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Lese eine Historie der PEST & CHOLERA in Europa. Man wähnte die Seuchen aus Asien eingeschleppt, weshalb Reisende in Quarantäne kamen, 40 Tage. Hier ist der Nexus der Pässe; sie waren Gesundheitszeugnisse. Überhaupt war die Eindämmung ein paramilitärisches Unterfangen der Staaten. Mit aller Härte, sicher auch mit böser Ungerechtigkeit gegen jene, die in schlechten Lagen leben mussten. Zur epidemiologischen Frage kam die soziale. Insbesondere im calvinistischen Hamburg.

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Die Vorgeschichte der USA als SKLAVENHALTER-Gesellschaft wirkt bis heute nach. „All men are created equal, well...“ Man darf nicht vergessen, dass die Menschenrechte der Verfassung von 1776 erst 1863 Zug um Zug auch für die dann ehemaligen Sklaven galten. Die WESTMINSTER-Demokratie hatte in England frühe Unterstützer, deren Wohlstand auch eine Vorgeschichte hatte, die eben nicht nur mit Tee und Seide gehandelt hatten. Auch die attischen Ur-Demokratien waren ökonomisch auf Sklaverei gebaut. Das Privileg, ein freier Bürger Roms zu sein, galt für eben jene Elite. Man muss zur ideengeschichtlichen Frage immer auch die soziale stellen. Marx für Anfänger, aus der Mode gekommen.

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UNGLEICHZEITIGKEIT.

Begriff bei Ernst Bloch, wenn ich das recht erinnere. Weil die Menschen eben doch nicht „aus der Geschichte lernen“. Meint: den Lehren der Historiker folgen. Der zaghafte Versuch, gegen die Vorstellung einer zwangsläufigen Geschichte (Historie) anzuargumentieren. Eigentlich der Versuch das Geschehende trotz der Vorstellung einer Geschichte (Hegel, Marx) noch verstehen zu können. Es gibt wenig Fortschritt. Viele alte Bekannte. Untote, Wiedergänger. Gerade fordert eine Politikerin in Berlin (Regierungspartei Die Linke) „staatliche Kaufhäuser“, weil ja die Versorgung mit individuellen Konsumgütern nun wirklich eine echte Stärke der DDR war.

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AUF GEPACKTEN KOFFERN.

Bei einem Lunch im Alten Hafenamt der Freien und Hansestadt Hamburg atme ich den Geist einer vergangenen Welt, jedenfalls wenn Handel und Wandel heutzutage zu dem verkommen sind, was der Immobilienbetreiber Donald Trump einen Deal nennt. Der Hanseat stand für Treu und Glauben, der Neureiche prahlt mit Lug und Trug.

Selbst die Kriminellen ihrer Zeit, die freibeuterischen Piraten, hielten auf ihre Ehre; der Likedeeler war ein „Gleichteiler“. Mein Namensvetter Störtebeker („stürz den Becher“) wurde zwar enthauptet, aber doch nicht der Betrügerei bezichtigt. Man haute sich den Schädel ab, aber nicht über‘s Ohr. Das Wort eines Mannes (einer freien Frau allemal) galt, auch unter den Viktualienbrüdern. Pacta servanda: Verträge hält man ein.

Die Trumpschen Deals mögen Weltgeschichte schreiben, aber der Ruch der Übervorteilung, die Fama der Skrupellosigkeit, das Großmäulige und Großkotzige, all das kann kein Vertrauen bilden. Der Krebs des Bescheißens als Maxime wuchert. Kein kategorischer Imperativ. Aber braucht es so etwas überhaupt, wo schlanke Übermacht reicht? Trump fährt den Kapitalismus, wie Marx & Lenin ihn erklärt haben, wenig Raum für die Buddenbrooks und Kühnes. Elon Musk baut keine Opernhäuser auf dem Mars.

Ich bin kein Romantiker der Macht, habe aber studiert, was Rom groß gemacht oder Konstantinopel. Die Hanse, das war nicht nur Handel, sondern eben auch Aufklärung. Wenn die Welt in Reiche zerfällt, würde ich gern zu einer Kulturnation gehören. Insofern sitzt man immer, Kant im Gepäck, auf gepackten Koffern.