Logbuch

NAMENLOS.

Bei der letzten großen Machtergreifung, der der Nationalsozialisten, die in den Zweiten Weltkrieg führte und industriell betriebene Vernichtungslager mit Behinderten, Abweichlern und vor allem Juden füllte, flohen viele der Intellektuellen nach Hollywood. Nicht, dass man sie großartig eingeladen hätte, aber manchen gelang eben über einige Zwischenstationen in Europa und Russland am Ende die Flucht und eine Anstellung in der amerikanischen Filmindustrie. Jedenfalls überlebte man.

Man fühlte sich dort allerdings unterschiedlich wohl. Und viele Migranten amerikanisierten ihre europäischen Namen, insbesondere die osteuropäischen, in die einfachen Lautungen des Exils. Bob & Bill. Ich lese dazu ein gerade erschienenes Buch über die „Paranoia in Hollywood“ und stoße zum ersten Mal auf eine Notiz von Bertolt Eugen Brecht, die mich amüsiert und auch berührt. Er beschwert sich darüber, ständig seinen Namen buchstabieren zu müssen. „Please, spell your name!“ Nicht uneitel fügt er an, dass er zuhause einen großen Namen gehabt habe.

Als der arme BB Deutschland verließ, war er tatsächlich wegen des Erfolges der Dreigroschenoper ein berühmter Mann. Hier in Hollywood ist er ein Niemand, der zudem im Englischen nur radebricht. Man hat keine Verwendung für ihn bei den Drehbuchschreibern der Traumfabrik und er fremdelt und hungert. Übrigens im Gegensatz zu Thomas Mann, dem Nobelpreisträger, der im Exil blendend zurechtkommt. Na klar. Tom Man fällt der amerikanischen Zunge leichter als Bert Brecht. Aber da ist mehr.

Thomas Mann gibt den faustischen Deutschen samt und sonders aus dem Exil über die BBC eine charakterliche Kriegsschuld; da denkt der Linke Brecht differenzierter. Thomas Mann ist in den USA berühmt und betucht; an beidem lässt er seinen Bruder Heinrich nicht teilnehmen. Brecht schon gar nicht. Bört Brecked? Please, spell your name. Das schmerzt. Brecht will nach dem Krieg möglichst schnell raus aus den USA, wo eine antikommunistische Propaganda um sich greift. Er besorgt sich einen Schweizer Pass, gibt sein Geld nach Frankfurt/Main und zieht nach Ostberlin.

Wir wollen aus den großen Schicksalen zumindest eine kleine Moral ziehen. Wir achten künftig die komischen Namen seltsamer Migranten. Und deutschen sie nicht einfach plump ein. So viel Zeit muss sein.

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RESPEKT.

Die Politikerin Bärbel Bas aus Walsum hat ihre hohen Ämter in Partei und Regierung niedergelegt und wird nur noch einfaches Mitglied des Bundestags bleiben. Die SPD hat für das Sozialministerium sofort einen Nachfolger benannt, der das Amt mit Erfolg wird ausüben können. Der Lange kann das. Ich vertraue ihm.

Frau Bas hat private Gründe genannt, die jeden Respekt verdienen. Sie trauert um eine Tochter. Näheres geht niemanden etwas an. Leider hat sie dabei nicht der Versuchung widerstanden, einem Nachtreten in Richtung politischer Mitbewerber nachzugeben. Das war wirklich nicht klug.

Ich werde die Frage, ob sie den Anforderungen ihrer Ämter gewachsen war, nicht nachgehen, obwohl sie selbst unfreiwillig dazu durch diese fatal gemischte Einlassung eingeladen hat. Mir geht es um die Begründung dieser Nachsicht.

Erstens Ritterlichkeit. Es gibt einen Standard männlichen Verhaltens Frauen gegenüber. Zweitens Sportlichkeit. Es gibt einen Standard des Verhaltens Verlierern gegenüber. Drittens Fairplay, auch im stets kontroversen politischen Wettbewerb. Ich füge viertens Caritas hinzu; das ist im Lutherdeutsch Nächstenliebe, die keine Häme kennt, wenn sie auf Schwäche trifft. Das reicht ja wohl.

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KLARE KANTE.

Die Hauptstadt sucht nach einer Regierung; ein Wahlergebnis ist zu berücksichtigen. Man sondiert im Geheimen. Es verlautet, die Dinge seien schwierig. Finde ich nicht.

Ich möchte keine Faschisten an der Macht sehen, die die Verteufelung von Fremden in dem Konzept einer Volksgemeinschaft pflegen und Abstammung über Aufklärung stellen. Damit ist die AfD, egal, was sie sagt, raus.

Ich möchte keine Kommunisten an der Macht sehen, die Privatvermögen enteignen wollen, um die Wirtschaft wieder als Volkseigenen Betrieb führen zu können und den Staat über das Individuum stellen. Damit ist die Links-Partei, egal, was sie sagt, raus.

Ich möchte nicht in Berlin mit Befürwortern des islamischen Staatsterrors und Antisemiten Gettos bilden, die die Scharia einführen. Oder über Staatsbürgerschaft als biologisches Privileg reden und meinem Nachbarn mit Vertreibung drohen. Oder Europa zugunsten russischen Vasallentums verlassen wollen. Von den Freunden des organisierten Verbrechens nicht zu reden. Das alles möchte ich nicht, egal, was die so in den Senkel Gestellten jetzt sagen, um doch noch an die Futtertröge zu kommen.

