Logbuch

FRAGE: WER TANZT DA DEN FREUDENTANZ.

Die Kandidatur einer jungen Frau mit türkischen Wurzeln und akademischer Qualifikation sowie sozialer Empathie hatte für das bunte Berlin eine gewisse politische Erotik, hinter der die weißen Männer der Mitte sprichwörtlich verblassten. Da sie explizit Brot und Spiele versprach, zu denen vor allem die Reichen mittels Enteignung beizutragen hätten, schienen einem Viertel der Bevölkerung paradiesische Zeiten möglich. Jedenfalls ein wenig. Von den Jungwählern ließ sich gar die Hälfte für die Links-Partei begeistern.

Der Traum ist schnell verflogen. Ich will nicht wieder damit anfangen, dass es sich bei der Linkspartei um die Nachfolgerin der SED-Diktatur der DDR handelt. Ich will nicht noch weiter in der Mottenkiste kramen und erläutern, was ich von Kommunisten halte. Man gilt dann gleich immer als sauertöpfisch und ewig-gestrig. Gut. Versuchen wir es mit Feuilleton. Wen also sehe ich auf der Party dieser Partei deren Sieg feiern? Und wie? Was tanzen sie dort? Schauen wir auf die Party der Party.

Ich sehe unter den Gästen Oberhäupter der Organisierten Kriminalität arabischer Herkunft, die sich jede Diskriminierung verbitten, da sie nur Teil der libanesischen Immobilienwirtschaft seien, was ich zu akzeptieren habe. Wir sehen die örtlichen Repräsentanten paramilitärischer Organisationen aus dem Nahen Osten, die die Meinungsfreiheit am Ort weidlich nutzen. Dabei immer wieder Grenzüberschreitung bis zur Volksverhetzung. Man sieht Aktivisten des Islamismus. Ich werde mit Elogen aus den Sozialen konfrontiert, in denen sich Bundestagsabgeordnete der Linken bei diesem Milieu liebkind machen.

Und dann sehe ich, was sie tanzen. Darf ich sagen, dass der Zauber, den ich eingangs eine erotische Politik genannt habe, verflogen ist? Ein seltsames Gemisch, das sich hier zusammenbraut. Strange brew. Ich bin froh, dass ich den Lippenbekenntnissen der jungen Frau keinen Glauben schenken muss. Es fiele mir schwer. Nein, ich traue denen nicht. Nicht meine Party.

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DER PAKT MIT DEM TEUFEL.

Früher war den Menschen ihr Seelenheil wichtig. Man hatte ihnen ausgemalt, welche Höllenqualen ansonsten drohten. Schon die Reinigung des Verstorbenen im Fegefeuer versprach furchtbarste Leiden. Trotzdem gab es eine Versuchung, mit dem Teufel einen Pakt zu schließen. Der Prototyp des deutschen Gelehrten dieserhalben ist der Doktor Faust, der mit Spitzfindigkeiten versucht, seinen diabolischen Partner Mephistopheles auszutricksen.

Man wollte den Nutzen vom Pakt mit dem Teufel, aber nicht den Preis zahlen. Verqueres Hin und Her. Bei weiblichen Delinquenten war die Inquisition nicht so zimperlich. Der Verdacht mit dem Teufel gebuhlt zu haben, führte ohne große Argumentation auf das Schafott. Eine sehr dialektische Welt von Verführung und Verbot. Jedenfalls hat Religion schon immer gebieten wollen, mit wem man sich nicht gemein machen soll; wenn auch unterschiedlich rigoros.

Was heißt das im Politischen unserer Tage? Mir fallen zwei Versuchungen zum Bösen auf. Da ist bei den Rechtspopulisten der Hang zum Völkischen und einer so begründeten Volksgemeinschaft, der mir nicht anschlussfähig scheint. Bei den Linksextremen ist es der Gaza-Mythos als Medium eines vernichtungswilligen Antisemitismus. Man wird diese Tabus nicht miteinander vergleichen wollen; kann aber doch sagen, dass ihre jeweilige Unvereinbarkeit mit unserem Gemeinwohl zur deutschen Staatsräson gehört.

