Logbuch
ZENSUR PUR.
Wir sehen einen ATZE SCHRÖDER im T-Shirt mit Goldkettchen höchst persönlich in den Sozialen Medien eine weitreichende Entscheidung bekanntgeben. Der von ihm geführte Konzern META wird künftig auf die EIGENZENSUR verzichten. Man schließe sich für FACEBOOK und andere Plattformen der Politik von X an, dem Dienst des Elon Musk. Alles Atze, möchte man sagen.
Zum Verständnis muss man das „positivistische Mysterium“ aufklären, hinter dem sich bisher die ZENSUR ungewünschter Meinungen verbirgt und das THYMOS-TABU. Klingt kompliziert, ist aber nur der uralte Inquisitionshabitus. Es geht um die Überschattung der Wirklichkeitsfrage durch die Wahrheitsfrage, im Jargon der Zensur „Faktencheck“ genannt. Man will „fakenews“ unterbinden. Das kam wahrnehmbar zum Beispiel zum Einsatz als die staatlichen Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung gezielt und verdeckt unterstützt werden sollten.
Das THYMOS-TABU meint darüber hinaus die Unterbindung von öffentlichen Zornesausbrüchen, insbesondere gegenüber Amtsträgern und anderen Autoritären des Staates. Da eine offene Widerrede gegen HASS nur weitere Entgleisungen provozieren könnte, soll Zorn und Verächtlichung gänzlich unterbleiben, jedenfalls gegen den Staat. Historisch ist diese Kombination von Verbot der Irrlehre und verordneter Verstummung der SPANISCHEN INQUISITION zuzuordnen; alles was man dazu bei Monty Python sieht, ist korrekt.
Die neue Deregulierung nennt sich FREE SPEECH und meint eine verlegerische Politik des „Laisser-faire“: „everyone is entitled to his own opinion“ (Maurice Chevalier). So neu ist das nicht. Die Meinungsfreiheit könnte wie die Freiheit des persönlichen Ausdrucks überhaupt der Kern aller Freiheiten sein. Ein Lutherisches Konzept, für das die Päpste aller Zeiten und Glaubensrichtungen nicht zu gewinnen waren.
Eine Glosse, die der Zensor versteht, wird zurecht verboten, sagt Lichtenberg. Ich untersage mir hier akademische Anmerkungen zur Schlichtheit der intellektuellen Horizonte bei den Zensoren, da ich keine Dispute mit David Schraven und seinen Teams selbstlegitimierter Journalisten wünsche. Sapienti sat. Obwohl ich finde, dass der Bottroper Schraven den gleichen Soziolekt wie Atze Schröder spricht; womit unsere Eingangshypothese wankt. Der Minipli-Typ der Metakommunikation kann nicht der wahre Atze gewesen sein. Fakenews. Es war Mark Zuckerberg.
Frage an die Wachen unter uns: Gibt es exemplarische Nachweise der Zensur auf X? Ich meine kein Geschwurbel über den Algorithmus von Leuten, die nicht wissen, was das ist. Ich meine klare Akte der gezielten Selbstzensur wie sie in klassischen Medien und dem Haltungsjournalismus an der Tagesordnung sind. Ich frage für einen Freund.
Logbuch
DAVOS FRÜHER WAR.
Wer bisher darauf vertraute, dass Soros und ich es in DAVOS richten, wird jetzt ganz stark sein müssen: Ich komme nicht. Die berühmte Hütte im Nachbartal bleibt vakant. Wohlgemerkt, ob Soros und Gates wieder in dem Städtchen vor Davos nächtigen, das weiß ich nicht, aber ich habe mich abgemeldet. Ich kann nicht, weil ich Ende Januar in die USA muss, respektive darf. Ich sage nur: Inauguration. Ich habe mich da in eine Delegation reingefummelt. Ja, das heißt auch, dass der Verkehrsgerichtstag in Goslar ohne mich auskommen muss; aber das schafft er.
Wir erleben nicht nur faktisch und personell international einen Elitenwechsel, es ist auch ein Bruch im Stil. Musk beschimpft öffentlich die alten Eliten; der Wille zur Pejoration ist so ausgeprägt, dass man von Invektiven reden muss. Es wird gepöbelt. Musk sagt so Sachen über Trudeau und Scholz oder Stamer, die ich nicht wiederhole. Nur zum Beispiel: der „Spiegel is paid propaganda.“ Die neue Elite liebt es kurz und bündig (das Lakonismus-Gebot der Neuen Rechten) und schlachtet gern die Heiligen Kühe der alten Eliten, die sie gerontologisch beschreiben. Man mag selbst auch über 70 sein, aber eben nicht fußlahm und 80 oder 90.
Die Greise der neuen Elite sind virile Phänomene der „longitivity“: sie werden ewig leben; sagen sie. Während die Churchills der alten Eliten am Stock gehen, wiegen sie kein Gramm zu viel und zeigen es auch (es gibt eine neue „H culture“, deren dünne Beinchen Bände sprechen). Das fällt mir auch auf, als ich den avisierten Kanzler Österreichs durch die Wiener Hofburg schreiten sehe; billiger Anzug, aber hauteng. Aber das ist, wie Kipling und Haider sagen, eine andere Geschichte.
