Logbuch

MERKEL DÄMMERUNG.

Zwischen der Kanzlerin und ihren Ministerpräsidenten soll es erheblich geknirscht haben. Zeitenwende. Die ENTZAUBERUNG von MUTTI hat begonnen. Man bemerkt die wirkliche Erosion der Macht immer nur an der wachsenden Distanz der Freunde. Dass die rechten Ränder der Politik schon lange Merkelhasser waren, beweist nichts. Dass aber jetzt auch die alten Anhänger schmerzverzerrt das Gesicht verziehen, zeigt eine Wende. Die Entzauberung des Charismatischen ist eine Sinuskurve, einmal über den Scheitelpunkt geht es nur noch runter. Das werden wir nun an der Reaktanz auf die (alternativlose) Seuchenpolitik erleben. Die Leute werden die (alternativlose) Bevormundung leid. Merkel wird es ergehen wie KOHL, den sie einst stürzte. Oder wie SCHRÖDER, der den Respekt, den er eigentlich verdiente, nicht erhielt und nun auch noch trotzig verwirkt. Die wirkliche Rache kommt von den Enttäuschten; alte Verehrer, die der Frust geholt hat, sind bitter. Bitternis sucht Genugtuung in Rache. In der Sprache des Theaters: Frau Merkel hat den rechtzeitigen Abgang verpasst; jetzt wird es, sorry to say, hässlich. Mutti erlebt nun die Pubertät ihrer Kinder, die keine mehr sein wollen. In den Redaktionen sitzen die Edelfedern schon an den Nachrufen, wetten?

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Die INNENANSICHT der MACHT.

Das ist es, was mich als Soziologen ein Leben lang interessiert hat. Nicht, weil ich es dann ausplaudern wollte. Weil ich es für mich wissen wollte. Und eben das ist es, was mich an politischen Skandalen interessiert. Nehmen wir den Fall der FRAU DOKTOR GIFFEY und ihres Gatten, der seinen Beamtenstatus durch einen Gerichtsentscheid verloren hat. Wie denkt dieses Milieu, das zur Spitze der Politischen Klasse gehören will, wie denken die, was sie sich erlauben können? Nicht die DELINQUENZ selbst interessiert mich (beschissen wird überall), sondern, wie die das als ELITE denken. Früher hieß das GEWISSEN. Man hatte ein schlechtes Gewissen oder eben nicht. Am Beispiel der schrägen Promotionen: Wie denkt man, dass SCHAVAN und KTG amtsenthebende Skandale waren und GIFFEY eine lässliche Sünde? Man sehe sich im Fall GIFFEY den sogenannten Empirie-Teil der sogenannten Dissertation an und frage sich selbst nach der ETHIK des Forschens. Wer befragt da wen in welchem Kontext? Das ist entscheidend, wenn es um wirkliche EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG geht. Es geht also nicht um „Abschreiben“, sprich irgendwelche Fußnoten oder veritable Plagiate; es geht um einen prinzipiell unethischen Forschungsansatz, sprich etwas, das gar keine Forschung ist, sondern Feuilleton. Erlebnisaufsätze aus dem juste milieu. Gesinnungsprospekte. Wie kriegen das die DAMEN DOKTORMÜTTER an der Universität durch den Hals? Wie denken die so was? Bei der Innenansicht der Macht kommt man sehr oft ans Staunen.

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PLAGIAT.

