Logbuch

WASSER WELTEN.

Zur gesunden Ernährung gehört klares Wasser. Man gießt sich nicht Sirup in den Schlund, die zuckerhaltigen Limonaden, sondern reines Mineralwasser. Es tut mir leid für Coca Cola, aber meine Gesundheit ist wichtiger. Deshalb führe ich neuerdings einen Nussknacker mit mir, wo ich geh und steh.

Man kriegt die Plastikflaschen mit bloßen Händen nicht mehr auf, weil sie neue Drehverschlüsse haben, die an der Flasche befestigt sind; nennt sich „tethered caps“. Eine EU-Vorschrift, damit der Deckel zusammen mit der Flasche im Recycling landet. Wenn die Flasche dort landet. Du kriegst das Luder nicht auf und dann nicht mehr ordentlich zu. Aber dem Umweltschutz soll so laut EU gedient sein.

Den Nussknacker nutzen wir wie eine Zange. Ich habe ihn in einem Lederbeutelchen im Rucksack, in dem auch der Tauchsieder ist. Wozu? Na, zum Abkochen von Kranwasser, wenn unterwegs. Der Sprudel enthält nämlich massenhaft Mikroplastik, für das bloße Auge nicht erkennbar, aber vom Körper gesammelt. Wir trinken so auf Dauer die Flasche.

Deren Stabilität hängt, weil wenig Material im Plastik von der Kohlensäure ab, die von innen Druck verschafft. Kohlensäure, das ist der Sprudel, der aber entweicht, weil man den Deckel nicht mehr gescheit drauf kriegt. Womit aus der Flasche ein labberiger Schlauch wird, der den Rucksack vollsüfft. Ohnehin ist Leitungswasser gesünder, weil keine Mikroplastik.

Aber abkochen sollte man es. Deshalb der Reisetauchsieder. Wo kein Strom, empfiehlt sich eine Gaskartusche und ein Bunsenbrenner. Jetzt höre ich schon wieder die Mauler mit der Mäkelei, das sei zu kompliziert. Also, wenn es die Grünen unter dem Märchenonkel schaffen, eine ganze Erdgasversorgung von der Pipeline auf Kartusche umzustellen und mit den LNG-Kartuschen um die halbe Welt zu schippern, dann kann das ja für den gemeinen Handlungsreisenden nicht so ein Problem sein, oder?

Man muss halt nur wollen wollen. Und sich an Paradoxien gewöhnen. Dann versteht man die EU-Umweltpolitik auch leichter. Die „tethered caps“ gibt es auch bei Verbundkartons (eine Verklebung von Aluminium, Karton und Lack, genannt Tetrapak); da soll man den neuerdings festen Deckel aber abmachen, bevor der Wasserkarton in den Gelben Sack geht, damit beide zusammen verbrannt werden. Nennt sich „thermisches Recycling“. Bitte im gleichen gelben Sack ins Feuer! Und nicht in Sylt an den Strand den vermaledeiten Deckel.

Das empfohlene Entfernen des festverbundenen Deckel beim Wasserkarton fällt leicht mit einer Zange oder starken Schere; kommt mit in den Beutel für Nussknacker und Tauchsieder.
Geht doch! Mit ein wenig gutem Willen.

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KLOSTERLEBEN.

Aufenthalt in einem Kloster aus dem 12. Jahrhundert im Vorharz. Oberhalb der Kirche ein riesiger Saal als Veranda mit Blick in den Dom, eine Nonnenempore. So konnten die Klosterfrauen am Gottesdienst teilnehmen, ohne sich unter‘s Volk mischen zu müssen.

In mir entsteht Interesse, wie denn wohl das Binnenleben in so einem Kloster war. Unter der offiziellen Liturgie muss es ja gemenschelt haben. Das Kloster war eben nicht nur ein riesiger landwirtschaftlicher Betrieb, bis heute treibt der Laden Ackerbau, sondern auch eine eigene Welt. Mein Indiz: Sie brennen bis heute Schnaps. Da musste man nicht heimlich am Messwein nippen, man hatte richtigen Schabau.

Es gab seit Jahrhunderten also eine frühe Variante der Debatte „Teller oder Tank?“, und zwar als „Teller oder Flasche?“ Ich koste den am Ort gebrannten Doppelkorn (!) namens AURUM (Gold) und finde ihn ausdestilliert und rund. Für einen Freund der „kleinen Lage“ (Bier&Korn) geradezu ideal. Ja, ich weiß, Rentnergedeck. Trotzdem lecker, wie der Holländer sagt.

Mein Kloster ging über die Jahrhunderte zwischen den unterschiedlichen Orden hin und her. Und nach der sogenannten Reformation auch zwischen den Katholischen und Evangelischen. Was war da wohl so los in einem lutherischen Nonnenkloster mit zweihundert Damen ganz unterschiedlicher Herkunft und der Kombi aus Korn und Doppelkorn, sprich Brot und Schnaps?

Man darf sich die mittelalterliche Entscheidung, ins Kloster zu gehen, ja nicht nur als religiösen Erweckungsakt vorstellen. Unverheiratete suchten dort der Not zu entrinnen, höhere Töchter wurden in die Hierarchie geradezu hineingekauft, verfolgte Hebammen entronnen so der Hexenverbrennung. Ich bin sicher, dass der offiziellen Geschichte der Klöster tausend kleine Geschichten des Allzumenschlichen entsprechen. Innenleben mit Nonnen. Aber der kalte Stein meiner Zelle redet ja nicht.