Also, wer immer sich in diesem Jahr um den Gin&Tonic in Davos kümmert, ich grüße aus dem Land des „black jack“ (Jack Daniels; obwohl, es könnte sein, dass es Coke Zero wird und Veterenärisches). Davos früher war, da ist es nicht mehr.
Logbuch
DER KONGRESS TANZT.
Durch eine Tapetentür betritt in der Wiener Hofburg ein grüner Bundespräsident den politischen Raum mit dem Plan, die blauen Freiheitlichen zu einer Regierungsbildung aufzufordern und mit der schwarzen Volkspartei unter einem rechtspopulistischen Kanzler eine Vernunftehe zu bilden. Aus der Illusion einer Brandmauer ist eine Melange geworden. So miefig piefig geht heutzutage Machtergreifung.
Hinter der deutschen Tapetentür lauert die begattungswillige Alice Weidel und der unentschlossene Friedrich Merz; Herr im deutschen Haus der Macht ist der ungeliebte Frank Walter Steinmeier. Dem Mann ist alles zuzutrauen. Man hört ihn bis in den Garten von Bellevue eine Weise summen, die da lautet „Tu felix austria, nube!“ Heirate nur, Du glückliches Österreich. Es werden die Glocken auf Notstandsregime eingestimmt.
Ob die AfD durch die Hintertür an die Macht kommt oder man durch‘s breite Portal schreitet, das liegt im deutschen Vaterland in der Hand des Wählers, um den ab heute, dem Drei-Königs-Tag ganz offen geworben wird. Die ersten Anzeichen einer offenen Feldschlacht sind schon da. Die Union diskreditiert die Sozialdemokraten als Fünfte Kolonne Moskaus; ein Erfolgsrezept seit Adenauers Tagen. Olaf Scholz soll als Putins Pudel erscheinen.
Weiter so! Mehr davon! Jetzt ist also tatsächlich D-Day und offene Schlacht, von mir aus auch „blood on the floor“; nur bitte keine Tapetentüren zu den muffigen Hinterzimmern der Macht. Der Kongress mag tanzen, wo er will; hier ist Preußen. Keine Wiener Hofburg an der Spree!
Logbuch
MIT MUNDGERUCH.
Weit unterhalb der großen Geschichte, die die Schicksale der Völker bestimmt, muss es viele Ebenen der Alltagsgeschichte geben, die das Leben der Menschen tatsächlich ausmachte. Das geht mir durch den Kopf als ich ein Rollbild unter meinen Büchern finde, das weniger als eine Elle breit, aber stattliche fünf Meter lang. Ich habe es aufgehängt. Der LORSCHER ROTULUS, eine beinahe endlose Litanei, kann in keiner Hütte gehangen haben; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
In dem Begleitbuch geht es um Ludwig den Deutschen und damit natürlich um Karl den Großen und es herrscht Klage darüber, dass man über ihn so wenig wisse, jedenfalls aus seinem Alltag. Die Geschichte schweigt, obwohl Historiker von Hause aus doch geschwätzig, weil kränkend Kränkungen erlegen. Dazu ganz am Schluss ein episodischer Beweis. Zunächst etwas Gegenteiliges, ein konträrer Befund. Wo man nix genaues mehr weiß. Wir gehen tausend Jahre zurück und reden mit Otto dem Großen.
Das ist kein Vergnügen. Der Mann stinkt elendlich aus dem Mund und verlispelt fürchterlich. Kaum zu verstehen. Woher weiß man das? Nun, man hat vor zwei Jahren im Magdeburger Dom seine Gebeine gefunden und eine Meute von Medizinern der Magdeburger Uni dran gelassen. Noch heute anhand massiver Zerstörungen der Gesichtsknochen nachweisbar, hat bei Otto eine schwere Parodontitis gewütet, die unter regelrechtem Zahnsteinpanzer den Kiefer bis weit hinter die Zahnwurzeln zerfressen hat. Er muss im Alter wirklich gelitten haben, so am lebendigen Leib verfaulend.
Die Schneidezähne habe er allerdings im Kampf verloren, trösten uns die Geschichtsschreiber. Auf deren Tatsachenschilderungen ist aber kein Verlass. Jetzt von Otto zu Karl. Seine Taten hat ein Mönch aus dem Kloster St. Gallen überliefert. Die Gesta Karli Magni prägen unser Bild vom Karolingischen. Aber seine Kollegen mochten ihn nicht, den Mönch mit der Zahnfehlstellung. Sie nannten ihn Notker der Stotterer. So ging er in die die Geschichte ein, als Notker Balbulus, was Stammeln oder Stottern heißt und nunmehr tausend Jahr gar nicht mehr zu hören ist. Otto ist auch nicht mehr zu sehen. Sie haben ihn vorgestern wieder zu Grabe getragen. War da die persönliche Indiskretion, die Verletzung seiner Privatsphäre, vorher unvermeidlich? Wäre er Zeitgenosse, hätten das die Prommi-Anwälte Schertz&Bergmann zu verhindern gewusst.