Logbuch

SPIEGLEIN AN DER WAND.

Leider kann ich heute kein Klartext schreiben, weil sonst die Automaten der Aufklärung im Reich der Mitte anspringen. Es geht um einen Angehörigen jenes Berufsstandes, dessen Sekretärin Moneypenny heißt, Sie verstehen schon, aber eben aus der großen Nation, wo man mit Stäbchen isst. Alles klar? Er heißt so wie der Räuber HOOD vorne und Z&@ang hinten.

Die TIMES meldet, dass der Vorgenannte unter zahlreichen Pseudonymen die Plattform „LinkedIn“ bevölkert, um seinen Erkundungen und Erkundigungen (pun intended) nachzugehen. Es wird Auskunftsbereiten Money geboten und zwar mehr als ein Penny (pun…). Ich will mit dieser Welt der Schlapphüte nichts zu tun haben, obwohl ich auch auf der Plattform bin. Nicht meine Welt, 007.

Aber eines interessiert mich doch: Was zum Teufel kann man auf „LinkedIn“ an Vertraulichem erfahren? Das ist der Ort unverhohlener Prahlerei mit den aller albernsten Eitelkeiten. Dachte ich bisher. Man scheint da im Reich des Großen Vorsitzenden, der den großen Fluss durchschwamm und tausend Blumen blühen ließ, schlauer zu sein. Und sich noch schlauer zu machen. Seidenstraße im Internet.

Experiment: Wir wollen das Betriebsgeheimnis der Deutschen Bahn erkunden und vernetzen uns dieserhalb mit der Vorstandsvorsitzenden Frau Doktor Sigrid Evelyn N. auf LinkedIn. Kürzlich barfuß in Cargo-Latschen zu sehen. Machen wir mal. Was genau erfahren wir jetzt über die Bahn und deren betriebliche Wirklichkeit? Ha! „Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Und das interessiert den Chinamann?

Logbuch

LEERE HÜLLEN.

Wir sehen die Rechte erstarken: Freche Faschisten melden sich wieder zu Wort. Das wundert mich nicht. Ich staune dagegen über die Implosion der LINKEN. Was mal SPD war und was LINKS-Partei, das ganze Spektrum links der Mitte, marginalisiert sich. Wie eine Kirche ohne Pfingsten.

Ich sehe die Köpfe der LINKS-Partei, die verbliebenen, und erinnere ihre Geschichten. Die Elite der DDR, die sich aus der SED rübergerettet hat, meist mit der Lebenslüge, zwar im System gewesen zu sein, nicht aber für die STASI gearbeitet zu haben. Dann die ewigen TROTZKISTEN, die im Westen wirkten. Dann die Freunde des Lafontaine aus der IG Metall und anderen Gewerkschaften. Neuerdings auch aufgestellt: Heldinnen des Grünen, kokett anzusehen. Oder die Dame, die wie Cassius Clay heißt, die ich nicht zuzuordnen weiß. Ein bunter Haufen ohne Agenda, eine Partei ohne Programm, verlorene Verlierer. Und die Kommunistin Sahra Wagenknecht als Josefs späte Rache.

Das Christentum entsteht nicht an Weihnachten oder zu Ostern, sondern an Pfingsten; nämlich erst in dem Moment, in dem der HEILIGE GEIST über sie kommt. Der Glaube ist es, Du Depp! Die LINKE ist von jedwedem GEIST verlassen; jedenfalls einem gemeinsamen. Die Partei eine leere Hülle. So was fällt einfach in sich zusammen. Plopp. Nun sehe ich den Vorsitzenden der wirklichen Volkspartei SPD im TV-Interview vor den Heidschnucken-Idyll seiner Heimat. Nett, glatt, nicht ungeschickt. Seine Mission besteht darin, den Kanzler zu stellen, sagt er. Mehr hat er nicht.

Ich höre einem SPD-Vorsitzenden zu und er sagt schlicht nichts. Nicht ein politischer BEGRIFF, nicht eine inhaltliche KATEGORIE, frei von jeder historischen PERSPEKTIVE. Ich bin wirklich verstört. Er verbittet sich Ratschläge seiner Altvorderen, insbesondere die Sigmar Gabriels. Ich erinnere mich, wie ich vor Jahren mit dem in Goslar frühstückte und wir über seinen Buchplan sprachen. Geplanter Titel: „Was ist links?“ Ich vermute, nie erschienen. War Gabriel so leer wie Klingbeil? Jetzt jedenfalls ist die SPD im Heidschnucken-Modus.

Plötzlich verstehe ich, was PFINGSTEN bedeutet. Ohne Glaube keine Kirche. Wenn kein GEIST über die Jünger kommt, sind sie einfach ein Haufen eifersüchtiger Trottel, der Vereinsmeierei erlegen.

