Logbuch
SPIELVERDERBER.
FairPlay heißt, eine Niederlage einräumen, dem Sieger gratulieren. Auch, wenn es knapp war. Das haben Armin Laschet und Donald Trump versäumt. Es droht der Verlust der WÜRDE.
In meiner Erziehung hat das eine Rolle gespielt, dass man nicht den SPIELVERDERBER gibt. Ein SPIEL lebt aus dem Respekt vor seinen REGELN. Wer gewonnen hat, hat gewonnen. Hip hurray! Und wer verloren hat, schluckt die bittere Wahrheit runter. Neues Spiel, neues Glück. So lebt es sich ehrlich und gelassen.
Dieses jesuitisch katholische „So-tun-als-ob“ eines verdrucksten Karnevalisten aus dem Aachener Revier, das verstehen die Preußen nicht. Die Sachsen schon gar nicht. Hierzu ist die Unterschiedlichkeit der MENTALITÄTEN seit Jahrhunderten geprägt. Den Ernsten ist das Wendige der Albernen ein Ausdruck von Verlogenheit. Der RESPEKT schwindet; ein flüchtiges Gut.
Wie kommt es zum ungebrochenen Erfolg der Landesväter und Landesmütter oder, darunter, zum Erfolg der Direktkandidaten? Offenkundig ist das ja keine Frage der politischen Partei, sondern der POPULARITÄT. Man kann in einen Ruhm wachsen, der die Herzen der Wähler geradezu abonniert. Solches CHARISMA braucht aber Geschick und Geduld. Beides.
Man muss schon sehr lange an keiner Kamera vorbeigegangen sein, um bekannt zu werden. Und man muss einprägsam immer die gleiche GESCHICHTE erzählt haben. Das ist es, was der Wähler am Ende für CHARAKTER hält: Rekurrenz. Do it again, Sam.
Dazu können auch Heldensagen gehören. Mythen von einem langen Weg oder überstandener schwerer Krankheit oder festem Glauben. Aber ein Scharlatan zu sein oder gar ein Spielverderber, das gehört dazu eher nicht.
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KINDER AN DIE MACHT.
Die grünen und gelben Gören dürfen sich jetzt einen Papa suchen. Armin oder Olaf. Mutti ist ja weg. Es stehen Elternhäuser bei den Schwarzen und den Roten zum patchwork bereit.
So geht FAMILIE heute. Die Kids suchen sich passende Eltern. Eindeutig waren für Erstwähler die FDP oder die GRÜNEN die Präferenz. Die Zukunft ist grün oder gelb oder beides; der neue MAINSTREAM. Mich freut das eine, weil ich das andere nicht verhindern kann. Ein guter Gegensatz, dieses GELB-GRÜN. Kann der INFANTILISIERUNG Grenzen setzen.
Selbstbewusst verabreden sich schon jetzt Sohn und Tochter zur Vaterwahl. Lindner will zunächst mit Baerbock reden. Bevor sie sich für Armin oder Olaf als Familienoberhaupt entscheiden. Das ist frech und gefällt mir sehr.
Eh klar, dass das Amt für Äußeres an Baerbock geht (sie kommt ja aus dem Völkerrecht) und die Finanzen an Lindner. Kanzler kann Armin so gut oder so schlecht wie Olaf; beide begeistern mich als Persönlichkeiten noch immer nicht. Aber AMPEL wäre mir lieber.
Was wirklich passiert ist? Der Zusammenbruch der Union als Volkspartei: IMPLOSION. Die Union war nie eine klassische Partei, sondern ein Kanzlerwahlverein; diesmal ohne Kanzler. Die SPD ist eine (wiedererwachte) Partei, aber als solche für die Opposition geboren; diesmal zum Regieren gezwungen. So einfach. Olaf Scholz hat die SPD am Selbstmord gehindert, weil die CDU ihn gerade schon vollführte. Das war sein Kalkül. Alle SPD-Erfolge im Land sind CDU-Niederlagen.
Nun also sind die Kids die Spielmacher. Hoffentlich verdaddeln sie es nicht. Mangelnde Ernsthaftigkeit ist beiden gegeben. Keine reifen Charaktere, der Christian und die Annalena. Postpubertär, beide.
