Logbuch
NACH CORONA.
Wird man sagen können, was Corona, wenn es eines fernen Tages nicht mehr als Massenseuche tobt, verändert haben wird? Bei der Pest konnte man es. Sie fiel Mitte des 14. Jahrhundert auch über Hamburg her und lange mühte sich die Bürgerschaft mit ihrer Bekämpfung. Am Ende konnte man sagen, was anders war.
Man trennte das Abwasser vom Trinkwasser. Auch in den ärmeren Vierteln. Das Stichwort war HYGIENE. Schon das alte Rom hatte sich keinen Gefallen getan mit der Zusammenlegung von Küche und Toilette. Aber zumindest die Trinkwasserversorgung war damals perfekt. Über riesige Bauwerke wurde Frischwasser aus umliegenden Gebirgen in die Städte geführt (Aquädukt von aqua ducere, Wasser führen). Ich bin mal im Dartmoor über Kanäle spaziert, die Plymouth versorgt haben, damals eine mehrtägige Reise.
Das alte Hamburg nutzte für das Innerstädtische die Elbe und den Tidenhub für beides, das vermaledeite Abwasser und den Lebensspender Frischwasser. Das gefiel der Pest. Was also war nach der Pest anders? Küche und Toilette wurde getrennt, auch in den Armenvierteln.
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ROLLENTHEORIE.
Ich sehe im Fernsehen den Politiker KARL LAUTERBACH und bin fasziniert. Er spielt notorisch die Rolle des Medizin-Experte. Dafür wird der Lebenslauf schon etwas überstrapaziert. Er soll in den USA zum Professor für Epidemiologie ausgebildet worden sein. Das stimmt eher nicht; er ist in medizin- ökonomischen Fragen habilitiert und die Habilitationsschrift selbst nicht zugänglich; kann in den USA so eingerichtet werden. Das mit der Epidemiologie, das war seine Frau, von der er mittlerweile geschieden ist. Na ja, ob er oder seine Frau, was soll´s.
Wir alle spielen nur Rollen, im Theater des Lebens. Diese Vorstellung hat vor fünfzig Jahren sogar die SOZIOLOGIE beflügelt. Ein gewisser Ralf Dahrendorf machte sich daraus Hoffnungen, vom marxistischen Klassendenken wegzukommen. Er war ein liberaler Kopf und ein Denker des Liberalismus. Das war damals noch kein Schimpfwort, im Gegenteil. Ich erinnere seinen Pfeifentabak; man rauchte noch im St. Anthonyˋs College. Die ROLLENTEORIE hatte etwas von der Mobilität neuer Zeiten, eine gewisse Leichtigkeit, die befreiend wirkte.
Das erlauben uns heute die Sozialen Medien, leichterdings NEUE ROLLEN zu finden und kommunikativ, sprich inszenatorisch auszufüllen. Wenn da nicht die ewigen SPIELVERDERBER im Journalismus wären, die mit unerträglichem Ernst Doktorarbeiten und Lebensläufe prüften und rumpolemisierten. Als wenn es im Theater wichtig wäre, dass der Schauspieler Müller oder Schulze gar nicht „in echt“ der dänische Prinz Hamlet ist. Sondern aus Bielefeld in Westfalen kommt, nicht aus Dänemark. Spielverderber.
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CHEMIE.
In unseren Gärten hat sich an verschiedensten Orten, vornehmlich in Töpfen, eine Zierpflanze breit gemacht, die geduldet wurde, weil sie als blühendes Wesen ganz nett anzusehen war. Sie erweist sich jetzt aber als invasiv. Sie weiß andere Pflanzungen regelrecht zu ruinieren. Es handelt sich um „Germanium robertianum“. Im Volksmund STINKENDER STORCHSCHNABEL genannt; auch kurz STINKSTORCHSCHNABEL. Sachen gibt´s.
Und das nach der Invasion des „Cydalima perspectalis“, der den Buchs an Hecke, Zierstrauch wie Bäumchen kahl frisst, ratzekahl. Eine importierter ostasiatischer Schmetterling, der als Raupe den BUCHSBAUMZÜNSLER gibt. War mit lauwarmem Brennnesselsud nicht zu bekämpfen. Und jetzt ein stinkender Storchenschnabel. Ich will CHEMIE.
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POLITIK & POLEMIK.
Dass man sich krankschreiben lassen kann, ist ein sozialer Fortschritt erheblicher Art. Zur Realität von Fürsorge gehört es aber auch, dass sie missbraucht werden wird. Man kennt seine Pappenheimer. Es gibt jene Kolleginnen, die mit dem Kopf unter‘m Arm zur Arbeit gehen, und jene Kollegen, die ein Hüsterchen bereits vollständig niederstreckt. Jede Gemeinschaft hat ein Recht darauf, sich vor dem Missbrauch ihrer Solidarität zu schützen. Insofern hat Bundeskanzler Friedrich Merz einen Punkt, wenn er die telefonische Krankschreibung kritisiert. Wie die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Tanja Machalet, die ihn dieserhalben an den Ohren zieht. Politische Polemik.
Ein Staat, in dem unverschuldete Krankheit das größte Armutsrisiko ist, hat als vermodern zu gelten. Not great, again. Das befreit aber nicht von der Frage, was denn krank ist und was gesund. Vermeidbare Lebensrisiken können schlecht in der Obhut auch jener liegen, die sich vernünftig verhalten. Beispiel Fressen, Saufen, Rauchen. Jetzt wird es kritisch. Wer zieht hier wo die Grenzen? Auch eine Gesundheitsdiktatur ist ja eine Diktatur.
Man kennt die bösen Exempel aus England, wo Oma keine Hüftprothese mehr bekommt, wenn über 80 und auch sonst sozial nicht wertvoll. Da müssen dann der Krückstock und Tilidin reichen. China soll das digitalisiert haben, die Bonuspunkte für sozial erwünschtes Verhalten, was als berechtigte Überwachungspflicht des Staates verstanden wird. Das Diktatorische beginnt im Kleinen. Worauf will ich hinaus?
Wir brauchen einen politischen Diskurs darüber, was schon krank ist und was noch gesund. Und wer das letztendlich bewerten und sanktionieren darf. Hier sollte Weisheit walten. Und nicht Frau Büchs aus Halle, die hysterische Ziege aus der Corona-Debatte. Ups, das geht ja gar nicht, eine solche polemische Verwerfung. Damit wären wir ja in den Hassreden der Impfdebatte. Nun, beim Maskenmillionär Spahn ist das aber auch nicht in trockenen Händen. Welchen Eliten wollen wir vertrauen? Die Epidemie-Politik hat allgemeines Vertrauen in die Herrschaft und die Herrschaften nicht gestärkt.
Was die Spitze nicht kann, muss die Breite bringen. Wir brauchen viele öffentliche Debatten darum, was wir wollen. Dabei ist Expertise unverzichtbar, schon klar, aber eben auch Volkes Wille. Politik geht daher nicht ohne Polemik.