Logbuch

ADVENT.

Die Weihnachtsmärkte eröffnen und wir hoffen, dass es keine Treffen in Hinterzimmern gibt, in denen Anschläge geplant werden. Irgendwie ist das Zeitalter der Kreuzzüge ja noch nicht abgeschlossen, nicht für Mohammedaner, nicht für Juden, nicht für Christen. Obwohl in allen drei Religionen die Nichtgläubigen in der Mehrheit sind. Hoffe ich.

Zu St. Martin habe ich mich dem traditionellen Gänse-Essen nicht entzogen und hatte zu dem geschmorten Vieh die notorischen Klöße mit Rotkohl. Das alles wäre längst vergessen, hätte die Küche nicht ein Marzipanäpfelchen dazu gestellt. Einen feinen Schmorapfel mit Marzipanhut, auch zum Ende des Mahls noch schweineheiss, und sehr gut.

Es drohen in den nächsten Wochen weitere Brauchtumsessen, die seltenere Tiere nutzen, Fische, Wild und Wasservögel; alle in der Zubereitung so, dass es scharfer Messer nicht bedarf. Meine Frau Mutter pflegte das einem Sauerbraten anzutun, eigentlich Pferd, hilfsweise Rind. Im Gebäck der feineren Art ersetzen nunmehr Nüsse und Mandeln das schnödere Mehl. Vollendet im Christstollen; auch dort im Innersten Marzipan.

Marzipan kommt historisch aus dem Orient, Persien, dem heutigen Iran. Die Hanse brachte es zu uns. Deshalb konnte ein unbedeutendes Kaff wie Lübeck zum Herstellungsort werden; weil Mandeln und feiner Zucker dort anlandeten. Apotheken pflegten das persische Brot als Potenzmittel zu verkaufen. Das Viagra des Mittelalters. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Wenn ich ehrlich bin, vermisse ich nicht das Pferd in Essig, aber doch den Kartoffelsalat mit Würstchen. Und den jahreszeitlichen Friedenswillen. Hinweis an Kiew und Gaza. Ja, ich weiß, an Moskau und Tel Aviv. Ja, ich weiß, an Teheran und Washington.

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TODESENGEL. TRAGISCH.

Nie habe ich was zu dem Bullerbü-Syndrom der Klima-Aktivisten gesagt. Mir liegt nichts daran, die Schülerkampagne mit dem Schwänzen am Freitag „wg. Klima“ zu diskreditieren. Obwohl deren Vernichtungsrhetorik („extinction“) irritiert. Ich bin halt anderer Meinung; habe aber in dem Alter dieser Kids auch manchen Unsinn vertreten. Allerdings auf einem anderen intellektuellen Niveau. Und, sorry, von anderer Moral.

Greta Thunberg inszeniert sich neuerdings als Antreiberin in Sachen Judenhass. Die gelernte Kinderheilige kommt aus der Pubertät und legt nach. Man solle Palästina befreien. Von wem? Mit einem Palästinenser Tuch geschmückt, fügt sie der Klima-Apokalypse eine kulturelle hinzu. Der Kulturbruch erscheint kategorisch. Man hörte auf ihrer Demo: Treibt sie vom Jordan ins Meer! Denn das ist in Wahrheit das islamistische Angebot an die Juden, deren Vertreibung, wenn nicht Vernichtung. Dafür gibt es Indizien.

Auf der Greta-Demo selbst wird ein Plakat hochgehalten, auf dem handschriftlich eine Forderung verzeichnet ist. Sie lautet: „Globalize Intifada!“ Damit ist die Katze aus dem Sack. Der islamistische Vernichtungskampf gegen Israel, die Intifada, soll in alle Welt getragen werden. Was im Nahen Osten als eine Art Dritte Intifada gerade an Massakern des Barbarischen entartet, soll global wirken. Wahrscheinlich „wg. Weltjudentum“, oder, Greta?

Das gnadenlos überschätzte Kind. Die hysterische Kinderheilige betätigt sich als apokalyptischer Todesengel. Irre. Tragisch.

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PRINZIPIEN.

Meine Prognose lag daneben. Ich hatte innenpolitisch eine SCHWARZGRÜNE Hegemonie kommen sehen; eine neue Strategie der Union, schon zu sehen in NRW, in Hessen und Schleswig-Holstein.