PS: Ich mag den Grönemeyer, diesen Sänger aus Bochum, von wo ich ihn kenne, nicht. Und KINDER AN DIE MACHT ist natürlich blanker Unsinn. Eine triviale Version des ROMANTISIERENS von Kindheit, unter der wir seit der Romantik des 19. Jahrhundert leiden. Ein verlogener Kitsch…Wie die HARIBO-Werbung, wo Erwachsene albern Kinder geben. Peinlich.
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PARADOXIE DES ALTERNS.
Wir betreten die Erde in Windeln. Und wir verlassen sie, wenn es gut läuft, wieder in Windeln. Das sollte die notorischen VITALISTEN demütig machen.
Der allgegenwärtige Kult des Vitalen stimmt mich nachdenklich. Denn die Notwendigkeit der Fürsorge, die den Neugeborenen gehört, wiederholt sich, im glücklichen Fall des Alterns, bei den Hochbetagten. Das ist, verkürzt, das Thema PFLEGE. Wir erleben erstmals als Zeitgenossen, sprich simultan, eine ganze Generation zwischen 70 und 100. Und wir haben keinen Schimmer, wie es um sie wirklich steht.
Die Alten und die sehr alten Menschen schonen uns in der Frage, wie es ihnen geht. Sie möchten nicht zur Last fallen. Und die PFLEGE, wenn sie dürftig ist, geht nach den drei S: „satt, sauber, still.“ Mehr muss nicht; und bei manchen ist das schon viel. Respekt aber allen, die hier arbeiten!
Unsere Annahme, die der mittleren Generationen, ist, dass wir früher leben, als wir Verstand haben. Das ist die ROMANTISIERTE KINDHEIT. Und wir sehen, dass wir länger leben, als wir Verstand haben. Das ist das TABUISIERTE ALTER. Der Tunnelblick auf das Mittelfeld. Kein besonders nobler Standpunkt, finde ich.
Mein Alter Herr ist 98 und fühlt sich in seiner Pflege wohl, betont er. Sehr wohl. Er glaubt, er sei in Urlaub und lobt die Hotelwahl für die Ferien in diesem Jahr. Das empfinde ich als generös, dass er uns das so sagt.
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AMPEL AN.
Die neue Bundesregierung steht. Was habe ich zu meckern? Nichts. Die Ampel repräsentiert die linke Mitte mit einer Mannschaft mittlerer Qualität. Ich erleide einen Anfall von Altersmilde.
So schlecht war das nicht, was die SPD unter Lars Klingbeil und Olaf Scholz da gekonnt hat. Kluges Kalkül mit Konsequenz durchgesetzt. Aus alten Fehlern gelernt. Mit Wasser gekocht? Klar. Aber gekocht. Die Eier sind hart. Das gilt auch für die FDP unter Christian Lindner. Und die Grünen unter Robert Habeck. Für die Ampel insgesamt. Ob ich etwas geraucht habe? Nein. Vor dem Frühstück getrunken? Nein. Nehme ich Valium? Im Leben nicht.
Natürlich sehe ich die mittleren Talente in dieser Riege, die da ins Kabinett einrückt. Natürlich hat der künftige Kanzler Vertraute um sich versammelt. Natürlich ertrage ich den Bullerbü-Ton der Dame aus dem Völkerrecht nicht. Aber: Wie es nicht (!) geht, das sieht man ja an der LINKEN und an den KONSERVATIVEN der UNION (ja, auch an der AfD, aber das steht ja nicht zur Debatte).
Ich lerne, dass MALU das Konzept der Ampel, jedenfalls das der NEUEN SPD erdacht habe. Ist das so? Dazu will ich nichts anmerken, da ich zeitweise in deren Hoheitsgebiet lebe. Wenn sie den Ruhm will, soll sie ihn haben. Und die Berliner Koalition (r2g) soll etwas ähnliches sein, die da von Franziska Giffey angeführt wird. Auch dazu mag ich als zeitweiser Berliner nichts sagen. Wenn sie den Ruhm will... Jedenfalls ist dies die linke Mitte der Gesellschaft, repräsentiert von Mannschaften mittlerer Qualität, angeführt von mittleren Talenten.
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass das reicht.