Logbuch

EIN ZEICHEN SETZEN.

Ein Freund berichtet mir von einem Film, den ich nicht verpassen dürfe, den er im Kino gesehen habe. Mit der Ortsangabe ist klar, welcher Generation er angehört (sprich: meiner). Es ginge um den Führer und seinen Verführer. Rückblickend halten wir in meiner Generation ja den Sportpalast und den Reichstagsbrand für Fanale.

Opa erzählt vom Krieg? Dabei sind wir ja Zeitzeugen des Setzens großer Zeichen. Man darf sich zu deren Würdigung argumentativ nicht in eine Sackgasse locken lassen. Für die historische Kraft des Zeichens ist es nicht entscheidend, ob es gesetzt wurde und wie und von wem. Entscheidend ist, dass eine Episode zum Zeichen erhoben wird und dann die urwüchsige Kraft des Symbols zu wirken beginnt. Man nehme nur die Wunder und Zeichen des Jesus aus Nazareth. Aus den einschlägigen Episoden lernten die Jünger, dass ihr Meister der Messias war.

Das Zeichen machte aus dem Balg von Maria und Josef immerhin Gottes Sohn, eine ziemliche Beförderung. Endorsement. Man unterschätze daher nicht die Kraft des Symbolischen; sie versetzt Berge. Dabei löscht sie banale Umstände ihres Entstehens aus, sollte es sie gegeben haben: Wer als Heilsbringer so gewaltige Bedeutung hat, erübrigt die Frage nach den Geburtsumständen. Wer noch kleinmütig zweifelt, wenn Titanen wirken, der ist ein Wurm, ein Hund.

Wenn das Zeichen gesetzt ist, greift es nach der Macht. IN HOC SIGNO… Unter diesem Zeichen wirst Du siegen. Seien wir genau: Mit diesem Zeichen greift jemand nach der Macht; so ist es wohl. Ich bin immer wieder überrascht, zu welcher Kraft Propaganda in der Lage ist, wenn sie gut gemacht ist. Wir sind Zeitzeugen der archetypischen Aktualisierung des Messianischen, jedenfalls für die Jünger, deren Zahl dadurch wächst.

Logbuch

MEISTERSCHAFT.

Ich habe keine Ahnung von Fußball, aber die Spanier haben verdient gewonnen. Klar die bessere Mannschaft. Deutschland hat sich als Gastgeber blamiert; Stichwort Ausbuhen des Wischmobs wg. ungepfiffenem Handspiel. Das alles haben die zwölf Jungens aus Luton, England, nicht mehr so richtig mitgekriegt. Ein Sittengemälde.

Man war in der Gruppe angereist, obwohl keine Karten. Schwarzmarktpreise schon im Bereich eines Mittelklassewagens. Knapp noch ein Hotelzimmer in Moabit gefunden. Genau gesagt drei. Zu zwölft. Man fühlt sich in Moabit heimisch, wenn man aus Luton kommt. Das ist aber, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Ich traf die Jungs morgens um 11 im Kleinen Tiergarten, bewaffnet mit Six Packs Dosenbier. Man fragt mich nach Nachschub. Ich empfehle DIE QUELLE. Nachmittags um 6 laufe ich da zufällig lang und werde wiedererkannt. Man lässt mich hochleben. So was haben die Jungs noch nie erlebt. Wie ich mit diesem Luxus leben könnte.

Nun, die QUELLE, das ist eine Absackerkneipe aus dem SCHULTHEISS-Imperium, die immer auf hat. 24/7, schlicht immer. Ich bin hier schon morgens um 6 vorbei gekommen und der Laden war voll. Man weiß nicht, ob er morgens „schon“ voll ist oder „noch“. Wer aus dem Land der strikten Barregeln kommt („last calls“) kann sein Glück nicht fassen. Ein Pub, der immer auf hat; das gilt es auszunutzen.

Die Jungs aus Luton haben nächtens ihre drei Zimmer nicht gebraucht, weil sie auf der Wiese im Tiergarten ausgepennt haben. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wissen, wer die Meisterschaft gewonnen hat.

Logbuch

BEOBACHTUNG ZWEITER ORDNUNG.

