Logbuch

DURCHWURSCHTELN.

Von wegen, die Deutschen sind Weltmeister in der Organisation. Strategie: wie noch nie? Quatsch. Als wenn es um nichts ginge. Durchmogeln. Planloses Rumbasteln. Mal Hü, mal hott; so hieß das, als noch Pferde den Karren zogen, wenn man erklären wollte, was die Tiere bekloppt machte. Und der Karren im Mist steckte. Aus dem ihn Peitschenknallen nicht rausbrachte. In Brüssel nennt man diese Flickschusterei, obwohl die EU ansonsten Französisch funktioniert, Englisch: „muddling through.“ Damit ist das Regierungshandeln angesichts der Pandemie zutreffend beschrieben. Ich hoffe, dass wenigstens die Geschäftemacher einen Plan haben; darauf hat man sich bei BIG PHARMA eigentlich immer verlassen können, dass sie ihre Taschen füllen, mit Vorsatz und Kalkül. Aber JENS SPAHN, der Enkel von ANGELA MERKEL und Sohn des ARMIN LASCHET? Ach, der Jenzi. Er erscheint mir schlicht überfordert. Er rudert. Im Management kennt man das aus Unternehmen, in denen mittlere Begabungen den Überblick verloren haben und nun hektisch werden. Die Stunde der Spielernaturen. Fußballvereine werden so geführt, sagt mir ein enger Freund. In der Politik erfinden sie beim Kontrollverlust Metaphern, Auto im Nebel zum Beispiel; man spricht von diesem Strategiedefizit als „auf Sicht fahren.“ Ist das so? Geht es um das Verschließen der Augen oder darum, dass nicht mehr allen und jedermann klar ist, wo die Reise hingehen soll? Mal hü, mal hott. Man spricht mit uns, der eingesperrten Bevölkerung, wie mit dummen Kindern oder kranken Tieren: „Ganz brav, Brauner!“ Da verschiebt sich was unter der Oberfläche ...

Der neue Strategie-Chef, haben wir früher in der Industrie gescherzt, ist Chinese; er heißt: „Watt Nu.“

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BAUMÄRKTE öffnen wieder in Bayern. Quarantäne-Lockerung. DIY im Englischen: do it yourself. Unentfremdete Arbeit. Selbstverwirklichung. Basteln. Auf nach Bayern. Ich rechne, wie weit die Landesgrenze zu Bavaria ist. Samstag mach ich rüber, wie der Ossi sagt. Der große Dichter Raymond Chandler (Philip Marlowe alias Humphrey Bogart in „The Long Good Bye“): „Was einem Mann nach zwanzig Jahren Ehe vom Leben bleibt, ist eine Werkbank in der Garage.“

PS: Meine Erfahrungen mit solch üblen Scherzen ist eigentlich nicht gut. Auch schon in der Zeit, als sogenannte MÄNNERWITZE sozial noch akzeptiert waren, haben sie mir Scherereien gebracht. Mein „Hang zum Witzereißen“ (Biermann) sollte klüger geworden sein. Ich erinnere: Für den kürzlich angesprochenen Vorsitzer hatte ich mal eine kurze Tischrede („Toast“ beim Dinner with Spouses, Schloss Hugenpoet) geschrieben, und zwar zum krönenden Schluss („... und nun auf die Damen... erheben wir das Glas ...“) mit dem wunderbaren Shakespeare-Zitat: „Lieber gut gehängt als schlecht geheiratet.“ Wurde vom Chef auch so vorgetragen. Worauf die Gattin sich wortlos erhob und den Saal verließ. Unangenehme Rücksprache im Büro des Chefs am nächsten Morgen.

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FÜHRUNG.

