Logbuch

STAATSOBERHAUPT.

Einen König oder Kaiser haben wir Deutsche nicht mehr. Der Bundespräsident ist das STAATSOBERHAUPT. Das will Frank Walter Steinmeier noch eine weitere Amtszeit bleiben. Ich kenne den Mann. Er ist sehr erfahren in der Politik. Er kommt aus der Landespolitik und war in Berlin alles, Fraktionschef, Leiter BK, Architekt der Agenda, Minister des Äußersten, ein alter Hase. Er hat Erfahrung, einen weiten Horizont und vermutlich auch Charakter.
Er wolle die Verlängerung „nicht aus Bequemlichkeit“, sagt er. Ach, er ist ein so dramatisch schlechter REDNER. Aus einem Sterne-Menü edelster Speisen, das ihm seine Beamten bereiten, weiß er am Pult einen bräsigen Brei zu machen. Er ist rhetorisch MISTER MILUPA. Was er löffelweise verfüttert, das schmeckt wie Schinkennudeln aus dem Gläschen. SPOONFEEDING. Krankenhauskost. Kinderbrei. Als habe es schon mal jemand gehabt.
Noch schlimmer sein EVENT MANAGEMENT. Kerze ins Fenster. Stuhlkreis. Wenn er wirklich eine Idee gehabt haben sollte mit einer Veranstaltung, so verquast er das stets zu einem linkischen Behördenakt. Es ist zum FREMDSCHÄMEN. Ach, wenn ich da im Guten nach Paris schaue oder im Bösen nach London...
Frank Walter ist ein König ohne Krone. Er hat kein CHARISMA. Er passt zu uns. Er gilt als integer. Es ist paradox.

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KLEINKUNST.

Ich habe gestern für acht Meter Hausfront 7 Blumenkästen mit 35 Geranien bepflanzt. Brauchte 120 Liter Blumenerde. Zum Schluss lese ich die Aufschrift auf den Plastiktöpfchen der Stehgeranien. Es sind einjährige.
Also nach diesem Sommer alles vorbei. Nix mit Luthers Bäumchen pflanzen für die Ewigkeit. Nix mit Herrn von Ribbeck zu Ribbeck im Hafelland. Und dann steht da gemäß EU-Verordnung noch: „Nicht zum Verzehr geeignet.“ Es seien Blühgewächse. Aha. Ich meine, wer isst Geranien?
Letzter Versuch der Rechtfertigung: Blüher nützen Bienen. Und umgekehrt. Aber ich verwerfe den aufgesetzten Gedanken an den Bienenhonig. Die ganze Mühe war, sind wir ehrlich, nur wegen der Optik. Blumenschmuck ist Kleinkunst. Vorgartenidylle. Kleinbürgerhobby. Eigentlich spießig.

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FARBENLEHRE.