Gegenstand der Presse, wenn wir mal alle redaktionellen Medien unter dem alten Begriff zusammenfassen, sollte die Frage danach sein, was andernorts wirklich passiert ist. Das ist die Hoffnung, die man an eine Aussage richtet, die als FAKT gelten will. Eine Tatsachenbehauptung, die dem Mittel des Beweises zugänglich ist.

Der Laie glaubt, das sei kein Problem, no big deal; ich widerspreche, es ist das Ergebnis sehr genauer Beobachtung. Und wer wissen will, was wirklich war, der beobachtet auch die Beobachter. Erst die BEOBACHTUNG ZWEITER ORDNUNG erschließt vieles. Man nennt das Wissenschaft, die Fähigkeit aus der Beobachtung der Beobachter auf die Wirklichkeit schließen zu können.

Das ist ja das Elend der Positivisten, dass sie glotzend glauben ihren Augen trauen zu können. Aber doch wohl nicht im Kino! Die Welt auf der Leinwand, liebe Freunde, ist ein Film. Da hat jemand Regie geführt. Das wirkliche Leben findet sich bestenfalls im Foyer. Meist aber vor dem Theater, während drinnen die Traumfabrik unterhält. Was war wirklich? Wem nützt es? Wer zeigt sich überbegeistert?

Nebenbemerkung: Presse hat keine „Mission Wahrheit“; das ist Weg und Ziel von Propaganda, die Zweifelnden über eine höhere Wahrheit unterrichten zu wollen. Wenn überhaupt religiöser Eifer („Mission“), dann danach, was in Wirklichkeit wirklich geschehen ist. Geläutert durch den bloßen Anschein, die eitle Evidenz, fragt der Zweifler unermüdlich nach Hintergründen; er beobachtet vor allem die Beobachter.

Der Kluge weiß, dass er bei Medien in ein Schaufenster blickt, das vorgibt ein Fenster zu sein. Wir schauen nicht ins Leben auf ein wirkliches Ereignis, wenn wir staunend vor dem Schaufenster stehen. Wir stehen vor einem Laden. Dem Laden von jemanden.  Hier will jemand etwas verkaufen. Klar?

Logbuch

DER ERRATISCHE.

Ich verweigere mich bei ernsthaften Themen belanglosen Debatten. Ob Elon Musk sich antisemitisch geäußert hat oder nicht, ist mir egal. Ich glaube das nicht. Selbst wenn: Einer mehr, wäre natürlich wieder einer zu viel, aber der Kerl ist nur so wichtig, wie wir ihn machen.

Seine Gegner deuten an, er frühstücke durch die Nase; das mag sein. Erratisch jedenfalls ist er. Ein Verirrter. Was ich von ihm an Politischem gelesen habe, war nicht klug, aber so unvernünftig auch nicht. Er ist halt HERR IM HAUS. Ich sehe einen modernen CITIZEN CANE. Wer so bonapartistisch veranlagt ist, darf auf den Landkarten grobe Striche machen. Der Burenbengel fasziniert mich insofern. Zugleich empfinde ich ihn als unerträglich vordergründig. Ein Anwendungstechniker.

Immer ist es nur der Nachttopf mit zweiten Henkel. Ich meine diesen Erfinder des Elektroantriebs in der Raumfahrt, der mittels Batterien auf den Mars fliegt, weil wir hier auf Erden ein Volk ohne Raum sind. Wiederverwendbare Cyber-Akku-Raketen inklusive. Und damit von allen menschlichen Wesen den größten Benefit für Mutter Natur erbracht haben will. Genie, vermeintlich nah am Wahnsinn, näher am Banalen, das sich groß stellt.

Auch in Fragen der Öffentlichkeit ein Oligopolist. Auf Meinungsdruck reagiert er ruppig. Er ließe sich nicht erpressen. Mit Geld. Und die Anzeigenkunden seines Internetdienstes folgen deshalb gerade dem neuen Motto: „Go, fuck yourself!“ Mutig ist er. Was aber hält alles das zusammen?

Man muss den KAUSALNEXUS begreifen. Der Mann ist der Held einer börsengetriebenen Welt des kalifornischen Typs. Das ist der Humus, auf dem das technologisch Halbgare gedeiht, die Manie im Detail wütet, der Größenwahn weiter wächst und vielleicht auch das Frühstück erwähnter Natur. Ein Umherirrender mit Gefolgschaft.