Logbuch
WELT GING VERLOREN.
Wäre ich Pope oder Pastor, was mir fremd ist, müsste ich auf die Kanzel, wofür zum Glück kein Dom gebaut ist, und das alles in diesen bitteren Zeiten, die schon hinreichend Laienprediger und Verschwörungstheoretiker, sprich Spinner, haben, dann würde ich über das Frohlockenslied nachdenken. O DU FRÖHLICHE , o Du Selige. Ist in deutschen Landen das bekannteste Weihnachtslied. Fordert die Christenheit hallejulia-technisch auf, sich über die Geburt ihres Religionsstifters zu freuen, weil der nun, da er einmal da ist, alle „versühnen“ könne. Nicht versöhnen, sondern eher entsühnen. Meint wohl, von der Erbsünde befreien. Seltsam mittelalterliche Vorstellung, das mit der Erbsünde; sagt mir gar nichts mehr. Aber diese Relativierung der wirklichen Welt, das ist interessant: „Welt ging verloren / Christ ward geboren“. Was will der Dichter uns damit sagen? Berühmte Frage aus üblem Deutschunterricht, Pennäler erinnern Oberstudienrat Piepenbrink. Hmmm, Welt ging verloren? Ist das eine Anspielung auf tausend Seuchetote pro Tag, wie wir sie allein in Deutschland laut RKI zu beklagen haben? Da wird Singen nicht helfen, im Gegenteil. Erstens hilft gegen CORONA nur Isolation und Impfen. Zweitens ja, so ist es. Als O DU FRÖHLICHE gedichtet wurde, grassierte in Thüringen der Typhus. Städte wie Weimar liefen über an Waisen, deren Eltern die Seuche dahingerafft hatte. Waisenhäuser wurden gegründet. Diakonie / Caritas wurde zur Bürgerpflicht. FREUNDE IN DER NOTH , so hieß tatsächlich der Verein, der damals gegründet wurde, um sich zu kümmern. Sich kümmern. Da bin ich dann doch noch ans Predigen gekommen. Verdammte Weihnachtslieder. Zu Weihnachten werden selbst die schlimmsten Atheisten zu Christen. Soll, klingt es mir im Ohr, der Bärtige aus Trier gesagt haben.
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Die Sozialen Medien werden zunehmend von INSTITUTIONEN zu einer PERSONALEN Kommunikation genutzt. Das kann ja Methode haben. Ein Präsident einer Nation ist eigentlich ein AMT, nicht irgendein Typ, der irgendwelche Ansichten hat. Dagegen zu verstoßen, ist der Kern der Trumpschen Propaganda gewesen. Sein Erfolg war der fortgesetzte Regelverstoß des MAVERICK. Volksnähe durch Distanzverlust. Frau Merkel ist vor allem, finde ich, die BUNDESKANZLERIN, ein Amt, das nicht nur ihr Würde abverlangt, sondern auch ihren Kritikern Würdewahrung auferlegt. Jedenfalls früher. Früher hatte auch PR für Bosse in der Wirtschaft gewisse Grenzen. Ein VORSTANDSVORSITZENDER einer AG war vor allem ein Organ des Aktiengesetzes, nicht irgendein Typ, der in kurzen Hosen tolle Witze reißt. Oder Kollegen kameradschaftlich in aller Öffentlichkeit auf die Rippen boxt. Schon gar nicht innerhalb der inneren Gemeinschaft der Krähen, weil ja die eine Krähe... War das ehrlich? Nein, es war Etikette. Keep it real, das war Getto. Parkett war anders.
So war das früher. Man wahrte in Relation zum Amt einen gewissen Ton. Man war nicht immer automatisch auch BOULEVARD. If they go low, we go high. Kleiderordnung. Das ändert sich gerade; allen voran auf LinkedIn. Das ist, lerne ich, fortschrittlich, weil es ELON MUSK auch macht. Alle Grenzen fallen, so wie in der Kleidung , jetzt auch im Ton. Wir sind locker. Vom Hocker. Keep it real, Bro! Der Boss als Getto-Boxer. Alta, alles paletti? Modern Times. Ich zögere.
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SPLENDID ISOLATION.
Als London noch die Hauptstadt der Welt war und die Engländer ihr Kolonialreich noch ganz selbstbewusst GEMEINWOHL (Commonwealth) nannten, in den Nachwehen alter Herrlichkeit, da wurde der Begriff einer wunderbaren Isolation erfunden. Sollte eine Außenpolitik beschreiben. Man war als Nation der Gentlemen nicht der Kontinent; man träumte nicht von Allianzen. BRITAINS NEVER WILL BE SLAVES. Man beherrschte die Wellen, jedenfalls den Seeweg nach Indien. Kanada eine Provinz, Australien. Amerika fiel gerade ab. Man hatte noch die Kontrolle. Kontrolle? Das ist das nostalgische Motto des EU-Austritts: „Taking back control!“ Keine französischen Kutter in englischen Gewässern! Man will wieder die Kontrolle. Heute um sich greifender Katzenjammer. Wie bitter hat jetzt die Kombination von BREXIT und CORONA die irre Hoffnung einer „splendid Isolation“ Wirklichkeit werden lassen. Schon andere Seuchen haben uns gelehrt, dass es eine Globalisierung nicht nur im Guten gibt. Das Gute, das war früher für die englischen Kaufleute der sehr einträgliche Sklavenhandel. Und der mit Tee, Pfeffer und Seide. Es war das Gute der Kolonisatoren, die die WILDEN zur Kultur erziehen wollten, während man ihnen ihre Schätze oder gar ihre Freiheit nahm. Captn Cook entdeckte Neuseeland. Welch ein Mythos. Ist das die ganze Geschichte? Eine faire Geschichtsschreibung? Die Museen leeren sich, wenn man die gestohlenen Kulturgüter der Welt zurückgeben will. 95% der historischen Kulturgüter Afrikas sind außerhalb dieses Kontinents. Paradigmenwechsel. Das Wilde, das uns alle heute bedroht, ist anderer Natur. Es zeigt, erste Lehre, dass die Natur keine Idylle ist. Und es zeigt, zweite Leere, dass niemand eine Insel ist. Klingt kitschig wie der Titel eines Trivialromans. Wir fantasieren von Gemeinwesen, während wir uns in unseren Kammern einigeln. Irre Zeiten.
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SCHEINRIESE SPD.
Im Bund liegen SPD und FDP gleich auf, jeweils bei 12 oder 13%. Die Liberalen könnten die Sozis erstmals überholen. Trotzdem will OLAF OHNE LAND gern Kanzler werden. Na servus. Es ist grotesk.
In Sachsen ist die AfD die stärkste politische Kraft, noch vor der Union.
Die SPD liegt bei 6%. Sie könnte hier erstmals sogar an der 5%-Hürde scheitern. Trotzdem will OLAF OHNE LAND ... Aber das hatten wir ja schon. Es ist grotesk.
Froh sind die Sozialdemokraten als Partei, sich solcher Figuren wie SCHMIDT oder SCHRÖDER oder GABRIEL entledigt zu haben, die ihr gut und gerne ein Drittel aller Stimmen einbrachten. Als sie sich noch als DIENER des GEMEINWESENS verstand.
Jetzt will der SPD-Vorsitzende, nach dem Ende von Kernenergie und Kohle und dem Aus für Benzin und Diesel und Öl, auch noch aus der Versorgung mit russischem Erdgas aussteigen. Er sei, sagt er, gegen die direkte Versorgung Deutschlands über North Stream 2. Sag leise SERVUS zum Abschied. Servus heißt übrigens DIENER.