Logbuch

ARSCHGEWEIH.

Ötzi hat 61 Tattoos. Trotzdem eine Unart. Es gehört kein Anker auf den Oberarm, kein Segelschiff auf die Brust und keine Lolita auf den Bauch. Ich erteile hiermit ein Ornament-Verbot für den Steiß.

Ein Herr, der aller Wahrscheinlichkeit nach kein Herr ist, betritt in Begleitung einer Dame ein Edelrestaurant und entledigt sich nicht seiner Kopfbedeckung, einer Kappe. Ich muss hier nicht erwähnen, dass das gar nicht geht; der Gentleman zückt den Bowler, wenn in geschlossenen Räumen. Und der sprichwörtliche Prolet, Andy Capp genannt, gehört hier eigentlich nicht hin. Zu der Dame, die sehr wahrscheinlich keine Dame war, kein Kommentar.

Dann setzt der Lude am Nachbartisch doch die Kappe ab. Wir sehen, dass der komplette Glatzkopf vom Nacken bis zur Stirn mit großflächigen Tattoos überzogen ist. Von hinten wirkt der Schädel wie die Fratze eines Monsters. Damit sind wir, urplötzlich zu Anthropologen gewandelt, bei dem Ur-Motiv der körperlichen Verunstaltung in primitiven Kulturen: Der Feind, oder auch nur das wilde Tier, soll in Angst und Schrecken versetzt werden. Dazu also Tinte unter die Haut. Wie tief kann man sinken.

Früher waren Tätowierungen Seeleuten vorenthalten, die sich die Zeit während langer Flauten vertrieben, oder Knastbrüdern, die eine Träne tätowierten oder drei magische Punkte. Solche Stigmatisierungen sehe ich auch bei Jackenjungs, vulgo Rocker genannt. Das Milieu legt sich Ornamente zu. Dann wurde daraus ein Sport, schließlich eine Seuche. Heute hat jede mittlere Mutti was Buntes am Knöchel. Frivoles für die Feigen.

Es handelt sich um „tribalism“, ein primitives Hobby der Primitiven, entweder ethnologisch oder kulturell. Ich will das nicht. Der Herr will das auch nicht; jener, von dem bei Moses die Rede ist. Der Körper ist sein Tempel. Da gibt es nix durch Draht oder Tinte zu korrigieren. Setz die Mütze wieder auf, Du Depp! Did I make myself clear?

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MAKE LOVE, NOT WAR.

Wenn man von Frauen spricht, die keiner erwachsenen Sexualität nachgehen, fällt der Begriff der „Jungfrau“, mit dem Religionen viel Schindluder treiben. Gibt es auch Jungmänner? Für das Christentum gibt es einen Widerspruch besonderer Sprengkraft, da die leibliche Mutter des Religionsstifters in den Status der Jungfrau versetzt wird und eine ganz besondere Vaterschaft für den „Gottessohn“ angenommen. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Weit profaner geht es mir heute um junge Männer, denen die Mädchen nicht nachlaufen und die eben diese Erfahrung gegen sich selbst richten. Der unglückliche Adonis glaubt nicht hübsch genug zu sein, eine durchgängige Pubertätserfahrung. Die Mädchen entwickeln Anmut und Brüste, die Jungs Pickel und überlange Arme. Die Hände schleifen beim Gehen über den Boden. Eine unausgesprochene Aufmerksamkeit des Jünglings gehört seinem Glied, das jede Form peinlichster Eigenwilligkeit an den Tag legt.

Der Alltagskapitalismus in den USA entwickelt eine regelrechte Theorie des sexuellen Marktwertes, der bei einem Teil junger Männer so niedrig zu sein scheint, dass ein Zwangszölibat angenommen wird. Man leidet, weil die Weiblichkeit sich nicht angezogen fühlt und es mit dem Sex nix wird. Wie heutzutage üblich, rotten sich die so Stigmatisierten im Internet zusammen. Selbstmitleid ist das beherrschende Thema dieser INCEL-Gemeinde.