Ich wollte das nur anmerken, während sich unterschiedliche politische Strömungen auf den Weg zu Koalitionsverhandlungen machen. Die leere Mitte buhlt ja um die Gunst der Ränder. Die Versuchungen zum Pakt mit dem Teufel sind stark.

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VOLKSEIGENTUM.

Berlin, höre ich jubelnd eine Wahlsiegerin sagen, gehöre nun nicht mehr den Konzernen; es gehöre wieder den Berlinern. Rückführung ins Volkseigentum. Hintergrund ist die Wahl zum Abgeordnetenhaus, aus der die Linkspartei als stärkste Kraft hervorgegangen sei. Stolze 25 Prozent; doppelt so viel wie die SPD. Die Kommunisten wollen nun den Regierenden Bürgermeister stellen. Dazu hat die Nachfolgepartei der SED eine junge Frau mit türkischen Wurzeln aufgestellt, immerhin eine Assessorin aus einem Medizinerhaushalt, die dies DDR-Light zu verkaufen weiß. Die Antisemiten und Islamisten in den eigenen Reihen will sie überstimmen.

Das erinnert mich an meinen Großvater mütterlicherseits, der, früh Invalide durch einen schweren Arbeitsunfall untertage, als Kranführer arbeiten musste und konsequent die KPD propagierte, auch noch, als man dafür ins KZ kommen konnte. Mein Opa hatte das Motto: „Die Gruben in Volkes Hand!“ Sein Gesellschaftsbild war vom Klassenkampf geprägt, nachdem ihm der Pütt die Gesundheit geraubt. Ich habe ihn gemocht. Er erschien mir im Nachkriegsdeutschland als Fossil einer anderen Zeit, die meine Eltern vergessen machen wollten. Und als Wessi schien mir Mittel- und Ostdeutschland ein unbekanntes Land großer Armut und unaufhaltsamen Verfalls. Man sollte Kaffee schicken und Kerzen ins Fenster stellen.

Jetzt wählen die Hälfte der Jungwähler in Berlin wieder Kommunisten. So schnell ist alles vergessen. Die Wohnungen in Volkes Hand! Die Kampfparole der ENTEIGNUNG hat jeden Schrecken verloren. Man will wieder eine Staatsverwaltung der Immobilienwirtschaft. Mein Opa Heini hätte das gebildeter sagen können: „Expropriiert die Expropriatöre!“ Da Eigentum schon an sich Diebstahl, ist die Rückführung des Diebesgutes in Ordnung. Man holt sich ja nur zurück, was vorher gestohlen. Ausbeuter gehören ausgebeutet. Berlin den Berlinern!

Natürlich ist das verfassungswidrig. Daher will man der Guillotine ein nettes Gesicht geben. Man will zwar enteignen, aber dafür zahlen. Die Konzerne sollen Knete kriegen, den marktüblichen Preis. Damit wäre alles legal. Und den dann zum VEB gemachten Wohnungen verpasst man einen landeseigenen Mietendeckel. So lässt sich dann für eine kleine Mark für jedermann kommod hausen.

Der dafür nötige Zaster ist zwar nicht mal im Ansatz da, aber das sind Details der Verwaltung. Übrigens soll auch AIRBNB enteignet werden, die haben ja unzählige nette Ferienwohnungen. Da ziehen dann die jungen Menschen ein. Airbnb hat aber in Wirklichkeit nicht eine einzige Wohnung. Wer so weit zugehört hat, weiß, es geht am Ende um Oma ihr sein klein Häuschen. Bei DDR-Light ist zudem auch die Stasi nicht weit.

