Logbuch
DER LEUTSELIGE.
Fast schon Mitleid mit Laschet. Die Konservativen lassen ihn politisch verrecken. Politik ist grausam gegen Verlierer. Um zu gewinnen, da war Armin eben nicht grausam genug.
Laschet ist leutselig. Das sind historisch Großgrundbesitzer, die mit ihren Leuten, den Tagelöhnern, gut können. Das sind jene Feldherren, die von ihren Leuten, den gemeinen Soldaten, gemocht werden wollen. Das Konzept des beliebten Vaters: PATER FAMILIAS. Armin wollte mit seinen Leuten selig werden. Er ist ein katholisches Weichei. So einer, fand der Wähler, kann nicht Kanzler.
Und was ist mit seiner alten Freundschaft zu Christian Lindner, dem FDP-Chef, aus Düsseldorfer Tagen? Essig ist. Freundschaften in der Politik? Paaah. Der Traum von JAMAIKA, der netten Familie von Schwarz-Grün-Gelb, hätte einen schwarzen Vater mit Autorität gebraucht, die aber fehlt dem Leutseligen. Seine Kampagne war ein einziger Eiertanz. Schande über seine PR-Leute.
Wir kriegen also die AMPEL unter Scholz. Ich persönlich bin von der Persönlichkeit des Olaf Scholz noch immer nicht überzeugt, aber das zählt nicht. Er hält seine Rolle durch. Die AMPEL-Parteien halten geradezu vorbildlich Disziplin. Lob an die drei Generalsekretäre, insbesondere an diesen LARS FALLBEIL von der SPD, gut der Mann. Die CDU erweist sich als der Sauhaufen, den das MATRIARCHAT MERKEL hinterlassen hat. Eine eiskalte Protestantin. Im Herzen von der Brutalität einer Calvinistin. Keinen Millimeter leutselig.
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KUBA KRISE.
Die Welt stand am Rande eines Atomkrieges. Und John F. Kennedy hat die Russen in die Knie gezwungen. Und uns so gerettet. Solche Wunder hinterlassen mich skeptisch.
Ich erinnere mich gut, wie meine Frau Mutter ihrem damals zehnjährigen Sohn ihre Furcht vor einem Atomkrieg erklärte. HIROSHIMA-ANGST. Es sollen russische Frachter nach Kuba unterwegs gewesen sein, um dort Atombomben auf Raketen zu pflanzen, die in Richtung Florida zeigten. Aber JFK behielt die Nerven und Nikita Chruschtschow beorderte die Schiffe zurück. JFK wurde zum charismatischen Weltenretter.
Wie aber hat er das geschafft, der Kennedy? Jetzt mal den Mythos in die Büchse und die Fakten auf den Tisch. Nun, mit einem Zugeständnis an die Russen, das enorm war. Die Geschichte habe ich von Egon Bahr, der der Hidden-Back-Channel von Willy Brandt in Richtung Moskau war. Die Schlapphütte kennen sich untereinander. Die Amerikaner zogen heimlich still und leise ihre Atomraketen aus der Türkei ab, wo sie in Richtung UdSSR wiesen. Weitere Abrüstung war für Italien versprochen. Zugeständnisse in Richtung Moskau. Ein Deal.
Verhandelt hatte JFK unter Ausschluss des eigenen Apparates mit einem Geheimagenten der Russen namens Georgi Bolshakov, der in den USA als Journalist arbeitete und von seinem Bruder, dem Generalbundesanwalt, kontaktiert worden war. Denn JFK trieb nicht der Weltfrieden. Er sinnierte über seine Wiederwahl und brauchte dazu den Deal. Innenpolitik. Private Machterhaltung. Wie tröstlich, weil, das verstehe ich.
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DURCHGESTOCHEN.
Zum Schaden der UNION landen Vertraulichkeiten aus vertraulichen Gesprächen in der Presse. FDP und GRÜNE sind wechselweise empört. Das könnte JAMAIKA endgültig erledigen.
Warum wird durchgestochen? So heißt das, wenn bei der BILD das Telefon klingelt und ein Politiker einen kleinen Geheimnisverrat begeht. Es soll zuweilen SMS regnen. Warum tut man das? Der Hintersinn liegt in einer eigenen Agenda.
Man will JAMAIKA und nicht die AMPEL. Oder umgekehrt. Oder Laschet stürzen. Oder Scholz verhindern. Oder aber, jetzt wird es spannend, man praktiziert etwas, das man FAVOUR BANKING nennt. Man tut als Informant der Medien verdeckt immer wieder Gefallen, auf deren Rückzahlung man dann späterhin hofft. Eine berlintypische Ko-Abhängigkeit von politischer Klasse und Journaille. „Ich gebe, damit Du gibst!“ Im Lateinischen: „do ut des.“
In der Regel bewahrt der Journalist STILLSCHWEIGEN über seine Informanten. In der Regel. Außer es geht um viel. Dann macht auch der SPIEGEL mal eine Ausnahme, die BILD allemal. Erfahrene PR-Manager verlassen sich nicht auf den INFORMANTENSCHUTZ. Andere sind da risikobereiter. Man sollte als Informant eigentlich ja anonym bleiben.
