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TRENCHCOAT.
Zu meinen Lieblingskleidungsstücken zählt der Regenmantel aus dem Hause BURBERRY, den Humphrey Bogart berühmt gemacht hat. Als Schüler habe ich mir das gute Stück an Londons Haymarket gekauft. Schnallen und Knöpfe wurden mal ersetzt, aber ansonsten ist das Luder jetzt 55 Jahre alt; unverwüstlich.
Während meines Studiums gab es die Jungs mit den RAIN COATS, meine Fraktion. Und die Bürgersöhnchen mit den Palästinensertüchern (nicht meine Fraktion). Ich kannte einen Soziologen, der das Tuch trug, wenn er im offenen englischen Sportwagen in die Uni fuhr. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Aus reinem Snobismus habe ich dann später, schon im Beruf, noch einen TRENCH von AQUASCUTUM gekauft, weil deren Mäntel aus der gleichen Tradition kamen, der Uniformschneiderei, aber als weniger modisch galten. Auch ein edles Stück.
Nun zum hässlichen Teil der Geschichte. Was Thomas Burberry da Mitte des 19. Jahrhunderts für die britische Armee schneiderte, war regenfest (weil Gabardine) und schränkte den Waffengang nicht ein. Denn TRENCH, das ist der Schützengraben. Ein Mantel für Schützengräben. Welch ein Irrsinn: Erwachsene graben sich in Erdlöcher ein und schießen aufeinander. Ganze Tunnelsysteme wurden dem gewidmet.
So sollte mein Großvater in Belgien den Franzmann bezwingen. So sehe ich ukrainisches Militär auf den Iwan lauern. So soll die Hamas Gaza gestaltet haben. Auch mehr als 150 Jahre nach der Erfindung des Mantels für Schützengräben ist die Menschheit nicht schlauer.
Als ich mir meinen ersten TRENCH kaufte, konnte ich ihn mir eigentlich noch nicht leisten; jetzt will ich mir nicht leisten, ihn auszumustern. Aber die Idee des Schützengrabens, die gehört entsorgt. Ich hoffe, dass Gaza der HÄUSERKAMPF erspart bleibt. Und Israel der Terror der Halstuchträger.
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HÄUSERKAMPF.
Es muss im Wintersemester 1970 gewesen sein, als ich in einem Proseminar der Philosophischen Fakultät der Ruhr-Uni in Bochum völlig überfordert war; ausgerechnet mit einem von mir selbst ausgewählten Thema. Es ging um die Schrift „Minihandbuch des Stadtguerilleros“ von Carlos Marighella.
Das Seminar fragte nach dem BEGRIFF DES POLITISCHEN in unterschiedlichen Schriften; für mich in dem Machwerk eines bolivianischen Terroristen. Ich fand aber keine Spur politischer Theorie. Die Anleitung für urbane Heckenschützen war eine zynische Epistel um asymmetrische Gewalt, mehr nicht.
Der Kern ist die Logik, dass die schwächere militärische Kraft das Schlachtfeld meiden möge und in den Häuserkampf ziehen soll, also sich in ziviler Umgebung tarnt und aus dem Schutz des Privaten militärisch agiert. Siehe HAMAS. Kein verantwortungsbewusstes Militär kann sich willentlich in diese Falle begeben wollen.
Der Krieg ist, ob militärisch oder als Terror an Zivilen, nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Er ist das Fehlen von jedweder Politik, ein Modus des sinnlos Barbarischen.
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MEINUNGSSTREIT.
Ich schätze die Debatten auf „Facebook“ und „Twitter“, sprich „X“; ja sogar die Lobhudeleien auf „LinkedIn“, weil sie Ausdruck von Demokratie sind. Dazu gehört eben auch Voreingenommenheit, Irrtum, Hass, Propaganda. Die Kehrseite des Klugen.