Das Schlagwort INCEL ist eine Abkürzung für die englischen Begriffe „involuntary“ und „celibate men“. Incel steht für Männer, die „unfreiwillig“ im Zölibat leben, die also keinen erwachsenen Sex haben. Sie organisieren sich in den Sozialen, bestätigen sich gegenseitig ihre Weltsicht in ihren Foren, tauschen Videos und Gewaltfantasien miteinander aus. Dreh und Angelpunkt ist am Ende ihr Hass gegen Frauen. Denn das ist ja klar, dass es beim Selbstmitleid nicht bleibt. Das Stigma schlägt in Hass um, in die Stigmatisierung der Unerreichbaren. Alles Schlampen, außer Mutti.

Von hier aus ist es kleiner Sprung in das politische Milieu der NEUEN RECHTEN, im Reich der MAGA als alternative Rechte bezeichnet. Jetzt ist es nicht mehr weit zu terroristischen Ausfällen. Männlichkeitswahn als Zeitzeichen. Ich denke daran, welch biographisches Glück es war, im Lebensalter solcher Anfechtungen Sigmund Freud gelesen zu haben, Wilhelm Reich und Herbert Marcuse. Und zunehmend in die gestaltenden Hände selbstbewusster Frauen geraten zu sein.

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TINTENKLECKSER.

Der Tintenfisch hat neun oder elf Gehirne, je nachdem, ob es sich um einen Acht- oder Zehnfüssler handelt; jeder seiner Fangarme ein eigenes separates und natürlich das Haupthirn, dem die zentralen Steuerung unterliegt. Er erkennt menschliche Beobachter wieder, nutzt Werkzeug und kann sich komplizierte Problemlösungen über Monate merken. Er ist in einem ganz symbolischen Sinne ein intelligenter Kopffüßer.

Dabei nicht mal ein Wirbeltier, wie etwa der Fisch, an dessen Evolution irgendwann mal der Affe und dann der Mensch steht. Das schmackhafte Weichtier ist deutlich vorher abgebogen und bevölkert nun als weicher Fleischfresser die Weltmeere. Es gilt der Wissenschaft als interessantes Studienobjekt; und macht auch dem Laien Freude. Stichwort „Multitasking“. Wenn ich ebenfalls für jeden meiner Gliedmaßen ein eigenes Gehirn hätte, was könnte ich alles anstellen? Das wären ja vier bis fünf Extremitäten und noch der zentrale Verstand; sechs Gehirne, alter Schwede.

Zudem kann die PR lernen, wie man Angriffe von Journalisten erfolgreich abwehrt, mittels Tinte. Der raffinierte Tintenfisch stößt bei Angriff eine Wolke aus seinem Tintensack aus und erst unmittelbar danach gibt er sich einen gewaltigen Schub, die Wolke dort hinterlassend, wo jetzt der Raubfisch zuschnappt. Damit verwirbelt er die Tinte erst recht und steht so durch eigene Idiotie vollständig eingenebelt, aber mit leerem Maul, während der Kopffüßer ins Freie gleitet. Solches hörte ich gern von meinem Vers.

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Wir brauchen die Drohnen – nicht nur zum Killen, auch zum Stillen und Wohnen

Man muss dem netten Thomas de Maizière, unserem Kriegsminister, dringend zur Seite springen. Der Mann ist unnötigem Spott ausgesetzt. Und das nur, weil er die Zeichen der Zeit verstanden hat. Die Hugenotten sind zwar Kummer gewöhnt (sie mussten im 17. Jahrhundert von Belgien nach Brandenburg ziehen; man weiß nicht so recht, was schlimmer ist). Der Mann ist aber Sohn eines Generalinspekteurs, also nicht irgendein Zivilist. Er weiß, wovon er spricht, und was er für unsere Armee anschafft. Stichwort Drohne.

