Logbuch
Ein Hintergrund-Dienst, der immer zum Wochenende erscheint, nennt die drei PR-Agenturen, die sich um die (am Ende zweifelhafte) Reputation von WIRECARD Verdienste erworben haben sollen. Darunter ein persönlicher Freund von mir, ein persönliches Freunderl und ein Laden, mit dessen Chef ich lange Jahre ein Lobe-Kartell hatte. Einer davon, der vorübergehende Pressechef der insolventen Aschheimer, wird dort „ein Meister seines Fachs“ genannt. Vielleicht etwas hoch gegriffen, aber es freut mich für ihn sehr, Respekt. Doof nur, dass er das Lob jetzt nirgendwo verwenden kann, wenn er nicht mehr erkennen lassen will, welchem Mandanten er da gedient hat. Söldnerstolz ist zweischneidig. Vae victis, wehe den Verlierern.
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Die Nicht-Entdeckung von WIRECARD durch die deutschen Investigativen zeigt einen häufigen Modus Operandi: Verwertung von schwarzem (!) PR. Wenn Pepsi Material gegen Coca verdeckt anbietet, gibt es grandiose Recherche-Erfolge gegen Coca, ohne dass Pepsi als Quelle auftaucht. Gegen Wirecard fehlte lange der Denunziant. Also war es ruhig. Die Investigativen sind ein Haupt-Einfallstor von schwarzem PR. Das wertet den Effekt nicht ab; aber man darf es wissen.
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Wirtschaftsprüfer. Ein Titel von Gewicht, der mit Stolz getragen wurde. Ich kannte einen Finanzvorstand, dessen Initialen zufällig mit WP begannen , der sich mit dieser Abkürzung aber bewusst vorstellte, quasi als Doktortitel. „Gestatten, WP Meier!“ Eine besondere Autorität. Daran könnte sich etwas ändern, wenn sich E&Y nicht um seine Reputation kümmert. Grüße aus Aschheim.
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DAS LÄCHELN DER SPHINX.
Politikberatung ist zuweilen auch die Beratung von Politikern. Es kommt also die Person ins Spiel. Etwa, in der Frage, was soll der Mensch anziehen. Von Gerd Schröder, dem Autokanzler, lernte die Nation, wie der italienische Schneider Brioni so kleidet. Da kommt ein Hannoveraner Herrenausstatter namens Sör ins Spiel; aber das soll Bela erzählen, der war da näher dran. Zu Merkels Hosenanzügen gänzlich ungewisser Konfektionsgröße ist alles gesagt; zudem ist der Vorhang im Stück „Mutti“ noch nicht gänzlich gefallen. Das Stück ist aber erst zu Ende, wenn…
Eigentlich wäre hier noch ein Notat zu dem Janker (oberbayerische Trachtenjacke), den der Franke Söder neuerdings trägt, fällig, in dem er wirkt wie ein Tourist aus Oer-Erkenschwick beim Heimatabend in Aschau im Chiemgau. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte, die die fabelhafte Amelie Fried im Netz paraphrasiert.
Schwieriger wird es bei Frisuren und Make-Ups; auch dazu will ich als Junge nichts sagen, ist ein Mädchen-Thema. Das Mädchen, das vorübergehend feministische Außenpolitik gestaltete, hat hierzu hinreichend Haushaltsmittel erhalten. Das populistisch auszuschlachten, scheint mir zu billig. Es war ja nicht das Drei-Wetter-Taft, das mir Sorgen bereitete. Zudem ist der Deminuativ Mädchen (zu Magd) hier nicht abwertend gemeint.
Im ganzen Altertum stritt man darum, welchen Geschlechts der Sphinx sei. Die Ahnen der Ägypter wie die muslimischen Gelehrten benannten ihn maskulin, erst die Griechen setzen dem ein Ende (von nun an feminin). Der Sphinx? Die Sphinx? Wer jemals in Gizeh vor dem Monument stand, versteht den tieferen Sinn des Doppelwesens. Hier lächelt eine Frau von so großer Macht und Mystik, dass man sich ihren Körper nur als Löwengestalt vorstellen konnte. Schließlich wusste sie Fremde, die ihre Rätsel nicht lösen konnten, schlicht zu verschlingen.
Es kommt hinzu, dass es in der antiken Welt der Sphinx mit der Trennung der Geschlechter ähnlich durcheinander ging wie im neulinken Wokistan, mit den bekannten Folgen der Verblödung. Darum lächelte die Sphinx aber nicht. Das Geheimnis ihres Antlitzes liegt in der Grausamkeit, die sich hinter der Güte verbirgt. Respekt und Ehrfurcht!
Jetzt sagen wir das der politischen Aspirantin mal, die sich ihrer Werte gewiss ist, den Text kann und wo der Rock sitzt: „Wenn Sie jetzt noch, gnädige Frau, bitte lächeln könnten wie die Sphinx?“ Man sieht Politikerinnen, die schauen bös; man sieht schickere, weil im Wein die Wahrheit liegt, man sieht aber auch eine einzelne, die lächelt, wenn sie lächelt, wie die Sphinx. Kann jedermann erkennen. Ich sehe aber dahinter auch die reiche Symbolik der Löwengestalt. Davor warnt mein Vers.