Logbuch

Es regnet. WASSER. Endlich.

Auch wenn Gardena das nicht so gerne sieht, dann braucht der Garten heute keinen Schlauch. Mein Freund Udo, der Motorräder repariert, sagt: “Benzinmangel wird es nicht geben, aber Wasser, das wird knapp.“ Er hat Recht, man frage die Bauern und Förster. Noch knapper ist Sand. Nicht das vulgäre Zeug aus Sylt oder den Wüsten, das die Gezeiten und der Wind schon rund gerollt haben. Das ist wirklich unnütz. Sansibar Deko, sonst nichts. Kristalliner Sand, der sich zu Betonherstellung eignet. In Indien werden ganze Flussufer ruiniert, um diesen wirklichen Sand dann per Schiff in die Wüsten des Vorderen Orients zu bringen, wo sich die Ölscheichs damit Paläste bauen. Wasser und Sand. Ich hätte da eine Idee, wenn North Stream 2 nicht mit russischem Gas befüllt werden darf, weil wir amerikanisches Gas aus deren Cracking kaufen müssen. Was tun mit den Rohren? Wasser und Sand aus Sibirien.

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Auch die großen Dinge scheitern an den kleinen. Nicolo Machiavelli war ein PR-Berater in einer etwas lauen Auftragslage, der seinen künftigen Mandanten beeindrucken wollte. Akquise, das Martyrium aller Berater. Er hatte als Präsi ein veritables Büchlein ersonnen, das er Lorenzo de Medici übergab, in dessen Diensten er sich durchaus sehen konnte. Keine kleine Anstrengung. Das Werk „Il Príncipe“ von 1532 kam posthum zu einigem Ruhm; die katholische Kirche setze es über Jahrhunderte auf die Giftliste der Verbotenen Bücher. Marx und Gramci liebten es, aber auch Mussolini und Berlusconi. Historisch liest ein jeder hinein , was ihm wichtig scheint. Überhaupt zitieren es bis heute intrigante Geister, darunter giftige Gnome, auf der Suche nach Sottisen. Dass die Bettlektüre der Bonapartisten ein wichtiges Werk der Aufklärung ist, weiß die Wissenschaft. Was aber passierte, als Machiavelli damit im Palazzo von Lorenzo de Medici aufschlägt und es präsentiert? Und damit sich als kühnsten Denker der Moderne vorstellen will? Dem Fürsten war gerade ein ganz süßes Paar Schoßhündchen geschenkt worden. Und er war so beglückt über die Wauwaus, dass er Machiavelli nicht zuhörte. Der zog sich tief frustriert aufs Land zurück. Erst der Nachruhm sollte ihm gerecht werden. Die großen Dinge, die an den kleinen scheitern. Vielleicht hätte er „Leckerli“ mit in den Termin nehmen sollen.

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Muttersöhnchen.

Ohne Mutti leben. Furcht oder Hoffnung? Was macht einen Menschen erwachsen? Wenn man die Verantwortung für sein Leben selbst tragen darf. Oder eben tragen muss. Wenn man seine Füße nicht mehr unter einen Tisch stellt, sondern den Eltern Lebwohl sagt, um eigene Wege zu gehen. Viele Herabwachsende wollen das, viele schon bevor sie rechtlich gesehen volljährig sind. Andere schaffen kein eigenes Leben und hausen in Hotel Mutti, bis diese das Zeitliche segnet. Das sind glückliche und nicht so gelungene Lebensläufe von einzelnen Menschenskindern. Was aber macht ein ganzes Volk erwachsen? Gilt mit der nächsten Bundestagswahl auch für die Bevölkerung dieses Landes die Frage: Ohne Mutti leben? Und was verbindet sich damit? Furcht oder Hoffnung? Merkel selbst hat die Ablösung von Kohl seinerzeit so begründet: Ab jetzt ohne Papa leben. Und sich dann als Mutter der Nation angeboten. Das ist ja die Raute vor dem Unterbauch, die zu ihrem selbstverständlichen Symbol geworden ist, eine Vulva als Schutzversprechen. Mutti. Mutti ist da und kümmert sich. An dem männlichen Pendant in der Welt der Körpersprache, dem Mittelfinger des digitus impudus, ist schon Steinbrück gescheitert. Wollte keiner. Gilt als unschicklich. Dieses Volk will das Matriarchat. Niemand, der bei Verstand ist, stellt dieses Charisma von Merkel in Frage. Die Belesenen unter uns wissen, was der Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud hierzu unter Entlehnung aus der altgriechischen Mythologie geschrieben hat. Wer also die Sache mit dem Ödipus-Komplex kennt, weiß in welch verzweifelter Lage der deutsche Jüngling bei der nächsten Wahl ist. Eine tragische Falle: Man kann nicht, wie bei Ödipus, den Vater erschlagen und die Mutter heiraten. An dieser tragischen Ausweglosigkeit ist ja schon der juvenile Christian Lindner gescheitert. Die SPD hätte eine Chance, böte sie eine Antigone.

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GESTAPO.

Die Geheime Staatspolizei, kurz GESTAPO, gehört zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte. Hier wurde staatliche Gewalt direkt in die Hände der marodierenden Faschisten gegeben, die sie zum Terror und Völkermord missbrauchten. Es schmerzt mich, wenn rechtspopulistische Propaganda aus den USA nunmehr behauptet, solche Zustände gäbe es wieder in meinem Vaterland.

Denn das stimmt nicht; ist aber als polemischer Vorwurf offenkundig trotzdem möglich. Genannt wird dabei immer wieder ein Fall, in dem eine Weitergabe der Karikatur des grünen Wirtschaftsministers nach einer Werbung für Frisörbedarf zu einer Hausdurchsuchung bei dem spottenden Bürger führte und der Beschlagnahmung seines PC. Der betroffene grüne Politiker soll hunderte von derartigen Anzeigen gestellt haben. Wir haben inzwischen eine internationale Propaganda gegen deutsche Innenpolitik als polizeistaatlich.

Ich würde das gerne entschiedener zurückweisen, weil ich kein Parteigänger der Neuen Rechten bin, auch nicht, wenn sie in den USA Regierungsämter besetzt, in die sie mittlerweile legitim gewählt worden ist. Erneut sage ich dem amerikanischen Freund: „Ich bin nicht überzeugt!“ Und es gilt das Brecht-Wort: Jeder möge sich um seine Schande kümmern; ich kümmere mich um meine.

Ich verstehe im Grünen Universum einen Grundwiderspruch nicht. Zum einen ist man DIVERS und dem Leben in all seinen Ausprägungen positiv zugewandt. Ich teile eine offene Haltung zu kultureller Vielfalt. Zum anderen ist man ideologisch RIGOROS. Bei den grünen Tabu-Themen wird keine abweichende Meinung toleriert; man ist bei Kritik sofort tief beleidigt und wird sehr fanatisch. Weltoffen und engherzig, wie passt das zusammen? Freizügig und illiberal, das geht? Wer die falschen Witze macht, den besucht die Polizei. Ernsthaft?

Wenn doch nur Preußen wieder ein Vorbild wäre, weil jeder nach seiner Façon selig werden kann. Ein Vorbild für die freien Völker. Das ist so? Echt? Dann ist alles gut und ich schalte die Propaganda ab. Oder ich gucke einfach einen anderen Weg. Das erlauben sie ja noch, die neuen Rechten.