Logbuch

AUGSTEIN.

Zwischen dem SPIEGEL und dem Berliner Kleinverlag THE PIONEER der Edelfeder GABOR STEINGART gibt es einen hysterischen Abtausch von eifersüchtigen Kritiken, bei denen nun der Kapitän des PR-Pioniers für sich die Vaterschaft des RUDOLF AUGSTEIN einfordert. Das ist der SPIEGEL-Gründer, zu dessen Kind er sich nun stilisiert.

Anderen Kindern deren Väter streitig zu machen, das gälte im Familiären als unfein. Hier geht es aber um eine Frage des STANDES und der ZUNFT. Wo ist der Hort wirklichen Journalismus? Der beim SPIEGEL wie dem HANDELSBLATT gescheiterte STEINGART sähe das gerne bei sich. AUGSTEIN ist sein Sehnsuchtsvater; das reklamiert er ausdrücklich. Das ist von einer Übergriffigkeit, die mir den Atem verschlägt.

Ich habe RUDOLF AUGSTEIN noch erleben dürfen; stockbesoffen und gut gelaunt im Chilehaus, als noch STEFAN AUST sein Ziehsohn war. Den rufe ich gleich mal an; ich habe noch ein wichtiges Thema mit ihm aus den alten Zeiten. Schon jetzt ist klar, dass ich nicht zitieren werde, was er zu der Buhlvaterschaft des ehrpusseligen Musikdampferkapitäns sagen wird. Wir können uns auf unsere Diskretion verlassen. Nur soviel: Ich habe Zweifel, dass mir der damalige Ziehsohn bei der Beurteilung des heutigen Buhlsohnes widersprechen wird. Meine These war ja:
„The Pioneer is PR!“

Jetzt zu AUGSTEIN. Dessen Motto „Sagen, was ist!“ spricht mir aus dem Herzen, weil Journalismus der Kampf um WIRKLICHKEIT ist. Wenn das zum Kampf um WAHRHEIT verkommt, handelt es sich um Propaganda. Immer und überall. Bei den Berliner Pionieren in der milden Form, PR genannt. Dass sich PR heutzutage des Journalismus bedient, das ist nun wirklich keine Sensation mehr. Sagen, was ist.

Logbuch

GRAVITAS.

Die Traumhochzeit des FDP-Granden auf Sylt war so makellos inszeniert, dass dagegen kein Kraut gewachsen schien. Ein deutscher Macron, der neue JFK. Jugend an die Macht. Hat aber nicht geklappt.

Wenn eine Wahl gelaufen ist, endet alles Wunschdenken. Dann ist es vorbei mit „hätte-hätte-Fahrradkette“. Mit dem parlamentarischen Ergebnis muss die künftige Regierung leben. Im Dschungel gibt es keinen Konjunktiv, hätte Kipling gesagt. Trotzdem nagt ein Konjunktiv an mir. Eigentlich hätte die FDP in Hannover im Landtag sein sollen und in einer linken Regierung des Rotgrünen das liberale Gegengewicht zu Spinnereien der Sozen und der Ökos bilden sollen. Eigentlich hätte man sich eine Ampel wünschen können. Warum nur schmiert die Truppe von Christian Lindner so ab? Nun, im Dschungel… das hatten wir schon. Das Schlüsselwort lautet „affektive Dissonanz“.

Ich kenne viele Zeitgenossen, die intellektuell ein liberales Gemüt auszeichnet, die aber mit der FDP nun stimmungsmässig gar nicht können. Sie räumen ein, dass die Freie Demokraten staatsbürgerlich von Bedeutung sein könnten, werden dann aber in ihrem Urteil bruchartig emotional: diese Bubis mögen sie nicht. Ich höre dann: „Dieser Buschmann vielleicht, aber Lindner geht gar nicht!“ Wenn überhaupt einem FDPler positiver Charakter zugebilligt wird, fallen die Namen von Altvorderen.

Sagen wir es offen: Den Bubis der Libertären fehlt es an charakterlichem Gewicht. Gebrüder Leichtfuß. Der Rhetoriker nennt, was hier so schmerzlich fehlt: GRAVITAS. Dieses Gelbe hat etwas flapsig Grelles, das die alten Menschen, die rot vertrauen, ebenso irritiert wie junge Menschen, die ihr Herz an Grünes hängen. Während der Zeitgeist neuerdings mal zu rotgrüner Musik, mal zu schwarzgrüner Weise tanzt, sitzt die FDP wie ein pickliger Teenager verloren neben der Tanzfläche und erscheint versetzt. Lieber nicht tanzen als falsch tanzen. Wie ein schwuler Pubertant in der Tanzschule der Heteros. Nicht bestellt und nicht abgeholt.