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Vorgetäuschter Wahlkampf

Einen Orgasmus, habe ich gelernt, kann man vortäuschen. Nicht, dass ich dies als Junge überhaupt verstehe, aber eine Nachwuchspolitikerin wurde dies vor Jahren bei einem Besuch von Radio Freibier gefragt und sie hat bejaht. Damit stand das Stigma. Jetzt sitzt sie im Zug nach Stuttgart im gleichen Wagen. Ich schaue auf die erwachsen gewordene Frau und denke: Ach, Mädchen, da hast Du den Wulff gemacht.
Männer heucheln, wenn sie sagen, dass sie das überhaupt interessiert, was ein vorgetäuschter oder ein richtiger Orgasmus bei einer Frau ist; Leser von Charlotte Roche und die Warmduscherfraktion vielleicht ausgenommen. Fragt man erfahrene Frauen, so wissen sie zu berichten, dass ihnen viel daran liegt, gerade im Bett als authentisch zu erscheinen.
Authentisch ist, was der Partner wiedererkennt, wenn er in sein Unterbewusstes hineinhorcht. Authentisch ist das Wiedererkennen des Ressentiments. Mädchen, die gut im Bett sind, tun deshalb das, was die Schauspielerinnen in den Pornos tun, die sich die Jungs ansehen, wenn es drängt. Keine Menschin würde ansonsten völlig unmotiviert brüllen: „Ja, ja, oh, zeig‘s mir…“
Sex als Unterwerfungsritual, wie banal. So kommt das Schema für die Lust aus den schlechten Drehbüchern für Onaniervorlagen. Eigentlich deprimierend. Das Intimste äußert sich in der Sprache der Gosse; schlimmer noch, in der Sprache der Geschäftemacher der Gosse. Puff statt Poesie.
Während ich über den Lapsus der jungen Genossin räsonniere, fällt mir auf, dass das Syndrom des vorgetäuschten Orgasmus den gesamten Wahlkampf der Opposition erklärt. P€€R Steinbrück, der peer-spektivenlose, treibt vorgetäuschten Wahlkampf. Er will gar nicht kommen.
Die SPD will unter dem Rock von Frau Merkel, der Retterin aus den Fluten, an die Macht. Sie vergisst, dass die Dame nur Hosenanzüge trägt und Nägel beißt. Wer hier zu Diensten sein will, wird den Dackel machen müssen. Steinmeier zeigte dereinst, wie das geht. Er ist als Merkels Pudel bitter gescheitert.
Das sogenannte Kompetenzteam des Kandidaten Steinbrück wirkt wie die Besetzung einer Reisebühne, die im Stadttheater von Oer-Erkenschwick den Hamlet geben soll und irrtümlich die Truppe aus dem Bauernstadl dabei hat. Sagen wir es lutherisch deutsch: Eine SPD, in der es dem  Kandidaten an Potenz fehlt und ersatzweise Helmut Schmidt der Star ist, ist im Arsch. Homestory: Helmut hat nach Loki eine neue, aber die kennt er auch schon vierzig Jahre. Hallo?
Und die Grünen? Nicht weniger enttäuschend. Wo man wilde Szenen der Kohabitation erwarten könnte, die zur Klimax führen,  wird der Wähler mit Tändelei bespielt. Die prüde Pfarrersgattin, die dralle Dramaturgin, die anämische Knastanwältin: Großer schmutziger Sex sieht anders aus. Auch Trittin hampelt, auch er will nicht kommen.
Dabei wäre die Flut doch das Thema der Ökologen. Nichts kommt. Mutti gibt den Christopherus und die Grünen bohren in der Nase. Catch 22: das Dilemma liegt darin, dass die Natur verrückt spielt, sich aber im ideologischen Repertoire der Ökos keine zweckmäßige Antwort findet.
Der Umweltpartei sind die Antworten ausgegangen. Am Castor sollte, so die alte Heuchelei, die Menschheit vergehen, jetzt aber, da ganze Landstriche ersaufen: Schweigen im Wald. Hinter den Bio-Pose lukt nur eins hervor, der Wille zur Macht.
Der vorgetäuschte Wahlkampf von Rot-Grün löst den bösen Satz von Schwarz-Gelb ein, dass diese Politik „alternativlos“ sei. Das ist im Grundsatz eine Frechheit, weil es das Wesen von Politik ist, dass es immer mindestens eine Alternative gibt. Und es stimmt doch. Diese Opposition ist keine, Vollversager.
Das alles erinnert mich an das kleine Gedicht von Erich Fried, in dem die Impotenten sagen: „Eines Tages werden wir den Geschlechtsverkehr widerlegen.“

Quelle: starke-meinungen.de