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WELL OFF.

Im Englischen nennt man jenen Zustand fehlenden Mangels, was die Dinge des täglichen Lebens angeht, also einen befriedigenden Grad der materiellen Sättigung, schlicht „well off“. Das beginnt mit einem eigenen Häuschen und endet vielleicht mit einem Anwesen nur für die Ferien. Aber auch da gibt es arme Schlucker, die prahlen, und Bescheidene mit einem satten Konto in der Schweiz. Ich persönlich glaube, dass man es an der Entspannung erkennt, ob die Knete reicht. Und an der Kleidung.

Gespräch in einem netten Kreis gesetzter Bürger, wenn man das so nennen darf, über die Frage, wer unter den berühmteren Zeitgenossen wohl VIEL Geld habe. Man sagt „Geld habe“, ohne Quantifizierung. Der small talk ist frei von bösem Neid, eher daran interessiert, unter den Bessergestellten die Blender zu enttarnen. Unweigerlich kommt es zum Begriff des Alten Geldes. Am Ort ist das gesichert ein einzelner Fabrikant, dessen Produkt lange sprichwörtlich war.

In meiner alten Heimat war das KRUPP. Proletenscherz: Was Krupp in Essen, sind wir in Saufen. Obwohl, wer die Geschichte derer aus der Villa Hügel kannte, stets frei von dem Eindruck war, dass die Dinge hier in höherer Gunst lagen. Generation um Generation hat um eine Anerkennung gekämpft, die selten ganz und nie für lange gewährt wurde. Es waren immer Parvenüs, die Stahlbarone, Geltungssüchtige. Auch der große BB.

Altes Geld sollte gesetzter sein. Der Diskurs unter den Kleinbürgern meiner Abendgesellschaft unterscheidet sich ganz grundsätzlich danach, ob man beamtet ist, oder gewerbetreibend. Diesen Mentalitätsunterschied kriegt man auch nicht durch Argumente gebrückt. Ebenso die Annahme der Unpolitischen dazu, dass Politiker es geschafft hätten, obwohl diese sich ständig klamm fühlen. Alles endet bei der fundamentalen Frage, wann man reich sei.

Ja, wann ist man well off? Ich habe eine Antwort großer Weisheit zu berichten. Reich sei man, wenn mehr Geld nichts daran ändern würde, wie man lebt.

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WER EIN BLATT BESITZT.

Ein Machtwechsel führt immer zu einer neuen Orientierung jener, die von ihr leben, indem sie aus der Gunst der Gönner gute Geschäfte machen. Ich lese gerade einen kleinen Abriss zur Entwicklung der WASHINGTON POST, von ihren Freunden nur kurz POST genannt. Das Blatt begründet den Mythos einer freien Presse; namentlich von privaten Verlegern und mutigen Reportern, die den Regierenden auf die Finger schauen und gelegentlich auch hauen. Der hehre Traum aller Schreiberlinge, so sie einen Verleger finden.

Der amerikanische Präsident Richard Nixon wurde von der POST zu Fall gebracht, Stichwort Watergate; eine Geschichte, zu der ich bis heute eine sehr skeptische Haltung habe, aber ich bin ja auch kein Investigativ-Journalist, der unbekannten Quellen gezielte Denunziationen brav abnimmt. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Mir hat noch nie ein Blatt gehört; vielleicht mit Ausnahme der Schülerzeitung, von der ich nicht mal mehr den Titel weiß. Die Brotlosen bloggen.

Die POST ging, weil viel frisches Kapital von Nöten, an einen Oligarchen, den Gründer von Amazon, einen alerten Bubi namens Jeff Bezos, der dem Blatt schwor, dass sich an der verlegerischen Liberalität nichts ändere, da er nun damit spielen dürfe. Es gibt nun ein Narrativ, wie die Neue Rechte die Bude und den Bubi schrittweise einhegten. Ein Lehrstück. Darin die Episode, dass der amtierende Präsidentengattin die Rechte ihrer eigenen Lebensgeschichte von Bezos nach einem geneigten Dinner für 40 Mille abgekauft wurden; 28 für die Lady.

