Logbuch
TERROR.
In Berlin wurde eine Oma verhaftet, die der dritten Generation der Links-Terroristen meiner Jugend, der RAF, angehört und mit zwei noch unentdeckten Kameraden im UNTERGRUND zugebracht haben soll. Ich war Zeitzeuge der RAF, aber alles was ich weiß über diese Verirrten, das weiß ich eigentlich von Stefan Aust, dem wirklichen Dokumentar dieses Wahnsinns.
Man wollte damals durch Mord und Totschlag zeigen, dass der Staat ein Unrechtssystem ist, indem man ihn verleitet, in der Strafverfolgung des Terrors sein wahres Gesicht zu zeigen, was dann zum Volksaufstand führen sollte. Ein völlig verqueres Kalkül. Aber es gab Sympathisanten; welch ein Wort, darunter auch Grüne mit klammheimlicher Freude. An der Mensa meiner Uni hatte jemand der Unterstützer den Spruch gesprüht „Sieg im Volkskrieg!“
Als heimliche Unterstützer spielten wohl auch die DDR und Terrorgruppen des Nahen Ostens eine Rolle. Nun, zumindest die Stasi-Protektion gibt es nicht mehr. Und der Untergrund ist kleiner geworden. Heutzutage gibst Du das Fahndungsfoto der Terroristin der KI zur Gesichtserkennung, die durchstöbert das Internet und der dunkle Untergrund ist taghell. Da war die Terroristin vor Jahren bei einem Tanzevent und auf „facebook“ abgebildet, rupp zupp, enttarnt. Was Rückschlüsse über die individuelle Freiheit in so kontrollierten Staaten zulässt, die wir hier nicht wollen. Sonst entsteht am Ende noch ein falscher politischer Verdacht.
Die Blutspur des RAF-Terrors reicht bis in unsere Tage, da Mord zu Recht nicht verjährt; man mache ihr den Prozess. Der virulentere Skandal ist der des Rechts-Terrors NSU, dessen kriminelles Milieu anschlussfähig scheint zur rechtsextremen Szene, die eine reaktionäre bis faschistische Alimentation erfährt. Hier steht die AfD zu Recht unter politischem Beweiszwang, und zwar mit umgekehrter Beweislast. Das ist aber ein zu ernstes Thema, als dass man es episodisch abhandeln sollte.
An der Bochumer Mensa hatte damals jemand den Spruch übersprüht; er las sich dann korrigiert als „Sieg im Volkstanz!“ Die Geschichte wiederholt sich, erst als Tragödie, dann als Farce (Marx zu Hegel, wenn ich das recht erinnere).
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KALENDERSPRÜCHE.
Den heutigen Tag gibt es nur alle vier Jahre, lerne ich: wir haben ein Schaltjahr. Man könnte den geschenkten Tag zum Anlass nehmen, ihn einer besonderen Verwendung zuzuführen. Wird nicht passieren, wir lassen unsere Tage wie die Körner der Sanduhr verrinnen.
Der kalkulatorische Mangel ist auf den Erfinder unseres Kalenders, den Römer Julius Cäsar, zurückzuführen und seine Orientierung an der Sonne. Wären wir Morgenländner würden wir uns am Mond orientieren. Immer ist es wohl der Rhythmus von Tag und Nacht; beides nicht zu trennen. Warum schlafen wir?
Am liebsten ist mir die Sonnenuhr. Über den Stock in deren Mitte, den Gnomon, habe ich mal einen Vortrag in Österreich gehalten, der mir eine Gastprofessur in Krems bescherte. Es ging eigentlich um den Sinnspruch: „Mach es wie die Sonnenuhr / Zähl die heiteren Stunden nur.“ So ist nämlich das Wahrheitsprinzip der PR, die selektive Wahrnehmung.
Und was ruft uns dieser Gnomon heute zu? Er ist frech und sagt: „Euch beherrscht der Schatten / Mich das Licht!“ Das gefällt mir. In diesem Sinne.
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SO WIRD DAS NIX.
Als ich noch bei ARAL war, gab es den Spruch: „DIE SHELL MACHT KEINE FEHLER.“ Man hatte im Binnenwettbewerb innerhalb des Tankstellengeschäfts als BLAUER einen gewissen Respekt vor den GELBEN. Klammheimlich lag auch noch ein Argusauge auf der JET, die eine aggressive Preispolitik machte. Ob die Verachtung gegenüber den ROTEN, sprich der ESSO, berechtigt war, lasse ich mal offen.