Ich sollte als Pennäler wissen, so der Auftrag meines Kunstlehrers Otto Schäcke, wie MISCHFARBEN gehen. Also: gelb plus blau, das ergibt grün. Man brachte einen weißen Metallkasten mit in den Unterricht, der Aquarellfarben enthielt. Ich erinnere die Marke „Pelikan“. Es gab noch kein WIKIPEDIA, ich war mit dieser bescheuerten Hausaufgabe aufgeschmissen. Sie wurde auch nie abgefragt. Otto Schäcke stand im Ruf, an der Flasche zu hängen.
So leicht kommt der Wähler nicht raus. Welche Farben kann man mischen? Unter SCHRÖDER & FISCHER hat er gelernt, dass Rot & Grün zusammengeht. Die Schwarzen hoffen jetzt, dass es diesmal für Schwarzgrün reicht. LASCHET & BAERBOCK. Der Souverän darf sich wie ein Maler fühlen, der auf seiner Palette mischt, was das Zeug hält, um ein tolles Gemälde hinzukriegen. Er darf sich eine Regierung malen.
Aber Schwarzbraun, das soll nicht möglich sein; sagen die Schwarzen, um nicht noch mehr an die Braunen zu verlieren, die von sich behaupten, eigentlich Blaue zu sein. Ich fürchte, wir werden, wie in anderen Ländern auch, jede FARBKOMBINATION erleben. „What ever it takes“, das gilt jetzt auch für KOALITIONEN. Nicht nur, weil es mathematisch nur noch KUNTERBUNT reicht, auch weil der moderne Politiker ein CHAMÄLEON ist. Er passt sich der Farbe seiner Umgebung an.
Braun wird aus historischen Gründen ungern gezeigt; es tarnt sich unter dem Blau der Kornblume. Im Moment gibt es aber auch OBLIGATORISCHE Töne, etwa das Klima-Grün. Ach so, das mit Otto Schäcke, Friede seiner Asche, das war natürlich nur ein Gerücht, ein Pausenhofschnack, am Freiherr vom Stein Gymnasium in Oberhausen-Sterkrade. Warum weiß ich nach gut einem halben Jahrhundert noch seinen Namen? Er kann als Lehrer nicht schlecht gewesen sein. Vielleicht waren es aber auch seine regelmäßigen Luftschutzübungen im Unterricht. „Auf mein Kommando alles flach auf den Boden, Tasche über ‘n Kopf!“ Für wenn die Russen kommen, genannt DIE ROTEN.

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AVANTI DILETTANTI.

Obwohl unmusikalisch, genieße ich ein Abonnement der Berliner Philharmoniker; gestern ein großartiger Abend mit und für Daniel Barenboim. Frenetischer Beifall, Bravo-Rufe und tiefes Mitgefühl für den 82jährigen Dirigierten, dessen Gesundheit von einer Parkinsonerkrankung sichtbar angegriffen ist. Es wird Schuberts Unvollendete gegeben und Beethovens Siebte. Es gilt für den Abend und Barenboim, was Schubert über Beethoven sagte: „Wer vermag danach noch etwas zu machen?“ Man kann sich nur verneigen.

Ich bin mit der Kategorie des Genies sparsam; bei einem so fleißigen Menschen wie Barenboim fürchte ich zudem, sie könnte als Abwertung eines Lebenswerkes gelesen werden. Das ist mehr als nur Genie. Der Mann übt seit seiner Kindheit. Das darf man nicht herabsetzen, indem man Fortune bescheinigt. Eine einmalige Begabung und ein ganzes Leben steten Übens. Ein Lebens-Werk. Man kann sich nur verneigen.

Ganz anders das Foyer. Hier wird heute geliebdienert; aber gemach. Ich lobe am Ort schon immer die Schnittchen; dazu zwei, drei Glas Wein über den Abend verteilt. Leider wird diesmal der gewohnte Tisch verweigert; ein geschäftiger Herr hat seinen Mantel über die Tischplatte gelegt und brummt ein „Besetzt!“ bei der Annäherung. Selbst für Berliner Verhältnisse ist das schroff. Dann purzelt von rechts der ehemalige Bahnchef Lutz ins Bild; Rollkragenpullover und Jeans. Alta. Von links der ehemalige Verkehrsminister Wissing, ehemals FDP. Darum brezzelt sich die Entourage. Wo ist Frau Nikutta, die gefallsüchtige Cargo-Chefin der Bahn, fragt mich die Blonde. Man wird auf LinkedIn nachsehen müssen, wollte man es wirklich wissen. Aber eigentlich gibt es keine Chance, nicht zu wissen, wo sie war. Die Berliner Dilettanz hat Karten und zeigt sich.

Darf ich meine Hochachtung vor dem EINEN mit der Verachtung für das ANDERE begründen? Nein, das sind zu unterschiedliche Welten. Denn das nach dem Management der Deutschen Bahn jemand auch nur im Ansatz von Exzellenz zu sprechen wagte, das ist nun wirklich ausgeschlossen. Oder auch nur von Fleiß. Die Dinge stoßen sich hart im Raum.