Dazu werde ich mich nicht ironisch einlassen. Ich habe solche Beckmesserei schon vermieden, als Maschi dem Gerd zwei Mille für dessen Lebensgeschichte zahlte. Was hier allenthalben Platz greift, ist nämlich der Neid der Besitzlosen. Damit meine ich nicht die klammen Zahlungsempfänger. Und auch den Erwerbern der Rechte habe ich keine Patzigkeiten zu sagen. Wenn der Gerd den Maschi schätzte, dann wird er gewusst haben, warum. Ich kenne nur neidische Neider, bin aber selbst dazu nicht begabt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Mein Ernst.

Der Neid der Besitzlosen meint hier nicht GELD; er beschreibt vielmehr jene, die nix zu erzählen haben. Die Memoiren von Olaf Scholz an der Seite seiner fabelhaften Frau Britta in der miefigen Mietbude in Potsdam, das interessiert keine Sau. Mein ganzes Leben ist voll von Gestalten, die auf die Gnade des Vergessens hoffen dürfen. Aber den mächtigsten Mann der Welt in Unterhosen, sprich aus der Sicht einer übellaunigen osteuropäischen Schönheitskönigin, das wäre mir die Knete wert, wenn ich sie hätte. Ich habe sie aber nicht. Mir gehört kein Blatt. Dabei fängt die Meinungsfreiheit dort erst an, wo man Verleger wird. Alles richtig gemacht: Bravo Bezos!

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LAUTER LEERAUFTRÄGE.

Der geschiedene Vize-Kanzler Robert Habeck ist an eine amerikanische Elite-Universität berufen worden; höre ich. Professorale Würden für einen deutschen Vordenker. Davon stimmt, wie immer in der Politik, nur die Hälfte. Meist weiß man nicht mal, welche.

Deshalb der Reihe nach. Erst Lehrling, dann Geselle, dann Meister. Bei den Freimaurern gibt es dann auch noch den Großmeister. Im Akademischen geht das ähnlich. Man macht sein Abitur und erlangt die Allgemeine Hochschulreife. Und wer von dieser Welt, fragt nach, an genau welcher Penne…Ich kläre unten auf, warum.

Man schließt sein Studium in überschaubarer Zeit mit dem üblichen Abschluss, in angezeigten Fächern mit beiden Staatsexamen, und promoviert. Der Doktortitel wird möglichst mit Prädikat erlangt, was ein „cum laude“ tunlichst mit den Vorsätzen von „magna“ oder „summa“ ausweist. Die Juristen machen ein unheimliches Gewese darum, dass es „Einser“ bei ihnen gebe. Ich habe beide Staatsexamen, also auch die Assessorenprüfung, „mit Auszeichnung“ hingelegt, weil das unter uns Jungs so üblich war. Für weniger stand man nicht auf.

Man zeigt in der Diss. eigenständige wissenschaftliche Leistungen. Dann vertritt man ein Fach; das ist mehr und erheblicher. Der Promovierte habilitiert sich mittels Habil-Schrift und erhält seine „venia legendi“, um als Privatdozent (PD) im Leben zu stehen. Dort erhält er dann, wenn die Publikationsliste stattlich und die Reputation so weit wie breit, einen Ruf, den er annimmt oder eben nicht. Habeck hat niemand gerufen, weil man ihn gar nicht rufen kann. Habeck sitzt auch auf keinem Lehrstuhl; er hat einen Leerauftrag in Berkley (pun intended).

Ich selbst habe es zu meiner aktiven Zeit auch nur zum Honorar-Professor gebracht, die so heißen, weil sie keins kriegen (no pun). Und an meiner Penne machte jeder Abi, der beim Schülerkabarett mitmachte; ich durfte mich schon in jungen Jahren als Autor des Satirischen bewähren, da wurde eine mangelhafte oder gar ungenügende Leistung in Mathe und Franz schon mal durchgewinkt. So rutschte ich mit durch und fiel in den Schoß der Alma Mater.

