Logbuch

PEST & CHOLERA.

Gestern fast 500 Sterbefälle pro Tag im deutschen Vaterland, trauriger Rekord. Die Seuchen machen keinen Sinn. Nicht mal jenen kleinen, vordergründigen Sinn, den Kriege machen. Wer fürs Vaterland stirbt oder die richtige Religion, der mag darin noch einen Sinn sehen, obwohl er sich natürlich gründlich täuscht. Aber Opfer von einem Virus zu sein, wie leer. Immer war die Frage der SEUCHEN aber auch eine SOZIALE FRAGE. Als Hamburg noch Hotspot war, für die Cholera, weigerte sich die Bürgerschaft, in den Armenvierteln die Ableitung des Brauchwassers von der Zuleitung des Trinkwassers zu trennen. Beides über die Fleete aus der Elbe. Wurde dann geändert. Und die Seuchen waren ÖKONOMISCHE FRAGEN. Auch darauf liegt ein Tabu. Für die venezianischen Kaufleute, die wussten, warum sie den Chinafahrer 40 Tage auf Reede legten (Quarantäne). Oder den hanseatischen Pfeffersack, der die Pauper Europas nach Amerika verschiffte (Hapag Lloyd). Jetzt aber, bei Corona weltweit, wo ist da der soziale oder wirtschaftliche Sinn? Es gibt ihn nicht. Das brütet den Aberglauben (QAnon). Und bringt den Staat in arge Not, in intellektuelle, inhaltliche ; die Politik schaltet in den Notstandsmodus, ohne dass sie die Sinnlosigkeit der Seuche aufheben kann. Freiheitsverlust ohne Sinngewinn. Ein Kreuzzug ohne Kreuz; es geht um nichts. Wir sind mit der Sinnlosigkeit des Todes konfrontiert. Das haben die Menschen noch nie gut abgekonnt. Luhmann, der große Soziologe, hat von der Herrschaft der KONTINGENZ gesprochen. Unser Leben und Sterben bleibt sinnlos, wenn wir SELBST ihm keinen geben. Dafür sind Merkel & Spahn eben kein hinreichendes Angebot. Mutti verliert zunehmend ihr Charisma. Ich muss jetzt hier Schluss machen; ich habe zu tun. Meinem Leben einen Sinn geben, sozial und ökonomisch.

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EIS UND SCHNEE.

Zuckerguss über allem. Weiß verzaubert das Land. Kitsch as kitsch can. Paradise lost, paradise regained. Was die Pandemie so zermürbend machte, ihre tiefe Sinnlosigkeit, kann nun der Idylle weichen. Der X-mas-Kitsch ist zwar auch nicht intellektuell erfüllend, Sinn macht er keinen, aber er rührt unsere Kinderseelen. Ich erinnere, dass ich zur Begeisterung meiner Frau Mutter als Knabe die neutestamentarische Weihnachtsgeschichte auswendig daherzusagen wusste. „Es begab sich aber zu der Zeit...“, so fing das Ding an. Der klassische Beginn aller Märchen. Hier als „frohe Botschaft“, Evangelium.

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Die Verärgerung im Volke steigt.

Reaktanz. Zusagen der Politik. Heute: Scholzomat & Frau Doktor (sic) Giffey, SPD.
Wenn Olaf Scholz, SPD, zum Bundeskanzler gewählt worden sein wird, wird er die Hälfte des Kabinetts mit weiblichen Politikern besetzen, sagt er. Ich sage, wenn ich der König der Welt werde, rufe ich den EWIGEN FRIEDEN aus. Darauf könnt Ihr Euch verlassen, egal, was passiert.
Nachtrag: „Der November ist der Monat der Eigenverantwortung.“ Schreibt mir der Sozialdemokrat Michael Müller, der Regierende in Berlin, in einem Brief, der gestern in meinem Kasten lag. Der November also.
Wie nennt man den Zustand, nachdem man erkannt hat, das man nicht für voll genommen wird? REAKTANZ.

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AGIL WIE VERGIL.

Es plaudern Insider immer in einer Fachsprache, was den Laien ärgern mag, aber einfach der Fachlichkeit dient. Man will einer eindeutigen Bezeichnungsfunktion dienen. Denomination genannt. Wenn der Mediziner „Krebs“ sagen würde, könnte es ja auch ein anderes Krustentier sein, Hummer oder Garnele. Er meint aber „Cancer“ und trägt nur ein „Ca“ im Krankenblatt ein. Es geht dabei eher nicht um sein Abendessen.

Für den Chemiker ist es ganz elementar, die Elemente sauber auseinanderzuhalten. Obwohl, da geht’s schon los, mein Herr Vater war Chemiker; er hätte nicht verstanden, warum es moralisch verwerflichen Kohlenwasserstoff gibt und ethisch erhabenen. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Soziologisch dient die Fachsprache der Distanzierung des Laien; der Ärger ist also gewollt. Quod licet iovi non licet bovi. Was für Jupiter gilt, gilt nicht für den Ochsen.

Ich hätte das mit dem Rindvieh und Gottvater (Jupiter ist der römische Zeus) auch gleich deutsch sagen können. Aber wie der weißbekittelte Onkel Doktor mit dem Krustentier fröne ich der Latinitas. Wessen Bildungsbiographie nicht vergönnt war, Latein zu lernen, dem bleibt ja noch Dinglisch. Der freundliche Inder spricht bei diesem Jargon vom Tauben-Englischen, warum auch immer.

Ich höre im eigentlich immer unsäglich woken Deutschlandfunk einen Personalchef einer Aktiengesellschaft sagen, dass man sich bemühe, die „Mitarbeitenden zu Leadership zu enabeln“. Der Enabler ist ein Ermöglicher; na gut. Die Mitarbeitenden sind Männlein wie Weiblein wie Hermaphroditen in abhängiger Beschäftigung; auch noch verstanden. Aber LEADER, das ist ja wohl der Führer. Nachfragen erlaubt.

Lassen wir mal Braunau (Geburtsort von Herrn Schicklgruber jun.) außen vor. Und billigen zu, dass Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative zu fördern sind, aber tatsächlich alle in der Mannschaft zu Offizieren machen zu wollen, das ist organisatorisch herausfordernd. Aber man will sich dazu committen. Na dann. Wenn das committet ist.

Es kann nicht ganz einfach sein, einen ohnehin trägen Teil der Verwaltung (Lähmschicht, Kissenpuper) von der Anwesenheitspflicht zu befreien (Home Office genannt, was eigentlich zu Deutsch Innenministerium heißt) und so selbst die Kommunikation auf dem gemeinsamen Gang in die Kantine („Mahlzeit!“) zu unterbinden und damit Produktivität zu steigern. Das war falsch. Jetzt klebt es an denen, die es verbockt haben. Da muss man Geschnatter in Dinglisch über Agilität (sic) hinnehmen. Wie wäre es mit „AGIL mit VERGIL“?