Logbuch

TRAU SCHAU WEM.

Eine Meinungsumfrage zum beabsichtigten Wahlverhalten, die die BILD AM SONNTAG bei INSA in Auftrag gegeben hat, die sogenannte Sonntagsfrage, sieht die „SPARTACUS-Initiative Sarah Wage-es-Knecht“ einer unbelehrbaren Kommunistin aus der DDR, bei 14 Prozent, so groß und gut wie die SPD (14%) oder die Grünen; FDP (4%) draußen wie die Linkspartei. Ich glaube das nicht wirklich.

Eine Recherche der Faktenchecker COLLECTIV, eine grün-rote Truppe von brotlosen Gesinnungsjournalisten, die einst ein Verleger der WAZ sich herangezogen hat und die nun auf Staatsknete wie Spenden spekulieren, wollen eine WANNSEE-KONFERENZ in Potsdam ausgehoben haben, die rassistische Säuberungen beschlossen habe, gar eine Endlösung. Angehaiderte Ösis, die von Bio-Deutschen schwärmen. Ich glaube das nicht wirklich.

Ich fürchte vorsätzlich keine REVOLUTION von links und keinen REAKTIONÄREN Umsturz von rechts. Beides würde ich selbstverständlich entschieden nicht wollen; weder die DDR noch den NAZI-STAAT. Drohen die denn? Nun sagt man mir: „Wehret den Anfängen!“ Das ist was dran, aber riecht danach, dass man mich drängen will, die lendenlahme Mitte gegen die teuflischen Ränder zu stärken. Das wiederum ist jene Logik, die ich von Notstandsregimen kenne. Ich habe Verdacht auf Propaganda.

Man will mich mit der Furcht vor dem Teufel wieder auf die Kirchenbank zwingen. Das gefällt mir nicht. Ich werde die Mitte nicht deshalb stärken, weil sie mir Angst vor den Rändern macht. Ich werde wählen, aber nicht unter der Knute eines selbsternannten Notstandsregimes, das mit fadenscheinigen Inszenierungen über die eigene Impotenz hinwegtäuschen will.

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SCHUHE.

Mir fällt auf, dass die BBC stets von „clothing and footwear“ spricht, für den Engländer also Schuhe nicht zur Bekleidung gehören. Das muss historische Gründe haben. Schneider und Schuster waren wohl unterschiedliche Zünfte. Zu verstehen ist das eigentlich nicht. Nichts spiegelt mehr den Charakter als der Schuh.

Bei der Kleidung ist das ja akzeptiert, dass neben der instrumentellen Funktion, sprich zu wärmen und die Scham zu bedecken, die kommunikativen eine große Rolle spielt, vielleicht die größere. Wer sich kleidet, verkleidet sich: Man zeigt, als was man gelten will. Im kulturellen Sinne ist jede Kleidung ein individuelles Kostüm und Uniform des gewählten Lebensstils zugleich.

Der sorglose Umgang mit den Brocken ist eben auch eine Aussage. Zur Jogginghose ist alles gesagt. Anmerkungen hätte ich noch zum Deichmann-Treter und dem Rentnerbeige wie der praktischen Multifunktionsjacke. Wie zum sogenannten Getto-Aigner und Nutten-Versace. Allerdings ist die Geschmacklosigkeit nicht den unteren Schichten vorbehalten. Das obere Kleinbürgertum weist hier die eklatantesten Fehlgriffe auf. Ich sage nur: „Rooobert…“

Gut gekleidet ist unsere Bundesaußenministerin, die aus dem Völkerrecht kommt. Sie lässt von sich Fotos machen und verbreiten, die dem Stöckelschuh zu neuen Ehren verhelfen. Assoziativ mag der Stiletto genannte Hochabsatz im Milieu beliebt sein und dem Grünen eher die Plattfußsandale namens Birkenstock zuzuschreiben, jetzt aber verlässt sie einen Truppentransporter in einem sehr zivilen Halbschuh, der mir wirklich gefällt. Dass sie gar nicht mit dem militärischen Flieger angereist ist und die Regierungsmaschine im Hintergrund steht, das anzumerken, ließe auf ein Rummäkeln an feministischer Außenpolitik aufscheinen, was sich verbietet.

Der geschätzte Herr Bundespräsident ist zurückhaltender in Modefragen, da er keine Konfektion tragen kann. Ich würde aber anregen, dass er sich weiße Sneaker fertigen lässt; das gäbe seiner eher betulichen Amtsführung etwas Frisches. Ich kenne da in Berlin eine orthopädische Werkstatt, die so was könnte. Aber lassen wir die große Politik und wenden uns dem diskreten Charme der Bourgeoisie zu.

Was trägt eigentlich die hanseatische Erbin Christina Block, der Steak-Häuser und Hamburger Hotels zu eigen sind, an Schuhwerk? Ich meine, wenn Schuhe ein Spiegel des Charakters sind, dann ist das doch eine wirklich interessante Frage.

