Logbuch
GEFÄHRDERANSPRACHE.
Im Fall BOLZ gibt es eine Wende. Der Reihe nach. Was war los? Ein rechter Meinungskolumnist in Berlin und auf X hatte Hausbesuch von der Polizei, weil eine staatliche Meldestelle für Meinungen ihn denunziert hatte sowie ein linker Oberstaatsanwalt nebst grünem Richter genehmigungsbereit waren für eine Hausdurchsuchung. Der Mann hatte tatsächlich gegen das Verwendungsverbot von NS-Symbolen verstoßen, indem er „woke“ mit „erwache“ übersetzte. Das ist historisch schlicht nicht unbelastet, selbst wenn es als Witz gemeint war. Erwache ist ein böses Wort.
Da die vier Polizisten in der privaten Wohnung des Professors aber gar nicht Zwang anwenden mussten und er sich freiwillig mit der Tatwaffe (seinem PC) und dem darauf erzeugten „post“ fotografieren ließ, war es gar keine Hausdurchsuchung. Was soll das Gejammere? Der ÖRR ignoriert den Vorgang also durchaus zurecht. Das linke Milieu schüttelt sich eh schon immer vor Ekel über den notorisch Rechten und neidet ihm nun seine „awareness“. Der soll nicht auch noch populär werden. Der sei nämlich das allgemeine Interesse nicht wert, schreibt der Kappenschrat, ein Professor für Publizistik an einer Flachhochschule. Die Linke reklamiert vehement ihr Monopol auf Märtyrer.
Ich habe die Lösung, politisch, juristisch wie publizistisch. Was hier Meinungs-Meldestelle wie Staatsanwaltschaft und Richter exerziert haben, war eine GEFÄHRDERANSPRACHE. Man wollte ihm nur mal einen Schrecken einjagen. Der Mann äußert sich schließlich wiederholt, nachgerade täglich rechts. Aus einem perfiden Kalkül heraus meidet er dabei Justiziables; er vertritt vorsätzlich rechte Meinung so, dass dabei strafwürdige Tatbestände gemieden werden. Dabei ist seine rechte Gesinnung unzweifelhaft; er räumt sie selbst ein. Das kann man doch nicht ewig durchrutschen lassen. Gefährderansprache. Ironie aus.
Dieser „Kampf gegen Rechts“ betreibt die Sache der Reaktion. Ich höre die schlitzohrige Alice Weidel vor Vergnügen quietschen. Und frage mich: Womit hat es die AfD verdient, dass die Links-grün-woken bieten, was Lenin „nützliche Idioten“ genannt hat. In weiter Ferne verklingt ein Ruf: „Sir, geben Sie Gedankenfreiheit!“ (Schiller, Don Carlos)
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DER VOLKSMUND.
Die Leute reden nicht nur, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, sondern auch so, wie ihnen die Löffel stehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die große Verbreitung eines ganz passablen Englisch bei den Holländern damit zusammenhängt, dass das Fernsehen die amerikanischen Serien nicht synchronisiert, sondern mit Untertiteln sendet. Na ja, und sie sind erfahrene Händler, die Moffen. Haben mal die Welt beherrscht.
Eine gesprochene Sprache gliedert sich vertikal und horizontal; sozial von unten nach oben wie geografisch nach der jeweiligen Heimat. Obwohl meine Frau Mutter den allergrößten Wert auf ein lautreines Hochdeutsch bei ihrem Sohn legte, sagen mir Kollegen anderer Regionen nach, man höre bei mir den Pott noch immer raus. Selbst Schwaben wagen solche Hinweise. Damit wird es grundsätzlich. Was heißt hier Pott? Gemeint ist der Rheinisch Westfälische Stadtbezirk (Geographendeutsch), wegen der dortigen Montanindustrie auch Rheinisch Westfälisches Kohlenrevier genannt, oder eben der Pott. Volksmund.
Wer wie selbstverständlich in aller Kürze vom REVIER spricht oder dem POTT, der kommt von hier. Das Bergwerk war der PÜTT nach dem Lateinischen „puteus“, im Deutschen erhalten in der „Pfütze“ oder dem „Poet“ (Hugenpoet, der Krötensumpf). Der Arbeitsort wird im Volksmund erfragt mit „Auf welchen Pütt gehse?“ In der Hochsprache lautet das: „Wo war der Vater angelegt?“ Das wurde ich anlässlich meines Bewerbungsgesprächs bei der Ruhrkohle AG von dem Bergassessor gefragt. Es war der richtige Pütt, ich war drin, eingestellt. Vor Hacke ist duster.
Damit das mal ein für alle Mal klar ist: Das Revier begann Mitte des 18. Jahrhunderts in Oberhausen. Man war bei der GHH, kurz für Gute Hoffnungs Hütte, und deren Pütts rund um Osterfeld und Sterkrade. Meine Großväter waren auf Neue Hoffnung, ein GHH-Pütt; mein Vater bei der Ruhrchemie in Holten. Ich habe an der Ruhr-Universität in Bochum studiert und in meiner Kneipe einen Orchestermusiker namens Herbert Grönemeyer ertragen müssen. Das alles bestimmt den Ton.
Im Gegensatz zum Saargebiet oder dem Rheinland hat es der Pott aber nie zu der edlen Bezeichnung RUHRLAND geschafft. Wir, die wir von da wech kommen, wissen warum. Weil der reputationsbildende Fluss nie die Ruhr, sondern immer die Emscher war. Wem das ein Lächeln ins Gesicht zaubert, der kommt von hier.
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EINE ZENSUR FINDET STATT.
