wir sinnieren darüber, während wir das Restaurant und den fünften Stock über ’s Treppenhaus verlassen. Ging ganz gut. Aber runter zu kommen, ist ja nie das Problem.

Quelle: starke-meinungen.de