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WÄRMEMARKT: NO FREE LUNCHES.

Keine Schnäppchen. Schon gar nicht durch die grünen Innovationen. Ich schwör. Der Strompreis für Wärmepumpen steigt und wird so teuer werden, dass der Preis für die Raumheizung bei allen möglichen Alternativen in etwa gleich hoch sein wird. No free lunches. Woher weiß ich das?

Ich habe Steinkohle gemacht, Mineralöl, Erdgas, Kernenergie, Strom… Ein „street dog“ der PR in der Energiewirtschaft. Und ich bin dabei auch zu dem Vorzug gelangt, zu lernen, was ein „anlegbarer Preis“ ist. Die Preisbildung hat wenig mit den Gestehungskosten zu tun; erste bittere Wahrheit. Jeder Anbieter schöpft sein Marktpotential weitestgehend aus; zweite bittere Wahrheit. Du schlägst ESSO nicht, indem Du Shell tankst, nicht mal Jet hilft Dir wirklich (2 Cent/Liter). Schon gar nicht im Tesla, weder bei Betrieb noch bei Unterhalt; da platzen gerade die Träume.

Der Preis für Erdgas ist nach oben (!) immer dem für Heizöl gefolgt, dem theoretischen Ersatz im Wärmemarkt. Das wird auch für Strom gelten, dessen Verschwendung in Raumheizungen wir früher (!) nicht für angebracht gehalten haben. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Dritte Logik: Das Substitutionsniveau ist entscheidend, nicht die Gestehungskosten, jedenfalls nach oben. Deltas werden ausgecasht. Alle Anbieter schöpfen ihr Potenzial im Markt mittelfristig maximal aus. Schnäppchen sind Sternschnuppen.

Und wenn das die Regierung nicht gut findet? Dann kann sie den Preiswettbewerb durch Subventionen verzerren. Solange, wie sie zahlt und in dem Maße, in dem sie zahlt. So wie sie das in der Landwirtschaft tut. Weshalb wir so zufriedene Bauern haben.

Disclaimer: Ich habe keine Ahnung von Ökonomie, nicht mein Fach. Nur Erfahrungen eines staunenden Laien.

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INTERNATIONALER FRÜHSCHOPPEN.

Heilige Orte der Bonner Republik. Wir sprachen über das italienische Restaurant Da Bruno. Dann muss noch erwähnt sein der Deutsche Presseclub im Regierungsviertel mit dem legendären Bartender Karl Rosenzweig, von jedermann „Karlchen“ genannt, auf dessen Diskretion angeblich Verlass war. Ich werde hier nichts Gegenteiliges behaupten, schon gar nicht etwas Ehrenrühriges. Will aber doch nicht verheimlichen, einen SPIEGEL-Reporter gekannt zu haben, der stante pede Satz wie Suppe stehen ließ, wenn ihm ein Anruf übermittelte, dass hier gerade eine sehr interessante Konstellation besoffen und redselig sei.

Stammgast bei Karlchen war Werner Höfer, der Ur-Vater des WDR und, solange ich auf der Welt, sonntags zu Mittag Gastgeber des „Internationalen Frühschoppens“, zu dem er mit eiserner Disziplin jeden Sonntag zu Wein und Tabak lud, um den Germanen an den Geräten eine kosmopolitische Runde der Auslandspresse zu bieten. Höfer residierte, wie gesagt, zum Feierabend oft bei Karlchen, wenn er nicht auf Sylt weilte, von wo der Barchef übrigens ursprünglich stammte. Der blasierte Höfer war ein Symbol für die neue Weltoffenheit der westgebundenen Republik, der Umerziehung mittels BBC, sprich öffentlich-rechtlichem Rundfunk, und der Nachkriegsverlogenheit der Deutschen. In seinen eigenen Worten sei er als NSDAP-Mitglied zwar kein Widerstandskämpfer gewesen, aber auch kein Schreibtischtäter. Das war gelogen; ich traf ihn in Bonn, als er darüber schon in Schande gekommen und in Ungnade war; ein gebrochener Mann. Wo ich ihn traf? Im Presseclub.

Dabei fällt mir ein, dass ein Berufskollege, mit dem ich mich wegen geschäftlicher Dinge zerstritten habe, über den Presseclub in der Brüningstraße zu erzählen wusste, den ich allerdings lange nicht gesehen habe; seine Mutter wirkte dort wohl als Gesellschaftsdame. Sven wusste jedenfalls viel Anekdotisches. Jetzt fällt die Bank, für die er auch mal sprach, in die Hände der Italiener. Italiener lässt man in die Küche oder die Kasematten, aber nicht an die Kanone oder die Kasse. Wünscht man, Kosmopolitik hin oder her, niemanden; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.