Jetzt zum amtierenden Vizekanzler Jens Klüngelbiel. Der holt sich gerade seinen Wirtschaftsweisen, einen gewissen Professor Jens Südekum, von der Universität Düsseldorf; höre ich. Kann ich mal dessen Habil sehen? Daran stimmt im Zweifel auch nur die Hälfte. Düsseldorf hat nach meiner Kenntnis gar keine Uni, nur eine PH. Und Abi soll Südekum in Goslar gemacht haben. In Goslar. Wie Professor Sigmar Gabriel. Kann ich mal dessen Habil sehen?

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AUFBAU WEST.

Meine Alma Mater, Mutter der Wissenschaft, die architektonisch monströse RUB, klagt über Kindermangel. Der Ruhr Universität Bochum fehlen 5000 Studenten. Das ist für mich als Alumnus eine Sensation gänzlich unerwarteter Art. Als ich hier Anfang der siebziger Jahre aufschlug, standen alle Signale auf Wachstum. Ganze Hochhauskomplexe normaler Mietwohnungen waren im Handstreich auf Studentenbuden umgestellt. Man lebte toll in den spontanen Kommunen in der Hustadt. Und billig. Erstklassiges Lehrangebot. Fabelhafte Bibliotheken. Halbleere Seminare wirklich kluger Köpfe.

Wenn ich ergänzend zu den Genies in den Hörsälen die Studis aus dem Pott beschreiben soll, also den Geist der frühen Jahre, dann genügt der Hinweis, dass vor der riesigen Mensa eine sogenannte Bierklause eingerichtet war, in der es allerdings nur Krüge gab: „halbe-Liter-machen“ nennt das der Italiener. Abends ging man in den RUB PUB, den das Studentenwerk betrieb; einschließlich Rollgriff in der Kasse. Hier hatte noch der AStA das Sagen. Linker Sauladen, gefiel mir damals.

Aber das ist natürlich irreführend. Gut 40.000 Studenten büffelten brav und bravourös in Bochum; immerhin 10 % schloss mit Promotion ab. Man schenkte mir eine Urkunde, die meine Diss als beste des Jahrgangs qualifizierte; keine Ahnung, wieviel beste es gab, aber man freute sich natürlich über das „summa cum laude“. Der monströse Komplex in Bochum-Querenburg steht inzwischen unter Denkmalschutz. Jetzt also negatives Wachstum? Kann das?

Der Pott ist pleite. Mona Neubaur, die stellvertretende Ministerpräsidentin von NRW, fordert als Grüne einen AUFBAU WEST. Das Ruhrgebiet verfällt und bildet Gettos aus, in denen Vagabunden das Sagen haben. Der Essener Norden etwa war nie chic und lange Zeit industriell geprägt. Heute ist er nicht mehr zu betreten. Bei der Verfassungsvorgabe der gleichwertigen Lebensverhältnisse sind jetzt mal die Wessis dran. Unausgesprochen: Und nicht die undankbaren Ossis. Obwohl der Vizekanzler dem Osten gerade wieder blühende Landschaften versprochen hat. Da meldet sich der Pott: „gezz ma wir!“

Wir erleben Strukturwandel. Kohle und Stahl sind gegangen (worden) und mit ihnen ein Wirtschaftswachstum in der sozialen Breite, das Arbeitskräfte aus Italien, Ostpreußen und der Türkei anzog, ernährte und bildete. Jetzt erleben wir Zuwanderung in die Sozialsysteme mit dem Effekt ihres vorsätzlichen Missbrauchs. Gettos einerseits und zum anderen Habitat der AfD.

Krupp wird es nicht richten. Und eine neue Konjunktur der Dicken Berta wohl auch nicht. Rheinmetall soll gut laufen, höre ich. Ob mir das gefällt, das weiß ich nicht so recht.