Logbuch

DUMMY WIRD DICK.

Aus England höre ich, dass mehr als ein Viertel der Bevölkerung deutlich fettleibig sei. Man misst das mit dem berühmten BMI, dem Körpermasse-Index. Der Dicken-BMI liege über 30, so dass jetzt Mannequins mit einem Wert von 35 gefragt seien. In den USA muss die Adipositas noch verbreiteter sein. Leben mit 300 kg, das ist eine TV-Serie.

Das hat Folgen für die Unfallforschung. In den Crash-Tests sitzen ja Puppen in den geschundenen Karosserien, die so menschenähnlich sind, dass die Schäden am Dummy auf Menschen übertragbar sind. Neue Dummy-Puppen brauche das Land, da immer Dicke am Volant säßen. Zum Beispiel käme der explodierende Airbag dem Überernährten oft zu nahe.

Das erinnert mich an einen englischen Motorjournalisten des Telegraph, der mich mal darum bat, statt des Dummy als leibliche Person an einem Crashtest teilnehmen zu dürfen. Wir haben das damals bei VW möglich gemacht. Andrew English hieß der Kollege, ein wirklich feiner Kerl! Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Es wandelt sich auch das Antlitz der Autos selbst. Das stellt gerade der fabelhafte Franz Rother am neuen 7er BMW (E-Version) fest, dessen Gesicht ein riesiges Maul zeigt, wo einst nur ein Haifischlächeln zu sehen war. Der SUV-Stil aller Edelkarossen wandelt die Physiognomie eines Hais in die des Walfischs. Riesige Mäuler stehen gähnend offen.

Und so ähneln sich dann Fahrer und Kühlergrill. Auch wenn der Antrieb vom Verbrenner zum Elektromotor wechselt. Das Gewicht steigt; beim klitzekleinen Mini alter Prägung waren es 600 kg, beim neuen E-Mini 1800 kg. Ich fürchte, dass es bei dem Walfisch, mit dem ich die Weltmeere durchpflüge, ein Großmaul namens Audi SQ7, mehrere Tonnen sind. Gedankenblitz: Ich muss auf meinen BMI achten.

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TESLA.

Die Ökobilanz eines Batterieautos ist schlechter als die eines Diesel, wenn sie wirklich ganzheitlich und über die volle Lebenszeit des Gefährts durchgeführt wird. Tesla ist ein affiger Kult, mehr nicht.

Wer auf Twitter ein böses Wort zu Tesla sagte, durfte sich schon immer mit einer ganzen Horde von Fans des kalifornischen Wunderautos rumschlagen. Nicht alles natürliche Personen; auch Sockenpuppen und Roboter gehörten zur Gemeinde. Wie der kalifornische Wundermann Elon Musk, dem Tesla gehört, im Internet seine Geschäftsinteressen pflegte, das war schon eindrucksvoll. Kritiker ernteten koordinierten Hass.

In meiner Nachbarschaft gibt es einen Berufspolitiker der dritten Reihe in der SPD, der sich als stolzer Besitzer eines US-Wunderwagens im Netz zeigt. Er hat sein Batterieauto so angemeldet, dass es im Nummernschild seine Initialen zeigt. Die Blonde findet das affig. Der Sozi will mit dem Besitz der US-Schüssel etwas beweisen; er prahlt mit dem Auto. Was dem Grünen in Berlin das holländische Lastenrad ist dem Roten sein Tesla. Der Manta von Herrn Musk. Die Marke steht für Gesinnung.

Dafür habe ich Verständnis. Nie würde ich zum Beispiel in einen OPEL steigen. Der Manta-Wahn gehört nicht in meine Welt, seit ich mich für VOLKSWAGEN mit GENERAL MOTORS gestritten habe, denen damals Opel gehörte. Heutzutage ruiniert PEUGEOT sein Image mit den elenden Schüsseln aus Rüsselsheim. Da blutet mir das Herz; ich hab mal, stolz wie Oskar, einen Peugeot 504 Ti Automatik gefahren. Mein erster Neuwagen. Mein späterer Chef Ferdinand Piëch hat mich mal danach gefragt, irritiert geguckt, aber den Franzosen knapp durchgewinkt. Ich hatte ihm gesagt, das sei Vorsprung durch Technik gewesen.

Reden wir also über den ehrgeizigen Muttersohn Elon Musk, seine kalifornischen Traumfirmen und die Art, wie er gerade 3500 Leute bei Twitter mit einem lakonischen YOU‘RE FIRED fristlos an die Luft gesetzt hat. Der Headcount an natürlichen Personen wird wohl eine geringere Zahl finden, da die Hälfte aller Stimmen bei ihm schon immer Sockenpuppen und Bots waren.