Aber der anonyme Denunziant kann aus seinem Verrat kein Geschäft machen. Darin liegt die Crux. Also gehen viele WHISTLEBLOWER das enorme Risiko ein, aus dem Ruch der bösen Tat ein eigenes Heldentum basteln zu wollen. Ich kenne viele Fälle, wo das gründlich schief gegangen ist. Sehr viele.
Mein Motto war immer, dass ich bestimmte Dinge gar nicht wissen will, weil ich dann, im Falle des Verrats, nicht für Verdächtigungen zur Verfügung stehe. Oft habe ich deshalb den Raum verlassen, wenn es spannend wurde. Oder toxische Dokumente erst gar nicht berührt. Das macht kein erfahrener Thebaner.
Jüngst beschwert sich ein englisch erzogener Journalist, den ich schätze, über eine seiner Kolleginnen, die in einer Talkshow zu Lasten Dritter Quellenspekulationen anstellt. Das findet er nicht professionell. Nun, genau diese Dame hat, wenn ich mich recht erinnere, mit Quellenverrat vor zwei, drei Jahrzehnten ihre Karriere begründet. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Für das professionelle Verhältnis von Informant und Journalist gilt, dass zwar jeder den
Verrat liebt, aber, wenn es plötzlich um was geht, niemand den Verräter. Einem BILD-Oberen wird der Satz zugeschrieben: „Wer mit uns nach oben fährt, fährt mit uns auch wieder nach unten.“ Die Pater-Noster-Logik. Der gestürzte Bundespräsident Christian Wulff kann sie bezeugen, diese Aufzuglogik. Kein schönes Geschäft.
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MAIL ORDER KAISER.
Wäre ich als GENIE angelegt und nicht nur als Tintenkleckser, hätte ich mein Geld in Wähns und Wellpappe angelegt. Ich hätte nun wirklich wissen können, wo die Zukunft liegt, nämlich in Wähns und Wellpappe. Weil, ich habe seit Schüler- und Studentenzeiten in den Ferien als ZUSTELLER gejobbt, damals noch „Briefträger“ genannt. Noch keine achtzehn zog ich eine gelbe Karre von Haus zu Haus und zahlte eine gewaltige Summe in kleinen Renten aus wie ich GEZ-Gebühren einzog. Und neben den Briefen waren es die Zeitschriften („ADAC“) und Päckchen („Langholz“), die das Leben schwer machten. Im Kern hatte ich damals aber schon alles, was heute den Einzelhandel revolutioniert.
Ab 1966 tauchte damals ein Versandhandel für Bücher auf, den ein gewisser Klaus-Jürgen Kaiser in München als „Mail Order Kaiser“ gegründet hatte. Eine Sensation. Man war als Bibliophiler in der Provinz elektrisiert. Ich bestellte per Postkarte und zahlte dann das Päckchen per Nachnahme. Machte der Bote an der Tür. Das war drei Jahrzehnte bevor Jeff Bezos mit Amazon mit seinem Versandbuchhandel überhaupt begann. Nicht nur ich hatte keine Ahnung, die MAIL ORDER wurde später von Verlagsdeppen wie Springer ruiniert.
Warum hat der Postbote Kläuschen K. mit Sackkarre und umgehängter Geldtasche, der die Dinge an die Tür brachte, nicht geahnt, dass dies einmal ganze Innenstädte veröden würde? Stadtbild. In der Struktur war doch schon alles da, während Fußgängerzonen mit monströsen Ladenlokalen und Department Stores zugebaut wurden. Man wollte selbst in Oer-Erkenschwick sein wie Harrods in Knightsbridge. Welch ein Irrtum. Der Mann mit der Tasche, das war die Zukunft. Ich.
Heute sehe ich auf dem Lande vier, fünf verschiedene Lieferdienste täglich die Dörfer durchpflügen; auch noch Alex von der Post, die jetzt DHL heißt. In der großen Stadt genießen die Paketzusteller das Sonderrecht freien Haltens, wo immer es gefällt, ein eigenes Hoheitsrecht der Laster namens PRIME und ihrer polnischen Kumpels. Abends räumen sie ganze Berge unzugestellter Pakete in Spätis und andere Buden wie Läden, wo sie dann die Generation Z abholt. Und bei Nichtgefallen zurückbringt. Auf den Müll damit; tolle Share Economy. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Man hätte wissen können, dass E-Commerce kommt. Trotzdem hat dann der Bezos in Baltimore noch mal fast dreißig Jahre oben drauf gebraucht, bis er die Internetseite der Tür-zu-Tür-Revolution geregelt hatte. Auf den Moment hätte ich spekulieren sollen und mir ein Monopol an Lieferwagen und Verpackungsmaterial schaffen. Dann wär ich heute der König der Welt. Was sage ich? Mit Wähns und Wellpappe wär ich deren Kaiser.