Logbuch
WIDER DEN STACHEL LÖCKEN.
Luther als Übersetzer gibt mir zu denken, als ich die Wartburg auf der Autobahn rechts neben mir lasse. Er hatte diese Redensart noch mit „wider den Stachel lekken“ angegeben, war sich aber so unsicher, dass er als Randnotiz angab, dass mit Lecken ein Austreten gemeint sei. Dem Volke auf das Maul schauen in Thüringen. Das mit dem Löcken steht irgendwo bei der Bekehrung des Saulus zum Paulus. Es war, wenn ich das recht erinnere, Gott selbst, der dem Saulus sagt, er solle jetzt endlich aufhören, wider den Stachel zu löcken / lecken. Dunkler Sinn. Klar ist nur, dass sich der Mensch in seine Bekehrung zum Christen schicken sollte. Man kommt aus der ganzen Etymogelei nur raus, wenn man die Semantik zugunsten der Pragmatik verlässt. Wir sind in den Zeiten vor Erfindung des Traktors. Arme Bauern mussten den Pflug oder den Ackerwagen von dem Vieh ziehen lassen, das sie ohnehin hatten. Etwa einem bockigen Esel. Oder dem ansonsten nutzlosen Ochsen. Um das unwillige Vieh anzutreiben, wurde es mit einem Stock / Stachel in die Hüfte gestoßen, wogegen die gequälte Kreatur austrat. Das konnte gefährlich werden. Er löckte wider den Stachel. Fahre bei DIE DREI GLEICHEN raus, um zu tanken. Neben der Tanke ein glimmender Holzkohlegrill. Morgens um sechs. Zum Frühstück Thüringer Bratwurst? Eher nicht.
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Es spricht GERD SCHRÖDER, und er macht es, noch immer, gut. Richtig gut. Das muss der Neid ihm nach wie vor lassen. Würde er sich nur nicht andernorts so vertingeln. Ach.
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ASSOZIATIVES DENKEN.
Ich war kein besonders guter Schüler. Dass ich überhaupt durchgekommen bin, lag an guten Noten in jenen Fächern, in denen man einfach nur den Pauker paraphrasieren musste. Den gleichen Laber in anderen Worten nachplappern. Oder als Frage scheinheilig wiederholen. Dampfplaudern. Ging in Mathe nicht. Auch nicht in Französisch, wo mir schlicht der Wortschatz fehlte. Wenn ich heute in Sitzungen auf erwachsene Manager treffe, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben und ersatzweise versuchen sich mit assoziativem Denken über Wasser zu halten, muss ich in mich hineingrinsen. „Na, so habe ich Studienrätin Frollein Müller-Kegel verladen können, bei der ich Geschichte hatte, aber Du doch nicht mit mir...“ Meine Erfahrung: Wer eine große Klappe haben will, muss fleißig sein, sonst wird das nichts. Wir waren im Studium, Jahre später, immer die Flegel vom Dienst, aber hatten unsere Hausaufgaben gemacht. Frech und fleißig, das kann klappen.
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FLAPPING EAGLE, DER FLATTERMANN.
Die Umbenennung von Meeren wie Seen, wie sie der amtierende Präsident der USA vornimmt, ist ja keine imperialistische Geste neuerer Art, sondern von gewachsener Tradition. Der Eigenname des Ontario Sees entstammt der vormodernen Besiedlung durch irgendwelche Indianer, die sich mittlerweile den Euphemismus von „First Nations“ angeeignet haben. Mein landmannschaftlicher Zugang zu der schier endlosen Tundra nördlich der Großen Seen ist der Roman „Nobody Loves a Drunken Indian“ von Clair Huffaker. Dessen deutscher Titel („Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer“) ist fehlleitend; es handelt sich um ein Gründungswerk der Red-Power-Bewegung, zu deren Urmythen Flapping Eagel, der Protagonist, gehört. Der Flattermann. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Der Anschluss Kanadas an Europa ist ohne weiteres möglich. Das scheint dem Imperator der amerikanischen Neuen Rechten nicht so ganz klar. Ich meine dabei nicht das Frankophone in Quebec und anderen Städten der Rentierjäger; das ist eher eine hübsche Episode in einer Einwanderungsnation, die so dünn besiedelt ist, dass man die Völker der Welt geradezu einlädt, soweit jung genug und gebildet. Da kommen folglich mehr Asiaten als Islamisten. Ich sehe sogar Sikhs in Parlament. Sichtbare Minderheiten, so nennt sich das hier offiziell. Überhaupt ein buntes Gemisch tüchtiger Menschen. Und zurzeit ein blendender Premier.
Ich würde den Imperialen in den USA gerne folgendes zurufen: Das Herzstück Canadas heißt New Brunswick (Neu Braunschweig) und ist historisch unter der Herrschaft der Welfen. Diese Hochwohlgeborenen bestücken seit Urzeiten den englischen Thron und haben keine Hemmung, ihre Ansprüche von New Brunswick, Can. auf Minnesota oder New York auszudehnen. Die dämlichen Flächenstaaten in den Überflugstaaten der USA interessieren nicht so sehr, so dass man einfach mitten durch die US of A einen Strich ziehen könnte. Geht doch glatt, siehe Korea. Das dann gigantische Nordamerika würde fürderhin aus der Hauptstadt New Brunswicks regiert, dem heutigen Fredericton (Friedrichstadt). Den Rest, also den Süden, kann Jeff Bezos als New Amazon übernehmen.
Die verbleibenden Territorialkonflikte bestehen dann vielleicht noch aus der alten Hassliebe Hannovers zu Braunschweig, aber nicht mehr dem Unsinn um Washington oder Wyoming. Darauf gehe ich heute Abend mit Flap (Kosenamen von Flapping Eagle) einen trinken.