Was für den Laden insgesamt galt, galt auch für die Pressepolitik. Bei den GELBEN war mein Kollege der legendäre JOHANSSEN, der leider viel zu früh verstorben ist (und dessen Witwe Uli Mayer ich kürzlich traf und herzlich gegrüßt wissen möchte). KLAUS-PETER war jedenfalls ein Leuchtturm. Ich habe nicht alles geteilt, was er so anstellte, aber wen traf ich auf Pressebällen morgens um eins an der Bar? Genau. Man achtete sich. Der von den ROTEN war ein Pinsel.
Regel: Wähle Dir in Deiner Branche einen „relevanten Wettbewerber“ und lerne von ihm. Macht er irgendetwas anders als Du, nimm zunächst an, dass er (!) Recht hat. Und nicht Du. So entsteht Exzellenz.
Darf ich die Herrschaften, die Ladestationen für Batterie-Autos unter freiem Himmel in den schmutzigsten Teil abgerockter Industrieflächen stellen und als öffentlichen Toiletten für Fernfahrer so zugemüllt stehen lassen, dass die Flucht zu McDoof oder WürgerKing noch attraktiv erscheint, fragen, wo genau sie sich das abgeschaut haben?
Warum treiben die Gesellschaften, die das hundert Jahre machen, einen Aufwand, den Du Dir als genialer Stromversorger glatt sparen kannst? Weil nach Deinem Bauchgefühl, nur einer keine Fehler macht: Du selbst. Na, und Elon Tesla. Ihr zwei beide. So wird das nix.
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NACHRUHM.
Kaum hat er das Zeitliche gesegnet, der sterbenskranke Papst, da folgen sie von vielen Zungen, die NACHRUFE. Ich bemerke eine doppelte Ambition. Einerseits will jeder möglichst schnell dabei sein; als käme es angesichts der Ewigkeit des Todes darauf an. Auch Altkanzlerin Merkel läuft mit ihrer Bewertung auf dem Nachrichtenband im News TV. Man kann sich fragen, was denn eine protestantische Pfarrerstochter aus dem Osten hier zu vermelden hat. Aber sie liefert prompt eine Würdigung.
Das zweite, nach diesem Hasenrennen der Kommentatoren, ist ein eigenartig bitterer Ton in den Nekrologen. Nichts, was intellektuell schiene oder gar pompös. Bei allen Stimmen schwingt mit, sagen wir es offen, dass der dicke Argentinier eigentlich zu dumm für Papst war. Deshalb wird ihm Barmherzigkeit bescheinigt und ein Menschenfreund gewesen zu sein. Man kennt solche Töne aus der Sonderpädagogik. Diese mangelnde Statur wird sowohl im Theologisch-Systematischen bemerkt wie auch in der Führungsbrillanz einer Weltkirche.
Sagen wir es offen: Es drückt das Vorbild des noch lebenden Vorgängers, den sie den Bücher-Ratz nannten (weil sein Bruder der Orgel-Ratz war). Überhaupt ein großer Gläubiger, weil er den fast häretischen Mut hatte, dem Herrgott zu kündigen, bevor dieser ihn durch Tod ablöste. „Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“ Soviel Demut ist ein ganz eigener Stolz.
Ich bin religiös unmusikalisch und will dem geschiedenen Papst nichts oder seinen Gläubigen; aber die Nekrologe faszinieren mich, weil sie auf so einem steilen Grad wandeln zwischen Mitgefühl und Schönfärberei. Man will ja nichts sagen, aber direkt lügen, das möchte man auch nicht. Das ist der Hochseilakt, den PR als Fach ausmacht. Und ich hätte gerade deshalb den Wunsch, dass man bei meinem Tod bitte die Klappe hält. Der Einzige, der da was Angemessenes vortragen könnte, der lebt ja dann nicht mehr.
Jetzt noch mal zu Mutti. Wir zahlen der Altkanzlerin in Berlin ein Büro mit neun Mitarbeiterinnen, obwohl sie kein Amt mehr hat. Und haben genau dies Altkanzler Schröder aus politischer Missgunst gestrichen. Muttis Sohnemann Friedrich ist ja noch nicht bestallt, aber diese Peinlichkeit könnte er als erste Amtshandlung korrigieren. Oder die neue Parlamentspräsidentin? Das würde mir gefallen. Von anderen Kabinettsmitgliedern der neuen Bundesregierung erwarte ich diese Größe nicht. Auch bitter.