Logbuch

DIE AMPEL KOMMT.
MIT KRÖNCHEN.

Ich lege mich jetzt mal fest. Die nächste BUNDESREGIERUNG wird eine AMPEL. Wir kriegen Rot/Gelb/Grün. Daran schmieden gerade die Hinterzimmer in Berlin. Der Grund: Alle großen Parteien bringen es nur noch auf ein Fünftel, sprich jeweils höchstens zwanzig Prozent.

Die Schwarzen fallen nach Angela Merkel von einem Drittel runter. Die Roten packen es nicht mehr bis zu einem Drittel wie noch unter Gerd Schröder. Die Grünen haben das Drittel wg Annalena Bärbock und ihres Kobolds verspielt. Zudem keine Koalition mit der Links-Partei oder der AfD, also bleibt nur noch ein Dreierbündnis. Sprich: Ampel. Nennt sich „Wahlmathematik“.

Das Olaf-Scholz-Kalkül, ich korrigiere mich, war richtig. Mein Spott über den SCHOLZOMATEN war unangenessen; das muss ich einräumen. Das ist die Situation: Die Union hat keine Führung mehr, hinter der sie ein Drittel oder gar die Hälfte der Wähler sammeln könnte. Scholz (SPD) wird KANZLER. Lindner (FDP) Vizekanzler; er kriegt FINANZEN. Und Habeck (GRÜNE) nimmt die aufgewertete UMWELT. Eine perfekte Ampel: diese drei können es eben auch als Person.

Auf dieses Dreigestirn muss aber noch ein Krönchen, mit dem eine gefallene Prinzessin belohnt wird. Da ist noch die inzwischen notorisch versteckte Kanzlerkandidatin der Ökos. Hochgestapelt, tiefgefallen. Nun, Frau Baerbock löst Frank-Walter Steinmeier im Bundespräsidialamt ab. Das war sein KALKÜL. Er hat der SPD mit seinem Wunsch nach einer zweiten Amtszeit ein Krönchen geschenkt, das man jetzt der gefallenen Prinzessin aufsetzen kann. Steinmeier verzichtet. Frau Bärbock wird unter der Ampel von Scholz/Lindner/Habeck als neue Bundespräsidentin die Erste Frau im Staate.

Dieser Versuchung als STAATSOBERHAUPT eine grüne (!) Frau (!) zu haben, wird die Eitelkeit der Ökos nicht widerstehen; die machen das. Ohnehin stand die Kandidatin „aus dem Völkerrecht“ schon mit beiden Beinen im Himmel, war also im Konkreten für die Praxis der Galaxis zuständig. Weiter so!

Damit habe ich mich festgelegt. Und erwarte nun, wie jeder gute Kolumnist, dass sich das Leben an meine Meinung hält.

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DIE BAHN - EIN SELBSTMORD IN RATEN.

Schlecht gestellt ist es um Dich, wenn Du beginnst, selbst Deine Freunde so zu verärgern, dass sie Gegner werden, schließlich gar Feinde. Diesen Selbstmord auf Raten begeht gerade die Bahn. Das schreibe ich, bevor ich gleich eine Autofahrt über 600 km beginne, hin und rück 1200km. Highway man. Notgedrungen.

Die Bahn ist in öffentlicher Hand, weil Staatsunternehmen. Und sie ist in schlechten Händen, weil lausig geführt. Jüngst legt ein Streik einer Mini-Gewerkschaft ohne angemessene Ankündigung Güter- und Personenverkehr lahm und der amtierende Personalvorstand tut so, als sei das wie ein Unwetter über ihn gekommen. Es ist die Aufgabe eines Arbeitsdirektors solche Streiks zu verhindern. Dafür wird er bezahlt, und zwar gut. Dies ist keine Naturkatastrophe, sondern eine des Managements.

Ich höre viele Stimmen enttäuschter Kunden. In „normalen“ Unternehmen nimmt man das ernst („voice of the angry customer“). In dem Staatskonzern kümmert das in Wirklichkeit keine Sau. Man habe es halt mit einer QUERULANTISCHEN KLIENTEL zu tun, höre ich im Bahntower zu Berlin aus berufenem Mund. Auch die Presse, jedenfalls das MANAGER MAGAZIN, gehöre zu den lästigen Kohorten der ewig Undankbaren. Darauf reagiert man autoritär mit KAMPFANSAGEN. Der Kunde irrt, zu dieser Paradoxie hat man sich verstiegen. Verdacht: In diesem Bahn-Vorstand stimmt die ganze Einstellung nicht.

