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Muttersöhnchen.

Ohne Mutti leben. Furcht oder Hoffnung? Was macht einen Menschen erwachsen? Wenn man die Verantwortung für sein Leben selbst tragen darf. Oder eben tragen muss. Wenn man seine Füße nicht mehr unter einen Tisch stellt, sondern den Eltern Lebwohl sagt, um eigene Wege zu gehen. Viele Herabwachsende wollen das, viele schon bevor sie rechtlich gesehen volljährig sind. Andere schaffen kein eigenes Leben und hausen in Hotel Mutti, bis diese das Zeitliche segnet. Das sind glückliche und nicht so gelungene Lebensläufe von einzelnen Menschenskindern. Was aber macht ein ganzes Volk erwachsen? Gilt mit der nächsten Bundestagswahl auch für die Bevölkerung dieses Landes die Frage: Ohne Mutti leben? Und was verbindet sich damit? Furcht oder Hoffnung? Merkel selbst hat die Ablösung von Kohl seinerzeit so begründet: Ab jetzt ohne Papa leben. Und sich dann als Mutter der Nation angeboten. Das ist ja die Raute vor dem Unterbauch, die zu ihrem selbstverständlichen Symbol geworden ist, eine Vulva als Schutzversprechen. Mutti. Mutti ist da und kümmert sich. An dem männlichen Pendant in der Welt der Körpersprache, dem Mittelfinger des digitus impudus, ist schon Steinbrück gescheitert. Wollte keiner. Gilt als unschicklich. Dieses Volk will das Matriarchat. Niemand, der bei Verstand ist, stellt dieses Charisma von Merkel in Frage. Die Belesenen unter uns wissen, was der Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud hierzu unter Entlehnung aus der altgriechischen Mythologie geschrieben hat. Wer also die Sache mit dem Ödipus-Komplex kennt, weiß in welch verzweifelter Lage der deutsche Jüngling bei der nächsten Wahl ist. Eine tragische Falle: Man kann nicht, wie bei Ödipus, den Vater erschlagen und die Mutter heiraten. An dieser tragischen Ausweglosigkeit ist ja schon der juvenile Christian Lindner gescheitert. Die SPD hätte eine Chance, böte sie eine Antigone.

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Prognose.

Politischer Erfolg holt im Wahlkampfmodus einen Kandidaten ein, der vor großem Publikum geradezu aufblüht und eine ganz klare Körpersprache hat, eine überzeugende. In Disputen darf er ruhig zurückhaltend sein. Im persönlichen Gespräch schließlich ein wenig linkisch. Der SCHOLZOMAT erfüllt alle diese Anforderungen NICHT. Auf großer Bühne linkisch, im Streit zäh und redundant, nur unter sechs oder acht Augen gewinnend. Man erinnere sich, wie er den Krawall-Gipfel in Hamburg zu verkaufen suchte. Das Projekt Olaf Scholz bringt der SPD 15 Prozent. Wenn alles gut geht. Das Projekt R2G der SPD-Parteivorsitzenden bringt die sichere Mehrheit für SCHWARZ-GRÜN. Das können selbst die Grünen nicht mehr vermasseln. Wenn ich mich nicht irre...

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Was von der Pandemie bleiben wird? Die Enteignung des (privaten) Wohnzimmers zum Büro (des Arbeitgebers), sprich erzwungene HEIMARBEIT. Die Atomisierung der Schreibsäle zu Schlafzimmerkanzleien. Die Virtualisierung des Bureaus als Immobilie. Irreversibel, so nennt man eine Entwicklung, die sich nicht wieder umkehren lässt. Das Modewort heißt ja „disruptiv“, weil man sich beeindruckt zeigt, wenn eine Innovation von heute, die von gestern ablöst. Das ist aber nur der halbe Gedanke. Man kann aus Eiern ein Omelett machen; aber aus einem Omelett keine Eier. Eine Unumkehrbarkeit ist gnadenlos. Gerade sagt ein Allianz-Vorstand, er könne sich durchaus vorstellen, dass die Hälfte der Belegschaft im Home Office bleibe. Für immer. Das glaube ich auch. Die ökonomischen Vorteile der Virtualisierung von Kooperation sind so gigantisch, dass sie sich als irreversibel erweisen wird. Der Lektor meines neuen Buches sitzt in einem Ort namens Mumbai. Das ist, glaube ich, Bombay. Im Home Office. Weil es gerade regnet, sagt er. Da regnet es immer.

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AUFBAU WEST.

Meine Alma Mater, Mutter der Wissenschaft, die architektonisch monströse RUB, klagt über Kindermangel. Der Ruhr Universität Bochum fehlen 5000 Studenten. Das ist für mich als Alumnus eine Sensation gänzlich unerwarteter Art. Als ich hier Anfang der siebziger Jahre aufschlug, standen alle Signale auf Wachstum. Ganze Hochhauskomplexe normaler Mietwohnungen waren im Handstreich auf Studentenbuden umgestellt. Man lebte toll in den spontanen Kommunen in der Hustadt. Und billig. Erstklassiges Lehrangebot. Fabelhafte Bibliotheken. Halbleere Seminare wirklich kluger Köpfe.

Wenn ich ergänzend zu den Genies in den Hörsälen die Studis aus dem Pott beschreiben soll, also den Geist der frühen Jahre, dann genügt der Hinweis, dass vor der riesigen Mensa eine sogenannte Bierklause eingerichtet war, in der es allerdings nur Krüge gab: „halbe-Liter-machen“ nennt das der Italiener. Abends ging man in den RUB PUB, den das Studentenwerk betrieb; einschließlich Rollgriff in der Kasse. Hier hatte noch der AStA das Sagen. Linker Sauladen, gefiel mir damals.

Aber das ist natürlich irreführend. Gut 40.000 Studenten büffelten brav und bravourös in Bochum; immerhin 10 % schloss mit Promotion ab. Man schenkte mir eine Urkunde, die meine Diss als beste des Jahrgangs qualifizierte; keine Ahnung, wieviel beste es gab, aber man freute sich natürlich über das „summa cum laude“. Der monströse Komplex in Bochum-Querenburg steht inzwischen unter Denkmalschutz. Jetzt also negatives Wachstum? Kann das?

Der Pott ist pleite. Mona Neubaur, die stellvertretende Ministerpräsidentin von NRW, fordert als Grüne einen AUFBAU WEST. Das Ruhrgebiet verfällt und bildet Gettos aus, in denen Vagabunden das Sagen haben. Der Essener Norden etwa war nie chic und lange Zeit industriell geprägt. Heute ist er nicht mehr zu betreten. Bei der Verfassungsvorgabe der gleichwertigen Lebensverhältnisse sind jetzt mal die Wessis dran. Unausgesprochen: Und nicht die undankbaren Ossis. Obwohl der Vizekanzler dem Osten gerade wieder blühende Landschaften versprochen hat. Da meldet sich der Pott: „gezz ma wir!“

Wir erleben Strukturwandel. Kohle und Stahl sind gegangen (worden) und mit ihnen ein Wirtschaftswachstum in der sozialen Breite, das Arbeitskräfte aus Italien, Ostpreußen und der Türkei anzog, ernährte und bildete. Jetzt erleben wir Zuwanderung in die Sozialsysteme mit dem Effekt ihres vorsätzlichen Missbrauchs. Gettos einerseits und zum anderen Habitat der AfD.

Krupp wird es nicht richten. Und eine neue Konjunktur der Dicken Berta wohl auch nicht. Rheinmetall soll gut laufen, höre ich. Ob mir das gefällt, das weiß ich nicht so recht.