Die Grünen in Hessen hatten sich dafür auf das Servilste dienstbar gemacht und ihre wahren Gesinnungen weitgehend verborgen. Aber der hessische CDU-MP liebäugelt mit der Strategie seines Parteivorsitzenden Merz und will die Grünen als Feindbild, muss also mit den Sozen koalieren. Padautz, so geht Politik.

Da folgen die Hessen, die immer schon eine reaktionäre Note im Konservativen zu spielen wussten (siehe Alfred Dregger) jetzt dem Söderschen Empfinden, dem der Nazi-Bazi Aiwanger erträglich, um die Grünen ideologisch abwatschen zu können. Taktik über Strategie.

Diese Prinzipienlosigkeit ist das Merkelsche Gift, das nachwirkt. Das lässt sich auch nicht durch Exterritorialisierung lösen; so wie es Mussolinis Enkelin gerade mit Albanien vorführt. Zuwanderung ist kein Recht Dritter, seien es Personengruppen oder Schlepperbanden oder Geheimdienste feindlich gesinnter Staaten. Zuwanderung gewährt man nach Prinzipien, die man prüft, bevor sie erfolgt.

Es geht nicht ohne Leitkultur; wir müssen schon den Mut haben, uns da festzulegen. Wer diese Prinzipien nicht mitträgt, kann nicht zuwandern. Zum Beispiel, dass Frauen im Geltungsbereich der Menschenrechte leben, egal, was dieser oder jener Priester sagt. Wir haben hier keine Religionsfreiheit, sondern eine Freiheit von der Religion. Dies ist keine Theokratie.

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LAMPE VERGESSEN.

Nächtens schlaflos, aber nicht wach, sucht die Phantasie der Ablenkung wegen berühmte Denker auf. Heute HEINRICH HEINE in Paris; der ehedem lebenslustige und liebeshungrige Rheinländer ist ans Bett gefesselt. Wir schreiben 1850 und der Poet wird philosophisch. Er sagt, dass die Franzosen in der gleichnamigen Revolution den Kaiser getötet hätten, der Deutsche KANT aber Gott. Welch’ ein Satz! Man sieht, dass NIETZSCHE den Werbeslogan für sein mickriges Werk bei HEINE geklaut hat; was meine Verachtung für diesen noch steigert. HEINE aber kann meiner Verehrung, trotz Matratzengruft, nicht entgehen.

IMMANUEL KANT also, der in Königsberg seine täglichen Spaziergänge so penibel nach Zeit und Strecke einzuhalten pflegte, dass die Königsberger nach ihm die Uhr zu stellen wussten. So der Mythos. Freilich mit verstecktem Sinn. Man nannte ihn „den Mann nach der Uhr“ in einer Zeit, da die Taschenuhr in Mode kam und als High Tech ihrer Zeit galt. Sie löste die Herrschaft des Kirchturms über die Zeit ab und gab sie dem mündigen Bürger selbst in die Hand. Der Klerus bekam Konkurrenz. Gott verlor sich. Das ist das eine.

Das andere ist die strikte Ritualisierung, die der Königsberger Professor über sein Leben verhängte, weil er wusste, dass er noch mehr zu schreiben hatte, als ihm Lebenskraft gegeben sein würde. Der Klarheit seiner Gedanken wäre ein Lotterleben als Bohemien nicht zuträglich gewesen. Diese selbstgewählte Disziplin unterscheidet den Menschen vom Tiersein. Das gilt übrigens auch für den morgendlichen Eintrag ins Logbuch. Erst danach ist an Frühstück zu denken; die heutige ist übrigens die zweitausendste Glosse an dieser Stelle. Nicht alle gut, aber im Morgengrauen.

Man kann nicht schließen, ohne von dem braven Lampe zu sprechen, des Philosophen treuer Diener, für den er dann doch einen naiven Gottesglauben gelten lassen wollte. Ansonsten hatte sich auch Gott der Universalität zu beugen. Lehrsatz. Dem recht alten KANT war sein Diener schon verstorben und er selbst wurde zunehmend dement; er rief oft nach ihm, weil ihm dessen Tod entfallen war. Immer natürlich vergeblich. Man fand in seinen Aufzeichnungen die ermahnende Notiz: „Lampe unbedingt vergessen.“ Was er nicht konnte. Herzerschütternd.