Meine Verärgerung fing jüngst damit an, dass man bei Verspätung vor Erreichen des Reiseziels irgendwo in der Pampa abgeworfen wird, damit der verspätete Zug zurückkönne und pünktlich zur nächsten Fahrt sei. So stehst Du mit dummem Gesicht in Augsburg statt in München. Dann dass man mich als Kunden in den Sozialen Medien gegen meinen Willen duzt; auch ein klares Zeichen mangelnden Respekts. Dazu kommt jüngst ein Berliner Soziolekt, den ich die BVG-Pampigkeit nenne, weil das örtliche Nahverkehrsunternehmen damit begonnen hat. Rhetorische Übergriffigkeit als Prinzip. Keine Peinlichkeit wird ausgelassen. Ghetto-Charme als Stil des Hauses. Frech im Ton, nachlässig in der Sache, das Geschäft gemächlich im Behördentrott, im Zweifel autoritär gegen den Kunden.

Und nun zu den Preisen. Was bekomme ich für mein Geld? Nun, die BahnCard 100, die ich einst abonniert hatte, lag nicht weit unter 7000€ im Jahr. Für die Hälfte kann man fliegen. Oder ein Drittel. Da kommt man am Ziel an; man wird zudem gesiezt und mit Respekt behandelt, jedenfalls bei den Linien. Große weite Welt statt Ghetto-Charme. Na ja, wenigstens früher und wenn man nicht mit dem irischen Billigflieger reiste. Ökologisch Irrsinn. Fazit? Man wirft mich auf den PKW zurück. Die Bahn wird zur AUTO-LOBBY. Eine Groteske.

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CURRYWURST.

GERHARD SCHRÖDER, seines Zeichens BUNDESKANZLER (nie mit a.D. lt. Protokoll) kommentierte gestern eine Fehlmeldung fehl. Bei VW in Wolfsburg sei in den Werkskantinen die allseits beliebte CURRYWURST abgeschafft worden; sie werde durch so einen veganen Tofu-Frevel ersetzt. So würde die Facharbeiterschaft geschwächt. Das, sagt Gerd, hätte es zu der Zeit, als er noch im Aufsichtsrat von VW saß, nicht gegeben. Dazu wäre bei besserer Ortskenntnis gleich mehrfach etwas zu sagen.

Aber ich habe an BK Schröder nichts zu meckern. Erstens hat er mir zu der Zeit, auf die er hier anspielt, mindestens ein Mal den Arsch gerettet. Ich empfinde Dankbarkeit über den Tag hinaus. Ich war damals VW-Vorstand für Kommunikation und er nicht nur AR-, sondern sogar Präsidiumsmitglied. Der Mann hat zu mir gehalten, auch wenn die Presselage gerade nicht rosig war. Wofür damals ein Sündenbock gesucht wurde.

Zweitens ist für den CURRYWURST-Ausputzer möglicherweise Schröders PR-Berater verantwortlich, ein Berufskollege, den ich notorisch schätze und nicht öffentlich kritisiere. Drittens ist die Faktenlage ex Kantinenregime halbgehangen. Sie betrifft, wenn ich das aus der Ferne richtig verstehe, den Speisesaal des Hochhauses, wo, unter uns gesagt, die essen gehen, deren Allerwertester tagsüber auf den sprichwörtlichen Kissen ruht. In einem ganzen Jahrzehnt, das ich in dem betreffenden Hochhaus zubringen durfte, habe ich es keine zwei Mal in diesen Saal geschafft; bei uns, in meinem Bereich, wurde nämlich durchgearbeitet. Klare Ansage: „Mittagspause ist was für Kissenpuper.“

Viertens kann ein Aufsichtsrat nicht in operative Entscheidung des Managements eingreifen. Das untersagt das AKTIENGESETZ ausdrücklich. Und der kluge Vertreter des Landes Niedersachsen im AR hätte das auch nicht versucht. Fünftens frequentierte Gerd Schröder in Berlin leider (!) eine Pommesbude im Osten, deren Currywurst er sogar im Bundestag namentlich erwähnte. Habe ich persönlich gehört. KONNOPKES IMBISS an der Schönhauser findet hier allerdings keine weitere Empfehlung.