Zu reden ist von dem einschlägigen Meinungskolumnisten Norbert Bolz, den die Polizei zuhause besucht hat, wegen eines unpassenden Witzes. Der Mann war ordentlicher Professor für Publizistik, sprich Medienwissenschaft, an der TU Berlin und ich hatte mehrfach die Ehre einer Einladung an sein Institut; er ist habilitiert, also keines der Leichtgewichte von den Malschulen für höhere Töchter (wie ich). Ich habe viel bei ihm abgeschrieben. Allerdings betreibt er sein Logbuch mit konservativen Aphorismen: „die Wahrheit in einem Satz“ (Eigenwerbung).
Daran stören die Welt zwei Dinge. Erstens der Mut zur vorsätzlichen Verkürzung. Zweitens der Wille zum Konservatismus. Der Mann provoziert rechts in einem soliden bürgerlichen Sinne. Das gefällt dem linksgrün woken Hegemon nicht. Und ich muss sagen, dass er gelegentlich sehr knapp an Tabus und auch AfD-Sprüchen vorbeischrappt. So im vorliegenden Fall, da er darüber witzelte, dass woke in Englischen von „to wake up“ kommt, also von Erwachen (was ein Nazi-Zitat konnotiert). Jetzt habe ihm der Polizist bei der Hausdurchsuchung geraten, künftig vorsichtiger zu sein.
Ich muss meinem Stammtisch bei Rotary erklären, was daran nicht in Ordnung ist. Wir erleben „Bestrafung durch Ermittlung“, ein Missbrauch der Polizei und juristisch ein eklatanter Rechtsbruch. Es war klar, dass man bei Bolz nichts zu finden hat; der Kerl ist komplett öffentlich in seiner Meinungsgestaltung. Das gerade sollte ja sanktioniert werden. Dazu gibt es inzwischen Meldestellen. Der Blockwart ist zurück. Die Stasi wurde wiederbelebt.
Ja, aber… So reagiert mein Stammtisch. Ob denn der Kampf gegen Rechts nicht wichtig sei. Man glaubt da bei mir einen schwachen Punkt zu erwischen, da ich als gelernter Liberaler gelte. Ich verstehe die Unruhe bei jenen, die es sich unter dem linksgrün woken Hegemon in einer Nische der Lippenbekenntnisse bequem eingerichtet haben. Zuletzt hatte der ABLASSHANDEL ja selbst die bürgerlichen Funktionseliten erreicht. Jeder Boss eines Stadtwerks plapperte wie Jürgen Trittin und diffamierte die fachlich erfahrene Bundeswirtschaftsministerin als Gas-Käthe. Aber das woke Öko-Paradigma wankt. Da wird der erodierende Hegemon nervös.
Aber es hilft ja nichts. Bolz will nur noch von Bäumen reden, hat er den Polizisten in seiner Wohnung versprochen. Der Hund! Das ist ein historisch böses Brecht-Zitat, Freunde. Ich könnte dieserhalben mal bei einer Meldestelle anrufen. „Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“
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DREI, VIER WICHTIGE NAMEN.
Man weiß wenig von Muhammad ibn Musa al-Khwarizmi, dem persischen Mathematiker des 19. Jahrhunderts, außer dass er algebraische Gleichungen so vorbildlich zu lösen wusste, dass durch die lateinische Fassung seines Namens der Begriff ALGORITHMUS entstand. Heute ist das Wort in aller Munde; was nicht heißt, dass die Schlaumeier auch wissen, wovon sie reden. Es handelt sich um die Selbststeuerungsanweisung für kybernetische Maschinen, die in großem Stil Informationen verarbeiten. Hegemonie-Monster.
Es begann wahrnehmbar mit der Unart des Einzelhändlers Amazon, uns als seine Kunden darüber zu belehren, was andere Kunden, die das, was wir bestellt haben, auch noch bestellt hatten, also einer personalisierten Empfehlungsmaschine für nunmehr gläserne Kunden. Mittlerweile führt das Regime der Algorithmen dazu, dass ein und dieselbe Plattform eine konservativ gesinnte Nutzergruppe („Blase“) rechts einstimmt und eine liberal gestimmte links, weil sie deren Verhalten der Vergangenheit verarbeitet und zur Ausweitung der Nutzungszeiten verwertet.
Die Plattform X bildet regelrechte „mobs“ und Facebook „cults“; Mobbing und Subkulturen formen großes Geschäft. Und politischer Missbrauch liegt nah. Da taucht ein zweiter großer Name auf: Marshall McLuhan, ein kanadischer Publizist, der den Beginn der Massenkommunikation mit dem Satz zusammenfasste: „The medium is the message.“ Gilt in digitalem Zeitalter für den Algorithmus, der die bevorzugte Verbreitung steuert. Algorithm is the message.
Dritter großer Name: Edward Bernays, der 1928 seine Begründung der Public Relations unter dem Titel PROPAGANDA vorlegt (deutsche Ausgabe mit Nachwort von mir bei Amazon). Der Neffe Sigmund Freuds preist die „invisible rulers“ als „hidden persuaders“. Damit steht das Paradigma der aktuellen Kritik am Unvermeidlichen, der Herrschaft der Herren des Algorithmus. Und darum geht es tatsächlich, um Vor-Macht. Hegemonie.
Insider story: Als sich die „posts“ von dem Plattformbesitzer Musk nicht mehr automatisch (!) durchsetzten, bekamen sie einen Präferenz-Code. Er lautete naiv wie fundamental: „author_is_elon“. Damit stand der „post“ immer oben. Das gefällt mir. Es gefällt mir sogar sehr: Autor_ist_Klaus.