Logbuch
GENERATION FUCK OFF.
Ich habe zur laufenden Pandemie keine Meinung, die ich äußern möchte. Vielleicht mit einer Ausnahme.
Wir haben es zugelassen, dass so priorisiert wurde, dass der VIERTEN GENERATION die erste Impfwelle zustand. Nennen wir sie die 90jährigen. Die DRITTE ist inzwischen wohl auch geimpft, die 60jährigen. Die Last der Heimarbeit und des Schulversagens hat zu einem guten Teil die ZWEITE getragen, die 30jährigen. Das Impfen ist aber nur ein Thema von tausenden. Fundamental falsche Prioritäten.
Ja, die ERSTE GENERATION. Den Jüngeren in Kitas, Schulen und Hochschulen haben wir den Mittelfinger gezeigt, bis heute, ich fürchte, bis übermorgen. Es mag sein, dass die Gesundheitspolitiker in der Pandemie einen ganz guten Job gemacht haben; für die Bildungspolitiker gilt das nicht, nicht mal in Ansätzen. Das wird sich hoffentlich nicht als HISTORISCHE SCHULD erweisen. Wohl ist mir dabei nicht.
Logbuch
HEIMATLOS.
Karl Marx, der Bärtige aus Trier, war der Meinung, dass der PROLETARIER keine Heimat habe. Er wollte, dass sich die Arbeiter aller Länder vereinen. „Völker, hört die Signale…“ Man solle sich nicht im Kampf verfeindeter Nationen für die jeweiligen KAPITALISTEN abschlachten lassen. Sondern die SOZIALE FRAGE stellen. NATIONALISMUS hielt er für eine kleinbürgerliche Krankheit, wenn nicht eine üble Propaganda der Bourgeoise. So weit, so klug.
Und er hat gesagt: „Jede Kritik beginnt mit der Kritik der Religion.“ Sie sei, politisch betrachtet, „Opium für das Volk“. Er meinte damit jedwede Religion. Noch klüger. Und ich bin groß geworden mit dem Ressentiment gegen FLÜCHTLINGE aus dem Osten, die sich als Heimatvertriebene sahen; manch reaktionäre Töne aus deren Mund und manche Abstoßung durch die Ansässigen.
Also, was die HEIMAT angeht, da hatte er Unrecht, der Bärtige aus Trier. Heimatlos ist nur das Kapital; ihm ist es egal, in welchem Land es auf dem Konto liegt. Und wo es seine Steuern nicht zahlt. Man soll das Kapital dafür nicht schelten, höre ich. Man sagt mir, das Kapital sei ein scheues Reh. Das stimmt nicht so ganz. Dieses Reh ist nicht Bambi; es ist eine notorische Wanderhure. Damit will ich nichts gegen Huren oder Wanderer gesagt haben.
Menschen haben eine Heimat, an der ihr Herz hängt. So wie Kinder Eltern haben sollten, an denen ihr Herz ein wenig hängt. Jedenfalls bis sie dann erwachsen sind. Vielleicht entsteht für die Wanderer, sprich Migrantinnen und Migranten, eine neue Heimat; vielleicht auch eine neue Liebe, aber die alte bleibt. Alle Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, bleiben , was das angeht, sentimental; das muss man verstehen.
Deshalb sehe ich jeden GASTARBEITER, wenn man darunter mal alle Migrantinnen und Migranten fassen darf, mit Respekt. Übrigens muss man über seine Gefühle nicht seinen Verstand verlieren. Viele sind froh, dass sie ihre Heimat verlassen konnten und wenige wollen zurück. Ich selbst bin mit Emscherwasser getauft und die Familie kam historisch aus Ostpreußen, jetzt Russland. Da möchte ich heutzutage nicht tot über‘n Zaun hängen. Aber ich sehe die Sentimentalität der vermeintlich Heimatlosen mit Respekt.
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HEIMATLOS.
Karl Marx, der Bärtige aus Trier, war der Meinung, dass der PROLETARIER keine Heimat habe. Er wollte, dass sich die Arbeiter aller Länder vereinen. „Völker, hört die Signale…“ Man solle sich nicht im Kampf verfeindeter Nationen für die jeweiligen KAPITALISTEN abschlachten lassen. Sondern die SOZIALE FRAGE stellen. NATIONALISMUS hielt er für eine kleinbürgerliche Krankheit, wenn nicht eine üble Propaganda der Bourgeoise. So weit, so klug.