Ich glaube übrigens nicht an die Batterie.

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VERWERFLICH SELBSTGERECHT.

Über ein Todesopfer richte man nur mit großer Demut; selbst der Verursacher eines Unfalls kann auf Nachsicht hoffen. Verwerflich ist etwas anderes.

Zum Fall: Eine Radfahrerin wird von einem Betonlaster überfahren; sie kommt bei dem Verkehrsunfall zu Tode, der LKW-Fahrer wird von Passanten mit einem Messer attackiert. Ein besonderes Fahrzeug der Unfallrettung erreicht den Unfallort nicht, weil sich Klimaaktivisten auf dem Pflaster festgeklebt haben, damit der Verkehr zusammenbricht. Man hält Radikales für angezeigt.

Mich stört schon die Protestform, weil sie mich nötig, damit ich ihre Meinung anerkenne. Meinungsänderung durch Nötigung, das ist eigentlich nicht mein Ding.

Ich finde richtig, dass im Verkehr der Größere auf den Kleineren Rücksicht zu nehmen hat; dazu kann man LKW hinreichend ausrüsten. Allerdings ist ein gewisser Anarchismus unter Berlins Radlern nicht zu leugnen. Regeln gelten für die verhassten Autos.

Aus den Unterstützerkreisen der Klimakleber höre ich nun, dass eine Notärztin sich dahingehend eingelassen habe, die Radfahrerin sei so oder so tödlich verletzt gewesen; auch wenn die Rettungsfahrzeuge nicht behindert worden wären, war sie hinüber. Schon der Ton...

Nötigung ist verwerflich, immer. Aber dieser Grad an Selbstgerechtigkeit verschlägt mir den Atem.

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DOPPELMORAL.

Der deutsche Dichter Heinrich Heine ist in vielem vergessen, aber nicht in seiner Definition von Doppelmoral. Sie lautet:
„Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn’ auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.“
Offensichtlich geht es um ein Fehlverhalten derer, die da predigen dürfen. Auf die Kanzel darf der Klerus und im weiteren Sinn die Politik. Sprich eine Elite.

Damit ist der Populist hellwach. Er versucht Wind unter die Flügel zu kriegen, indem er die Elite geißelt und sich selbst zum Wahrer der Volksseele stilisiert. Das ist eine propagandistische Haltung, die ihre wirklichen Absichten hinter einer ideologischen Polarisierung verbirgt. In diesem Sinne hat der Reichsminister für Volksaufklärung Joseph Goebbels ausgerufen, dass „die Juden unser Unglück“ sind; und einen monströsen Völkermord angezettelt. In der Dimension nicht vergleichbar, aber strukturähnlich sprich die Neue Rechte in den USA von „white supremacy“, der Überlegenheit der weißen Rasse. Man hört wieder Geschwafel von Ariern.

Auch der AfD-Ton gegen „die Ausländer“, die wieder in ihre Herkunftsländer „remigrieren“ sollen, nutzt diese soziale Polarisierung. Das ist ja der Kern der Vorstellung von der Volksgemeinschaft, dass sie ordentliche Bürger und nette Nachbarn zu Aussatz deklarieren will. Oder der Glaube, dass die Eliten der EU unsere Nationalinteresse unterlaufen und der Euro die Herrschaft des Kapitals brachte. Es gibt auch linke Varianten des Populismus, die die Völker der Welt von einer Bourgeoisie bedroht sehen. Erläuterungen zum allfälligen grünen Populismus spare ich mir.

Wir wollten eigentlich über Doppelmoral reden. Eine der elementarsten Formen ist die frauenfeindliche. Misogynie.
Danach untersagt man denen, die die Natur zur Empfängnis befähigt hat, Verhütungsmittel und Abtreibungen, spricht sich entschieden gegen Prostitution und kommerzielle Leihmutterschaften aus, erlaubt sich als Männerbund aber Einkauftrips ins Ausland, um sich anschließend öffentlich mit einem Fremdgeborenen im Kinderwagen zu zieren. Im Grunde die Beibehaltung des Adelsprivilegs, in der zwar Ihre Majestät schwängern musste, aber alle Mühe der Erziehung bei Hebamme und Nanny lag. Halt zeitlich noch weiter nach vorne gezogen. Samenspende reicht. Man kann Vater wie Familie auch ohne Mutter. Das ist in Wahrheit der Gospel.

Die Konservativen in diesem Land haben also sagen müssen, was ihnen die Kanzel noch wert ist. Denn Doppelmoral ist keine, gar keine. Und die katholische Kirche schweigt; sie ist bei dem Thema Zölibat nämlich schon immer „conflicted“; so nennt man dort die diesbezügliche Doppelmoral.