Logbuch

WER SITZT AM STEUER?

Man könnte es in 50 Stunden hinkriegen, wenn man durchführe. Bei kommoderen Tagestouren geht es in einer guten Woche. Wir sprechen von dem 4500 km zwischen Atlantik und Pazifik, einmal mitten durch Amerika. Das ist die Tour „coast to coast“, die man mit Benzinkutschen ablegen kann, wenn man sieben, acht Mal an die Pumpe möchte. Mit meinem Diesel reichten 5 Tankaufenthalte. Das wäre aber unmodern.

Meinem italienischen Freund in Wolfsburg scheint das keine unüberbrückbare Distanz; er lächelt mich an. „Das ist eine Mal Palermo und zurück!“ Nun gut, die Gewalttouren der Gastarbeiter in ihre ursprüngliche Heimat sind ein anderes Thema. Zudem habe ich einen Verdacht bei den Einkaufstouren der Pizzeria in Niedersachsen nach Sizilien wegen der besonders leckeren Tomaten, dem ich hier nicht nachgehen möchte. Wir reden also nicht von bolivianischem Marschierpulver, wenn wir über Elon Musk und sein Batterie-Auto namens Tesla reden; diesmal nicht.

Das batteriebetriebene Gefährt wird beworben, indem seiner Steuerungstechnik bescheinigt wird, dass die Karre „autonom“ fahren könne, sprich ohne Eingreifen des Fahrers selbständig zu ihrem Ziel finde. Gemeint ist „automatisch“, was nicht das Gleiche ist; aber geschenkt. Ein jüngstes Experiment mit dem „self driving coast to coast“ endete nach 90 von den 4500 km im Crash. Keine Schadenfreude meinerseits. Mir war seit dem ersten Versprechen des Tesla-Eigners 2018 klar, dass wir über einen Marketing-Mythos reden.

Ich habe von dem rennbegeisterten Ferdinand Piëch gelernt, dass ein skrupelloser Fahrer mehr zum Sieg beitrage als ein perfektes Fahrzeug. Aber es geht mir nicht um die Mentalität der Racer, obwohl dazu einiges zu sagen wäre. Wie zu den Tomatenlieferungen. Es geht mir um ein Grundgesetz der Kybernetik. Das ist die Wissenschaft von den Steuerungsmaschinen, den Daten-Automaten. Ich hab das studiert.

Die Selbstregulierung stößt an eine natürliche Grenze, wenn der zu steuernde Vorgang zu komplex wird. Irgendwann ist die Steuerung nicht mehr durch eine Erhöhung der Regler zu verbessern, sondern nur noch durch die Entkomplizierung der Regelstrecke. Die Erhöhung der Regelleistung ist nur bis zu einem gewissen Punkt dem Regelerfolg förderlich; dieser mag sich mit jeder Generation von Rechnern erhöhen, aber er ist endlich; der Prozess kippt irgendwann um und endet automatisch und zunehmend im Chaos.

Praktischer? Mehr Computer ist nicht die Lösung, sondern das Problem. Noch praktischer? Wenn der Rechner so groß ist, dass die Karre autonom von Küste zu Küste fahren kann, ist kein Platz mehr für Passagiere. Außer der Rechner wäre gar nicht in meinem Auto, sondern in Elons Zentrale. Und diese Art von Autonomie möchte ich nicht.

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WATT IS NE DAMPF MASCHIEN?

Ein dunkler Raum mit zwei Löcher. Kennen wir aus der Feuerzangenbowle. Was ist eine Daten-Maschine? Da wird das Eis dünner. Das weiß nicht jeder. Es ist so wie früher bei den Zeitungen auf Papier; auch wer nicht wusste, wie man darin schreibt, konnte anderntags noch den Fisch darin einwickeln. Heute erfahren wir Neuigkeiten aus dem Smart-Phone, einem kleinen Scheißding, das unser Weltzugang geworden ist. Leider hat das Biest aber Algorithmen. Und KI, künstlichere Intelligenz. Das gefällt nicht jedem.