Die Bochumer CURRYWURST von Herbert Grönemeyer, von ihm besungen Anfang der Achtziger, ist dagegen referentiell korrekt. Ich halte den Grönemeyer zwar für dramatisch überschätzt, aber sein Hinweis auf die CURRY von DÖNNINGHAUS ist verdienstvoll. Die „Echte“ von Dönninghaus wurde im BERMUDA DREIECK (einem Kneipenviertel in Bochum) in einem Bauwagen neben dem Lichtspielhaus UNION THEATER angeboten. Unnachahmlich. Dorten oft selbst an den Mann genommen.

Natürlich kommt das Curry nicht aus Indien oder Südostasien, sondern wie CHICKEN TIKKA MARSALA eigentlich aus England, natürlich kommt die Currywurst eigentlich aus Berlin, aus einer Zeit, als die „englischen Besatzer“ über die angeblich indischstämmige Gewürzmischung verfügten, und es in die FAST FOOD Versorgung eindringen konnte, bevor die Stadt die Hackfleischplättchen briet oder Hängefleich am Spieß, vulgo Hamburger und Döner. Die „Echte“ übrigens immer mit Pommes Schranke. Scharf, aber keine Körner.

Dass die Berliner Pommesdame heutzutage nach der korrekten Bestellung von „Doppelcurry Pommes Schranke“ peinlicherweise jedermann fragt, ob „mit Darm oder ohne“, das ist nun wirklich, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

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MASSENWAHN.

Furchtbare Nachrichten aus einem Schweizer Ski-Ort, in dem eine Silvesterfeier junger Leute zu einer Feuerhölle wird; wohl auch, weil die völlig ungeeignete Architektur der Bar selbst zur Todesfalle wurde. Ich denke an die Szenen der Duisburger Love Parade, wo auch ohne Feuer die Masse sich selbst zum Verhängnis wurde. Wie furchtbar muss es sein, seine Kinder zu verlieren. Meidet die Masse!

Für viele Abenteuer des Tourismus galt schon immer der Charme der Improvisation, zumal im Skisport, der eine abgelegene Bergwelt widersinnig bevölkerte. Après Ski. Die Grand Hotels in den St. Moritz der Alpen waren ja nur die bourgeoisen Flaggschiffe einer seit dem 19. Jahrhundert modernen Massenbewegung der saisonalen Stadtflucht. Eigentlich war Tourismus immer die illusionäre Fehlnutzung bäuerlicher Idyllen zu Massenveranstaltungen. Diese kranke Disproportion hat auch Davos ausgemacht, als ich da noch verkehrte. Für die schwimmenden Stahlknäste namens Traumschiff gilt es allemal. Was treibt die Menschen zur Meute?

Wir reden über Phänomene, die wissenschaftlich weitgehend unerforscht sind; noch immer. Das Standardwerk von Gustave Le Bons zur Massenpsychologie ist keins. Entgegen seiner großen Verbreitung seit 1895 enthält es keine eigenen Erkenntnisse. Hier wurden literarische Beschreibungen von Massenphänomenen zusammengetragen, es gibt keine sozialpsychologische Methode und keine primären Erkenntnisse. Zu lesen sind Exempel der wertenden Wahrnehmung von Masse und vor allem, wenn diese unangenehm; das ist nicht das gleiche.

Lehrsatz: Ein Mob ist immer nur jene Menge von Menschen, die man nicht leiden kann, weil man sie nicht leiden kann. Wer charismatischen Bewegungen angehört, empfindet sie anders als jene, die sie als Bedrohung empfinden. Zu meinen Schülerzeiten spielte ein ebenfalls zweifelhaftes Buch des umstrittenen Psychoanalytikers Wilhelm Reich zu „Massenpsychologie des Faschismus“ eine gewisse Rolle. Stolz konnte ich damals meinem Philosophielehrer ein Exemplar besorgen, einen Raubdruck aus einem sogenannten Alternativen Buchladen Berlins. Ich muss ein Schüler eines gewissen Vorwitzes gewesen sein.

Also: Massenpsychologie ist empirisch, so wie ich es sehe, ein noch recht leeres Feld, an das mal jemand methodisch sauber ran müsste. Massenveranstaltungen sind sicherheitstechnisch immer prekär. Ohne jeden Drang zur Nachahmung sehe ich die Bilder der Silvesternacht als Phänomene des kollektiven Wahns. Es drängt mich nichts in den johlenden Mob; siehe oben. Den Opfern der Schweizer Party unser tiefes Mitgefühl.