Logbuch
Früher hat man in DEUTSCHEN LANDEN, sprich in der PROVINZ, eine Landpomeranze daran erkennen können, und zwar auf den ersten Blick, dass sie beschissen gekleidet war. Es kam Kleidung zum Einsatz, die QUELLE und NECKERMANN in der DDR schneidern ließen und über Kataloge dem damaligen Versandhandel anvertrauten. Richtig chic waren DAMEN aus der GROSSSTADT; sie konnten sich dort in Luxuskaufhäusern und Boutiquen mit dem Charm der METROPOLEN versorgen. Ein Hauch Pariser Haute Couture. So gab es dann die Lady vom Ku’damm oder der Kö; und den allzu bunten Trampel aus dem Odenwald. So jedenfalls die Lage an der Front der Vorurteile. Mit den neuen Zeiten, Stichwort INTERNET und AMAZON hat sich diese Deklassierung des Landlebens aufgehoben. Wer was auf sich hält, hat ein Landhaus; eine Tugend der Gentry. Klasse hat das Landleben. Der Lockdown macht diese Wende zu einer glatten Umkehr. Das Paket hält einen Siegeszug, der den stationären Handel endgültig verändern wird. Erste Stufe: Man kriegt überall alles. Es hilft dabei PAYPAL. Zweite Stufe: Man kriegt alles in der Provinz besser als in der Metropole. In Berlin sind die Paketboten notgedrungen eine freche Bande und die Nachbarn überwiegend sture Idioten. Auf dem Dorf kommen, ich habe gezählt , täglich mindestens vier, fünf verschiedene Paketdienste, freundliche Fahrer, nette Nachbarn (jedenfalls neugierige). Versorgung eins A. Aus der alten PROVINZ ist die neue METROPOLE geworden. Dem hat auch die neue Seuche nichts anhaben können. Im Gegenteil. Nur sollte ich das mit der schlecht gekleideten Dorfschönen, ein blöder Spruch eines Städters, nicht so laut sagen, sonst gibt es was auf die Augen. Da kann das Landleben rustikal sein. Aber auch das war in Berlin nicht besser.
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War eine stille Nacht.
Geweckt hat mich heute das Geräusch eines vorbeifahrenden Lasters und gelbes Blinklicht, das hinter den Vorhängen aufschien. Der Räumdienst. SCHNEE. Eis und Schnee? Doch noch eine WEISSE WEIHNACHT ? Das wär was. Der ganze Schmuddel verschwunden unter Puderzucker. Weiß ist die Farbe der Unschuld. Das unbefleckte Laken. IMMACULATA. Die Sehnsucht nach dem Paradies, jedenfalls dem Ort kindlicher Unschuld. Ein Ort, an dem wir alle lebten, bevor die Schlange (der Teufel) Eva, dem sündigen Weib, riet, Adam dahingehend zu verführen, dass er vom verbotenen Baum der Erkenntnis aß. Biss in den Apfel. Apple zeigt deshalb den weißen (!) Apfel und zwar angebissen (!). Schlau die Werbefuzzis. Spielen mit dem Urgründen unserer Seelen. ARCHETYPEN. Eine weiße Welt nach all dem Scheiss in diesem trüben Jahr. Das wäre es. Noch ist es draußen zu dunkel, um zu sehen, ob das Sehnen erfolgreich ist. Bis gleich!
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Was ist die eigentliche Aufgabe von einem REDENSCHREIBER?
