Logbuch

FREUNDSCHAFT.

Nicht der Ossi-Gruß. Wahre Freundschaft, jedenfalls vorübergehende. Was man Freunden nicht vergisst. Vor rund einem Jahrzehnt hatte ich mir bei Gartenarbeiten mal den Fuß gebrochen. „Weber B“: für die Chirurgen unter uns. Da baumelt der Fuß nur noch an den Sehnen, weil der Knocken durch ist. Ich lag nach der OP an einem Samstag eine knappe Woche im örtlichen Krankenhaus. Und wer schaut vorbei? Salvatore, der Inhaber der Pizzeria, in die ich damals notorisch ging. Er hatte so was gehört, da wollte er mal schauen. Besucht mich im Krankenhaus, seinen Stammgast. Wir waren nicht dicke, aber man mochte sich. Es war nur eine freundschaftliche Geste, und ich vergesse sie nicht bis zum heutigen Tage. Ich esse inzwischen woanders, wenn Lokale denn mal geöffnet sind, aber eigentlich sollte ich mal nach ihm sehen, dem alten Freund. Kein EUPHEMISMUS. Freund? Eigentlich zu viel gesagt, war ja nur Stammkunde. Aber immerhin-que, wie der Lateiner sagt. Er hat mich im Krankenhaus besucht. Als das noch ging. Lange her.

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Mein Schreiner erzählt von seinem Vater, der habe ein Stück Holz nur in die Hand nehmen müssen, es von drei Seiten angesehen und das Stuhlbein sei fertig gewesen. Beliebte Nahkampfwaffe auf dem Land, das Stuhlbein. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Mein Herr Vater pflegt zu sagen: „Daran, wie der Zimmermann den Hammer hält, sieht man, ob der Nagel krumm wird.“ Wir reden über PROFIS und was einen FACHMANN ausmacht. Es ist diese Kombination von Erfahrung und Leichtigkeit, die mich fasziniert. Ist mir gerade in meinem Job auch mal wieder (selten genug) gelungen, etwas nicht würgen müssen oder zu basteln, sondern einfach mit leichter Hand hingekriegt. Fühlt sich gut an. Jeder Handwerker kennt ein wenig das Glück des Künstlers: Werk gelungen.

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MADE IN GERMANY; das war mal ein Warnhinweis der Engländer. Als Sheffield noch industriell Spitze war und man die Konkurrenz aus Solingen diskreditieren wollte. Lange bevor man die eigene Rückständigkeit als Brexit nostalgisch verklärte. Kulturelle Überlegenheit. SWISS MADE. Überlegen, weil man etwas kann, das anderen verwehrt ist. Zum Beispiel hochwertige SCHWEIZER UHREN, mechanische natürlich. Stolz trage ich eine alte ROLEX AIR KING. Oder neuere SINN-Uhren mit Schweizer (!) Werken. Das macht denen keiner nach. Und bitte keine Batterien. Mein Glaube an SWISS MADE ist allerdings, das räume ich ein, mehrfach erschüttert. Beginnen wir mit dem Geburtsort dieser technischen Wunderwerke. Von Genf aus fährt man in die Berge hoch auf ein Plateau einer klassischen Armeleutegegend. Arsch der Welt. Darum hat der Schwarzwald es zu Kuckucksuhren gebracht und Sachsen zu etwas, lange vor dem Arbeiter- und Bauernstaat. Weil arme Bauern sonst im Winter nichts zu tun hatten. Handwerk als bäuerlicher Nebenerwerb. Nischen, erst technisch und dann ökonomisch. Man müsste mal was erforschen über das Diamantenschleifen, das in jüdischer Hand war und in indische übergeht. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Denn nicht die „soziale Frage“ des Ursprungs erstaunt mich, sondern wie winzig heute noch die edelsten der Uhrenmanufakturen sind. Man könnte sie für eine etwas größere Garage halten. Calvinistische Bescheidenheit. Uhrmacherarbeitsplätze sind halt sehr, sehr klein. Vergessen ist längst die peinliche Marketingverirrung namens Swatch. Es werden wieder Kaliber ganz seltener Qualität gebaut. Zu seltenen Preisen. Ich habe kürzlich eine luftdruckgetriebene Tischuhr zur Revision ins Schweizer Stammwerk eingeschickt, da hat der vorgeschriebene Versandkarton mehr gekostet als eine dieser Quarzuhren. Ich höre von Experten, dass es für einzelne Rolex elendlange Wartelisten gibt, die einen regelrechten Schwarzmarkt befördern. Also Buzzen im Schweizer Jura, das war das erste. Neue große Marken in Buzzen in Sachsen (Nomos) und Sachsen-Anhalt (Dornblüth) das zweite. Jetzt aber die wirkliche Überraschung: Seiko ist ein Edelproduzent. Die Japaner! Die Marke hatte bei mir einen billigen Klang, falsch, ganz falsch. Ich habe mir gerade Grand Seiko angesehen, insbesondere die SNOWFLAKE. Eine mechanische Automatik mit einer quarzgesteuerten Regulation, ohne Batterie, versteht sich; selbsterzeugter Strom als Steuerenergie. Spring Drive. Ich verstehe zu wenig davon, höre aber, Gangabweichung max. 2 Sekunden im Monat. Gangreserve 8 Tage. Das Zifferblatt zeigt ein Schneegestöber. Hammer. Die Japaner, wer hätte das gedacht. Von wegen „America first“: Nicht der Rede wert, dass es keine exzellenten US-Uhren gibt. Man muss sich nur in einem GM setzen. Wenn jetzt einer hier Tesla sagt, gibt es Tote.