Ja, der Algorithmus, bei dem ein jeder mitmuss. Und die KI, mysteriös wie nie. Ich sitze in einem kreuznetten Kreis von Nachbarn und diskutiere mit einem hochgestellten Politiker über die Sozialen. Meine banale These: Was mal die Hinterzimmer von Kneipen waren, nämlich die kleinste und naheste Form von Öffentlichkeit, das findet sich für die junge Generation in den Social Media des Internets. Aber es kommt eben nicht jeder rein. Früher in die Kneipe, jetzt in das Netz.

Darauf reagieren die ANALOGEN wie immer mit Empörung. Natürlich sei man auf den Sozialen. Aber wie! Es erinnert mich an die Frage meiner frühsten Jugend danach, ob jemand schon Telefon habe; gemeint war ein Festnetzanschluss der Post. Oder ob man zu Hause schon Farbfernsehen besitze. Diese beiden übrigens die letzten Technologien, deren Einführung die SPD uneingeschränkt begrüßt hat. Heutzutage haben alle Internetz, die Bürgersteige werden gerade aufgegraben für Glasphaser, die nächste Phase.

Zeitgleich berichtet über lokale Ereignisse noch ein Druckerzeugnis, das sich allerdings keine Redaktion mehr leisten kann und deshalb die Erlebniserzählungen der lokalen Matadore eins zu eins ins #Blatt hebt. Blättchen, so nennt man das am Ort; zu recht in Verkleinerungsform. Wir sind Zeitzeugen einer epochalen Ungleichzeitigkeit gänzlich unterschiedlicher Techniken. Ich sage es mal so: Im Kulturellen ist das Verbrennerverbot noch nicht angekommen.

Der politische Grande führt aus, dass das Internetz nicht demokratie-geeignet sei, weil die Sozialen amerikanischen Milliardären gehörten, die darin Algorithmen & KI installiert hätten, mittels derer verdeckt Wahlen manipuliert würden. Es gebe sogar Hass & Propaganda. Er setzt große Hoffnungen auf den Digital Services Act der EU. Es erklingt der Ruf nach dem starken Staat, der Urimpuls aller Sozis, wenn etwas nach der Willkür des Marktes riecht. Algorithmen also. Teufelszeug. Man weiß im Alltagswissen älterer Menschen auch nicht annähernd, was die DIGITALEN umtreibt. Unsere Gesellschaft ist kulturell gespalten. Die Zahl der neuen Analphabeten ist groß.

Die KYBERNETISCHE WENDE findet statt, ist aber intellektuell nicht verdaut. Wir nutzen inzwischen alles, was wir noch begreifen; aber eben auch nicht mehr müssen, weil der Mangel an natürlicher Intelligenz ja ausgeglichen wird durch die künstliche. Aber ganze Milieus sind mittlerweile Altersheime des Analogen. Die Klugen unter den politischen Köpfen wissen das und begehren auf. Ich rechne über kurz oder lang mit der Forderung nach einem Algorithmus-Verbot. 

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WÜRDE JESUS DIE AfD WÄHLEN?

Dies ist eine sehr amerikanische Frage: „What would Jesus do?“ Und Joe wie Jill meinen das ernst; sie tragen Armbändchen mit dem Code WWJD. Sie suchen nach einer moralischen Orientierung. Diese ureigenste Naivität der Amis lässt uns immer wieder erstaunen. Es folgen dann oft bizarre Bibelzitate, wild aus jedem Zusammenhang gerissen; und aus dem Neuen wie dem Alten Testament. Jüngst der Verweis auf Levitikus (3. Buch Mose), wo vermeintlich gefordert wird, homosexuelle Männer zu steinigen. Dazu habe ich als Christ eine ganz und gar klare Meinung.

Amerika und das Christentum, ein erstaunliches Thema voller Verkennungen. Beginnen wir mit dem amtierenden Papst, ein Ami, der fließend Spanisch und Italienisch spricht, aber eben auch amerikanischer Zunge ist. Die katholische Welt ist schock-verzückt: ein ganz und gar moderner Mann! Welch ein Irrtum. Ich höre von meinen Confidenten im Vatikan, dass er schon begonnen hat, Reformen zurückzudrehen. Ich habe es gleich gesagt: Der Mann ist Franziskaner; die betreiben keine Reformation.  

