Logbuch

MIT WÜRDE UND IN RUHE.

Mir fällt ein Buch einer befreundeten Historikerin aus 1966 in die Hand, ein geschichtswissenschaftlicher Band der berühmten WISSENSCHAFTLICHEN BUCHGESELLSCHAFT zu DARMSTADT. Edles Leinen. Ein Sammelband zum Thema „Das Staatsdenken der Römer“. Darin zu einem interessanten Thema zwei Aufsätze aus 1941 und 1956, und zwar zu einem Motto Ciceros, mit dem er die politische Maxime einer sozialen Klasse im Alten Rom beschreibt, die sich so nennt: die OPTIMATEN.
Das hat ja fast was Lustiges. Im Mittelbau die POPULAREN und oben, an der Spitze des Gemeinwesens, die OPTIMATEN. Sich selbst als Optimum sehen. So viel Selbstbewusstsein muss man erst einmal haben. Jetzt aber zur Maxime, zu dem Motto. Es lautet: „Cum dignitate otium“, was eine ganze Reihe von Übersetzungen zulässt. Otium, das ist Arbeitslosigkeit, nicht im prekären Sinne, sondern als Zustand des Wohllebens. Keine falsche Geschäftigkeit. Schon mal ein Wort.
Diesen Zustand der Ruhe will man ausdrücklich „cum dignitate“, sprich „mit Würde“, erfüllen oder erfüllt wissen. Der alte weiße Mann im Alten Rom. Eine Definition des Alten Mannes (Senator von „senex“, sprich „alt“), die einem gefallen könnte: MIT WÜRDE leben und IN RUHE. Ach, wie schön. Wenn da nicht die Gewissheit wäre, dass sie ruppige Diktatoren waren, die Senatoren, die sich als OPTIMATEN empfanden.

Logbuch

LEIBSPEISE.

Gestern aus einem örtlichen Lieblingsrestaurant italienischer Prägung geholt: Kalbsleber, in Salbeibutter gebraten, Kartoffelstampf mit Trüffeln, Salat, Mandelkuchen. Köstlich. Wirklich großartig. Adresse des wunderbaren Lokals am Alten Bahnhof nur an Freunde, weil Geheimtipp. Dann, zum Wein, die Idee, dass die Völker Europas jenes Gericht zu einem idealen Dinner beitragen sollten, das sie erwiesenermaßen besonders gut können.
Das darf dann ein Kotelett vom iberischen Schwein sein, das mit Kastanien genährt wurde. Oder ein „Knochen mit Loch“, Ossobuco, aus Italien, eine geschmorte Kalbshaxe. Oder zum Falschen Filet, dem sogenannten Bürgermeisterstück, mit Pommes und kleinem Salat, die berühmte Sauce Bernaise, der Pariser Mittagstisch, dort als Filet verkauft.
Der Schotte kann Haggis, dazu füllt er einen Schafsmagen mit Lunge, Leber, Herz, Nierenfett und Hafermehl; das ganze scharf gewürzt und lange im Wasserbad gekocht. Man kann ja BLANCHIEREN, SIEDEN, KOCHEN oder SCHMOREN, neben dem BRATEN oder RÖSTEN. Siehe Claude Levi-Strauß. Oder aber VERGÄREN. Im Tierreich gibt es noch den Aasfresser. All das hilft, die Eiweiße zu knacken. Der Schwede empfiehlt dazu die Milchsäuregärung.
Der saure Hering, SURSTRÖMING genannt, ist ein in Salzlake eingelegter und von Milchsäurebakterien in Gärung gebrachter Fisch, der die Konservendose fast zu spurenden droht, zu dem die Eingeborenen angeblich Buttermilch trinken, faktisch Bier und selbstgebrannten Schnaps. Der Geruch ist sehr intensiv, wie bei Fäulnisprozessen mit Buttersäure zu erwarten. Man nimmt zu den begleitenden Kartoffeln eine große Portion roher Zwiebeln. Gibt es in der IKEA-Kantine aber wohl nicht.

Logbuch

SCHEINRIESE SPD.

Im Bund liegen SPD und FDP gleich auf, jeweils bei 12 oder 13%. Die Liberalen könnten die Sozis erstmals überholen. Trotzdem will OLAF OHNE LAND gern Kanzler werden. Na servus. Es ist grotesk.
In Sachsen ist die AfD die stärkste politische Kraft, noch vor der Union.
Die SPD liegt bei 6%. Sie könnte hier erstmals sogar an der 5%-Hürde scheitern. Trotzdem will OLAF OHNE LAND ... Aber das hatten wir ja schon. Es ist grotesk.
Froh sind die Sozialdemokraten als Partei, sich solcher Figuren wie SCHMIDT oder SCHRÖDER oder GABRIEL entledigt zu haben, die ihr gut und gerne ein Drittel aller Stimmen einbrachten. Als sie sich noch als DIENER des GEMEINWESENS verstand.
Jetzt will der SPD-Vorsitzende, nach dem Ende von Kernenergie und Kohle und dem Aus für Benzin und Diesel und Öl, auch noch aus der Versorgung mit russischem Erdgas aussteigen. Er sei, sagt er, gegen die direkte Versorgung Deutschlands über North Stream 2. Sag leise SERVUS zum Abschied. Servus heißt übrigens DIENER.

Logbuch

REICHSPOGROMNACHT.

Der FASCHISMUS ist nicht in fernen Zeiten vom Himmel gefallen oder aus einer fernen Hölle über uns gekommen. Und: „Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ (Brecht)

Vor gut achtzig Jahren also haben Deutsche in einem politischen Auftakt ihre Nachbarn, die sie für Juden hielten, deshalb bedroht, geschändet, enteignet, in die Vernichtung geschickt. Man wollte das Land ARISIEREN, zum Modell einer Volksgemeinschaft machen, die sich als HERRENRASSE verstand. An diesem deutschen Wesen sollte die Welt genesen.

Man verging sich an seinen Nachbarn, nicht alle, aber viele. Und alle schauten zu. Es konnte jeder wissen; es wusste jeder. Die PROPAGANDA war nicht heimlich; sie war unüberhörbar. Und wurde, wenn nicht bejubelt, so doch hingenommen. Zumindest das ist eine historische Schande. Die „Braunen“ waren unsere Nachbarn, die unsere Nachbarn zu vernichten anstanden. Ich sehe heute, immer noch oder wieder, Teile des Landes mit dieser Vorstellungswelt kokettieren. Scham und Zorn.