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VATER STAAT.

„Der Staat, das bin ich!“ Dieser Satz hallt in uns aus fernem Geschichtsunterricht nach. Das ist der feudale Absolutismus, der hier spricht; dessen adeliges Haupt die Französische Revolution dann unter die Guillotine legte. Plopp, lag der gepuderte Schädel im Korb. Daran denke ich, während der Hegemon unserer Tage in seinem privaten Golfclub Staatsoberhäupter vorführt. Was ist unseren Herzen der Herrscher?

Bei Vater Staat denken wir an den Familienvater, der die Seinen pflegt und hegt („pater familias“). Die Frommen unter uns vielleicht sogar an den Vater im Himmel, Gottvater. Im Politischen sind es vor allem die Linken, die hier ein Sehnen empfinden, weil dieser Vater ihnen gönnen soll, was die Klassengesellschaft verweigert. Oder die Katholischen, die ihren Herrscher ohnehin schon Papa oder Papst nennen.

Der Blick der Liberalen ist skeptischer. Sie wähnen sich erwachsen und scheuen Bevormundung. So denkt ja auch unsere Verfassung; das Grundgesetz bestimmt vor allem, was er nicht darf, der Herr Vater als Machthaber. So soll er seine Gewalten teilen, damit sie sich gegenseitig im Zaum halten. Und sich der Zensur enthalten. Die Stimmung ist eher so, als sei er ein böser Onkel, auf den man aufpassen müsse.

In diesem Terrain treffen wir auf den „sugar daddy“, der zwar noch auf Englisch Papa heißt, aber als solcher gegen das Inzesttabu verstößt. Der sprichwörtliche Zuckerpapi ist ein älterer Herr in Spendierhosen, der sich die Gunst sehr viel jüngerer Damen sichert. Sagen wir es klar und deutlich: Das ist Nuttensprech für einen Freier, wenn nicht Zuhälter. Von Herrn Eppstein wird so etwas berichtet, der mit Frau Maxwell eine veritable Kupplerin beschäftigte. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Eine grundlegende Skepsis gegenüber dem Staat herrscht mit der Moderne, sagen wir mit dem ausgehenden 17. Jahrhundert. Für Thomas Hobbes ist er gar ein veritables Ungeheuer; er bemüht das Horrorbild des Leviathan aus der jüdischen Mythologie. Der Staat als Leviathan ist das Böse schlechthin, auf das sich die Bürger einer Gesellschaft einigen, damit sie unter seiner Fuchtel in Fried und Eintracht leben können. Sie gewähren ihm das Gewaltmonopol, um sich darunter untereinander von einer besseren Seite zeigen zu können. Staat ist immer paradox.

Insofern schrecken mich die Bilder aus Schottland nicht. Wenn man nur hoffen könnte, dass der Sugar Daddy seine Versprechen hält. Dann sollen mir die 15%, die Frau vdL, genannt Röschen, mit ihm verhandeln hat, recht sein.