Logbuch

Dazu, was man da aus den USA und aus GB an Spitzenpolitiker Einlassungen vernimmt, an vulgärer Demagogie und mangelnder Würde im Umgang, dazu ist nur noch SCHWEIGEN angemessen. Von wem stammt eigentlich der Begriff „Erkenntnisekel“?

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BERÜHMT in Zeiten von PEST & CHOLERA.

Gestern habe ich einen der Herausgeber der Hauptstadt-Zeitung getroffen, bei Manufactum. Er hat, schien mir, etwas zugenommen. Sebastian T. machte mir, sehr nett, ein Kompliment zu meinem englischen Sacco. Kürzlich traf ich bei Lacoste, dem Hemdenladen, die Brüder G. Einer der beiden, Thomas G., in Begleitung seiner neuen Frau, mit der er sehr glücklich sein soll, sagt die Yellow Press; habe mich ihr kurz vorgestellt. Beim Rasten auf der A2 sah ich neulich den Sänger jener Kölner Mundarttruppe, die sich nach ihrem Vater benannt hat; seine Begleitung schwadronierte, dass sie einen neuen Hund kriegen. Wolfgang N. wirkte, wohl ob dessen, eher gequält. Wen man so alles trifft, wenn man auf der Piste ist. Und? Nun, ich habe alle erkannt, obwohl wir alle eine Alltagsmaske korrekten Ausmaßes trugen und vorschriftsmäßig Abstand hielten. Das ist das neue VIP: Man hat es geschafft, wenn man trotz Maske auf der Straße erkannt wird.

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Ein Land der FRÖMMLER waren die USA schon immer. Radikale Puritaner, die sich in England unbeliebt gemacht hatten, haben es besiedelt. Calvinisten der ganz unverträglichen Art, die es im Mutterland nicht geschafft hatten, ihre extremen Scharia-Vorstellungen durchzusetzen. Später „Pilger“ (pilgrim fathers) genannt, hielten sie selbst sich für „Heilige“ mit unmittelbarem Zugang zu Gottvater, ein unverträglicher Haufen von Separatisten. Erst nach dem Frömmlern kamen die Sklavenhändler und -halter sowie Armutsmigranten aus aller Welt. Das ist der Nährboden des Evangelikalen, der Freunde des Donald Trump. In dieser Welt ist die Katholikin, die gerade als Verfassungsrichterin nominiert wird, als Katholikin fast exotisch; freilich steht sie den Protestanten an Fundamentalismus in nichts nach. Auch sie eine Anhängerin der Laienexegese. Das ist die Diktatur der Buchstabengläubigen über die Schriftgelehrten. Die Aufgeklärten sind davon noch Lichtjahre entfernt. Tief irrational, ganz tief. Frömmler halt.

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NAMENLOS.

Bei der letzten großen Machtergreifung, der der Nationalsozialisten, die in den Zweiten Weltkrieg führte und industriell betriebene Vernichtungslager mit Behinderten, Abweichlern und vor allem Juden füllte, flohen viele der Intellektuellen nach Hollywood. Nicht, dass man sie großartig eingeladen hätte, aber manchen gelang eben über einige Zwischenstationen in Europa und Russland am Ende die Flucht und eine Anstellung in der amerikanischen Filmindustrie. Jedenfalls überlebte man.

Man fühlte sich dort allerdings unterschiedlich wohl. Und viele Migranten amerikanisierten ihre europäischen Namen, insbesondere die osteuropäischen, in die einfachen Lautungen des Exils. Bob & Bill. Ich lese dazu ein gerade erschienenes Buch über die „Paranoia in Hollywood“ und stoße zum ersten Mal auf eine Notiz von Bertolt Eugen Brecht, die mich amüsiert und auch berührt. Er beschwert sich darüber, ständig seinen Namen buchstabieren zu müssen. „Please, spell your name!“ Nicht uneitel fügt er an, dass er zuhause einen großen Namen gehabt habe.

Als der arme BB Deutschland verließ, war er tatsächlich wegen des Erfolges der Dreigroschenoper ein berühmter Mann. Hier in Hollywood ist er ein Niemand, der zudem im Englischen nur radebricht. Man hat keine Verwendung für ihn bei den Drehbuchschreibern der Traumfabrik und er fremdelt und hungert. Übrigens im Gegensatz zu Thomas Mann, dem Nobelpreisträger, der im Exil blendend zurechtkommt. Na klar. Tom Man fällt der amerikanischen Zunge leichter als Bert Brecht. Aber da ist mehr.

Thomas Mann gibt den faustischen Deutschen samt und sonders aus dem Exil über die BBC eine charakterliche Kriegsschuld; da denkt der Linke Brecht differenzierter. Thomas Mann ist in den USA berühmt und betucht; an beidem lässt er seinen Bruder Heinrich nicht teilnehmen. Brecht schon gar nicht. Bört Brecked? Please, spell your name. Das schmerzt. Brecht will nach dem Krieg möglichst schnell raus aus den USA, wo eine antikommunistische Propaganda um sich greift. Er besorgt sich einen Schweizer Pass, gibt sein Geld nach Frankfurt/Main und zieht nach Ostberlin.

Wir wollen aus den großen Schicksalen zumindest eine kleine Moral ziehen. Wir achten künftig die komischen Namen seltsamer Migranten. Und deutschen sie nicht einfach plump ein. So viel Zeit muss sein.