In Deutschland ein schwieriges Wort, weil es mal DEN Führer gab. Was ist gute Führung? Die nächste Verirrung. Gute Führung ist eine Eigenschaft der Geführten, meint meist Gehorsam. Zu meiner Schulzeit spielten Führungsnoten im Zeugnis noch eine Rolle. Mein Hang zu ironischen Kommentaren bescherte mir in Klasse 9 (Obersecunda?) das Verdikt: „Kocks stört den Unterricht.“ Bis heute bin ich meinen Eltern dankbar, dass sie im Streit mit dieser nervlich überforderten, humorlosen Ziege von Studienrätin (Frau Doktor G.) zu mir gehalten haben. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Es ging mir eigentlich um Führung im Unternehmen. Ich hatte in der Industrie viele Chefs, zwei, drei merkwürdige. Von einem der ganz Charismatischen (na ja) stammt die Drittel-Regel. Ein Drittel der Zeit sei der SACHE geschuldet. So seine ständige Rede. Ein Drittel der STIMMUNG. Damit waren dann die Mitarbeiter und Kunden und Lieferanten gemeint, denen er sich emotional (na ja) zuwandte. Das letzte Drittel galt der Kollegenschaft. Da spielten die SACHE oder die STIMMUNG eine eher untergeordnete Rolle. Seine Worte waren: „Die müssen jeden Morgen neu lernen, wo Gott wohnt.“ Das war natürlich nur im Scherz so gesagt; er wusste schon, dass er nicht Gott ist. Obwohl, wenn ich so nachdenke... Für PETRUS hielt er sich schon, hätte er sich gehalten, wenn er gewusst hätte, wer das ist. Mir hat er mal gesagt, man müsse jeden Monat einmal die Guillotine in den Hof rollen und einen Unschuldigen köpfen. „Wenn Du einen Schuldigen köpfst, verstehen das alle. Das hat so gut wie keine Wirkung. Einen Unschuldigen muss es erwischen, dann werden sie wach!“ In der Verhaltenspsychologie spricht man von „intermittierender Verstärkung“: Mal loben, mal tadeln, aber nie eine Regel erkennen lassen, welches von beidem zu erwarten ist. In der Hundeschule von RTL raten die Experten etwas anderes, aber Kollegen sind ja keine Hunde. Oder, wie hieß es in WALL STREET, diesem wunderbaren Film um einen Investmentbanker? „Wenn Du einen FREUND brauchst, kauf Dir einen Hund.“ Will sagen: Das entscheidende bei der Drittel-Regel ist, dass man die Drittel nicht durcheinander bringt. Dienst ist Dienst, Schnaps ist Schnaps. Oder (im sanftem Ton einer tiefen italoamerikanischen Stimme): „Ist nichts Privates, nur Geschäft.“

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DIE BAHN - EIN SELBSTMORD IN RATEN.

Schlecht gestellt ist es um Dich, wenn Du beginnst, selbst Deine Freunde so zu verärgern, dass sie Gegner werden, schließlich gar Feinde. Diesen Selbstmord auf Raten begeht gerade die Bahn. Das schreibe ich, bevor ich gleich eine Autofahrt über 600 km beginne, hin und rück 1200km. Highway man. Notgedrungen.

Die Bahn ist in öffentlicher Hand, weil Staatsunternehmen. Und sie ist in schlechten Händen, weil lausig geführt. Jüngst legt ein Streik einer Mini-Gewerkschaft ohne angemessene Ankündigung Güter- und Personenverkehr lahm und der amtierende Personalvorstand tut so, als sei das wie ein Unwetter über ihn gekommen. Es ist die Aufgabe eines Arbeitsdirektors solche Streiks zu verhindern. Dafür wird er bezahlt, und zwar gut. Dies ist keine Naturkatastrophe, sondern eine des Managements.

Ich höre viele Stimmen enttäuschter Kunden. In „normalen“ Unternehmen nimmt man das ernst („voice of the angry customer“). In dem Staatskonzern kümmert das in Wirklichkeit keine Sau. Man habe es halt mit einer QUERULANTISCHEN KLIENTEL zu tun, höre ich im Bahntower zu Berlin aus berufenem Mund. Auch die Presse, jedenfalls das MANAGER MAGAZIN, gehöre zu den lästigen Kohorten der ewig Undankbaren. Darauf reagiert man autoritär mit KAMPFANSAGEN. Der Kunde irrt, zu dieser Paradoxie hat man sich verstiegen. Verdacht: In diesem Bahn-Vorstand stimmt die ganze Einstellung nicht.

Meine Verärgerung fing jüngst damit an, dass man bei Verspätung vor Erreichen des Reiseziels irgendwo in der Pampa abgeworfen wird, damit der verspätete Zug zurückkönne und pünktlich zur nächsten Fahrt sei. So stehst Du mit dummem Gesicht in Augsburg statt in München. Dann dass man mich als Kunden in den Sozialen Medien gegen meinen Willen duzt; auch ein klares Zeichen mangelnden Respekts. Dazu kommt jüngst ein Berliner Soziolekt, den ich die BVG-Pampigkeit nenne, weil das örtliche Nahverkehrsunternehmen damit begonnen hat. Rhetorische Übergriffigkeit als Prinzip. Keine Peinlichkeit wird ausgelassen. Ghetto-Charme als Stil des Hauses. Frech im Ton, nachlässig in der Sache, das Geschäft gemächlich im Behördentrott, im Zweifel autoritär gegen den Kunden.

Und nun zu den Preisen. Was bekomme ich für mein Geld? Nun, die BahnCard 100, die ich einst abonniert hatte, lag nicht weit unter 7000€ im Jahr. Für die Hälfte kann man fliegen. Oder ein Drittel. Da kommt man am Ziel an; man wird zudem gesiezt und mit Respekt behandelt, jedenfalls bei den Linien. Große weite Welt statt Ghetto-Charme. Na ja, wenigstens früher und wenn man nicht mit dem irischen Billigflieger reiste. Ökologisch Irrsinn. Fazit? Man wirft mich auf den PKW zurück. Die Bahn wird zur AUTO-LOBBY. Eine Groteske.