Logbuch

ASCHERMITTWOCH.

Ab jetzt werden alle Buße tun, auf Fleischliches verzichten, abstinent leben und zwecks Läuterung in Sack und Asche gehen. Weil für den Christenmenschen auf die Sünde die Reue folgt. Wenn er doch noch in den Himmel will.

Ich habe da meine Zweifel, ob dieser Vorsatz unter dem Aschekreuz vierzig Tage, sprich bis Ostern, hält. Mein Blick auf Politik und deren Spiegelung in den Medien ist zwar des Possenspiels müde. Mich amüsiert Karneval nicht. Büttenreden ermüden mich. Albernheit ist mir peinlich. Aber der Karneval wird als Jahrmarkt der Eitelkeit weitergehen.

Im nationalen Staatstheater wird längst Komödie gegeben, während ich auf internationaler Bühne Tragödien aufziehen sehe. Manchmal denke ich, ich sollte meine Anstellung als Souffleur aufgeben, nicht mehr Strippen ziehen und, beispielsweise, die Garderobe übernehmen. Oder Hausmeister? Das wäre was.

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GRADMESSER.

Es gibt Versprecher, die Freudschen, die eine geheime Absicht offenbaren. Oder ganz läppische, die nur Bindungsdefizite zeigen. Wie man einen Bock schießt.

Die amtierende Bundesministerin des Äußeren, die Völkerrechtlerin Baerbock, Grüne, hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Frage nach einem Waffenstillstand im Ukraine-Konflikt in einem bemühten Realschulenglisch dahingehend beantwortet, dass Putin sich dafür um 360 Grad drehen müsse.

Der Spot darüber scheint mir erlaubt, da man als Regierter schon wissen möchte, welch Geistes Kind die Regierenden sind. Es geht schließlich im Krieg und Frieden, also nicht wenig. Und neuerdings eine EU-Initiative, die Rüstungsindustrie endlich zur Produktionserhöhung zu motivieren; was gar nicht leicht scheint. Man könnte latenten Pazifismus attestieren, selbst in diesen Kreisen.

Das AA sollte ins Briefing für die Frau Ministerin das mit der Wassertemperatur aufnehmen. Wasser kocht bei 100 Grad, nicht bei 90. Man darf Wasser nämlich nicht mit dem Rechten Winkel verwechseln.

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PR & PROPAGANDA.

Der schottische Hütehund hört derart eindrucksvoll auf die Pfeifsignale seines Hirten, dass die BBC Stunden damit zubringen kann, deren Zusammenspiel darzustellen. Beitrag zu einer Kommunikationstheorie.

Verstehen sich Mensch und Tier, weil der Hund einer Sprache mächtig wird? Ich bin skeptisch. Er soll ja sogar das Minenspiel des Menschen lesen können. Wie weit darf die Vermenschlichung von Haustieren gehen? Die Wissenschaft spricht von Anthropomorphisierung. Vieles ist da pervers. Wenn der Hund im Bett mit „Frauchen“ schläft, liegt die Dame des Hauses faktisch im Hundekorb. Vertierung des Menschen. Und: Was zum Teufel ist ein „Leckerli“?

Also, der trainierende Hirte überformt das Triebverhalten des Wolfes in dem domestizierten Hund (nämlich das Rudel zusammenzuhalten) und begleitet dessen intuitives Verhalten konsequent mit unterschiedlichen Signalen, bis eine Reizkopplung eintritt. Pawlowscher Effekt. Da das reizgekoppelte Verhalten belohnt wird, lernt der Hund, wie er an das Wohlwollen seines Herrn kommt.

Das geht nicht mit allen Tieren. Hunde, auch Hündinnen, sind solch gehorsame Trottel, sprich Männer; Katzen dagegen Frauen; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Der Hütehund buhlt um den Hirten und tut ihm den Gefallen mit den blöden Schafen. Und wenn er will, dann halt auch so, wie der gerade pfeift. Wenn er dann happy ist…

So geht übrigens auch Propaganda. Man überformt Triebverhalten für seine Zwecke und incentiviert es. Eine PR-Übung. Die blöden Hunde lechzen nach Leckerli, während sie die Schafe auf‘s Schafott führen. Der Hund hat Leckerli und der Hirte den Braten. Gelehrige Hunde der PR.

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X-MAS.

Schwanger und keine Bleibe; wie das liebe Vieh nur Unterkunft in einem Stall. Futtertrog statt Wiege; Stroh, wo sanfte Windeln und Babyjäckchen gehörten. Wenn nicht Samt und Seide. Die Weihnachtsgeschichte ist auf Kontraste aus. Hier also soll der dem auserwählten Volk verheißungsvoll versprochene Messias zur Welt kommen? Schwer zum Glauben.

Als Knabe konnte ich, wie bereits erzählt, die Weihnachtsgeschichte auswendig. Es begab sich aber zu der Zeit… Eine Volkszählung stand an, wahrscheinlich zum Zwecke der Steuerschätzung. So tritt dann der Nazarener in die Welt. Ich sehe in der großen Stadt an vielen Balkonen Lichterketten und auf freien Plätzen Berge von Tannenbäumen. Selbst auf dem Land ist das Kitschtabu aufgehoben und brüllend Buntes schreit stumm und dumm in die Nacht. Im Radio erzählt eine schwuchtelige Stimme etwas vom letztjährigen Herzverschenken, das fahrlässig gewesen sei.

Das sind die Restbestände christlicher Mythen, die der Calvinismus uns noch gelassen hat, nachdem er die Bilder in den Kirchen verbrannt hat; wohl auch in unserer Alltagskultur. In unseren Herzen. Wer das strikt Katholische aufgibt, gerät auf eine schiefe Ebene in den Agnostizismus; das sage ich als Protestant. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Hier geht es zunächst um die Frage, wie woke eigentlich Weihnachten ist? Man ist ja schon froh, dass wenigstens die drei Weisen divers angelegt. Und der spießige Trauschein bei dem Zimmermann und seiner Frau fehlt. Eigentlich hätte, bei diesen ungeklärten Verhältnissen bezüglich der Vaterschaft, auch er das Kind kriegen können und Maria sich als Trans lesen. Allerdings ist das demographische Wirken des römischen Kaisers Augustus im besetzten Palästina (sic) unzweifelhaft kolonialistisch, sprich zu canceln. Man wird prüfen müssen, ob das Muslimische nicht am Ende woker. Das ist zwar sechshundert Jahre später, aber das ist als solches nur ein szientistisches Argument. Wahrscheinlich männlicher und weißer Geschichtsschreibung. Man frage das Baby in der Krippe bitte nach seinen Pronomen. Wie liest es sich? Kann ich das Lied von Wham! bitte noch mal hören?