Wenn ich Dan Brown wäre oder Umberto Eco oder der unsägliche Günther Grass (ein großer Plagiator), da würde ich jetzt die Bibliotheken durchforsten und aus alten Romanen dieses Milieus großzügig abschreiben. Ein „Bestseller“ wäre geboren. Aber dazu bin ich irgendwie nicht geschäftstüchtig genug. Es ist ein Elend mit meiner Mutter Sohn.

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APO.

Wir erleben eine Vielzahl von Demonstrationen außerparlamentarischer Art „gegen Rechts“, die rechtsextreme Ideen verwerfen. Dabei mobilisiert ein Spektrum an reaktionären bis faschistischen Ideologien, die in der AfD eine parlamentarische Vertretung finden, den Widerspruch liberaler bis linker Kreise.

Recht so, wenn man jetzt sogar einen Austritt Deutschlands aus der EU propagiert, wie es die Heroine der Reaktionären, Frau Weidel, tut. Da schwärmt jemand wieder vom Deutschen Reich. Verachtenswert.

Gleichzeitig erklären drei Verfassungsorgane, sprich der Bundeskanzler, die Bundestagspräsidentin und das Staatsoberhaupt, der Herr Bundespräsident, jeder für sich und mit Nachdruck ihre Unterstützung für diese Proteste. Der außerparlamentarische Kampf gegen Rechts findet damit staatliche Anerkennung. APO von Staatswegen?

Derweil zerlegt sich die parlamentarische Repräsentanz dieses Lagers rechts der Mitte. Die LINKS-Partei mag es noch zurecht treffen, aber auch die SPD hat ihre Wählerschaft halbiert. Die FDP bangt kurz vor der 5%-Klausel. Man sagt, dass die AMPEL aktuell keine Mehrheit mehr zur Regierungsbildung hätte. Für die Länderparlament werden der AfD gewaltige Zuwächse zugetraut.

Was habe ich nicht verstanden? Ich kriege die Bilder nicht zusammen. Die neue APO behauptet von sich, die Mehrheit zu sein. Warum zeigt sich das nicht an der Wahlurne? Sind die Proteste in Wirklichkeit PR für eine Regierung, die ihre Mehrheit verloren hat? Sag an, Frank-Walter!

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DIE ARRO-GANS

Der Fuchs hat die Gans gestohlen. Die investigativen Journalisten aus dem Haus Springer gehen gerade mächtige auf Beute bei den Öffentlich-Rechtlichen. Werden Journalisten auf journalistische Art angegriffen, reagieren sie dümmer als jeder Trottel, dem sie selbst ansonsten die Ehre abgeschnitten haben.

Zu den Empfehlungen, die PR-Leute (die guten) ihren Mandanten geben, gehört vor allem und zuerst die Warnung vor Arroganz und vor Halbwahrheiten. Beginnen wir mit der ARRO-GANS Schlesinger (pun intended). Zumindest ihrer Ungeschicklichkeit ist es zuzuschreiben, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk einigen Schaden genommen hat. Dabei sitzt sie Unternehmen vor, die mit den Zwangsbeiträgen der Zuschauer finanziert werden. Wenn ein Millionär sein eigenes Geld auf dem Balkon verbrennt, na gut. Wenn ein Treuhänder (und das ist sie) auf Kosten anderer die Sau rauslässt, nicht gut.

Nun zu den schmalen Halbwahrheiten. Man nennt das die DEMENTI-FALL. Der Fuchs jagt die ARRO-GANS in die DEMENTI-FALLE. Man soll sich, so der Stand der PR-Technik, entweder streng an die Unwahrheit halten oder die ganze Wahrheit sagen (oder die Klappe halten); von diesen grazilen Anwaltskonstruktionen (sorry) zur Selbstverteidigung ist abzuraten. Denn was bleibt bei den Leuten nach all dem Schlaumeiern hängen? Was ist der residuale Eindruck? Es gab Partys zuhause bei Patricia (lat.: die Herrin) auf Dienstkosten, damit der Sender in der Stadt bekannter wird, zum Beispiel bei der Polizeipräsidentin. Es gab irrtümlich Fußböden aus italienischer Eiche, obwohl man nur Bretter wollte. Es gab im Chefzimmer oder im Auto der Chefin (ich bin nicht sicher) Massagesessel, weil zwei Mitarbeiter des Senders Rücken haben. Und wegen der satten Pension, die jetzt verloren gehen könnte, da wird sie klagen. Wie Eis in der Sonne, es bleibt nichts.

Jetzt zu der Kombination von voller Arroganz und halber Wahrheit: Schuld an allem sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Senders. Einer Bande illoyaler Veränderungsverlierer, die ihre Chefin angeschissen haben, bei einem Springer-Blatt. Der Feind ist identifiziert, die eigene Belegschaft, und es ist gesagt, dass diese mit dem Überfeind, der Springer-Presse, kollaboriert haben. Verachtung soll das bewirken, gegen die eigene Belegschaft. Verbrannte Erde, Frau Patricia (lat.: die Herrin), vergiftetes Klima und verbrannte Erde. So geht FÜHRUNG nicht, nie, nirgendwo.