Also so klugen Menschen, die den Mächtigen aufschreiben, was sie sagen sollen. Zum Beispiel URSULA VON DER LEYEN oder MICHEL BARNIER. Nein, nicht die Inhalte; die liefern die Fachabteilungen. Das muss man nur verwursten, also sprechbar machen. Dabei hilft eine gewisse Oberflächlichkeit. Gesundes Halbwissen ist noch immer mindestens doppelt so viel, wie man in eine solche Rede reinkriegt. Da die Fakten stimmen müssen, sollte man sparsam mit ihnen umgehen. Der GHOSTWRITER muss vor allem einen einzigen einprägsamen Satz finden, an den sich jeder erinnern kann. Im Englischen nennt man das „sound bite“ oder „catch phrase“. Das ist leichter gesagt als getan. Der Chefunterhändler der EU, Michel Barnier aus Fronkreisch, sagte gestern: „Ze clock is no longer tickin!“ Na ja, nicht schlecht, aber auch kein Knaller. Unterstellt allerdings, dass eine Terrorbombe zu entschärfen war, was ein schöner Schlag unter die Gürtellinie ist. RÖSCHEN aber, die Frau Doktor aus Hannover, die für Merkel Europa führt, Röschen hatte einen guten GHOSTWRITER. Er schrieb ihr was von SHAKESPEARE rein, aus ROMEO UND JULIA. Achtung: „parting is such a sweet sorrow “. Hammer. Ein Stabreim und ein Oxymoron in einem Satz. Ich bin kein Shakespeare-Übersetzer, aber es müsste etwa so lauten: TRENNEN IST EINE SO TREFFLICHE TRAUER. Oder: süße Sorge. Echt gut. Was habe ich zu meinen Zeiten als Redenschreiber gemacht, wenn mir partout nix einfiel? Ein Goethe-Zitat frei erfunden. Niemand gibt zu, dass er den Faust nicht gelesen hat. Oder einen Allerweltsspruch ins Mittellatein übertragen und ihn Cato dem Älteren zugeschrieben. Merkt auch kein Schwein. Aber einem SCHEIDUNGSWILLIGEN, der raus will, nix wie raus, zur vollzogenen Trennung ein Liebeszitat nachzurufen, das von dem liebsten aller Liebespaare auf dem sprichwörtlichen Balkon in Verona stammt, das ist schon meisterhaft. Chapeau!
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EIN EWIGER RUHRGASIANER.
In diesem Jahr wäre die Ruhrgas AG in Essen hundert geworden, wenn sie denn nicht im Wandel der Zeiten vor zehn Jahren in der Uniper verschwunden. Da ich dort mal Direktor war und von meinem damaligen Chef mit einiger Nachsicht und großem Engagement gefördert, hänge ich dem nach, was die Routine der Geschichtswissenschaft als Aufstieg und Niedergang der Ruhrgas beschreibt; ich lese sogar vom Ende des Marktführers. Erloschen.
Das narrative Konzept von „rise and fall“ ist beliebt, weil es eine Geschlossenheit des Gegenstandes suggeriert, mehr noch, eine durchgängige Entwicklungslogik unterstellt, die aber vor allem in den Augen des Betrachters liegt und nicht so sehr der Sache selbst. Von einem Historiker erwartet man, dass er nicht nur Ereignisse zitiert und in Sitzungsprotokollen herumnistelt, sondern Hintergründe herausschält und Geheimnisse offenbart, die dann als die wahre Geschichte gelten können. Statt stupider Faktenhuberei eine sensationelle Enthüllung. Fehlanzeige.
Es hat sich ein Bochumer Historiker um die Ruhrgas-Geschichte bemüht und daraus eine Venia Legendi gezogen, aber eine große Begeisterung war ihm beim Schreiben nicht anzumerken. Die Rezensionen des Wissenschaftsbetriebes loben nach Druck des Elaborats brav, kauen aber auf der Inspirationsleere des Schinkens. Nun muss man sagen, dass der Autor auch in einer ungewöhnlichen Weise Versuchen der Einflussnahmen der unterschiedlichen Fraktionen des ehemaligen Ruhrgas-Managements ausgesetzt war, und sich dabei charakterfest zeigte.
Man kann die Geschichte der Ruhrgas nur erzählen, wenn man sie einbettet in die internationale Energiewirtschaft dieser Epochen. Kohle, Öl, Kernenergie, Erdgas. Das schließt den Aufstieg der Montanindustrie an der Ruhr ein, so es um die Anfänge geht. Röhren für Gas. Das behandelt eine fatale Ministererlaubnis für eine falsche Fusion. Und endet noch nicht mit dem aktuellen Gas-zu-Gas-Wettbewerb, in den uns der befreundete Hegemon geschickt hat.
Die offizielle Ruhrgas-Geschichte erklärt ihren Gegenstand für erloschen, weil das so heißt, wenn man ins Handelsregister schaut. Aber die Rohre liegen noch, die allermeisten. Mein Lebensgefühl ist deshalb anders: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen | Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“