Damit müssen die verbliebenen Parteien der bürgerlichen Mitte sich halt zusammenraufen, auch wenn einander verleidet. Schwarz rot grün. Zweckdienliche Lippenbekenntnisse faschistischer oder kommunistischer Lautung helfen ersatzweise nicht. Wenn es damit nicht reicht, Neuwahlen. So einfach ist das, wenn man Prinzipien hat.

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Wir brauchen die Drohnen – nicht nur zum Killen, auch zum Stillen und Wohnen

Man muss dem netten Thomas de Maizière, unserem Kriegsminister, dringend zur Seite springen. Der Mann ist unnötigem Spott ausgesetzt. Und das nur, weil er die Zeichen der Zeit verstanden hat. Die Hugenotten sind zwar Kummer gewöhnt (sie mussten im 17. Jahrhundert von Belgien nach Brandenburg ziehen; man weiß nicht so recht, was schlimmer ist). Der Mann ist aber Sohn eines Generalinspekteurs, also nicht irgendein Zivilist. Er weiß, wovon er spricht, und was er für unsere Armee anschafft. Stichwort Drohne.

Dieses Land lebt schon so lange im Frieden, dass das nötige Verständnis für die Kriegskunst verloren geht. Das räsonnierende Gekasper mit den ferngesteuerten Drohnen beruht ja nur auf der Furcht vor Verlusten an Soldaten. Von solchen Sentimentalitäten waren frühere Zeiten frei. Noch mein Vater gehört zu einer Generation, die sich als Kanonenfutter verstand.

Lange vor der Konjunktur für Selbstmordattentäter unter Terroristen gab es solche Einrichtungen im regulären Militär. Berühmt sind die japanischen Marineflieger, Kamikaze genannt, die sich freiwillig mit ihren Fluggeräten auf feindliche Objekte stürzten. Weniger bekannt ist, dass die Japaner im Zweiten Weltkrieg auch bemannte Torpedos einsetzten.

Über Jahrhunderte wurde Sklaven und Völker mit geringerem Rechtsstatus in Kriegen verheizt. Die Schweizer Garde des Papstes geht auf die Reisläufer zurück, Söldnerheere, die aus der bettelarmen Schweiz rekrutiert wurden, um in den Kriegen fremder Herren zu sterben. Heute sollen das Maschinen tun, weil man zwar morden will, aber keine Mörder mehr stellen. Diese Rechtskultur stammt aus dem US-amerikanischen Krieg gegen den Terror: shoot first, argue later.

Der Spott über unseren geschätzten Verteidigungsminister in Sachen Drohnen ist kurzsichtig. Drohnen werden noch in ganz andere Bereiche unseres täglichen Lebens einziehen. Im Altenheim an meinem Landsitz erzählt der Vorsitzende des Fördervereins allen Ernstes, dass das Thema der Pflegeroboter Zukunft habe. Den demographischen Faktor werden wir, sagt er, nur durch Drohnen in den Griff kriegen, Pflegedrohnen. Bei Demenz setzt man heute schon sogenannte Tamagotschis ein, virtuelle Tiere, die der dösigen Oma mit allerlei Menschenähnlichem den Tag verkürzen.

Das ist erst der Anfang. Da Neugeborene zunehmend zwecks Erhaltung steiler Oberweiten mit Flaschen aufgezogen werden, steht die Entwicklung der Stillroboter an, die statt einer albernen Plastikflasche nunmehr stattliche Brüste in Doppel-D anbieten. Mit der Legalisierung der Homo-Ehe muss auch die früher durch getrenntgeschlechtliche Kohabitation herbeigeführte Besamung eine Drohne erledigen. Die ersten Samenbanken bieten solche Begattungsdrohnen an.

Die älteren Ehepaare unter unseren Lesern werden zugeben, dass das Verhaltensspektrum eines über Jahrzehnte angepassten Gatten nicht so variantenreich ist, dass es nicht durch einen Roboter ersetzt werden könnte. Dazu sind die ohnehin massenhaft in Gebrauch befindlichen Dildos (im Rheinland auch als „Rappeltünnes“ bekannt) künftig in lebensgroße Kens (die von Barbie, nur größer) einzubauen.

Seit der Antike denken wir über Automaten nach, die in Menschengestalt daherkommen. Das 18. Jahrhundert hat, nach Erfindung der Uhr, hier eine wahre Euphorie entwickelt. Man denke nur an den „Schachtürken“, der auf Jahrmärkten selbst Großmeister des Brettspiels zu schlagen wusste. Manche Androide waren von so edler Frauengestalt, dass sie die Herzen der Männer gefangen hielten. Und mancher Mann meint auch heute noch mit einem Automaten verehelicht zu sein.

Drohnen werden mit der dementen Oma wohnen und das Enkelchen stillen, damit Mamas Brust knackig bleibt, und in Berlin, wo sich bisher heiratende Lesben eigens ein Schwulenpärchen zur Zeugung suchen mussten, den Familienstand sichern und und und. Um ehrlich zu sein, es gibt Tage, da sehe ich meinen Kollegen am Schreibtisch gegenüber an und frage mich, ob wo bei ihm der Stecker zum Nachladen ist.

Schluss mit der Kritik an dem flotten Hugenotten. Sonst kommt eine Drohne.

Quelle: starke-meinungen.de