Logbuch
Was hat der Wähler als Trend erkennen lassen? Wo steht das Land? Schwarz-Grün erringt absolute Mehrheit in NRW. SPD tritt endgültig Gestaltungsanspruch ab. Das ist in der Logik der Parteienlandschaft das Ergebnis der Kommunalwahlen an Rhein, Ruhr und Lippe. In der historischen Heimat der Sozialdemokratie haben die Roten keine Kraft mehr zusammen mit den Gelben oder zusammen mit den Grünen eine Regierung zu stellen. Geschweige denn im Bund. Das ist das wirkliche Ende der Merkelisierung der Union, sie verschiebt die Mitte insgesamt nach rechts, indem sie die Grünen aus deren linken Bezügen in eine Mitte-Rechts-Koalition lockt. In Wahrheit ist die neue GroKo schwarz-grün. Und die Sozialdemokratie muss, dem Rest ihrer bürgerlichen Identität zuliebe, fremdeln, was die Kommunisten der Links-Partei angeht. R2G ist in Berlin ein einziger Krampf und im Bund nicht möglich. Wenn Schwarz-Grün der neue Sehnsuchtsort ist, dann macht auch die Industriepolitik Sinn: Atomausstieg, Energiewende, Elektromobilität. Tesla-Republik. Passt alles. Früher hat die FDP den Sozen zur Bürgerlichkeit verhelfen können, dazu aber fehlt dem jetzigen Vorsitzenden, ein Schülersprecher, die Statur. Und sie liegt in NRW längst in den Armen der Union. Und dann sieht man bei den Sozen den linkischen Scholzomaten, die Frau mit dem bösen Mund und den mit den Glasbausteinen, und man weiß, das alte Charisma, das kommt nicht mehr. Masken auf und vereinzelt Euch! Spättrömische Dekadenz.
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KATACHRESE.
Der Vorkämpfer neuer Zeiten, kurz Pionier genannt, für das publizistische Gewerbe, die Medien also, hat sich dazu in Berlin einen Ausflugsdampfer angeschafft, ein Bötchen. Bin ich der einzige, dem das als schräge, seltsam übermotivierte Event-PR-Idee erscheint, als veritabler Bildbruch? Wie krampfig.
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VOLKSHERRSCHAFT hatte schon immer das begriffliche Problem, sagen zu müssen, dass man nicht jedweden Pöbel meint, sondern etwas Edleres. Der Begriff des Volkes ist eine komplexe Konstruktion; er meint Gemeinwohl, nicht Druck der Straße. Man versucht in der REPRÄSENTATIVEN Demokratie aus dieser Crux herauszukommen. Schwierig jedwedem Mob zu vermitteln, obwohl ja als VOLKESWILLE gedacht. Breite Bereitschaft zur Irrationalität jetzt gerade auf den Straßen Berlins, vieles mit mundartlicher Färbung und esoterischem Nimbus.
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MIGRATION.
Mir mögen Migranten fremd sein, was ihre Religion angeht, aber nicht ihr Schicksal. Nie ihr Schicksal. Dabei meine ich die soziale Frage, nicht die ethnische. Und ich meine ehrliche Leute, die ihren Fleiß belohnt sehen wollen, indem ihre Kinder etwas Anständiges werden.
Jetzt ein Beispiel nicht aus dem Zufluchtsort Berlin oder dem italienischen Wolfsburg, sondern vom Lande, wo ich auch lebe. Ich will erinnern an das Dorf Sespenroth im Gelbachtal des unteren Westerwalds, bei Montabaur, nahe Reckenthal und Heilberscheid.
Am 29. März 1853, dem Osterdienstag, brachen von hier, ihrer Heimat, 13 Familien mit 48 Personen gemeinsam nach Amerika auf. Der ganze Ort. Über Bremen und New York gelangten sie nach Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin.
Bittere Armut, blanker Hunger und pure Verzweiflung hatten diesen Entschluss reifen lassen. Das Dorf wurde abgetragen und der Wald holte es sich zurück. Ich habe nach einem Gedenkstein gesucht, aber keinen gefunden; deshalb die ausführliche Angabe von Orten aus den Archiven.
Man tadele mir den Migranten nicht, der seinen Kindern eine Zukunft bieten will und dafür einiges auf sich nimmt. Das gilt eben nicht nur für die Italiener, die es über die Welt zerstreut hat, sondern auch für die deutschen Hungerleider, die ihre Heimat nicht nährte und so vertrieb. Hut ab!
Das Einwanderungsland Amerika war damals auch für Deutsche eine Verheißung. Dass im Zuge dessen auch schräge Pfälzer dort gelandet sind, das bitte ich uns als Nation nachzusehen. Wie auch Jüngstes. Sapienti sat. Den Schlauen weiß, wie ich mein.