Jetzt die Reaktion auf die infame Ermordung des Propagandisten Charlie Kirk. Es hebt in den multikulturellen USA eine christlich argumentierende Rechte ihr Haupt, die sich bei MAGA zu Hause weiß: „Make Amerika Great Again“. Gemeint ist ein nostalgischer Nationalismus vornehmlich evangelikaler Weißer. Man hat das auf einem deutschen Kirchentag noch nicht gehört, den Ruf nach Belebung von Großdeutschland, weil hierzulande noch das links-grüne Paradigma herrscht. In den USA aber sammelt sich eine reaktionäre Rechte mit Bezug auf den Protestantismus. Man macht rechte Politik mit der Bibel in der Hand. Jesus wählt Trump.

Man darf nicht vergessen, wer die Pilgrim Fathers der Neuen Welt waren; die Wurzeln dieser Sekten sind tief. Und man ist theologisch freizügig, wenn es der politischen Sache dient. Ich höre den Vizepräsidenten loben, wie oft er im Zusammenhang mit Charlie Kirk über Jesus gesprochen habe. Der Mann ist zum Katholizismus konvertiert und mit einer gebürtigen Inderin verheiratet. Rom fördert eigentlich keine Laienexegese.

Zu unserer Gretchenfrage: Wie hält es die AfD mit der Religion? Klare Antwort: völlig egal. Das einzige, was mich an der AfD interessiert, sind ihre Wähler, meine Nachbarn und Landsleute. Deren Motive kümmern mich. Darüber rede ich mit jedem und überall. Keine Brandmauern, keine Tabus. „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

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UNTERHAKEN.  

Wir sollen uns also unterhaken und unseren Anführer zum Jagen tragen. Fassungslos lausche ich der Eunuchenrede des SPD-Vorsitzenden. Eine ehrliche Haut, ja, aber vielleicht auch ein Trottel? Gegen die Chiffren-Kasperei des roten Kanzlers wirken alle seine Konkurrenten inspiriert. Der Märchenonkel des Grünen, der stocksteife Notar aus Brilon, das braune Perlhuhn und der liberale Schaumschläger. Die SPD vergeht derweil vor Sehnsucht nach Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerd Schröder. Sie ist inhaltlich wie personell führungslos. „Nur wer selbst begeistert ist, kann auch andere begeistern.“ Wer erinnert das noch?

Dies ist politisch gesehen ein guter Wahlkampf, insofern große Geschütze aufgefahren werden. Ich zeige es mal am Strom. Die einen haben die Kernkraft geschliffen, die anderen werden alle Windmühlen als Schandmale abreißen. Erdgas ist Heilsbringer, wenn norwegisch oder amerikanisch gefrackt; des Teufels, wenn aus Sibirien. Alle Fossilen sind untergangsgeweiht; es helfen nur Batterieautos und Akku-Raketen zum Mars. Rampe in Grönland. Remigration der Dänen an den Kleinen Belt. Anything goes.

Ich wurde als Montaner so sozialisiert, dass Importabhängigkeit immer ein nationales Problem und Öl den Scheich reich macht; dass man beim Gas bewusst alle Produzenten in einer Balance hält, alle heimischen Energien maximal gefördert werden und eine verstaatlichte Kernwirtschaft die nötige Grundlast fährt. Siehe Frankreich. Hat auch nicht geklappt, will ich einräumen. Und was ich gedacht habe, als dann Elon Musk hierzulande wegen TESLA der Hof gemacht wurde, das sage ich nicht.

Jetzt also unterhaken und den zahnlosen Scholz über die Ziellinie schleppen. Na gut. Und dann macht er eine Ampel, will aber diesmal früher auf den Tisch hauen, wenn sich einer der Partner einem Verfassungsbruch widersetzt, sagt er. Ich fürchte, das wird so ausgehen, dass diese neue Ampel eher die Farben schwarz, grün, gelb zeigt und Fritze nach drei Jahren da ist, wo auch Olaf die Luft ausging. Oder eben GROKO mit Fritze als Chef und Olaf als Pudel. Dann fällt die Schuldenbremse und wir prosperieren passim passabel auf Pump.

Wie gut, dass man auch eine Depression auf Kasse behandeln lassen kann. Habe ich doch Gesundheitskarte! Dann singen wir bald in der Klapse miteinander: „You never walk allone.“ Untergehakt.