Das ist ein Vorwurf, den die machen können, die zu beurteilen wissen, was er denn meint. Wir reden von einer Arbeitswelt, in der sehr viel Mühe in Darstellungen von Wissen fließt, also ein Produkt, das seinem Produzenten gehört, weil er sich dafür redlich gemüht hat. Plagiate sind vorsätzlich verborgener Diebstahl geistigen Eigentums zum Nutzen des Diebes und Schaden des Bestohlenen. Mit diesem Hinweis verteidige ich nichts und niemanden. Ich sage nur, dass Opfer die Bestohlenen sind und die Täter Nutznießer einer vorsätzlichen Täuschung. Dass man eine Institution beschissen hat, um an eine Urkunde zu kommen, das mag man verzeihen, wenn man locker drauf ist. Das ist nicht der „case“ der Promotionsordnung. Plagiate sind, wenn Sie Plagiate sind, vorsätzlicher Diebstahl bei Kollegen. Ein Kameradendelikt. Das ist der akademisch Sinn des Verbots geistigen Diebstahls.

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DIE WARE LIEBE.

Der Fuchs war im Hühnerstall. Aufregung in der Berliner Journaille. Der Medienunternehmer und selbsternannte Pionier der Publizistik Gabor STEINGART hat zu einem Rundumschlag gegen seine Branche ausgeholt und dabei die Praxis seiner publizistischen Kolleginnen der Prostitution bezichtigt. Wörtlich. Sich selbst der Ästhetik gerühmt. Welch eine Achilles Ferse! Um es vorweg zu nehmen, Rom fällt nicht, wenn halbe Huren halbe Huren halbe Huren nennen. Thetis.

Interessant ist es doch, weil die Invektive den inneren Zustand der Vierten Gewalt zeigt. Ich versuche das zu argumentieren, bevor ich zur Thetis komme.
Presse war die Fähigkeit, Papier so zu bedrucken, dass die Leser Geld dafür geben und Leerraum für Werbung entsteht, die die Kasse noch mal klingeln ließ. Zur Erhaltung des Tauschwertes wurde Redaktion und Werbung fein säuberlich getrennt. Vehement vertrat man moralische Erhabenheit und politische Geltung. Das Geschäftsmodell ist kaputt; man hat es nicht ins Internet rüberretten können.

Das neuste sind Podcasts, sprich Hörspiele, die sich moderne Menschen beim Joggen, im Auto oder der U-Bahn anhören. Der Vorzeigejournalist Robin Hood hat so ein Ding mit seiner Gattin gegründet, nennt sich MACHTWECHSEL und ist echt gut. Weil das publizistische Paar aber dort auch der Werbung die eigene Stimme verleiht, meint STEINGART die Frau, die mal seine Mitarbeiterin war, wenn er von Prostituierten spricht. Das ist nicht fein und nicht fair, aber nicht meine Sache. Ich hätte mich an Steingarts Stelle nicht mir Robin Hood angelegt; schon gar nicht seine Frau beleidigt.

Denn er selbst, der Pionier, hat sich aus dem Zeitungssterben gerettet, indem er eine hybride Mischform von PR und Presse betreibt. Um die Klebrigkeit dessen aufzuhübschen, macht er das auf einem Bötchen auf der Spree. Wie albern. Wer sich da reinkaufen will, wird um 5000 € für ein Lebensabo gebeten. Heidewitzka, Herr Kapitän. Ein Freund erzählt mir, er habe 10k gezahlt, um im morgendlichen Info-Dienst des Bötchen-Patriarchen stets gut wegzukommen. Das Trennungsgebot von Werbung und Redaktion scheint mir hier aufgehoben. Wie kann ich da die Gattin von Robin Hood ehrverletzen wollen?

Jetzt zu Thetis. Sie hat in Mythologie der alten Griechen die Charakterlosigkeit in die Welt gebracht. Sie war zwar die Mutter des Achill, stiftete den Zwist, der den Trojanischen Krieg begründete. Und in Essen-Kettwig, wo ich zur Schule ging, lag auf dem Stausee ein ehemaliges Restaurantschiff, bei dem erst zum späteren Abend die Lichter angingen. Wer erinnert sich noch? Ich schwör! Es hieß Thetis und die Lampen waren rot. Ein Bötchenbordell. Tja, lieber Gabor, das älteste Gewerbe der Welt. Wer im Glashaus sitzt.