Und er hat gesagt: „Jede Kritik beginnt mit der Kritik der Religion.“ Sie sei, politisch betrachtet, „Opium für das Volk“. Er meinte damit jedwede Religion. Noch klüger. Und ich bin groß geworden mit dem Ressentiment gegen FLÜCHTLINGE aus dem Osten, die sich als Heimatvertriebene sahen; manch reaktionäre Töne aus deren Mund und manche Abstoßung durch die Ansässigen.
Also, was die HEIMAT angeht, da hatte er Unrecht, der Bärtige aus Trier. Heimatlos ist nur das Kapital; ihm ist es egal, in welchem Land es auf dem Konto liegt. Und wo es seine Steuern nicht zahlt. Man soll das Kapital dafür nicht schelten, höre ich. Man sagt mir, das Kapital sei ein scheues Reh. Das stimmt nicht so ganz. Dieses Reh ist nicht Bambi; es ist eine notorische Wanderhure. Damit will ich nichts gegen Huren oder Wanderer gesagt haben.
Menschen haben eine Heimat, an der ihr Herz hängt. So wie Kinder Eltern haben sollten, an denen ihr Herz ein wenig hängt. Jedenfalls bis sie dann erwachsen sind. Vielleicht entsteht für die Wanderer, sprich Migrantinnen und Migranten, eine neue Heimat; vielleicht auch eine neue Liebe, aber die alte bleibt. Alle Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, bleiben , was das angeht, sentimental; das muss man verstehen.
Deshalb sehe ich jeden GASTARBEITER, wenn man darunter mal alle Migrantinnen und Migranten fassen darf, mit Respekt. Übrigens muss man über seine Gefühle nicht seinen Verstand verlieren. Viele sind froh, dass sie ihre Heimat verlassen konnten und wenige wollen zurück. Ich selbst bin mit Emscherwasser getauft und die Familie kam historisch aus Ostpreußen, jetzt Russland. Da möchte ich heutzutage nicht tot über‘n Zaun hängen. Aber ich sehe die Sentimentalität der vermeintlich Heimatlosen mit Respekt.
Logbuch
HEIMAT.
Heimatliebe, ein Wort mit einem schnöden Beigeschmack. Es scheint verbändelt mit Angst vor FREMDEN. Man kriegt Menschen leichterdings in die Fremde, aber nicht die Heimat aus ihrem Gemüt.
Gestern bemerke ich erstmals, nach Jahrzehnten, bei einem Kollegen, den ich sehr schätze, was einer der Gründe sein könnte. Es war mir nie klar, dass wir die gleiche HEIMAT haben. Das ist doch wirklich albern, dass ein solcher Zufall der Geographie eine Bedeutung haben soll. Zumal, wenn es gar keine besonders tolle Region ist, die hier verbindet. Und ich schon als Schüler wegzog.
Man versteht das mit der Heimat bei Menschen, die eine DIASPORA erleben mussten, also den angestammten Ort ihres GLAUBENS verlassen haben. Da wird Wehmut zu einem Grundmotiv des religiösen Empfindens.
Man versteht das bei Migranten, die aus ARMUT oder wegen VERFOLGUNG eine neue Heimat finden mussten. Ich empfinde großen Respekt vor den Tapferen. Da bleiben dann immer zwei Seelen in der Brust. Und natürlich eine unstillbare Sehnsucht nach der Mutterbrust.
Man versteht es vielleicht auch noch, wenn die Heimat ein toller Ort ungebrochener TRADITION war. Als Friese in Schwaben oder als Hanseat in Sachsen-Anhalt, das muss ja schmerzen. Aber mein Kollege, der kommt, erfahre ich erst jetzt, aus Bottrop. Bottrop, das ist an Beiläufigkeit nicht zu überbieten.
Du kriegst den Jungen aus dem Revier, aber nicht das Revier aus dem Jungen. Gilt auch für die Mädchen, schrieb neulich eine türkischstämmige Journalistin in Berlin, die in Duisburg in einer Zechensiedlung groß wurde. Der „rheinisch-westfälische Stadtbezirk“ darf von seinen Bewohnern, nur von diesen, der POTT genannt werden, sofern sie noch wissen, was der PÜTT ist. Aber es ist nicht mal ein homogener Menschenschlag. Hungerleider aus aller Herren Länder: Westfalen, Ostpreußen, Polen, Türken, ein erkalteter Schmelztiegel. Mit EMSCHERWASSER getauft.
Aber man erkennt sich am TON. Graf Koks von der Gasanstalt; Übertagebelegschaft auf Kokerei, Bergbeamte. Sprichwörtlich ist die vermeintliche Beleidigung in derber Sprache als initiales Signal der Wertschätzung. Beispiele verbieten sich hier, wo jeder mitliest.