Logbuch

IDYLLE

Auf der wunderschönen Mittelmeerinsel liegt das Dorf der Bewohner ganz oben an der Spitze des Vulkans, am Ende eines Eselpfades. Wegen der Piraten.

Der idyllische Ort war beherrscht von alltäglichem Raub und Mord, Vergewaltigung und Brandschatzen. Weil das Mediterrane ein Hort der Piraterie war. Niemand hat hier sein Häuschen an den Strand gebaut, um die Sonne anzubeten und dem geharzten Wein zu frönen. Und was den Fischern und Bauern Heim war, hatte hohe Mauern, eiserne Türen und sorgsam verborgene Brunnen. Das Leben war hart und böse.

Das zu erinnern, zeigt welche Scheinwelt der Massentourismus seinen Anhängern gebaut hat; Traumfabriken. Club Mediterrane. Udo Jürgens singt vom griechischen Wein und die Caprifischer genießen den Sonnenuntergang. Frivole Orte für frivole Vergnügungen, diese Capris. Es klingt die Erinnerung an eine vergangene Zeit in den Lockdown, während TUI weitere Staatshilfen für ein untergegangenes Geschäftsmodell fordert. Sehnsucht nach den Seifenblasen. Als noch im Himmel Jahrmarkt war.

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FAIR PLAY

Gerechtigkeit ist oft eine unlösbare Neiddebatte. Außer: der Fall ist als SPIEL vereinbart und die REGELN sind klar. Dann braucht es nur noch den „guten Verlierer.“

Als „sportlich“ im weiteren Sinne gilt, wer sich fair verhält. Man akzeptiert in bestimmten Bereichen des Lebens den Spielcharakter und die damit verbundenen Regeln. So kann ein gutes gesellschaftliches Leben gelingen. Es braucht aber nicht nur den fröhlichen Gewinner, sondern vor allem einen GUTEN VERLIERER. Wer das Leben aber als ein Freund-Feind-Verhältnis deutet, findet Frieden nur in der Vernichtung des Feindes. Wie grausam, wie furchtbar.

Donald Trump ist, wie andere Cäsaren, ein schlechter Verlierer; er wird seine Wahlniederlage niemals anerkennen. Da er der Imperator nach Volkes wirklichen Willen war, muss ein Wahlergebnis, das etwas anderes sagt, eine Fälschung sein. Die Zahlen lügen, wenn sie der tieferen Wahrheit widersprechen. Es gibt dann einen „deep state“ und letztlich das Wirken des Teufels. Schlechte Verlierer sind gefährlich.

Ich lese das mit dem GUTEN VERLIERER in einer Zeitschrift, die es mal abgelehnt hat, einen Aufsatz von mir zu veröffentlichen; übrigens in einem Ton der Herausgeber, der unverschämt war. Sie wollten mich nicht und haben es gleich zu einer Beschämung des Abgelehnten genutzt. Stattdessen lese ich jetzt dort Geschwätz von einschlägigen Dampfplaudern. Aber eben auch Gutes, wie das jetzt zum Fair Play. Ich bleibe dem Blatt treu. Ich versuche halt, auch im Spiel um die Wissenschaft, ein guter Verlierer zu sein. Vlt. ein Wert an sich.

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SALUT

Seine königliche Hoheit, der Herzog von Edinburgh, Prinz Philip hat sich abgemeldet. Salut!

In seinen Worten, vor fast 40 Jahren traf ich ihn bei einer Garteneröffnung um diese Jahreszeit in N. Devon und er gönnte mir Aufmunterungen: „Old sailors don‘t die, they just smell like it!“ So war er, der Battenberg.

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KASSE MACHEN.

Der Lebensmittelmogul ALDI macht keine Fehler. Das mal als Lehrsatz vorweg. Neuerdings kassiert die freundliche junge Dame in der blauen Kittelschürze zwei Kunden gleichzeitig ab; die Kasse schert sich auf, direkt hinter der flotten Kassiererin teilt sich der Tresen, um stets zwei langweilige Kunden gleichzeitig einpacken und zahlen zu lassen. Genial, die Arbeitskosten sind halbiert. Und die Arbeitsdichte verdoppelt. So geht Rationalisierung. Mit dem Pfennig fuchsen.

Der Schrauberladen OBI hat inzwischen auch automatische Kassen, wo der Kunde sich selbst abkassiert; bei IKEA geht es nur noch so. Man macht es sich auf der App selbst. Der einzige Mensch, der sich dann noch telefonisch krankschreiben lassen könnte oder einen Anspruch auf Teilzeit durchsetzen, ist der Kunde selbst. Das müsste den „Wirtschaftsrat der CDU“ doch begeistern. Man kämpft dort gegen die Pervertierung des Sozialen Netzes in eine Hängematte für die Faulen. Alte Nummer. Klassenkampf von oben.

Aber gemach. Ich bin da gegen billige Polemik. Der Kunde ist nämlich wirklich ein Problem beim Abkassieren. Die unglaublichsten Umstandskrämer lungern an der Kasse herum und kramen Hartgeld aus kleinen Portemonnaies. Der Kupfergeld-Plebs! Pfennigfuchser. Als wäre man auf dem Wochenmarkt bei Bauer Paul. Das Bezahlen mit Apple Pay würde hier nicht wesentlich helfen, da man dann Omas in ihren Handtaschen nach ihren Handys kramen sähe. Das gleiche Elend. Die kalifornischen Oligarchen haben schon recht: Chip hinter‘s Ohr und ab dafür!

Mir als Kunden behagt die zunehmende Sklavenhaltung bei ALDI nicht. Gestern erzählt die Nachbarin, dass der REWE jetzt termingenau nach Hause liefere; so greift die AMAZON-Logik langsam um sich. Auch die schweren Wasserkästen bringt er. Der Chef eines großen Versicherers in Hannover berichtete neulich, dass er seine gesamte Rechenkapazität jetzt bei AMAZON in der Cloud habe; kühnes Votum in diesen Zeiten, sich künftig in den USA zu wissen, auch wenn man deutsche Anleger legt. Das kann KI noch nicht so gut wie der Fuß in der Tür.

Wo enden wir mit unserem Lamento? Bei Tante Emma als Jeff Bezos. Das wundert mich nicht. Retail is detail. Wer den Pfennig nicht ehrt. Bezos hat einen Stundenlohn von 12 Millionen Dollar; im Monat sind es knapp 10 Milliarden Dollar. Vor Steuer, falls er welche zahlt. Ob er sich telefonisch krankschreiben lässt oder wg. Work-Life-Balance auf Teilzeit besteht, ist allerdings nicht bekannt. Es könnte sein, dass er da denkt wie der Wirtschaftsrat.