Logbuch
Die INNENANSICHT der MACHT.
Das ist es, was mich als Soziologen ein Leben lang interessiert hat. Nicht, weil ich es dann ausplaudern wollte. Weil ich es für mich wissen wollte. Und eben das ist es, was mich an politischen Skandalen interessiert. Nehmen wir den Fall der FRAU DOKTOR GIFFEY und ihres Gatten, der seinen Beamtenstatus durch einen Gerichtsentscheid verloren hat. Wie denkt dieses Milieu, das zur Spitze der Politischen Klasse gehören will, wie denken die, was sie sich erlauben können? Nicht die DELINQUENZ selbst interessiert mich (beschissen wird überall), sondern, wie die das als ELITE denken. Früher hieß das GEWISSEN. Man hatte ein schlechtes Gewissen oder eben nicht. Am Beispiel der schrägen Promotionen: Wie denkt man, dass SCHAVAN und KTG amtsenthebende Skandale waren und GIFFEY eine lässliche Sünde? Man sehe sich im Fall GIFFEY den sogenannten Empirie-Teil der sogenannten Dissertation an und frage sich selbst nach der ETHIK des Forschens. Wer befragt da wen in welchem Kontext? Das ist entscheidend, wenn es um wirkliche EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG geht. Es geht also nicht um „Abschreiben“, sprich irgendwelche Fußnoten oder veritable Plagiate; es geht um einen prinzipiell unethischen Forschungsansatz, sprich etwas, das gar keine Forschung ist, sondern Feuilleton. Erlebnisaufsätze aus dem juste milieu. Gesinnungsprospekte. Wie kriegen das die DAMEN DOKTORMÜTTER an der Universität durch den Hals? Wie denken die so was? Bei der Innenansicht der Macht kommt man sehr oft ans Staunen.
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PLAGIAT.
Das ist ein Vorwurf, den die machen können, die zu beurteilen wissen, was er denn meint. Wir reden von einer Arbeitswelt, in der sehr viel Mühe in Darstellungen von Wissen fließt, also ein Produkt, das seinem Produzenten gehört, weil er sich dafür redlich gemüht hat. Plagiate sind vorsätzlich verborgener Diebstahl geistigen Eigentums zum Nutzen des Diebes und Schaden des Bestohlenen. Mit diesem Hinweis verteidige ich nichts und niemanden. Ich sage nur, dass Opfer die Bestohlenen sind und die Täter Nutznießer einer vorsätzlichen Täuschung. Dass man eine Institution beschissen hat, um an eine Urkunde zu kommen, das mag man verzeihen, wenn man locker drauf ist. Das ist nicht der „case“ der Promotionsordnung. Plagiate sind, wenn Sie Plagiate sind, vorsätzlicher Diebstahl bei Kollegen. Ein Kameradendelikt. Das ist der akademisch Sinn des Verbots geistigen Diebstahls.
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Das Verhältnis von STRATEGIE und TAKTIK ist die innere Uhr der Macht. Man sieht es bei Trump. Ihm scheint die Wirkung seiner Taktiken völlig egal zu sein. Ich weiß nicht, was er vorhat. Ich weiß nicht mal, ob er was vorhat. Vielleicht gibt es gar keine Strategie, vielleicht doch. Jedenfalls scheint er frei von dem Zwang, immer einen guten Eindruck machen zu wollen. Etwas ähnliches geht mir durch den Kopf, wenn ich sehe, wie Gerd Schröder oder Sigmar Gabriel nicht mit der Tatsache zurechtkommen, dass sie "has-been-s" sind, Männer von gestern. Schröder lässt sich von Bela Anda zu profansten Eitelkeiten verleiten. Punktsiege für Piffer, peinlich per Podcast. Gabriel kann weiterhin seinem Instinkt nicht widerstehen, leichte Beute zu machen, wenn andere eine taktische Nische lassen. Nachtreten als Manie. Man kann sich fragen, wie das wohl bei Angela Merkel wird, wenn sie abgetreten ist. Lese ich gerade bei einer klugen Berliner Publizistin, die voraussagt, dass Merkel einfach nur weg sein wird. Das könnte so kommen. Die Frau ist völlig frei von männlicher Eitelkeit. Schlimmer: sie hat diese protestantische Variante der Eitelkeit, nämlich das vorsätzlich bescheidene. Taktisch ein Tölpel, strategisch ein Genie. Erinnert mich an einen Chef, den ich mal hatte und sehr geschätzt habe; der hatte einen echt miesen Anzug im Schrank, den er aber notorisch trug, wenn er sein Gegenüber täuschen wollte. Er hatte das Ding zum Beispiel an, wenn er ins Ausland, namentlich in den Ostblock, flog. Ein teures Tuch wäre dann strategisch dumm gewesen. Jene Männer (gender!), die der morgenländischen Prahlsucht erlegen sind, bringen das calvinistische Kalkül nicht über sich, mal scheiße auszusehen, um am Ende klug gewesen zu sein.
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DER MATTHÄUS-EFFEKT.
Das Leben ist nicht gerecht. Es ist sogar noch ungerechter, als man meint. Das hat ein amerikanischer Soziologe namens Robert K. Merton herausgefunden, der untersucht hat, welchen Einfluss kostenlose Bildung, etwa die Gratisgabe von Schulbüchern, auf soziale Ungleichheit hat. Nun, sie verschärft die Ungleichheit. Weil? Die Schüler aus Haushalten mit eher gebildeten Eltern nutzen die Literatur überdurchschnittlich stark und die aus eher bildungsfernen unterdurchschnittlich. Die Schere geht weiter auf. So verfestigten sich Klassenunterschiede, sagt der Soziologe. Er zitiert dabei das Gleichnis von den Talenten aus dem Matthäus-Evangelium.
Dort steht: „Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.“ Das empört unser Gerechtigkeitsempfinden, ist aber so hässlich, dass es stimmen könnte. Eine soziale Paradoxie. Wir erleben sie zurzeit auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz, die nicht mehr verlangt, dass der Nutzer lesen und schreiben kann. Alexa sind auch Analphabeten willkommen. Gerade die. Man fragt die KI was und die trägt es vor. Lesen überflüssig, Schreiben auch. Welchen Einfluss das auf die Bildung hat, bemerken Hochschullehrer gerade allzu deutlich. Die Mobilen werden mobiler und die Unselbstständigen verlieren auch noch den letzten Rest an intellektueller Eigeninitiative, weil sie die entsprechenden Sozialtechniken schlicht verlernen. Alexa ist ihnen deswegen nicht böse.
Bildung ist ein Muskel: Wer ihn nicht trainiert, verliert ihn; zunächst leidet nur die Fitness, dann der ganze Mensch. Die Couch-Potato sitzt am iPhone, frisst Chips und wählt, was Putin will. Denn, wenn es ein ideales Opfer für Desinformation gibt, so ist es der daddelnde Doofmann in den Sozialen, der das Internet für einen Hort der Weisen hält. Er meint durch ein Fenster in die Welt zu schauen, dabei ist es ein Schaufenster, das die KI für ihn so dekoriert hat, dass er seine Abhängigkeit davon kontinuierlich weiter ausbaut. In nichts ist der Matthäus-Effekt plausibler als bei der Drogensucht. Die nächste Line an Koks gilt als Erlösung, ist aber nur ein weiterer Schritt in die Katastrophe. Did I make myself clear? Sonst fragt halt Alexa, was der Mann meint.