Dieses Land lebt schon so lange im Frieden, dass das nötige Verständnis für die Kriegskunst verloren geht. Das räsonnierende Gekasper mit den ferngesteuerten Drohnen beruht ja nur auf der Furcht vor Verlusten an Soldaten. Von solchen Sentimentalitäten waren frühere Zeiten frei. Noch mein Vater gehört zu einer Generation, die sich als Kanonenfutter verstand.

Lange vor der Konjunktur für Selbstmordattentäter unter Terroristen gab es solche Einrichtungen im regulären Militär. Berühmt sind die japanischen Marineflieger, Kamikaze genannt, die sich freiwillig mit ihren Fluggeräten auf feindliche Objekte stürzten. Weniger bekannt ist, dass die Japaner im Zweiten Weltkrieg auch bemannte Torpedos einsetzten.

Über Jahrhunderte wurde Sklaven und Völker mit geringerem Rechtsstatus in Kriegen verheizt. Die Schweizer Garde des Papstes geht auf die Reisläufer zurück, Söldnerheere, die aus der bettelarmen Schweiz rekrutiert wurden, um in den Kriegen fremder Herren zu sterben. Heute sollen das Maschinen tun, weil man zwar morden will, aber keine Mörder mehr stellen. Diese Rechtskultur stammt aus dem US-amerikanischen Krieg gegen den Terror: shoot first, argue later.

Der Spott über unseren geschätzten Verteidigungsminister in Sachen Drohnen ist kurzsichtig. Drohnen werden noch in ganz andere Bereiche unseres täglichen Lebens einziehen. Im Altenheim an meinem Landsitz erzählt der Vorsitzende des Fördervereins allen Ernstes, dass das Thema der Pflegeroboter Zukunft habe. Den demographischen Faktor werden wir, sagt er, nur durch Drohnen in den Griff kriegen, Pflegedrohnen. Bei Demenz setzt man heute schon sogenannte Tamagotschis ein, virtuelle Tiere, die der dösigen Oma mit allerlei Menschenähnlichem den Tag verkürzen.

Das ist erst der Anfang. Da Neugeborene zunehmend zwecks Erhaltung steiler Oberweiten mit Flaschen aufgezogen werden, steht die Entwicklung der Stillroboter an, die statt einer albernen Plastikflasche nunmehr stattliche Brüste in Doppel-D anbieten. Mit der Legalisierung der Homo-Ehe muss auch die früher durch getrenntgeschlechtliche Kohabitation herbeigeführte Besamung eine Drohne erledigen. Die ersten Samenbanken bieten solche Begattungsdrohnen an.

Die älteren Ehepaare unter unseren Lesern werden zugeben, dass das Verhaltensspektrum eines über Jahrzehnte angepassten Gatten nicht so variantenreich ist, dass es nicht durch einen Roboter ersetzt werden könnte. Dazu sind die ohnehin massenhaft in Gebrauch befindlichen Dildos (im Rheinland auch als „Rappeltünnes“ bekannt) künftig in lebensgroße Kens (die von Barbie, nur größer) einzubauen.

Seit der Antike denken wir über Automaten nach, die in Menschengestalt daherkommen. Das 18. Jahrhundert hat, nach Erfindung der Uhr, hier eine wahre Euphorie entwickelt. Man denke nur an den „Schachtürken“, der auf Jahrmärkten selbst Großmeister des Brettspiels zu schlagen wusste. Manche Androide waren von so edler Frauengestalt, dass sie die Herzen der Männer gefangen hielten. Und mancher Mann meint auch heute noch mit einem Automaten verehelicht zu sein.

Drohnen werden mit der dementen Oma wohnen und das Enkelchen stillen, damit Mamas Brust knackig bleibt, und in Berlin, wo sich bisher heiratende Lesben eigens ein Schwulenpärchen zur Zeugung suchen mussten, den Familienstand sichern und und und. Um ehrlich zu sein, es gibt Tage, da sehe ich meinen Kollegen am Schreibtisch gegenüber an und frage mich, ob wo bei ihm der Stecker zum Nachladen ist.

Schluss mit der Kritik an dem flotten Hugenotten. Sonst kommt eine Drohne.

Quelle: starke-meinungen.de