Die Debatte um den Krieg im Nahen Osten ist dazu ein gutes Beispiel. Ich habe für mich sofort gesagt, was ich von Islamistischem Terror und dem Existenzrecht Israels als Deutscher halte. Und die notorischen Relativierungen zurückgewiesen. Worauf Relativierungen einsetzten…
Jürgen Habermas hat in hohem Alter noch mal zu einer Internetkritik angehoben. Leider dümmlich. Hier findet er doch statt, der „Herrschaftsfreie Dialog“, den er immer wollte; jedenfalls soweit ihn die kalifornischen Oligarchen tolerieren. Hier gibt es Diskurse der DELIBERATIVEN DEMOKRATIE. Dazu gehört der Schmutz leider auch. Aber ebenso das Edle. Jüngst Vize-Kanzler Robert Habeck mit beachtlichem Statement zu Israel.
Was ist „deliberativ“? Tja, da kratzt sich Oberstudienrat Bentele aus Kleinmachnow am Hinterkopf. Was ist Deliberation? Das sollte man wissen. Weil die es wissen, die sind cyberoptimistisch.
Das Römische Recht hatte einige Vorschriften, die bis heute bedenkenswert sind. Darunter solche, die, obwohl hoch plausibel, nur dem Lateiner verständlich. So etwa die Einsicht, die wir Cato dem Älteren verdanken: „Deliberandum est diu quod statuendum est semel.“ Zu deutsch: Es ist länger zu bedenken, was für immer gelten soll. Dazu gehört eine allseitige Beratung. Mit allen, die dazu berechtigterweise etwas zu sagen haben. Nehmt euch die Zeit zu beraten!
Jedenfalls die Klugen sollte man hören, auch wenn die Dummen dann auch reden. Deliberative Demokratie. Also, so etwas wie wir auf X.
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ORA & LABORA.
Beten und arbeiten, dazu sind wir, wenn gut aufgehoben, geschaffen. Stattdessen macht der Zweibeiner drei Wochen auf den Seychellen. Sinnlos, aber mit Syph. Und ab und zu Salmonellen.
Ein Freund schreibt mir aus seiner Haftanstalt. Das Novo-Virus ist ausgebrochen. Gut 15% der Insassen leiden an einer hochansteckenden Magen-Darm-Erkrankung. Es soll bereits Todesfälle geben, aber darüber schweigt die Anstaltsleitung; gestorben werde halt immer. Da der ganze Knast unter Quarantäne stehe, kämen die Leichensäcke ins Kühlhaus.
Früher hat man das anders gehandhabt: „Wir lagen vor Madagaskar
und hatten die Pest an Bord.
In den Kesseln, da faulte das Wasser,
und täglich ging einer über Bord.“
Gelegenheit, die Sache aufzuklären. Mein Freund sitzt zwar tatsächlich mit tausenden Menschen ein, sein Gefängnis ist aber ein sogenanntes Kreuzfahrtschiff, das mit einer manilischen Crew in tropischen Gewässern schippert, um die Touris zu mästen, und neuerdings ohne den lästigen Landgang.
Ein anderes Mitglied meines Bekanntenkreises unterhält eine fahrbare Einzelzelle mit Gattin, Gasherd und Chemieklo. Da die ersehnten Reiseziele für diese Wohnbüchsen geschlossen sind, haust man zu hunderten auf Abstellplätzen in Vororten. Ich weiß nicht mal, wie die motorisierten Wohnwagen korrekt heißen. Caravan, eine Kontraktionsform von Car und Van, eine Knastzelle auf einem Fiatchassis. Gibt es rauf bis zur Größe eines Reisebusses. Alle richten im Getto ihre Satellitenschüssel ins All, da außer TV-Gucken nix geht, im Vanverließ vor Verona.
Ich könnte weitere Absurditäten berichten. Den Jakobsweg in Cabrio etwa. Oder Überlebenstraining im Odenwald. Die Urlaubszeit zeigt, dass der Mensch mit dem Paradies nichts anzufangen weiß. Er schafft sich temporäre Höllen der Erholung. Bis er wieder ins Büro darf oder ans Band. Bald, Kinder, bald dürft Ihr wieder zurück!
Ich ahne, warum der Ruhestand für viele die Hölle ist. Ganzjährig Urlaub. Das sind dann Durchfall und Erbrechen wirklich mal eine willkommene Abwechslung.